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ESG und Nachhaltigkeit: Chancen für Unternehmensjuristen

ESG und Nachhaltigkeit als Karrierechance für Juristen: Wie Nachhaltigkeitsregulierung neue Rollen in Unternehmen schafft.

15 Fragen beantwortet
8 Podcast-Episoden
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf · Aktualisiert März 2026

Inhaltsüberblick

ESG und Nachhaltigkeit: Chancen für Unternehmensjuristen

Nachhaltigkeit ist nicht mehr nur ein gesellschaftliches Anliegen – es ist zu einem zentralen Rechtsgebiet geworden, das Unternehmensjuristen vor völlig neue Herausforderungen stellt. Von der Lieferketten-Compliance über Klimaklagen bis hin zur Nachhaltigkeitsberichterstattung: ESG durchdringt nahezu jedes Rechtsgebiet und schafft eine wachsende Nachfrage nach spezialisierten Juristen, die Recht, Wirtschaft und Nachhaltigkeit verbinden können.

Das regulatorische Umfeld

Das ESG-Regelungsumfeld ist komplex und dynamisch. Für Unternehmensjuristen stehen insbesondere folgende Bereiche im Fokus:

  • Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG): Verpflichtung zur Prüfung und Sicherstellung menschenrechtlicher und umweltbezogener Standards in der Lieferkette
  • Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD): Erweiterte Offenlegungspflichten für große und mittlere Unternehmen
  • EU-Taxonomie: Klassifizierung ökologisch nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten
  • Klimaklagen: Strategische Prozessführung gegen Unternehmen und Staaten wegen unzureichender Klimaschutzmaßnahmen
  • Greenwashing-Regulierung: Lauterkeitsrechtliche Anforderungen an Nachhaltigkeitskommunikation

In Episode 332 wird das Lieferkettenrecht vom Experten erklärt – mit Fokus auf Sorgfaltspflichten, Haftungsrisiken und europäische Entwicklungen.

Klimaklagen und strategische Prozessführung

Klimaklagen sind ein revolutionäres Phänomen im Nachhaltigkeitsrecht. Privatpersonen und Organisationen verklagen Unternehmen und Staaten wegen unzureichender Klimaschutzmaßnahmen. Für Unternehmensjuristen bedeutet das: Die Bewertung von Klimarisiken wird zur Kernaufgabe. Episode 301 analysiert den berühmten RWE-Fall vor dem OLG Hamm und zeigt, wie strategische Prozessführung im Klimabereich funktioniert.

Nachhaltigkeit und Verfassungsrecht

Der Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts hat die rechtliche Dimension der Nachhaltigkeit auf eine neue Ebene gehoben. Freiheitsrechte, intertemporale Gerechtigkeit und staatliche Schutzpflichten – die verfassungsrechtlichen Implikationen des Klimaschutzes sind für Unternehmensjuristen von grundlegender Bedeutung. Episode 315 beleuchtet diesen Zusammenhang im Detail.

Greenwashing und Lauterkeitsrecht

Nachhaltigkeit in der Werbung ist ein juristisches Minenfeld. Greenwashing-Vorwürfe können Unternehmen erheblichen Reputationsschaden zufügen und lauterkeitsrechtliche Konsequenzen haben. Episode 313 untersucht den Katjes-Fall und die Frage, wann Nachhaltigkeitsclaims lauterkeitsrechtlich problematisch werden.

ESG und Gesellschaftsrecht

Die Verbindung von ESG mit dem Aktien- und Gesellschaftsrecht eröffnet neue Handlungsfelder. Fremdorganschaft, Gemeinnützigkeit und die Reform des AG-Rechts – diese Themen gewinnen durch die Nachhaltigkeitsdebatte neue Relevanz. Episode 270 vermittelt die Grundlagen von ESG im gesellschaftsrechtlichen Kontext.

Verkehrswende und Verwaltungsrecht

ESG betrifft auch den öffentlichen Sektor. Die Verkehrswende, Bürgerrechte im Straßenverkehr und die Zukunft des Verwaltungsrechts sind Themen, die Unternehmensjuristen in Mobilitäts- und Infrastrukturunternehmen unmittelbar betreffen. Episode 317 zeigt, wie ESG und Verwaltungsrecht zusammenwirken.

