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Völkerstrafrecht: Internationale Strafjustiz als Karriere

Völkerstrafrecht als Karriere: Arbeit am Internationalen Strafgerichtshof, bei Tribunalen und in der humanitären Arbeit.

15 Fragen beantwortet
8 Podcast-Episoden
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf · Aktualisiert März 2026

Inhaltsüberblick

Völkerstrafrecht: Karriere in der internationalen Strafjustiz

Das Völkerstrafrecht gehört zu den faszinierendsten und zugleich herausforderndsten Rechtsgebieten, die Juristinnen und Juristen offenstehen. Es befasst sich mit den schwersten Verbrechen, die die internationale Gemeinschaft kennt: Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und das Verbrechen der Aggression. Wer im Völkerstrafrecht arbeitet, trägt dazu bei, dass Verantwortliche für Massenverbrechen zur Rechenschaft gezogen werden – eine Tätigkeit von historischer Bedeutung.

Die institutionelle Grundlage bilden der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag, internationale Ad-hoc-Tribunale sowie nationale Gerichte, die nach dem Weltrechtsprinzip Völkerstraftaten verfolgen. Deutschland hat mit dem Völkerstrafgesetzbuch (VStGB) von 2002 einen eigenständigen gesetzlichen Rahmen geschaffen und sich international als führende Nation in der Verfolgung von Völkerstraftaten positioniert. Die Generalstaatsanwaltschaft beim Bundesgerichtshof führt zahlreiche Ermittlungsverfahren wegen Völkerrechtsverbrechen in Syrien, Irak und anderen Konfliktzonen.

Karrierewege im Völkerstrafrecht

Das Völkerstrafrecht bietet Karrierewege, die sich grundlegend von der nationalen Strafrechtspraxis unterscheiden:

  • Internationaler Strafgerichtshof: Tätigkeit als Jurist in der Anklagebehörde, der Verteidigung oder in den Kammern des IStGH
  • Vereinte Nationen: Mitarbeit in UN-Untersuchungskommissionen, beim OHCHR oder bei internationalen Tribunalen
  • Nationale Justiz: Verfolgung von Völkerstraftaten durch die Bundesanwaltschaft oder Spezialeinheiten der Landesstaatsanwaltschaften
  • NGOs und Menschenrechtsorganisationen: Dokumentation von Menschenrechtsverstößen, Prozessbeobachtung, Advocacy
  • Wissenschaft: Forschung und Lehre an Universitäten und Forschungsinstituten wie dem Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht

Anforderungen und Qualifikationen

Eine Karriere im Völkerstrafrecht erfordert ein besonderes Qualifikationsprofil. Exzellente Englisch- und idealerweise Französischkenntnisse sind unverzichtbar, da die internationale Strafjustiz mehrsprachig arbeitet. Ein LL.M. in International Criminal Law oder Public International Law an einer renommierten Universität – etwa in Leiden, London oder New York – ist häufig der Einstiegsschlüssel. Darüber hinaus sind Auslandserfahrung und interkulturelle Kompetenz essenziell.

Die Verbindung von Völkerstrafrecht und Menschenrechtsschutz prägt das Berufsfeld. Freiheitsrechte, der Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts und die Frage, wie völkerrechtliche Normen in nationale Rechtsprechung einfließen, sind aktuelle Diskussionsfelder an dieser Schnittstelle (vgl. Episode 333).

Herausforderungen und aktuelle Entwicklungen

Das Völkerstrafrecht steht vor besonderen Herausforderungen. Die Beweisführung in Verfahren wegen Massenverbrechen ist äußerst komplex: Zeugen befinden sich häufig in Konfliktgebieten, Dokumente sind schwer zugänglich und die Tatbestände erfordern den Nachweis systematischer oder weitverbreiteter Angriffe. Neue Technologien – von Satellitenbildern über Open-Source-Intelligence bis zu KI-gestützter Dokumentenanalyse – verändern die Ermittlungsarbeit grundlegend.

Auch die Frage, wie moderne Arbeitsmodelle in internationalen Organisationen umgesetzt werden, ist für angehende Völkerstrafrechtler relevant. Internationale Institutionen modernisieren ihre Arbeitsweisen, und der Blick über klassische Karrierepfade hinaus kann neue Perspektiven eröffnen (vgl. Episode 350). Für idealistische Juristinnen und Juristen, die bereit sind, in einem anspruchsvollen internationalen Umfeld zu arbeiten, bietet das Völkerstrafrecht eine einzigartige Karrieremöglichkeit mit globaler Wirkung.

Fragen & Antworten

15 Antworten aus Podcast-Episoden

Bereits im sechsten Semester wusste ich, dass ich nicht in eine klassische Großkanzlei, sondern mitten in die Geschäftswelt wollte. Praktika und ein Werkstudentenjob in Rechtsabteilungen zeigten mir, wie spannend die Zusammenarbeit mit Nichtjuristen und die unmittelbare wirtschaftliche Verantwortung sind. Dieses klare Bild hat mich durch beide Examina getragen.

