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Praktika im Jurastudium: Wann, wo, wie?

Praktika im Jurastudium: Pflichtpraktika, freiwillige Praktika bei Kanzleien und Gerichten, Bewerbungstipps und optimaler Zeitpunkt. Jetzt planen.

3 Fragen beantwortet
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf

Inhaltsüberblick

Der erste Schritt in die Praxis: Warum das Praktikum im Jurastudium entscheidend ist

Das Jurastudium gilt oft als trocken, theorieüberladen und fernab der Realität. Doch spätestens in der vorlesungsfreien Zeit klopft die Praxis an die Tür. Ein Praktikum im Jurastudium ist weit mehr als nur eine lästige Pflichtaufgabe für die Zulassung zum Ersten Staatsexamen. Es ist deine Chance, den Elfenbeinturm der Universität zu verlassen und herauszufinden, ob der Traum von der Karriere in der Großkanzlei oder der Alltag als Richter wirklich zu dir passt.

In diesem Guide erfährst du alles, was du über das Praktikum im Jurastudium wissen musst: Von den gesetzlichen Anforderungen der Pflichtpraktika bis hin zu Tipps für die Bewerbung bei Top-Arbeitgebern. Wir zeigen dir, wie du die Weichen für deine spätere Karriere stellst und warum ein Blick über den Tellerrand der Lehrbücher dein Studium bereichern wird.

Pflichtpraktika im Jurastudium: Was die Studienordnung verlangt

Bevor du dich für das Erste Staatsexamen anmelden kannst, musst du in der Regel eine praktische Studienzeit von insgesamt drei Monaten (ca. 13 Wochen) nachweisen. Geregelt ist dies in § 5a des Deutschen Richtergesetzes (DRiG) sowie in den jeweiligen Ausbildungsordnungen der Bundesländer (JAPO/JASG). Meist unterteilen sich diese Pflichtpraktika in drei Bereiche:

  • Rechtspflege (Anwaltspraktikum): Ein Monat bei einer Rechtsanwältin oder einem Rechtsanwalt. Hier lernst du die Mandatsarbeit, Schriftsatzerstellung und vielleicht sogar den Gang zum Gericht kennen.
  • Verwaltungspraktikum: Ein Monat bei einer Behörde, einer Kommune oder in einem Ministerium. Dies gibt Einblicke in das öffentliche Recht jenseits von abstrakten Prüfungsschemata.
  • Gerichtspraktikum: Ein Monat bei einem ordentlichen Gericht (Zivil- oder Strafrecht) oder einem Fachgericht (Arbeits-, Sozial-, Finanz- oder Verwaltungsgericht).

Wichtig ist, dass du dich frühzeitig informierst, welche Anforderungen dein zuständiges Landesjustizprüfungsamt stellt. Manche Bundesländer erlauben die Zusammenfassung von Zeiträumen, andere sind strenger bei der Aufteilung. Ein Pflichtpraktikum Jura sollte gut geplant sein, damit es nicht mit Hausarbeiten oder dem Repetitorium kollidiert.

Freiwillige Praktika: Warum sie sich lohnen

Viele Studierende fragen sich: Warum sollte ich mehr machen, als die Prüfungsordnung verlangt? Die Antwort ist simpel: Jurastudium Berufserfahrung ist Gold wert. Während Pflichtpraktika oft nur einen oberflächlichen Einblick bieten, ermöglichen dir freiwillige Praktika – etwa in der Mitte des Studiums oder nach dem Freischuss – eine tiefere Spezialisierung.

Besonders wenn du eine Karriere in einer Boutique-Kanzlei oder einer internationalen Großkanzlei anstrebst, sind zusätzliche Stationen in deinem Lebenslauf ein starkes Signal. Du zeigst Eigeninitiative und hast die Möglichkeit, wertvolle Kontakte zu knüpfen. In unserem Podcast berichten Gäste wie die Partnerin Greta Harnisch (Folge 226), dass gerade die Dynamik im Team und das gemeinsame Arbeiten an komplexen Transaktionen das Bild des Berufs prägen. Solche Erfahrungen sammelst du selten in einem vierwöchigen Pflichtdurchlauf.

Praktikumsarten: Wo kannst du praktische Erfahrung sammeln?

Die Auswahl an Praktikumsplätzen ist riesig. Je nachdem, welches Rechtsgebiet dich interessiert, kommen unterschiedliche Stationen infrage:

1. Die Kanzlei (Großkanzlei, Boutique, Mittelstand)

Ein Jura Praktikum in einer Kanzlei ist der Klassiker. In einer Großkanzlei (Top 20) arbeitest du an Mandaten mit enormem wirtschaftlichem Volumen. Hier sind die Notenanforderungen oft hoch (oft wird bereits für Praktikanten ein "Befriedigend" oder mehr gesehen), aber die Einblicke in M&A, Banking oder Litigation sind exzellent. Wer es spezialisierter mag, wählt eine Boutique. Hier ist die Mandantenverantwortung oft früher greifbar, und die Arbeitsatmosphäre ist familiärer.

2. Das Gericht und die Staatsanwaltschaft

Ein Praktikum am Gericht für Jurastudenten ist der beste Weg, um die richterliche Unabhängigkeit zu verstehen. Du sitzt neben dem Richter in der Verhandlung und darfst vielleicht sogar ein Votum zu einem Fall schreiben. Ähnlich spannend ist die Staatsanwaltschaft, wo du die Ermittlungsarbeit zwischen Polizei und Hauptverhandlung miterlebst.