Fragen & Antworten

15 Antworten aus Podcast-Episoden

Schon während meiner Promotion hat mich die Frage gereizt, wie wirtschaftliche Globalisierung menschenrechtlich eingerahmt werden kann. Die dramatischen Fabrikeinstürze und die UN-Leitprinzipien haben mich nicht mehr losgelassen. Daher widmete ich meine Habilitation vollständig dem Lieferkettenrecht und baue seither Forschung, Lehre und Praxisberatung darauf auf.

IMR332: Lieferkettenrecht (LkSG) vom Experten erklärt, Sorgfaltspflichten und Haftung für Unternehmen, Europarechtliche Entwicklungen

Aus Episode #332

IMR332: Lieferkettenrecht (LkSG) vom Experten erklärt, Sorgfaltspflichten und Haftung für Unternehmen, Europarechtliche Entwicklungen

mit Prof. Dr. Leonhard Hübner

Das sagen unsere Experten

„Das Lieferkettengesetz hat die Compliance-Anforderungen für Unternehmen fundamental verändert. Sorgfaltspflichten entlang der gesamten Lieferkette, neue Haftungsrisiken und europäische Entwicklungen – wer sich als Jurist auf ESG-Compliance spezialisiert, arbeitet an einem der dynamischsten Rechtsgebiete unserer Zeit.“

„Klimaklagen sind kein theoretisches Konstrukt – sie sind Realität. Der RWE-Fall vor dem OLG Hamm zeigt, dass Unternehmen sich ernsthaft mit klimabezogenen Haftungsrisiken auseinandersetzen müssen. Für Unternehmensjuristen bedeutet das: Klimarisikobewertung wird zur Standardaufgabe.“

Experte für strategische Prozessführung (aus Episode 301)

„Der Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts hat die Diskussion über Nachhaltigkeit auf eine verfassungsrechtliche Ebene gehoben. Freiheitsrechte und intertemporale Gerechtigkeit – diese Konzepte beeinflussen zunehmend auch die Unternehmensberatung. Juristen, die diese Zusammenhänge verstehen, sind unverzichtbar.“

„Greenwashing ist ein lauterkeitsrechtliches Risiko, das viele Unternehmen unterschätzen. Sind Grünohrhasen wirklich klimaneutral? Der Katjes-Fall zeigt, wie schnell Nachhaltigkeitsclaims juristisch problematisch werden. Als Unternehmensjurist musst du die Marketingabteilung vor sich selbst schützen.“

„Die Verkehrswende zeigt exemplarisch, wie ESG alle Bereiche des Rechts durchdringt. Straßenverkehr, Bürgerrechte und Verwaltungsrecht – als Jurist in einem Mobilitätsunternehmen arbeitest du an der Schnittstelle von Regulierung, Gesellschaft und technologischem Wandel. Das ist ESG in seiner reinsten Form.“

Verwaltungsrechtsexperte zur Verkehrswende (aus Episode 317)

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.

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mit Prof. Dr. Leonhard Hübner

In Episode 332, die zugleich die letzte Episode der 1. Staffel von Irgenwas mit ESG ist, beleuchtet mit Professor Leonhard Hübner von der Universität Augsburg zusammen mit Marc und Professorin Anne Mittwoch die Entstehung, Systematik und Zukunft des Lieferkettenrechts. Warum liegen dessen Wurzeln im völkerrechtlichen Soft Law? Warum zwangen Governance Gaps in Produktionsländern den Gesetzgeber zum Handeln? Wie verpflichtet das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) zu Risikoanalysen, Prävention und Abhilfe? Was ändert sich, wenn künftig die europäische CSDDD greift und eventuell eine Haftungspflicht einführt? Wird das IPR zur entscheidenden Weichenstellung für Geschädigte aus dem Ausland und schaffen Eingriffsnormen den Durchgriff auf deutsches Recht? Inwiefern beeinflusst Nachhaltigkeitswerbung den Mangelbegriff des Kaufrechts und könnte eine faire Jeans plötzlich mangelhaft sein, obwohl sie tadellos sitzt? Für Experten: Wie verknüpfen sich hier öffentlich-rechtliche Aufsicht, gesellschaftsrechtliche Schwellenwerte und klassische BGB-Dogmatik in Klausuren und Praxis? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!

