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Durchfallquote 2. Staatsexamen: Statistiken und Tipps

Durchfallquote 2. Staatsexamen: Aktuelle Statistiken nach Bundesland, Ursachen für das Durchfallen und effektive Strategien zur Prüfungsvorbereitung.

4 Fragen beantwortet
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf

Inhaltsüberblick

Die Durchfallquote im 2. Staatsexamen liegt bundesweit bei ca. 12% (Stand 2023). Das klingt zunächst überschaubar — deutlich weniger als im 1. Examen, wo 28-35% nicht bestehen. Aber hinter dem Durchschnitt verbergen sich extreme Unterschiede zwischen den Bundesländern: Während in Schleswig-Holstein 27,86% durchfallen, liegt Bayern bei 13,3% und Baden-Württemberg unter dem Bundesdurchschnitt. In diesem Artikel findest du die aktuellen Statistiken, eine Analyse der Ursachen und konkrete Tipps, wie du das Durchfallrisiko minimierst.

Aktuelle Durchfallquoten im Überblick

Die bundesdurchschnittliche Durchfallquote im 2. Staatsexamen lag 2023 bei ca. 12%. Zum Vergleich: Im 1. Staatsexamen liegt sie bei 28-35% — das 2. Examen hat also eine deutlich höhere Bestehensquote.

Durchfallquoten nach Bundesland

Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind erheblich und haben verschiedene Ursachen — von der Prüfungsstrenge über die Ausbildungsqualität bis hin zu statistischen Effekten.

BundeslandDurchfallquote 2023 (ca.)Einordnung
Schleswig-Holstein27,86%Weit über Durchschnitt
BremenÜberdurchschnittlichÜber Durchschnitt
NRW13,6%Leicht über Durchschnitt
Bayern13,3%Leicht über Durchschnitt
SaarlandÜberdurchschnittlichÜber Durchschnitt
Baden-WürttembergUnter 12%Unter Durchschnitt
SachsenUnter 12%Unter Durchschnitt

Hinweis: Nicht für alle Bundesländer liegen öffentlich detaillierte Zahlen vor. Die zuverlässigsten Quellen sind die Jahresberichte der Landesjustizprüfungsämter.

Der Sonderfall Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein hat mit 27,86% (2023) die mit Abstand höchste Durchfallquote — fast doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt. Ein bemerkenswertes Detail: 56,6% der Durchgefallenen in SH hatten nicht in Schleswig-Holstein studiert, 36,4% davon hatten in Hamburg studiert. 2024 stieg der Anteil der Nicht-Schleswig-Holsteiner bei den Durchfallern sogar auf 60%.

Hintergrund: Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein teilen sich ein gemeinsames Prüfungsamt. Es gibt eine laufende Diskussion darüber, ob die hohe Durchfallquote auf die Prüfungsstrenge, die Qualität der Ausbildung oder den Zuzug von Prüflingen aus anderen Bundesländern zurückzuführen ist.

Notenverteilung im 2. Staatsexamen

Die Notenverteilung zeigt, dass die Mehrheit der Prüflinge im mittleren Bereich landet:

  • Sehr gut (14-18 Punkte): Unter 0,5% — extrem selten
  • Gut (11,50-13,99): Ca. 5-7%
  • Vollbefriedigend (9-11,49): Ca. 14-16%
  • Befriedigend (6,50-8,99): Ca. 25-30%
  • Ausreichend (4-6,49): Ca. 35-40% — die häufigste Notengruppe
  • Nicht bestanden (unter 4): Ca. 10-15%

Die Prädikatsexamen-Quote (9+ Punkte) lag 2020 bei ca. 21,3% — das heißt, etwa jeder fünfte Prüfling erreicht ein Prädikatsexamen.

Berechne deine voraussichtliche Examensnote mit unserem Notenrechner für das 2. Staatsexamen.

Ursachen für das Durchfallen: Die häufigsten Gründe

Prüfungsämter und Ausbilder nennen regelmäßig folgende Hauptursachen:

1. Unzureichendes Klausurentraining

Der wichtigste Faktor. Wer zu wenige Übungsklausuren schreibt, kann den Urteilsstil und die prozessualen Schemata unter Zeitdruck nicht sicher anwenden. Die Empfehlung liegt bei mindestens 50-80 Klausuren vor dem Examen.

2. Unterschätzung des prozessualen Schwerpunkts

Im 2. Examen ist Prozessrecht kein Randthema mehr — es steht im Zentrum fast jeder Klausur. Formale Anforderungen wie Tenorierung, Rubrum, Kostenentscheidung und Zulässigkeitsprüfung müssen sicher beherrscht werden.

3. Zeitmanagement-Probleme in den Klausuren

5 Stunden klingen viel, aber ein vollständiges Urteil oder eine umfassende Anklageschrift erfordern präzise Zeiteinteilung. Wer den Sachverhalt zu lange liest oder zu detailliert am Tatbestand arbeitet, hat am Ende keine Zeit für die Entscheidungsgründe.