IMR350: COO einer int. Wirtschaftskanzlei, wie sich juristische Arbeit verändert, Blick über klassische Karrierepfade hinaus, Konzeption moderner Arbeits- und Büro-Modelle, New Work

Aus Episode #350

IMR350: COO einer int. Wirtschaftskanzlei, wie sich juristische Arbeit verändert, Blick über klassische Karrierepfade hinaus, Konzeption moderner Arbeits- und Büro-Modelle, New Work

mit Annette Höher-Bäuerle

Das sagen unsere Experten

„Die internationale Strafjustiz verändert sich rasant. Neue Technologien, modernere Arbeitsweisen und der Blick über klassische Karrierepfade hinaus – wer heute ins Völkerstrafrecht einsteigt, findet ein Berufsfeld vor, das sich ständig weiterentwickelt und neue Perspektiven bietet.“

Internationale Rechtsexpertin aus dem IMR-Netzwerk (aus Episode 350)

„Strittige Verfahren vor internationalen Gerichten erfordern eine besondere Form der Prozessführung. Man muss nicht nur das Recht beherrschen, sondern auch die politischen Dimensionen verstehen und interkulturell sensibel agieren – das unterscheidet Völkerstrafrecht von nationaler Strafjustiz.“

„Ein LL.M. im Ausland ist für eine Karriere im Völkerstrafrecht fast unverzichtbar. Die Netzwerke, die man dort knüpft, die Sprachkenntnisse und das Verständnis für andere Rechtsordnungen – all das ist in der internationalen Strafjustiz täglich gefragt.“

Internationaler Jurist aus dem IMR-Netzwerk (aus Episode 342)

Legal AI wird auch im Völkerstrafrecht eine Revolution auslösen. Die Analyse von Tausenden von Zeugenaussagen, die Auswertung von Open-Source-Beweisen – das sind Aufgaben, bei denen KI enorme Unterstützung bieten kann, ohne das menschliche Urteil zu ersetzen.“

Legal-AI-Experte aus dem IMR-Netzwerk (aus Episode 337)

„Modernes Lernen in Kanzleien und internationalen Organisationen bedeutet, offen für neue Formate zu sein. Im Völkerstrafrecht lernt man nie aus – jedes Verfahren bringt neue Rechts- und Sachfragen mit sich, die man vorher nicht kannte.“

Fortbildungsexpertin aus dem IMR-Netzwerk (aus Episode 338)

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.

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#350

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mit Annette Höher-Bäuerle

In der 350. Episode von IMR spricht Marc mit Annette Höher-Bäuerle von A&O Shearman in Frankfurt über ihren ungewöhnlichen Karriereweg zwischen Rechtsabteilung, internationalem M&A und operativer Unternehmensführung. Annette schildert, warum sie sich früh für eine Inhouse-Laufbahn entschied, welche Rolle betriebswirtschaftliches Wissen für Juristinnen und Juristen spielen kann und wie ihre Erfahrungen aus dem Konzernumfeld heute ihre Arbeit als COO einer Großkanzlei prägen. Im Mittelpunkt stehen zudem die Struktur und Funktionsweise einer international integrierten Wirtschaftskanzlei, die Herausforderungen des Kanzlei-Merger zwischen Allen & Overy und Shearman & Sterling sowie die Konzeption moderner Office- und Arbeitsmodelle. Außerdem geht es um den Einsatz von KI im Kanzleialltag, neue Rollenprofile im Rechtsmarkt und die Frage, wie sich juristische Arbeit künftig verändert. Welche Fähigkeiten werden für den juristischen Nachwuchs wichtiger? Wie kann man sich schon im Studium strategisch auf neue Berufsbilder vorbereiten? Und welche Chancen eröffnet der Blick über klassische Karrierepfade hinaus? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!

IMR349: Deutsch-Französisches Doppelstudium, Promotion als beste Zeit der Ausbildung, IP- und Patentrecht, Ref-Station in Speyer
#349

IMR349: Deutsch-Französisches Doppelstudium, Promotion als beste Zeit der Ausbildung, IP- und Patentrecht, Ref-Station in Speyer

mit Dr. Laura Woll

In der 349. Episode von IMR spricht Marc mit Dr. Laura Woll, Rechtsanwältin bei McDermott Will & Schulte, über ihren juristischen Werdegang und ihre heutige Tätigkeit im IP- und Patentrecht. Ausgangspunkt ist ihr Doppelstudium im deutschen und französischen Recht im Saarland, das ihr früh eine internationale Perspektive eröffnete. Thema sind zudem Unterschiede der juristischen Ausbildung in Frankreich und Deutschland sowie ihre Stationen im Referendariat, unter anderem in Speyer. Laura schildert ihre bewusste Entscheidung für eine Promotion nach dem zweiten Examen und gibt Einblicke in effizientes Arbeiten und Schreiben. Inhaltlich geht es ausführlich um ihre Praxis als IP-Litigatorin mit Schwerpunkt Patentrecht, insbesondere um Verfahren vor dem Einheitlichen Patentgericht. Anhand konkreter Beispiele werden Nichtigkeits- und Verletzungsverfahren erläutert. Ein weiterer Fokus liegt auf standardessentiellen Patenten und den kartellrechtlichen Herausforderungen rund um FRAND-Lizenzen. Welche Rolle spielt das Einheitliche Patentgericht für junge Juristinnen und Juristen? Wie arbeitet man sich in hochkomplexe technische und rechtliche Fragen ein? Und welche Fähigkeiten sind für den Einstieg ins Patentrecht besonders wichtig? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!

