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Compliance und Strafrecht: Unternehmensinterne Ermittlungen

Compliance und Strafrecht: Internal Investigations, Whistleblowing und unternehmensinterne Ermittlungen als Karrierefeld.

15 Fragen beantwortet
8 Podcast-Episoden
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf · Aktualisiert März 2026

Inhaltsüberblick

Compliance und Strafrecht: Unternehmensinterne Ermittlungen als Karrierefeld

Die Schnittstelle von Compliance und Strafrecht hat sich zu einem der gefragtesten Spezialgebiete im deutschen Rechtsmarkt entwickelt. Unternehmen investieren massiv in Compliance-Strukturen, um strafrechtliche Risiken zu minimieren – und wenn es dennoch zu Verdachtsfällen kommt, sind Internal Investigations das Mittel der Wahl. Für Juristinnen und Juristen bietet dieses Feld eine einzigartige Kombination aus präventiver Beratung und reaktiver Ermittlungsarbeit.

Criminal Compliance umfasst alle Maßnahmen, die ein Unternehmen ergreift, um strafrechtlich relevantes Verhalten zu verhindern. Dazu gehören Compliance-Management-Systeme, Schulungen, Hinweisgebersysteme und die Definition klarer Verhaltensrichtlinien. Wenn dennoch ein Verdacht auf strafbares Verhalten aufkommt – sei es durch einen internen Hinweis, eine behördliche Anfrage oder eine Durchsuchung – beginnt die eigentliche Ermittlungsarbeit: die interne Untersuchung.

Ablauf einer internen Untersuchung

Interne Untersuchungen folgen einem strukturierten Ablauf, der sowohl strafrechtliche als auch arbeitsrechtliche und datenschutzrechtliche Aspekte berücksichtigt. Typischerweise umfasst eine Internal Investigation die Sicherung und Auswertung von Dokumenten und E-Mails, die Befragung von Mitarbeitenden, die rechtliche Bewertung der Erkenntnisse und die Erstellung eines Abschlussberichts für die Geschäftsführung oder den Aufsichtsrat (vgl. Episode 347).

Besonders heikel ist die Situation bei Durchsuchungen. Wenn Ermittlungsbehörden ein Unternehmen durchsuchen, müssen Compliance-Verantwortliche und externe Berater in kürzester Zeit über die Herausgabe von Dokumenten entscheiden, die Rechte der Betroffenen wahren und gleichzeitig eine kooperative Haltung gegenüber den Behörden demonstrieren (vgl. Episode 148).

Karrieremöglichkeiten in Compliance und Strafrecht

Das Berufsfeld bietet vielfältige Karrierewege:

  • Kanzlei – White-Collar-Crime und Compliance: Beratung und Vertretung von Unternehmen in strafrechtlichen Ermittlungsverfahren, Durchführung von Internal Investigations
  • Unternehmensinterne Compliance-Abteilung: Aufbau und Pflege von Compliance-Management-Systemen, präventive Beratung der Geschäftsleitung
  • Chief Compliance Officer (CCO): Leitungsfunktion mit direktem Berichtsweg an Vorstand oder Aufsichtsrat
  • Beratungsunternehmen: Forensic-Services-Teams großer Wirtschaftsprüfungsgesellschaften
  • General Counsel mit Compliance-Schwerpunkt: Kombination aus allgemeiner Rechtsberatung und Compliance-Verantwortung

Anforderungsprofil und Qualifikationen

Compliance-Spezialistinnen mit strafrechtlichem Hintergrund müssen über ein breites Qualifikationsprofil verfügen. Neben fundierten Kenntnissen im Straf- und Wirtschaftsstrafrecht sind Kenntnisse in Gesellschaftsrecht, Arbeitsrecht und Datenschutzrecht erforderlich. Die Rolle des General Counsel zeigt exemplarisch, wie vielseitig die Anforderungen sind: Neben rechtlicher Expertise braucht es ein Risiko- und Chancen-Mindset, das präventive Compliance-Arbeit als Wertschöpfung versteht (vgl. Episode 189).

Auch ESG-Regelungen gewinnen im Compliance-Kontext an Bedeutung. Die Verbindung von Nachhaltigkeitsanforderungen und strafrechtlicher Haftung – etwa bei Verstößen gegen das Lieferkettengesetz oder bei Greenwashing – schafft neue Beratungsfelder an der Schnittstelle von öffentlichem Recht, Gesellschaftsrecht und Strafrecht (vgl. Episode 234).

Fragen & Antworten

15 Antworten aus Podcast-Episoden

Ich liebte Naturwissenschaften, trotzdem suchte ich ein solides Handwerk. Jura bot mir genau das: eine Technik, mit der ich komplexe Probleme strukturiert löse, aber später fast jeden Weg einschlagen kann. Dieses Zusammenspiel aus methodischer Klarheit und beruflicher Offenheit überzeugte mich, obwohl BWL und Biologie noch auf dem Zettel standen.

