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Wahlstation im Referendariat: Optionen, Tipps und beliebte Stationen

Wahlstation im Referendariat: Beliebte Optionen von Großkanzlei bis Auswärtiges Amt. Tipps zur Auswahl und Bewerbung für die perfekte Wahlstation.

4 Fragen beantwortet
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf

Inhaltsüberblick

Die Wahlstation im Referendariat ist die letzte Station — und die mit der größten Gestaltungsfreiheit. Während bei den Pflichtstationen der Rahmen weitgehend vorgegeben ist, kannst du bei der Wahlstation nahezu jeden Stationsgeber wählen, der einen juristischen Bezug hat und einen Betreuer mit Befähigung zum Richteramt stellt. Vom Auswärtigen Amt über internationale Organisationen bis zur Großkanzlei im Ausland: Die Wahlstation dauert 3 Monate und kann strategisch als Karrieresprungbrett genutzt werden.

Was ist die Wahlstation? Einordnung und formale Voraussetzungen

Die Wahlstation ist die fünfte und letzte Station im Referendariat mit einer Dauer von 3 Monaten. Im Gegensatz zu den Pflichtstationen gibt es hier keine begleitende Arbeitsgemeinschaft (AG). Damit hast du mehr Zeit für die Tätigkeit beim Stationsgeber und — falls noch nötig — für die Examensvorbereitung.

Formale Voraussetzungen für die Anerkennung:

  • Betreuer mit Befähigung zum Richteramt (d.h. mit 2. Staatsexamen)
  • Juristischer Bezug der Tätigkeit
  • Genehmigung durch das zuständige OLG/LJPA
  • Ggf. Ausbildungsplan vorlegen

Beliebte Wahlstationen: Die wichtigsten Optionen

Großkanzlei (national oder Auslandsbüro)

Die Wahlstation in einer Großkanzlei ist besonders beliebt bei Referendaren, die dort den Berufseinstieg anstreben. Vorteile: hohe Vergütung, strukturiertes Programm, Übernahmechancen. Viele Großkanzleien bieten die Wahlstation gezielt in ihren Auslandsbüros an — z.B. in London, New York oder Hongkong. So kombinierst du internationale Erfahrung mit Firmenkontakt.

Auswärtiges Amt: Botschaften und Konsulate

Die Wahlstation beim Auswärtigen Amt ist eine der begehrtesten Optionen. Du arbeitest an einer deutschen Botschaft oder einem Konsulat weltweit und bekommst Einblick in die diplomatische und völkerrechtliche Arbeit. Wegen der hohen Beliebtheit vergibt das Auswärtige Amt seine Plätze nach einer Punktzahl, die aus Examensnote, Berufserfahrung und Sprachkenntnissen errechnet wird.

Bewerbungstimeline: Frühestens 12 Monate und spätestens 7 Monate vor Stationsbeginn. Die Plätze sind begrenzt — frühzeitige Bewerbung ist entscheidend.

Auch die Ständige Vertretung bei der EU in Brüssel bietet Plätze für Rechtsreferendare und gibt Einblick in EU-Rechtsetzung und diplomatische Arbeit.

Internationale Organisationen

UN-Organisationen, die EU-Kommission, der Europäische Gerichtshof, der Internationale Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag, die Weltbank, UNHCR, die GIZ und Auslandshandelskammern (AHK) bieten alle Plätze für Referendare in der Wahlstation. Die Bewerbungsverfahren sind kompetitiv und erfordern frühzeitige Planung — oft 12+ Monate im Voraus.

Unternehmen / Rechtsabteilung (Inhouse)

Eine Wahlstation in der Rechtsabteilung eines Unternehmens bietet Einblick in die Inhouse-Arbeit: Vertragsprüfung, Compliance, Datenschutz, M&A-Begleitung. Diese Option ist besonders interessant, wenn du eine Karriere als Unternehmensjurist anstrebst. Die Arbeitsweise unterscheidet sich deutlich von der Kanzleiarbeit — es lohnt sich, beides kennenzulernen.

