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Referendariat in Berlin: Bewerbung, Ablauf und Besonderheiten

Referendariat in Berlin: Bewerbung beim Kammergericht, 7 Klausuren, GJPA mit Brandenburg, 1.637 EUR Unterhaltsbeihilfe. Alle Infos 2026.

4 Fragen beantwortet
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf

Inhaltsüberblick

Referendariat in Berlin: Das Wichtigste im Überblick

Berlin bietet als Hauptstadt eine besondere Ausbildungssituation: Botschaften, Bundesministerien, internationale Organisationen und eine lebendige Großkanzlei-Szene stehen als Stationsgeber zur Verfügung. Mit nur 7 Klausuren im 2. Staatsexamen und einer starken Gewichtung der mündlichen Prüfung (40 %) unterscheidet sich Berlin deutlich von den meisten Bundesländern. Die Unterhaltsbeihilfe beträgt 1.637,52 EUR brutto, es gibt vier Einstellungstermine pro Jahr, und das Gemeinsame Juristische Prüfungsamt (GJPA) mit Brandenburg sorgt für eine identische Prüfungsordnung in beiden Ländern.

Bewerbung und Einstellung

Zuständig ist der Präsident des Kammergerichts Berlin, Dezernat VI, Referat für Referendarangelegenheiten (Salzburger Straße 21-25, 10825 Berlin). Die Prüfung wird vom Gemeinsamen Juristischen Prüfungsamt (GJPA) der Länder Berlin und Brandenburg organisiert.

Berlin bietet vier Einstellungstermine pro Jahr: Februar, Mai, August und November. Die Bewerbungsfrist liegt jeweils drei Monate vor dem Einstellungstermin. Für Mai 2026 ist Bewerbungsschluss am 3. März 2026, für August 2026 am 31. März 2026, für November 2026 am 30. Juni 2026.

Die Bewerbung erfolgt schriftlich per Post an den Präsidenten des Kammergerichts. Ein Online-Portal gibt es nicht.

Erforderliche Unterlagen:

  • Lebenslauf
  • Zeugnis der Ersten Juristischen Prüfung
  • Personalausweis oder Reisepass (Kopie)
  • Führungszeugnis
  • Meldebescheinigung

Seit März 2025 gilt ein neues Punktesystem für die Platzvergabe: 2 Punkte für eine Gesamtnote "gut" im 1. Examen und 2 Punkte, wenn das Examen in Berlin abgelegt wurde (Residenzqualifikation). Damit werden Berliner Absolventen stärker bevorzugt als zuvor. Bei schwächeren Noten können Wartezeiten auftreten.

Unterhaltsbeihilfe und Vergütung

Die Unterhaltsbeihilfe beträgt 1.637,52 EUR brutto (Stand: Februar 2025). Berlin verbeamtet seine Referendare nicht; es besteht ein öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis mit voller Sozialversicherungspflicht. Das Netto liegt bei ca. 1.250 bis 1.300 EUR.

Familienzuschläge: Ehebezogener Teil 150,10 EUR, kindbezogener Teil 128,39 EUR für das 1. und 2. Kind. Eine Jahressonderzahlung wird gezahlt.

Berlin ist im Vergleich zu anderen Großstädten noch relativ günstig, aber die Mieten steigen. WG-Zimmer kosten ab ca. 500 bis 600 EUR. Eine Nebentätigkeit ist empfehlenswert, um finanziell über die Runden zu kommen.

Stationen und Ablauf

Das Referendariat in Berlin dauert 25 Monate und umfasst folgende Stationen:

Berlin hat nur ein Ausbildungsgericht: das Kammergericht. Die Flexibilität ist dafür enorm: Maximal 9 Monate können außerhalb Berlins absolviert werden. In der Wahlstation stehen dir als Hauptstadt-Referendar Türen offen, die in keinem anderen Bundesland existieren: Botschaften, Bundesministerien, internationale Kanzleien und NGOs.

2. Staatsexamen in Berlin

Das 2. Staatsexamen wird vom Gemeinsamen Juristischen Prüfungsamt (GJPA) der Länder Berlin und Brandenburg organisiert. Die Prüfungsstruktur:

  • Klausuren: 7 (weniger als die meisten Bundesländer)
  • Gewichtung schriftlich: 60 %
  • Gewichtung mündlich: 40 %
  • Aktenvortrag: Ja, 16 % der Gesamtnote (höchste Gewichtung aller Bundesländer)
  • Prüfungsgespräche: 3 Gespräche zu je 8 % = 24 % der Gesamtnote

Die stärkere Gewichtung der mündlichen Prüfung (40 % statt der üblichen 30 %) und der besonders hoch gewichtete Aktenvortrag (16 %) bieten Chancen, die schriftliche Note zu verbessern. Die Durchfallquote lag 2023 bei nur 8,3 % und gehört damit zu den niedrigsten bundesweit.

Rechtsgrundlage: §§ 42, 49, 53 JAG Berlin

Berechne deine voraussichtliche Note mit unserem Notenrechner 2. Staatsexamen

Besonderheiten in Berlin

  • GJPA mit Brandenburg: Identische Prüfungsordnung und Prüfungsstruktur. Wer in Berlin oder Brandenburg das Referendariat absolviert, schreibt dieselbe Prüfung.
  • Hauptstadt-Vorteil: Kein anderes Bundesland bietet eine solche Vielfalt an Stationsgebern: Botschaften, Bundesministerien, internationale Organisationen, Bundesgerichte und eine boomende Kanzlei-Landschaft.
  • Neues Punktesystem seit 2025: Die Platzvergabe berücksichtigt jetzt stärker die lokale Anbindung an Berlin.
  • Großkanzlei-Hochburg: Berlin hat sich zu einem der wichtigsten Kanzleistandorte Deutschlands entwickelt, mit zahlreichen Nebentätigkeitsmöglichkeiten.
  • Niedrige Durchfallquote: Mit 8,3 % gehört Berlin zu den Bundesländern mit den besten Bestehensquoten.

Erfahrungen und Tipps

Wahlstation nutzen: Berlin ist einer der besten Orte für die Wahlstation, selbst wenn du dein Referendariat in einem anderen Bundesland machst. Als Berliner Referendar hast du den Heimvorteil und kürzere Wege zu den Stationsgebern.

Nebentätigkeit: Die vielen Großkanzleien in Berlin bieten gute Möglichkeiten als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Das Zusatzeinkommen ist bei den Berliner Mieten fast unverzichtbar.

AG-Qualität: Die AGs am Kammergericht haben durchschnittliche Qualität. Kompensiere das durch eigenständiges Lernen und Klausurenkurse.

Brandenburg als Alternative: Wenn dir die Berliner Bewerbungshürden zu hoch sind, ist Brandenburg eine exzellente Alternative: gleiche Prüfung (GJPA), keine Wartezeit, höhere Unterhaltsbeihilfe, und Potsdam liegt nur 25 Minuten vom Berliner Zentrum entfernt.

Mehr Informationen findest du in unserem Referendariat Guide und zur 2. Staatsexamen Vorbereitung.

Fragen & Antworten

4 Antworten aus Podcast-Episoden

Die Unterhaltsbeihilfe in Berlin beträgt 1.637,52 EUR brutto (Stand: Februar 2025). Da Berlin nicht verbeamtet, liegt das Netto bei ca. 1.250 bis 1.300 EUR nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen.

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.