IMR317: Verkehrswende und ESG, Straßenverkehr, Bürgerrechte, Zukunft des Verwaltungsrechts
#317

IMR317: Verkehrswende und ESG, Straßenverkehr, Bürgerrechte, Zukunft des Verwaltungsrechts

mit Prof. Dr. Anne Sanders

In dieser Folge diskutieren Anne Sanders, Anne-Christin Mittwoch und ihr Gast Prof. Valentiner, Professorin an der Universität Rostock, die aktuellen Herausforderungen und jüngste Reformen im Straßenverkehrsrecht, insbesondere im Kontext der Verkehrswende und Nachhaltigkeit. Im Mittelpunkt stehen praktische Beispiele wie Verkehrsversuche in verschiedenen deutschen Städten und die Frage, wie rechtliche Grundlagen wie § 45 StVO auf Nachhaltigkeitsziele erweitert wurden. Wie können Kommunen nachhaltigere Mobilitätskonzepte rechtssicher umsetzen? Welche Zielkonflikte bestehen zwischen Klimaschutz und der Leichtigkeit des Verkehrs? Inwiefern könnte sich das Verwaltungsrecht durch neue Herausforderungen wie die Verkehrswende grundlegend verändern? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!

IMR315: Nachhaltigkeit und Verfassungsrecht, Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts, Freiheitsrechte
#315

IMR315: Nachhaltigkeit und Verfassungsrecht, Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts, Freiheitsrechte

mit Prof. Dr. Anne-Christin Mittwoch

In der 315. Episode mit Prof. Dr. Anne-Christin Mittwoch und Dr. Romy Klimke von der Universität Halle werden zentrale Fragen zur Verankerung von Nachhaltigkeit im Verfassungsrecht behandelt. Die Diskussion dreht sich unter anderem um Staatszielbestimmungen, den Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts und die Rolle verschiedener Nachhaltigkeitsdimensionen im Grundgesetz. Wie genau findet Nachhaltigkeit aktuell Eingang in unser Verfassungsrecht? Welche Herausforderungen ergeben sich bei der Berücksichtigung ökologischer, sozialer und ökonomischer Interessen? Und wie wirkt sich der Auftrag zu mehr Nachhaltigkeit auf die Freiheitsrechte heutiger und zukünftiger Generationen aus? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!

IMR313: Nachhaltigkeit und Werbung, Lauterkeitsrecht, Katjes-Fall, sind Grünohrhasen klimaneutral?
#313

IMR313: Nachhaltigkeit und Werbung, Lauterkeitsrecht, Katjes-Fall, sind Grünohrhasen klimaneutral?

mit Prof. Dr. Frank Weiler

In Episode 313 hört Ihr von Prof. Dr. Frank Weiler von der Universität Bielefeld sowie den bekannten IMESG-Professorinnen Prof. Dr. Anne-Christin Mittwoch sowie Prof. Dr. Anne Sanders. Im Mittelpunkt steht das Lauterkeitsrecht, also das Recht gegen unlauteren Wettbewerb mit Fokus auf Werbung und Nachhaltigkeit. Die Folge beleuchtet aktuelle Urteile zur Klimaneutralitäts-Werbung, insbesondere am Beispiel der Katjes-Grünohrhasen. Es geht dabei um die Frage, wie Verbraucherinnen und Verbraucher Werbeaussagen wie „klimaneutral“ verstehen, welche Anforderungen an Information und Transparenz gestellt werden und wie das Recht mit Umweltlabels umgeht. Ist ein QR-Code auf der Verpackung für zusätzliche Informationen ausreichend? Welches Verständnis hat der Durchschnittsverbraucher von Nachhaltigkeit oder Klimaneutralität? Wie reagiert das UWG auf neue EU-Regeln, die mehr Nachhaltigkeit fördern sollen – und ist das eine grundlegende Änderung im Lauterkeitsrecht? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!