Das Jurastudium auf einen Blick
Das Jurastudium (Rechtswissenschaft) ist einer der anspruchsvollsten Studiengänge in Deutschland. Anders als bei Bachelor-/Master-Studiengängen schließt das klassische Jurastudium mit dem Ersten Staatsexamen (Erste Juristische Prüfung) ab. Die Regelstudienzeit beträgt 9 Semester, die tatsächliche Studiendaür liegt jedoch im Durchschnitt bei 10,9 Semestern. Rund 100.000 Studierende sind in Deutschland in Rechtswissenschaft eingeschrieben.
Key Facts
- Regelstudienzeit: 9 Semester (4,5 Jahre)
- Tatsächliche Durchschnittsdaür: 10,9 Semester
- Abschluss: Erste Juristische Prüfung (Staatsexamen)
- Eingeschriebene Studierende: ca. 100.000
- Studienorte: 44 juristische Fakultäten in Deutschland
- Zulassung: Teilweise NC, teilweise zulassungsfrei
Experten-Einschätzung
Das Jurastudium ist ein Marathon, kein Sprint. Die meisten erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen berichten, dass die Regelstudienzeit von 9 Semestern ambitioniert, aber machbar ist — vorausgesetzt man plant die Examensvorbereitung von Anfang an mit ein.
Die drei Phasen des Jurastudiums
Das Jurastudium gliedert sich in drei klar definierte Phasen: das Grundstudium, das Hauptstudium und die Examensvorbereitung. Zusätzlich wählt jede Studierende einen Schwerpunktbereich, der den universitären Teil der Ersten Juristischen Prüfung ausmacht.
| Phase | Semester | Schwerpunkt | Prüfungen | Ziel |
|---|---|---|---|---|
| Grundstudium | 1.–3. Semester | Pflichtfächer: BGB AT/Schuldrecht, Strafrecht AT, Staatsrecht I/II, Europarecht | Zwischenprüfung, Übungen für Anfänger | Grundverständnis aller drei Rechtsgebiete |
| Hauptstudium | 4.–6. Semester | Vertiefung: Sachenrecht, BGB AT II, StR BT, VerwR, Handels-/Gesellschaftsrecht, ZPO, StPO | Übungen für Fortgeschrittene (große Übung/Scheine) | Examensrelevante Vertiefung aller Rechtsgebiete |
| Schwerpunktbereich | 5.–8. Semester | Gewählte Spezialisierung (z.B. Arbeitsrecht, Wirtschaftsrecht, Strafrecht) | Seminararbeit + Klausur = Schwerpunktbereichsprüfung (30% der Gesamtnote) | Vertiefte Spezialkenntnisse, wissenschaftliches Arbeiten |
| Examensvorbereitung | 7.–9. Semester (oder länger) | Gesamter Pflichtfachstoff, Wiederholung, Klausurentraining | Probeexamen, Examensklausurenkurs | Prüfungsreife für das Erste Staatsexamen |
Das Grundstudium (1.–3. Semester)
Im Grundstudium werden die Grundlagen der drei großen Rechtsgebiete gelegt: Zivilrecht, Öffentliches Recht und Strafrecht. Die Veranstaltungen sind in der Regel als Vorlesungen mit begleitenden Arbeitsgemeinschaften (AGs) organisiert. Am Ende des Grundstudiums steht die Zwischenprüfung, die an den meisten Universitäten aus mehreren Klausuren in den drei Kernbereichen besteht.
Zivilrecht
ca. 30 ECTS- ▸BGB Allgemeiner Teil
- ▸Schuldrecht AT & BT
- ▸Sachenrecht (Beginn)
Öffentliches Recht
ca. 20 ECTS- ▸Staatsorganisationsrecht
- ▸Grundrechte
- ▸Europarecht (Einführung)
Strafrecht
ca. 15 ECTS- ▸Strafrecht Allgemeiner Teil
- ▸Strafrecht Besonderer Teil I
Grundlagenfächer
ca. 10 ECTS- ▸Rechtsgeschichte
- ▸Rechtsphilosophie
- ▸Rechtssoziologie
Experten-Einschätzung
Die ersten drei Semester legen das Fundament. Wer hier solide Grundlagen aufbaut, hat es im Hauptstudium und in der Examensvorbereitung deutlich leichter. Viele unterschätzen den Gutachtenstil — übt ihn von Anfang an konseqünt.