IMR346: Jura-Karriere in der Versicherung, Rechtsservice aufbauen, kuriose Fälle und internationale Streitbeilegung
#346

IMR346: Jura-Karriere in der Versicherung, Rechtsservice aufbauen, kuriose Fälle und internationale Streitbeilegung

mit Kristina Schwarze

In dieser Folge spricht Marc mit der Juristin Kristina Schwarze von der ARAG über ihren Weg in die Inhouse-Tätigkeit, ihre Entwicklung von der Fallbearbeitung im Rechtsservice über die Inhouse-Mediation hin zur heutigen internationalen Managementrolle im Claims Management. Sie erläutert, wie der Rechtsservice als erste emotionale und organisatorische Anlaufstelle für Versicherte funktioniert, warum dort über 300 Juristinnen und Juristen tätig sind und welche Rolle Legal Tech im Kerngeschäft der Rechtsschutzversicherung spielt. Im Mittelpunkt steht zudem die Mediation, zunächst im deutschen Kontext und dann in der internationalen Ausprägung: Wie funktionieren Shuttle- und Videomediation praktisch, wie gelingt grenzüberschreitende Konfliktlösung etwa in familienrechtlichen Konstellationen und welche kulturellen Unterschiede sind tatsächlich relevant. Kristina berichtet außerdem von ihrem Aufbau eines Mediationsangebots in der italienischen Niederlassung, vom Zusammenspiel mit externen Dienstleistern und von einem norwegischen Legal-Tech-Anbieter, der Mediation vollständig digitalisiert abbildet. Abschließend geht es um den Einsatz von KI in der täglichen juristischen Arbeit bei der ARAG, etwa beim effizienteren Umgang mit umfangreichen Falldokumenten, sowie um die Frage, welche Kompetenzen Studierende, Referendarinnen und Referendare heute mitbringen sollten. Wie verändert KI konkret die Arbeit von Inhouse-Juristinnen, Mediatoren und Claims-Managern? Welche Chancen ergeben sich für junge Juristinnen abseits des klassischen Kanzleipfads in einer internationalen Versicherung? Und welche Rolle spielen Sprachkenntnisse, Offenheit für neue Arbeitsformen und der Umgang mit digitalen Tools für die eigene Karriereentwicklung? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß.

IMR342: Come in & find out: Douglas an die Börse bringen, Glocke der Frankfurter Börse läuten, von der Kanzlei in die Rechtsabteilung wechseln, Secondments, LL.M. in London
#342

IMR342: Come in & find out: Douglas an die Börse bringen, Glocke der Frankfurter Börse läuten, von der Kanzlei in die Rechtsabteilung wechseln, Secondments, LL.M. in London

mit Christian Wensing

In der 342. Episode von Irgendwas mit Recht spricht Marc mit Christian Wensing, Volljurist und heute in leitender Position in der Rechtsabteilung von Douglas. Christian erzählt, wie er über ein Faible für Sprachen, einen juristischen Vater und erste vage Berufsüberlegungen zum Jurastudium in Münster gekommen ist, warum ihn wirtschaftsnahe Themen wie Kartell- und Gesellschaftsrecht fasziniert haben und wie Stationen im Bundeskartellamt, in Großkanzleien und in der Rechtsabteilung von Henkel seinen Wunsch nach internationaler Arbeit geprägt haben. Es geht darum, weshalb er den eher ungewöhnlichen Weg gewählt hat, den LLM erst nach dem zweiten Examen in London zu machen, welche Rolle Sprache und Netzwerke spielen. Wie bereitet sich ein europaweit tätiger Retailer mit Milliardenumsätzen auf ein Börsen-Listing vor? Was bedeutet eine umfassende Due Diligence aus Unternehmenssicht konkret und wie koordiniert man intern Datenräume, Fragenkataloge und externe Berater? Was unterscheidet die Perspektive eines Kanzlei-Anwalts von der eines Unternehmensjuristen, der auch die Integration von Zukäufen und die langfristige Entwicklung im Konzern begleitet? Wie fühlt es sich an, wenn Kapitalmarktrecht plötzlich zum täglichen Handwerkszeug wird, obwohl man ursprünglich aus dem Private-Equity- und M&A-Bereich kommt? Und welche Überlegungen sollten Studierende und Referendarinnen anstellen, wenn sie zwischen Großkanzlei, LLM, Promotion und Unternehmensjuristerei abwägen? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!