3. Unternehmen (In-House)

Immer beliebter wird das Praktikum in der Rechtsabteilung eines Unternehmens. Ob DAX-Konzern oder innovatives Start-up: Hier lernst du die Rolle des Juristen als strategischer Berater kennen. Themen wie Compliance, Datenschutz und Vertragsgestaltung stehen hier im Vordergrund. Dies ist besonders interessant, wenn du später als Syndikusanwalt arbeiten möchtest, wo Einstiegsgehälter zwischen 60.000 und 100.000 EUR keine Seltenheit sind.

4. NGO, Verbände und Internationale Organisationen

Wenn du dich für Menschenrechte, Umweltrecht oder Politik interessierst, sind NGOs oder internationale Organisationen wie die UN oder EU-Institutionen spannend. Diese Praktika erfordern oft viel Vorlaufzeit bei der Bewerbung, bieten aber eine einzigartige Perspektive auf das Recht als Gestaltungsinstrument der Gesellschaft.

Der richtige Zeitpunkt: Wann solltest du Praktika machen?

Der ideale Zeitpunkt für das erste Praktikum im Jurastudium ist meist nach dem zweiten oder dritten Semester, wenn du die ersten Grundlagen im Zivil- oder Strafrecht beherrschst. Viele Studierende nutzen die Semesterferien nach der Zwischenprüfung. Warte nicht bis kurz vor dem Examen, da der Fokus dann voll auf der Vorbereitung liegen sollte. Ein gut platziertes Praktikum kann auch als Motivationsschub dienen, wenn die Theorie im Studium gerade zäh wird.

Bewerbung: Tipps für die Praktikumssuche als Jurastudent

Eine erfolgreiche Jura Praktikum Bewerbung besteht aus einem Anschreiben, einem tabellarischen Lebenslauf und deinen aktuellen Leistungsnachweisen (Scheine, Zwischenprüfung). In deinem Anschreiben solltest du klar formulieren, warum dich genau dieser Arbeitgeber interessiert. Hast du vielleicht eine bestimmte Podcast-Folge von "Irgendwas mit Recht" gehört, die dein Interesse an einem Rechtsgebiet geweckt hat? Erwähne das!

Für Top-Adressen gilt: Bewirb dich 6 bis 9 Monate im Voraus. Für kleinere Kanzleien oder lokale Behörden reicht oft ein Vorlauf von 3 Monaten. Achte auf ein professionelles Auftreten, denn das Praktikum ist oft das "verlängerte Vorstellungsgespräch" für eine spätere Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Referendar.

Was du im Praktikum lernst: Praxiserfahrung für die Karriere

Im Praktikum lernst du Dinge, die kein Lehrbuch vermitteln kann:

  • Recherche: Wie finde ich schnell die passende Rechtsprechung in Datenbanken wie Beck-Online oder Juris?
  • Schriftsatzgestaltung: Wie baue ich ein Gutachten so um, dass es ein überzeugender Schriftsatz für den Mandanten wird?
  • Soft Skills: Wie kommuniziere ich mit Mandanten, Zeugen oder Kollegen?
  • Netzwerk: Du triffst Menschen, die deinen Wunschberuf bereits ausüben und dir wertvolle Tipps geben können.

Denk daran: Ein Praktikum dient auch dazu, Ausschlusskriterien zu finden. Wenn du merkst, dass dich Verwaltungsrecht in der Praxis langweilt, ist das eine wertvolle Erkenntnis für deine spätere Schwerpunktwahl oder die Wahl deiner Stationen im Referendariat.

Karriereperspektiven und Gehälter im Blick

Praktika sind der Grundstein für die spätere Berufswahl. Wie unsere Daten zeigen, variieren die Karrierewege nach dem Studium stark. Während in der Großkanzlei Einstiegsgehälter von bis zu 180.000 EUR locken, bietet der Staatsdienst (Richter/Staatsanwalt) mit der R1-Besoldung (ca. 50.000–60.000 EUR) Sicherheit und Unabhängigkeit. Wer technologisch affin ist, findet im Bereich Legal Tech spannende Einstiegsmöglichkeiten mit Gehältern zwischen 55.000 und 90.000 EUR. Dein Praktikum hilft dir, diese Welten abzuwägen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Nutze die vorlesungsfreie Zeit klug. Jedes Praktikum im Jurastudium bringt dich einen Schritt weiter zu deinem Ziel – egal, ob dieses Ziel Richterhammer, Anwaltsrobe oder Legal Tech Start-up heißt.

Fragen & Antworten

3 Antworten aus Podcast-Episoden

Das kommt stark auf den Arbeitgeber an. Bei Pflichtpraktika besteht gesetzlich kein Anspruch auf Mindestlohn. Behörden und Gerichte zahlen in der Regel keine Vergütung. Viele mittlere und große Kanzleien sowie Unternehmen zahlen jedoch mittlerweile eine Aufwandsentschädigung, die zwischen 400 und 1.500 Euro pro Monat liegen kann. Freiwillige Praktika, die länger als drei Monate dauern, unterliegen dem Mindestlohngesetz, sofern sie nicht als Pflichtpraktikum deklariert sind. Es lohnt sich immer, im Vorfeld diskret nach einer Vergütung zu fragen oder sich auf den Karriereseiten der Kanzleien zu informieren.

Das sagen unsere Experten

Wähle deine Praktika nicht nur nach dem Renommee des Arbeitgebers aus, sondern nach deinem echten Interesse. Ein Praktikum in einer spezialisierten Boutique kann oft lehrreicher sein als in einer riesigen Abteilung einer Großkanzlei, da du dort näher am Mandat arbeitest. Nutze die Zeit, um herauszufinden, welcher Arbeitstyp du bist: Teamplayer in der Transaktion oder Einzelkämpfer am Richtertisch?

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.