Inhaltsüberblick
Bewerbung bei der Großkanzlei: So gelingt der Einstieg
Der Weg in eine Großkanzlei beginnt lange vor dem ersten Bewerbungsgespräch. Wer sich bei einer internationalen Wirtschaftskanzlei bewerben möchte, muss nicht nur die formalen Voraussetzungen erfüllen, sondern auch verstehen, worauf Kanzleien jenseits der Noten wirklich achten.
Die gute Nachricht: Prädikatsexamen sind kein Automatismus, aber sie öffnen Türen. Die meisten Großkanzleien setzen mindestens ein „befriedigend“ (9 Punkte oder mehr) in beiden Examina voraus. Doch Noten allein reichen nicht — Persönlichkeit, Engagement und der richtige Bewerbungszeitpunkt sind ebenso entscheidend. In Episode 18 gibt ein erfahrener HR-Consultant Einblick in den Jura-Jobmarkt und erklärt, was Kanzleien bei Bewerbungen wirklich überzeugt.
Die Bewerbungsunterlagen: Mehr als Zeugnisse
Eine überzeugende Bewerbung bei einer Großkanzlei umfasst:
- Anschreiben: Klar, prägnant und auf die Kanzlei zugeschnitten. Zeigen Sie, warum genau diese Kanzlei und dieses Rechtsgebiet zu Ihnen passt
- Lebenslauf: Lückenlos mit Schwerpunkt auf relevanten Erfahrungen — Praktika, Wahlstationen, Moot Courts und LL.M.-Programme
- Zeugnisse: Beide Examina, relevante Universitätszeugnisse und gegebenenfalls Nachweise über Auslandsaufenthalte
- Referenzen: Kontakte aus Praktika oder Wahlstationen können den Unterschied machen
In Episode 149 werden Anschreiben, Lebenslauf und Vorstellungsgespräch detailliert durchgesprochen — mit konkreten Tipps, die den Unterschied zwischen Absage und Einladung machen können.
Das Vorstellungsgespräch: Worauf es ankommt
Das Interview bei einer Großkanzlei unterscheidet sich deutlich von Bewerbungsgesprächen in anderen Branchen. Typischerweise umfasst es mehrere Runden: ein Erstgespräch mit HR, gefolgt von Interviews mit Partnern und Associates aus der gewünschten Praxisgruppe. Einige Kanzleien setzen zusätzlich Case Studies oder Präsentationsaufgaben ein.
Was Kanzleien besonders schätzen: Authentizität und echtes Interesse am Rechtsgebiet. Standardantworten fallen sofort auf. Stattdessen sollten Bewerber zeigen, dass sie sich mit der Kanzlei, ihren Mandaten und ihrer Kultur beschäftigt haben. In Episode 30 beschreibt eine HR-Generalistin einer internationalen Wirtschaftskanzlei, welche Karrierechancen und welchen Arbeitsalltag Bewerber erwarten können.
Soft Skills: Was neben den Noten zählt
Großkanzleien suchen nicht nur brillante Juristen, sondern Teamplayer mit Potenzial. Die wichtigsten Soft Skills sind:
- Kommunikationsfähigkeit: Komplexe Sachverhalte verständlich erklären können — gegenüber Mandanten, Kollegen und Gerichten
- Belastbarkeit: Großkanzleiarbeit ist intensiv. Wer das im Vorstellungsgespräch durch Beispiele belegen kann, punktet
- Unternehmerisches Denken: Kanzleien sind Unternehmen. Wer früh zeigt, dass er über die reine Rechtsanwendung hinausdenkt, hebt sich ab
- Sprachkenntnisse: Verhandlungssicheres Englisch ist Pflicht. Weitere Sprachen sind ein Plus
Timing und Strategie
Der richtige Bewerbungszeitpunkt variiert je nach Karrierestufe. Referendare bewerben sich idealerweise während der Anwaltsstation oder kurz vor dem zweiten Examen. Für Quereinsteiger und Laterals gelten andere Zeitfenster — hier läuft vieles über Headhunter und persönliche Netzwerke.
In Episode 321 wird das Bewerbungsverfahren für einen Harvard LL.M. beschrieben — ein Baustein, der die Türen zu den Top-Kanzleien weltweit öffnen kann.
Ein oft unterschätzter Kanal: Karriereevents und Kanzleiabende. Viele Kanzleien laden gezielt Studierende und Referendare ein, um potenzielle Kandidaten frühzeitig kennenzulernen. Wer hier positiv auffällt, hat im späteren Bewerbungsverfahren einen klaren Vorteil. In Episode 160 gibt die CHRO einer Großkanzlei Einblick in Kulturmanagement und Employee Experience — Faktoren, die bei der Bewerbung eine immer größere Rolle spielen.
Das sagen unsere Experten
Recruiter, Partner und HR-Verantwortliche großer Kanzleien teilen im IMR-Podcast ihre Erfahrungen und Tipps für eine erfolgreiche Bewerbung.
Im Jura-Jobmarkt zählen nicht nur Noten und Zeugnisse. Wir achten auf Persönlichkeit, Motivation und die Fähigkeit, sich in ein Team einzufügen. Ein gutes Anschreiben zeigt mir in 30 Sekunden, ob jemand wirklich zu uns passt.
How to Bewerbungsverfahren — das klingt simpel, aber die meisten Fehler passieren bei den Grundlagen. Ein lückenloser Lebenslauf, ein zugeschnittenes Anschreiben und eine gute Vorbereitung aufs Gespräch machen 80 Prozent des Erfolgs aus.
Karrierechancen und Arbeitsalltag in einer internationalen Wirtschaftskanzlei — beides sollte im Bewerbungsgespräch zur Sprache kommen. Wer nur über Gehälter redet, ohne echtes Interesse am Rechtsgebiet zu zeigen, fällt durch.
Der Weg zur Partnerschaft in einer US-Großkanzlei beginnt mit dem richtigen Einstieg. Wer sich früh positioniert, die richtigen Mentoren findet und bereit ist, hart zu arbeiten, hat auch als Deutsche in einer amerikanischen Kanzlei alle Chancen.
Kulturmanagement und Employee Experience sind keine Buzzwords — sie sind der Grund, warum Bewerber sich für oder gegen eine Kanzlei entscheiden. Wir investieren bewusst in eine Kultur, die Talente anzieht und hält.
Die Kernbotschaft der Experten: Eine erfolgreiche Bewerbung bei der Großkanzlei erfordert mehr als gute Noten — sie verlangt Vorbereitung, Authentizität und strategisches Denken.
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
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