Das Hauptstudium (4.–6. Semester)
Im Hauptstudium werden die Grundlagen vertieft und um weitere examensrelevante Rechtsgebiete ergänzt. Zentral sind die sogenannten 'großen Übungen' (Übungen für Fortgeschrittene), deren Bestehen Voraussetzung für die Zulassung zum Examen ist. Pro Rechtsgebiet muss mindestens eine große Übung erfolgreich absolviert werden — bestehend aus einer Hausarbeit und einer Klausur.
Die großen Übungen
Die großen Übungen sind der erste echte Belastungstest im Jurastudium. Eine Hausarbeit (ca. 20–30 Seiten) in den Semesterferien und eine 5-stündige Klausur im Semester — das ist das Format, das auch im Examen auf euch wartet.
Experten-Einschätzung
Das Hauptstudium ist die Phase, in der sich die Spreu vom Weizen trennt. Wer die großen Übungen beim ersten Versuch besteht, ist auf einem guten Weg. Mein Tipp: Bildet Lerngruppen für die Hausarbeiten — der Austausch über Argumentationslinien ist unbezahlbar.
Der Schwerpunktbereich
Ab dem 5. Semester wählen Studierende einen Schwerpunktbereich, der ihren persönlichen Interessen und Karriereplänen entspricht. Die Schwerpunktbereichsprüfung macht 30% der Gesamtnote der Ersten Juristischen Prüfung aus — ein nicht zu unterschätzender Anteil, der strategisch geplant werden sollte. Die Wahl des Schwerpunktbereichs hängt vom Studienort ab: Nicht jede Universität bietet jeden Schwerpunkt an.
| Schwerpunktbereich | Beliebtheit | Karrierevorteil | Schwierigkeit |
|---|---|---|---|
| Unternehmens- und Gesellschaftsrecht | Sehr hoch | Großkanzlei, M&A, Corporate | Mittel bis hoch |
| Arbeits- und Sozialrecht | Hoch | Arbeitsrechtskanzleien, HR, Gewerkschaften | Mittel |
| Strafrecht und Kriminologie | Mittel | Strafverteidigung, Staatsanwaltschaft | Mittel |
| Internationales und Europäisches Recht | Hoch | Internationale Kanzleien, EU-Institutionen | Mittel bis hoch |
| Medien-, IT- und Datenschutzrecht | Stark steigend | Legal Tech, Tech-Unternehmen, Datenschutz | Mittel |
| Staats- und Verwaltungsrecht | Mittel | Öffentlicher Dienst, Verwaltungsrichter | Mittel |
⭐ Notentipp
Die Schwerpunktbereichsprüfung bietet die größte Chance, die Gesamtnote gezielt zu verbessern. Anders als im staatlichen Teil könnt ihr euch hier über einen längeren Zeitraum vorbereiten und das Thema frei wählen. Viele Studierende schaffen im Schwerpunkt eine 1–2 Notenstufen bessere Note als im Pflichtfachbereich.
Experten-Einschätzung
Wählt den Schwerpunkt nicht nur nach Karrierechancen — wählt ihn nach echtem Interesse. Wer sich für sein Thema begeistert, schreibt bessere Hausarbeiten und holt mehr Punkte. Die Note im Schwerpunkt kann eure Gesamtnote signifikant heben.
Stimmen aus dem Podcast
Erfahrungen und Tipps von Gästen des Irgendwas mit Recht Podcasts
“Jurastudium erfordert einen Motor: Interesse und Freude. Geld allein trägt nicht. Erfolg im Examen misst Fähigkeit, strukturiert komplexe Probleme zu lösen, nicht nur Wissen. Kommunikation und Schlüsselqualifikationen sind ebenso entscheidend.”
“Jura zu studieren ist nicht der Lebensinhalt, sondern eine Facette des Lebens. Je mehr Facetten du deinem Leben zufügst, desto strahlender wird es. Jura sollte eine von vielen Facetten sein, nicht die einzige.”
“Der Schwerpunktbereich soll begeistern, Horizonte erweitern und zeigen, wie groß die Welt ist. Es geht nicht nur um Noten, sondern darum, sich für etwas zu engagieren und juristisch richtig zu arbeiten.”
