Warum das Bundesland zählt
Obwohl das Jurastudium in Deutschland grundsätzlich einheitlich aufgebaut ist, gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Diese betreffen die Anzahl der Examensklausuren, deren Gewichtung, die Prüfungsordnungen, Durchfallquoten und die Möglichkeit des Freischusses. Die Wahl des Studienortes ist daher nicht nur eine Frage der Universität, sondern auch eine strategische Entscheidung.
Key Facts
- 5 bis 8 Examensklausuren je nach Bundesland
- Durchfallquoten von 18% bis 42% je nach Land
- Prädikatsquoten von 12% bis 30%
- Freischuss in ca. der Hälfte der Länder abgeschafft
- Mündliche Prüfung: 25–40% Gewichtung
- Wechsel des Prüfungsamts unter bestimmten Bedingungen möglich
Experten-Einschätzung
Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind real und können die Examenschancen beeinflussen. Aber Vorsicht vor zu viel Optimierung: Die beste Universität ist die, an der ihr euch wohlfühlt und gut lernen könnt. Eine um 3% höhere Prädikatsquote hilft nichts, wenn die Stadt nicht zu euch passt.
Klausurenanzahl & Gewichtung im Vergleich
Die Anzahl der Examensklausuren variiert zwischen 5 (Saarland) und 7 (Berlin/Brandenburg). Die Gewichtung der mündlichen Prüfung reicht von 25% bis 40%. Diese Unterschiede können die Examenschancen beeinflussen — insbesondere für Studierende, die in der mündlichen Prüfung stärker sind als im Schriftlichen.
| Bundesland | Klausuren | Mündlich | Freischuss | Durchfallquote | Prädikatsquote |
|---|---|---|---|---|---|
| Bayern | 6 | 40% | Ja | 23,1% | 22,7% |
| Baden-Württemberg | 6 | 30% | Ja | 25,8% | 19,4% |
| Sachsen | 6 | 30% | Ja | 25,3% | 20,2% |
| Hamburg | 6 | 30% | Ja | 26,4% | 20,1% |
| Saarland | 5 | 30% | Ja | 24,5% | 18,1% |
| Niedersachsen | 6 | 30% | Ja | 27,5% | 18,3% |
| Hessen | 6 | 30% | Ja | 28,7% | 17,2% |
| Rheinland-Pfalz | 6 | 30% | Ja | 26,1% | 17,9% |
| NRW | 6 | 30% | Nein | 32,4% | 16,8% |
| Bremen | 6 | 30% | Ja | 29,3% | 16,5% |
| Schleswig-Holstein | 6 | 30% | Ja | 28,9% | 16,2% |
| Thüringen | 6 | 30% | Nein | 30,8% | 15,6% |
| Berlin | 7 | 25% | Nein | 35,2% | 15,3% |
| Mecklenburg-Vorpommern | 6 | 30% | Ja | 31,2% | 14,8% |
| Sachsen-Anhalt | 6 | 30% | Ja | 33,7% | 13,5% |
| Brandenburg | 7 | 25% | Nein | 38,5% | 12,1% |
Experten-Einschätzung
Bayern hat die höchste Prädikatsquote UND die höchste Gewichtung der mündlichen Prüfung (40%). Das ist kein Zufall: Die mündliche Prüfung bietet eine echte Chance, schriftliche Ergebnisse zu verbessern. Überlegt gut, ob dieser Faktor für euch relevant ist.
Die 16 Bundesländer im Überblick
Baden-Württemberg
- ▸Europarecht als eigener Prüfungsbestandteil
- ▸6 Klausuren in 2 Wochen
Bayern
- ▸Höchste Prädikatsquote
- ▸Mündliche Prüfung gewichtet stark (40%)
Berlin
- ▸Kein Freischuss
- ▸7 Klausuren — höchste Anzahl mit BB
Brandenburg
- ▸Gemeinsames Prüfungsamt mit Berlin
- ▸Höchste Durchfallquote
Bremen
- ▸Kleine Prüfungsgruppen
- ▸Persönliche Betreuung
Hamburg
- ▸Bucerius Law School (privat) + Uni Hamburg
- ▸Starker Wirtschaftsstandort
Hessen
- ▸Frankfurt als Top-Kanzleistandort
- ▸Freischuss-Regelung vorhanden
Mecklenburg-Vorpommern
- ▸Kleine Fakultät, gute Betreuung
- ▸Niedrige Lebenshaltungskosten
Niedersachsen
- ▸Mehrere starke Universitäten
- ▸Freischuss vorhanden
Nordrhein-Westfalen
- ▸Größtes Bundesland — meiste Kandidaten
- ▸Kein Freischuss
Rheinland-Pfalz
- ▸Mainz — einzige juristische Fakultät des Landes
- ▸Gute Betreuung
Saarland
- ▸Nur 5 Klausuren — wenigste in Deutschland
- ▸Europa-Schwerpunkt (Grenzlage Frankreich)
Sachsen
- ▸Leipzig — starke juristische Fakultät
- ▸Gute Prädikatsquote
Sachsen-Anhalt
- ▸Martin-Luther-Universität — traditionsreich
- ▸Günstiger Studienort
Schleswig-Holstein
- ▸Kiel als einziger Standort
- ▸Nähe zu Hamburg (Kanzleimarkt)
Thüringen
- ▸Friedrich-Schiller-Universität Jena
- ▸Kein Freischuss
Stimmen aus dem Podcast
Erfahrungen und Tipps von Gästen des Irgendwas mit Recht Podcasts
“Es hilft sehr, sich während des Jurastudiums Vorbilder zu suchen.”
“Wir können sehr viel für das Jurastudium tun — zum Beispiel die Methodenkompetenz stärken!”
“Ich wäre dafür, man betrachtet seine Noten als Lebenszeitkonto in Klausurpunkten, das man erreichen will. So bringt jede Klausur — unabhängig von der Punktzahl — das Ziel etwas näher.”
