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Referendariat in Hessen: Bewerbung, Ablauf und Besonderheiten

Referendariat in Hessen: Verbeamtung auf Widerruf, 1.763 EUR Unterhaltsbeihilfe, keine Nebenverdienst-Kürzung. Bewerbung, Stationen und 2. Examen 2026.

4 Fragen beantwortet
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf

Inhaltsüberblick

Referendariat in Hessen: Das Wichtigste im Überblick

Hessen ist eines der attraktivsten Bundesländer für das Referendariat: Verbeamtung auf Widerruf (eines von nur vier Bundesländern), dritthöchste Unterhaltsbeihilfe (1.763,42 EUR, ab August 2025: 1.860,41 EUR), keine Kürzung der Unterhaltsbeihilfe bei Nebeneinkünften (einzigartig bundesweit) und Frankfurt am Main als Großkanzlei-Hochburg. Die mündliche Prüfung zählt 40 % und ist damit die stärkste aller Bundesländer. Im 2. Staatsexamen werden 8 Klausuren geschrieben, die Durchfallquote lag 2023 bei nur 7,5 %.

Bewerbung und Einstellung

Zuständig ist das Oberlandesgericht Frankfurt am Main als Obere Ausbildungsbehörde. Die Bewerbung richtet sich an das Landgericht, in dessen Bezirk dein Wohnsitz liegt.

Hessen bietet 6 Einstellungstermine pro Jahr: 2. Januar, 2. März, 4. Mai, 1. Juli, 1. September, 2. November 2026. Die Bewerbungsfrist liegt jeweils 2 Monate vor dem Termin.

Die Bewerbung erfolgt schriftlich an das zuständige Landgericht. Mindestens 2 Alternativstandorte müssen angegeben werden, da Frankfurt sehr nachgefragt ist.

Erforderliche Unterlagen:

  • Bewerbungsschreiben (Zulassungsantrag)
  • Beglaubigte Kopie des Zeugnisses der Ersten Juristischen Prüfung
  • Tabellarischer Lebenslauf
  • Geburtsurkunde
  • Gesundheitserklärung
  • Polizeiliches Führungszeugnis
  • Mindestens 2 alternative Ortswünsche

Wartezeit: Bis zu 6 Monate möglich. Frankfurt ist der beliebteste Standort; hier sind die Wartezeiten am längsten. Alternative Standorte (Kassel, Gießen, Darmstadt) bieten schnelleren Einstieg.

Unterhaltsbeihilfe und Vergütung

Die Unterhaltsbeihilfe beträgt 1.763,42 EUR brutto (Stand: Februar 2025), ab dem 1. August 2025: 1.860,41 EUR. Das ist die dritthöchste Unterhaltsbeihilfe bundesweit.

Der entscheidende Vorteil: Hessen verbeamtet auf Widerruf. Dadurch entfallen Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. Mit 70 % Beihilfe und günstiger PKV liegt das Netto bei ca. 1.600 bis 1.700 EUR und ist damit signifikant höher als in Nicht-Verbeamtungs-Ländern.

Familienzuschläge: Ehebezogener Teil 155,66 EUR, kindbezogener Teil 238,07 EUR für 1. und 2. Kind, 729,64 EUR ab dem 3. Kind.

Bundesweit einzigartig: Hessen kürzt die Unterhaltsbeihilfe nicht bei Nebeneinkünften. Du kannst also als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer Frankfurter Großkanzlei arbeiten, ohne dass deine Unterhaltsbeihilfe gekürzt wird.

Nachteil der Verbeamtung: Nach dem Referendariat hast du keinen Anspruch auf ALG I.

Stationen und Ablauf

Das Referendariat dauert 25 Monate (1 Monat länger als der Standard):

  • Zivilstation: 4 Monate, mit 2-wöchigem Einführungslehrgang
  • Strafstation: 4 Monate, mit 1-wöchigem Einführungslehrgang und 1-wöchigem Praktikum bei Polizei/JVA/Rechtsmedizin
  • Verwaltungsstation: 4 Monate, Splitten auf 2 Behörden möglich (2+2 oder 1+3 Monate)
  • Anwaltsstation: 9 Monate, mit 2-wöchigem Anwaltslehrgang und wöchentlicher AG
  • Wahlstation: 3 Monate

Besonderheiten: Die Strafstation enthält ein Einführungspraktikum bei Polizei, Justizvollzug und Rechtsmedizin, was es sonst nirgends gibt. Die Verwaltungsstation kann auf zwei Behörden aufgeteilt werden. Die schriftlichen Klausuren finden Anfang des 21. Monats statt, die mündliche Prüfung Ende des 25. Monats.

2. Staatsexamen in Hessen

Die Prüfungsstruktur:

  • Klausuren: 8
  • Gewichtung schriftlich: 60 %
  • Gewichtung mündlich: 40 % (stärkste Gewichtung aller Bundesländer)
  • Aktenvortrag: Ja, 10 % der Gesamtnote
  • Prüfungsgespräche: 30 % der Gesamtnote

Die mündliche Prüfung hat in Hessen mit 40 % die höchste Gewichtung aller Bundesländer. Die Prüfungsgespräche allein zählen 30 %. Wer mündlich gut ist, profitiert in Hessen besonders stark. Die Durchfallquote lag 2023 bei nur 7,5 %, einer der niedrigsten Werte bundesweit.

Rechtsgrundlage: § 17 JAG Hessen

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Besonderheiten in Hessen

  • Verbeamtung auf Widerruf: Ca. 1.600 bis 1.700 EUR netto, deutlich mehr als in Nicht-Verbeamtungs-Ländern.
  • Keine Nebenverdienst-Kürzung: Bundesweit einzigartig; ideal für Nebentätigkeit in Frankfurter Kanzleien.
  • Frankfurt als Kanzlei-Hochburg: Bankrecht, M&A, Wirtschaftsrecht; hervorragend für die Anwaltsstation.
  • Mündliche Prüfung 40 %: Stärkste Gewichtung aller Bundesländer.
  • 6 Einstellungstermine pro Jahr: Maximale Flexibilität.
  • Einzigartiges Strafstations-Praktikum: Polizei, JVA und Rechtsmedizin.

Erfahrungen und Tipps

Frankfurt als Standort: Wenn du eine Karriere in einer Großkanzlei anstrebst, ist Frankfurt der ideale Standort. Die Wartezeit ist es wert. Ansonsten bieten Darmstadt, Wiesbaden oder Kassel schnelleren Einstieg.

Verbeamtung + Nebentätigkeit: Die Kombination aus Verbeamtung (hohes Netto) und keiner Kürzung bei Nebeneinkünften macht Hessen finanziell zum attraktivsten Bundesland.

Mündliche Prüfung vorbereiten: Mit 40 % Gewichtung lohnt sich die intensive Vorbereitung auf Aktenvortrag und Prüfungsgespräche besonders.

Mehr im Referendariat Guide und zur 2. Staatsexamen Vorbereitung.

Fragen & Antworten

4 Antworten aus Podcast-Episoden

Die Unterhaltsbeihilfe beträgt 1.763,42 EUR brutto (Stand: Februar 2025), ab August 2025: 1.860,41 EUR. Durch die Verbeamtung auf Widerruf liegt das Netto bei ca. 1.600 bis 1.700 EUR -- deutlich mehr als in Ländern ohne Verbeamtung. Hessen kürzt die Unterhaltsbeihilfe zudem nicht bei Nebeneinkünften.

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.