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Verwaltungsstation im Referendariat: Ablauf und Erfahrungen

Verwaltungsstation im Referendariat: Behörde oder Verwaltungsgericht, typische Aufgaben, Dauer und Erfahrungsberichte. Alles Wichtige zur Pflichtstation.

3 Fragen beantwortet
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf

Inhaltsüberblick

Die Verwaltungsstation im Referendariat ist die dritte Station und dauert 3-4 Monate. Viele Referendare unterschätzen sie — dabei liegt sie zeitlich ca. 1 Jahr vor den schriftlichen Prüfungen und ist damit die letzte Station, in der du öffentliches Recht in der Praxis übst, bevor es in die Examensphase geht. Du kannst die Verwaltungsstation bei einer Behörde, einem Ministerium oder einem Verwaltungsgericht absolvieren. Welche Option sich für dich lohnt und wie du das Beste aus der Station holst, erfährst du hier.

Dauer und Zeitpunkt

Die Verwaltungsstation dauert in den meisten Bundesländern 3 Monate. In einigen Bundesländern (z.B. Berlin mit 3,5 Monaten) kann sie etwas länger sein. Zeitlich liegt sie nach der Strafstation und vor der Anwaltsstation — also in der Mitte des Referendariats.

Das Timing ist strategisch relevant: Die öffentlich-rechtliche Klausur im 2. Staatsexamen erfordert Erfahrung mit Bescheiden, Verwaltungsverfahren und dem Urteilsstil im Verwaltungsprozessrecht. Die Verwaltungsstation liefert genau diese Praxis.

Einsatzorte: Behörde, Ministerium oder Verwaltungsgericht

Du kannst dir den Stationsgeber in den meisten Bundesländern selbst aussuchen. Die Bewerbung ist unkompliziert — oft reicht eine einfache E-Mail mit Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen, 3-5 Monate vor Stationsbeginn.

Behörden

Beliebte Einsatzorte bei Behörden:

  • Stadtverwaltung / Rechtsamt: Vertretung der Stadt in verwaltungsrechtlichen Verfahren. Vielfältige Rechtsgebiete (Baurecht, Ausländerrecht, Gewerberecht, Sozialrecht) und gute Examensrelevanz durch die Breite der Aufgaben.
  • Bezirksregierung: Mittelbehörde mit breitem Aufgabenspektrum im Verwaltungsrecht.
  • Landesministerien: Inneres, Justiz, Finanzen, Wirtschaft — für diejenigen, die sich für Regierungsarbeit und Gesetzgebung interessieren.
  • Polizei (Rechtsabteilung): Polizeirecht in der Praxis — besonders examensrelevant.
  • Kartellamt / Bundesnetzagentur: Spezialisierte Behörden für Wirtschaftsverwaltungsrecht.
  • Datenschutzbeauftragter: Datenschutzrecht als wachsendes Rechtsgebiet.
  • Kommunalverwaltung: Bietet tendenziell die examensrelevantesten Aufgaben, weil hier klassisches Verwaltungshandeln (Bescheide, Widersprüche) stattfindet.

Verwaltungsgericht

Am Verwaltungsgericht arbeitest du mit Richtern zusammen und bekommst Einblick in den Verwaltungsprozess aus gerichtlicher Perspektive:

  • Sitzungsdienst: Verhandlungen beobachten und protokollieren
  • Urteilsentwürfe: Selbst Entwürfe verfassen — direkte Examensrelevanz
  • Schriftsatzanalyse: Kläger- und Beklagtenvorträge analysieren

Auch das Oberverwaltungsgericht (OVG) bzw. der Verwaltungsgerichtshof (VGH) kommt als Stationsgeber in Frage.

Behörde vs. Verwaltungsgericht: Was ist besser?

Die Entscheidung hängt von deinen Zielen ab:

KriteriumBehördeVerwaltungsgericht
PraxiseinblickHoch (echtes Verwaltungshandeln)Mittel (gerichtliche Perspektive)
ExamensrelevanzMittel bis hoch (je nach Behörde)Hoch (Urteilsstil direkt übbar)
AufgabenBescheide, Widersprüche, GutachtenUrteilsentwürfe, Sitzungsdienst
EigenverantwortungHochMittel
ArbeitsbelastungVariabelOft moderat

Ein pragmatischer Tipp: Wenn du das öffentliche Recht im Examen fürchtest, ist das Verwaltungsgericht die bessere Wahl — du übst dort den Urteilsstil, der in der Klausur verlangt wird. Wenn du Verwaltungshandeln aus erster Hand kennenlernen willst (z.B. für eine Karriere im öffentlichen Dienst), ist eine Behörde die bessere Option.