BGH und BVerfG

Eine Wahlstation am Bundesgerichtshof oder Bundesverfassungsgericht ist prestigeträchtig, aber auch sehr kompetitiv. Die Arbeit ist wissenschaftlich geprägt: Rechtsrecherche, Entscheidungsentwürfe, Grundsatzfragen. Für eine akademische Karriere oder den Einstieg in die Justiz kann diese Station besonders wertvoll sein.

NGOs und gemeinnützige Organisationen

Für Referendare mit gesellschaftlichem Engagement bieten NGOs wie Amnesty International, Pro Asyl, Reporter ohne Grenzen oder die Deutsche Umwelthilfe Wahlstationsplätze. Die Vergütung ist gering bis nicht vorhanden, aber die Erfahrung kann fachlich und persönlich bereichernd sein.

Bewerbungstipps: Wann und wie man sich bewirbt

Die Bewerbung für die Wahlstation solltest du 6-12 Monate vor Stationsbeginn einplanen. Bei besonders begehrten Stellen (Auswärtiges Amt, internationale Organisationen, Top-Kanzleien im Ausland) ist ein Vorlauf von 12 Monaten oder mehr ratsam.

  1. Frühzeitig recherchieren: Sammle Informationen über mögliche Stationsgeber ab Beginn der Anwaltsstation.
  2. Individuelles Anschreiben: Erkläre, warum du dich für genau diesen Stationsgeber interessierst und was du einbringen kannst.
  3. Sprachkenntnisse: Für Auslandsstationen: Sprachnachweise vorbereiten (TOEFL, IELTS, DELF je nach Land).
  4. Empfehlungsschreiben: Ein Empfehlungsschreiben vom Ausbilder einer vorherigen Station kann die Bewerbung stärken.
  5. Genehmigung beim OLG: Vergiss nicht, die Genehmigung beim zuständigen OLG einzuholen — besonders bei Auslandsstationen.

Strategische Wahl: Die Wahlstation als Karrieresprungbrett

Die Wahlstation ist mehr als eine Pflichtstation zum Abhaken. Richtig gewählt, kann sie den Berufseinstieg erheblich erleichtern:

  • Großkanzlei als Ziel? Nutze die Wahlstation in der Wunschkanzlei (oder deren Auslandsbüro) als verlängertes Vorstellungsgespräch.
  • Justiz als Ziel? Eine Station am BGH oder BVerfG macht sich im Lebenslauf hervorragend.
  • Internationale Karriere? Auswärtiges Amt, EU-Institutionen oder internationale Kanzlei — die Wahlstation ist oft der erste Kontaktpunkt.
  • Inhouse als Ziel? Eine Station in der Rechtsabteilung eines Unternehmens gibt dir den Einblick, den du für eine fundierte Entscheidung brauchst.

Mehr zur strategischen Planung findest du im Artikel zur Karriereplanung im Referendariat. Und wenn du eine Wahlstation im Ausland planst, lies unseren ausführlichen Artikel zur Wahlstation im Ausland.

Fragen & Antworten

4 Antworten aus Podcast-Episoden

Die Wahlstation dauert 3 Monate und ist die letzte Station im Referendariat. Sie findet nach der Anwaltsstation statt, also in den letzten Monaten vor dem 2. Staatsexamen. Während der Wahlstation gibt es keine begleitende AG-Pflicht.

Das sagen unsere Experten

Bei der Wahlstation gilt: Wähle die Station, die dich deinem Berufsziel am nächsten bringt — nicht die, die den besten Briefkopf hat. Viele Referendare berichten, dass der direkte Kontakt zum späteren Arbeitgeber in der Wahlstation der entscheidende Faktor für die Übernahme war. Wenn du noch unsicher bist, welchen Karriereweg du einschlagen willst, nutze die Wahlstation bewusst zum Ausprobieren einer Option, die du noch nicht kennst.

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.