4. Mangelnde Beherrschung des Urteilsstils

Der Wechsel vom Gutachtenstil (1. Examen) zum Urteilsstil (2. Examen) ist für viele Referendare schwieriger als erwartet. Im Urteil wird das Ergebnis vorangestellt, die Begründung folgt — das erfordert ein anderes Denkmuster.

5. Prüfungsangst und Stressbelastung

Die psychische Belastung im Referendariat ist hoch: 2 Jahre Vorbereitung, oft finanzielle Engpässe und der Druck, dass das Examen über den gesamten Berufsweg entscheidet. Prüfungsangst kann die Leistung erheblich beeinträchtigen.

6. Zu wenig Fokus auf Verwaltungsrecht

Das öffentliche Recht wird von vielen Referendaren stiefmütterlich behandelt — ein Fehler, denn die öffentlich-rechtliche Klausur ist für viele der Schwachpunkt im Examen.

7. Nachlässigkeit bei formalen Anforderungen

Fehler bei der Tenorierung, im Rubrum oder bei der Kostenentscheidung kosten unnötige Punkte. Diese formalen Anforderungen lassen sich systematisch trainieren.

Vergleich: 1. vs. 2. Staatsexamen Durchfallquoten

Die Durchfallquote im 1. Staatsexamen (28-35%) ist deutlich höher als im 2. Examen (ca. 12%). Das hat mehrere Gründe:

  • Im 2. Examen sind nur diejenigen, die das 1. Examen bestanden haben — die Vorselektion ist bereits erfolgt.
  • Referendare haben durch die Stationen und AGs bereits 2 Jahre praktische Erfahrung.
  • Die Examensvorabereitung ist im 2. Examen strukturierter (AG-Pflichtklausurenkurs, Stationspraxis).

Was tun nach dem Durchfallen?

Durchzufallen ist hart, aber kein Weltuntergang. Es gibt mehrere Wege:

Wiederholungsprüfung

In der Regel hast du einen Wiederholungsversuch. Die Frist variiert je nach Bundesland — informiere dich beim Prüfungsamt über die genauen Modalitäten. Einige Bundesländer bieten einen Ergänzungsvorbereitungsdienst mit zusätzlichen AGs an, um dich auf den zweiten Anlauf vorzubereiten.

Karriereoptionen ohne 2. Staatsexamen

Auch ohne 2. Examen gibt es Karrieremöglichkeiten. Der Diplom-Jurist-Titel (nach dem 1. Examen) ermöglicht Tätigkeiten in:

Allerdings sind klassische juristische Berufe (Richter, Staatsanwalt, Rechtsanwalt, Notar) ohne 2. Examen nicht zugänglich.

Tipps zur Prüfungsvorbereitung: Durchfallrisiko minimieren

  1. Klausurentraining ab der Verwaltungsstation intensivieren: Mindestens 1 Klausur pro Woche, ab der Tauchphase 2-3 pro Woche.
  2. Prozessrecht nicht unterschätzen: ZPO, VwGO und StPO mindestens so intensiv lernen wie das materielle Recht.
  3. Formale Anforderungen systematisch trainieren: Tenorierung, Rubrum, Kostenentscheidung — Checklisten anlegen und in jeder Klausur anwenden.
  4. AG-Pflichtklausurenkurs ernst nehmen: Die 12 Klausuren unter Examensbedingungen sind die beste Generalprobe.
  5. Psychologische Unterstützung suchen: Bei Prüfungsangst die Beratungsangebote der Prüfungsämter und Universitäten nutzen.
  6. Zeitmanagement in Klausuren üben: Für jede Klausur einen groben Zeitplan aufstellen (z.B. 30 Min. Sachverhalt, 3,5 Std. Lösung, 1 Std. Feinschliff).
  7. Notenrechner nutzen: Berechne, welche Klausurergebnisse du für deine Wunschnote brauchst — das hilft bei der realistischen Einschätzung.

Fragen & Antworten

4 Antworten aus Podcast-Episoden

Die bundesdurchschnittliche Durchfallquote liegt bei ca. 12% (Stand 2023). Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind allerdings erheblich: Schleswig-Holstein hat mit 27,86% die höchste Quote, Bayern liegt bei 13,3% und NRW bei 13,6%. Baden-Württemberg und Sachsen liegen unter dem Bundesdurchschnitt. Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein teilen sich ein gemeinsames Prüfungsamt.

Das sagen unsere Experten

Ein Muster, das Prüfer regelmäßig beobachten: Referendare, die im 1. Examen gut abgeschnitten haben, unterschätzen das 2. Examen. Sie verlassen sich auf ihr materiell-rechtliches Wissen und vernachlässigen den prozessualen Schwerpunkt und den Urteilsstil. Das 2. Examen ist eine eigenständige Prüfung mit eigenen Anforderungen — behandle es auch so. Wer früh genug mit dem Klausurentraining anfängt und den Urteilsstil systematisch übt, hat gute Chancen.

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.