IMR347: Assoziierte Partner als Vorstufe zum Equity Partner, Unterschied zum Counsel, Internal Investigations, Presserecht und Glaubensgemeinschaften

Aus Episode #347

IMR347: Assoziierte Partner als Vorstufe zum Equity Partner, Unterschied zum Counsel, Internal Investigations, Presserecht und Glaubensgemeinschaften

mit Julian Leucht

Das sagen unsere Experten

„Internal Investigations verlangen eine besondere Sensibilität. Man bewegt sich zwischen den Interessen des Unternehmens, den Rechten der befragten Mitarbeitenden und den Erwartungen der Ermittlungsbehörden. Wer das beherrscht, ist auf dem Markt äußerst gefragt.“

Compliance-Anwalt aus dem IMR-Netzwerk (aus Episode 347)

„Criminal Compliance in Düsseldorf zu praktizieren, bedeutet, direkt am Puls des Wirtschaftsstrafrechts zu sein. Durchsuchungen begleiten, Assistenz für Mandanten organisieren und gleichzeitig die strategische Verteidigung vorbereiten – das ist Compliance in Echtzeit.“

„Die Rolle des General Counsel verändert sich fundamental. Früher war der Chefjurist ein Risikovermeider – heute muss er auch Chancen erkennen und dem Vorstand erklären, wie Compliance einen Wettbewerbsvorteil schaffen kann.“

„Das Headhunting für Compliance-Positionen hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Unternehmen suchen gezielt nach Juristen mit strafrechtlicher Expertise – das war vor zehn Jahren noch die Ausnahme, heute ist es die Regel.“

Personalberaterin aus dem IMR-Netzwerk (aus Episode 290)

„In-House-Juristen müssen Compliance ganzheitlich denken. Es reicht nicht, eine Richtlinie zu schreiben – man muss die Software kennen, die Prozesse verstehen und die Mitarbeitenden mitnehmen. Nur so wird Compliance im Unternehmen gelebt und nicht nur dokumentiert.“

In-House-Juristin aus dem IMR-Netzwerk (aus Episode 16)

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.

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Im IMR Spotlight: Criminal Compliance Assistenz mit Jannina Gorissen von Orth Kluth aus dem Düsseldorfer Büro. Viel Spaß!

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In der 347. Episode von IMR spricht Marc mit Hanna Wiedenhaus und Julian Leucht, jeweils Associated Partner bei Esche Schümann Commichau in Hamburg. Beide berichten von ihren persönlichen Wegen ins Jurastudium, ihren Stationen im Referendariat und ihren bewussten Entscheidungen für die Anwaltschaft. Im Mittelpunkt stehen ihre heutigen Tätigkeiten: Hanna gibt Einblicke in das Vertriebs-, Kartell- und Compliance-Recht sowie in die Praxis von Internal Investigations, während Julian das Presserecht, Meinungsfreiheit und die rechtliche Begleitung sensibler Veröffentlichungen erläutert. Gemeinsam diskutieren sie die besondere Rolle multidisziplinärer Kanzleien, den Umgang mit unternehmerischer Verantwortung und die Bedeutung von Grundrechtsabwägungen im anwaltlichen Alltag. Außerdem erklären sie das Karrieremodell des Associated Partners als Zwischenschritt zur Partnerschaft und reflektieren, welche Erwartungen sie an den juristischen Nachwuchs haben. Wie laufen Compliance-Untersuchungen konkret ab? Welche Herausforderungen bringt das Presserecht in sensiblen Fällen mit sich? Wie unterscheidet sich der Associated Partner vom Counsel und Equity Partner in einer Kanzlei? Und was macht eine gute Vorbereitung auf die (Equity) Partnerschaft aus? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!

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In Folge 234 von IMR ist Laura-Isabell Dietz zu Gast, Senior Associate im Düsseldorfer Büro von Clifford Chance. Laura berät im Energie- und Infrastruktur-Team, wobei einer ihre Schwerpunkte im öffentlichen Recht sowie auf ESG-Themen liegen. Warum ist sie Juristin geworden? Wie ergab sich ihr Weg zum Studium in Südafrika? Wie ist sie in einer der führenden Wirtschaftskanzleien gelandet? Worum geht es im Bereich der ESG-Compliance? Welche rechtlichen Herausforderungen treten in diesem Zusammenhang für Mandantinnen auf? Welchen Impact hat die Beratung tatsächlich? Antworten auf diese Fragen und viele weitere spannende Aspekte erfahrt Ihr in dieser kurzweiligen Folge von IMR. Viel Spaß!