Typische Aufgaben in der Verwaltungsstation

Je nach Stationsgeber variieren die Aufgaben, aber typisch sind:

  • Gutachten: Rechtliche Stellungnahmen zu Verwaltungsfragen
  • Bescheide verfassen: Erstbescheide und Widerspruchsbescheide
  • Widerspruchsbearbeitung: Prüfung und Bescheidung von Widersprüchen
  • Klagebeantwortung: Stellungnahmen gegenüber dem Verwaltungsgericht
  • Sitzungsdienst (VG): Mündliche Verhandlungen beobachten und protokollieren
  • Urteilsentwürfe (VG): Eigene Urteilsentwürfe unter Anleitung des Richters

Die Verwaltungsrecht-AG

Parallel zur Verwaltungsstation findet die Verwaltungsrecht-AG statt. Inhalte:

  • Verwaltungsprozessrecht (VwGO)
  • Behördenklausur (Bescheid-Klausur)
  • Urteilsklausur im öffentlichen Recht
  • Materielles Verwaltungsrecht (Polizeirecht, Baurecht, Kommunalrecht)

Die AG behandelt genau die Klausurentypen, die im 2. Examen vorkommen. Nutze die AG als Grundlage und ergänze sie durch eigenes Klausurentraining. Mehr zu den AGs findest du im Artikel zu den Arbeitsgemeinschaften im Referendariat.

Examensrelevanz der Verwaltungsstation

Die öffentlich-rechtliche Klausur im 2. Examen kann eine Bescheidklausur (aus Behördenperspektive) oder eine Urteilsklausur (aus Richterperspektive) sein. Beides übst du in der Verwaltungsstation — je nachdem, ob du bei einer Behörde oder am Verwaltungsgericht bist.

Ein häufiger Fehler: Referendare starten zu spät mit dem intensiven Klausurentraining. Die Verwaltungsstation liegt ca. 1 Jahr vor den schriftlichen Prüfungen — spätestens jetzt solltest du mit dem regelmäßigen Klausurenschreiben beginnen (mindestens 1 Klausur pro Woche).

Tipps: Wie du die Verwaltungsstation sinnvoll gestaltest

  1. Stationsgeber selbst suchen: Warte nicht auf die Zuweisung. Bewirb dich aktiv bei einem Stationsgeber, der zu deinen Interessen passt.
  2. Examensrelevanz prüfen: Kommunale Verwaltung und Rechtsämter bieten tendenziell die examensrelevantesten Aufgaben. Ministerien sind prestigeträchtiger, aber die Bedeutung der Stationszeugnisse ist begrenzt.
  3. Arbeitszeit verhandeln: Die Arbeitsbelastung in der Verwaltungsstation ist oft geringer als in anderen Stationen. Manche Referendare verhandeln die Anwesenheitszeit auf 1-2 Tage pro Woche herunter — das gibt mehr Zeit für die Examensvorbereitung.
  4. Klausurentraining starten: Nutze die relativ ruhige Verwaltungsstation, um das systematische Klausurentraining hochzufahren.
  5. Alternative Behörden in Betracht ziehen: Kartellamt, Bundesnetzagentur, Datenschutzbeauftragter — diese Stellen bieten spannende Einblicke und sind auf dem Lebenslauf ein Hingucker.

Fragen & Antworten

3 Antworten aus Podcast-Episoden

Die Verwaltungsstation dauert 3-4 Monate je nach Bundesland. Sie ist die dritte Station im Referendariat und findet nach der Strafstation und vor der Anwaltsstation statt — also ca. 1 Jahr vor den schriftlichen Prüfungen des 2. Staatsexamens.

Das sagen unsere Experten

Erfahrene Referendare raten: Wähle den Stationsgeber nicht nach dem Briefkopf, sondern nach dem Lerneffekt. Ein engagierter Ausbilder bei einem Rechtsamt, der dir echte Bescheide schreiben lässt und deine Entwürfe bespricht, bringt dich in der Examensvorbereitung weiter als ein Ministerium, in dem du drei Monate lang Akten sortierst. Und nutze die Verwaltungsstation als Startschuss fürs intensive Klausurentraining — wer hier anfängt, hat am Ende genug Übung für das Examen.

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.