Inhaltsüberblick
Soft Skills für Juristen: Mehr als nur Paragrafenwissen
Fachliche Exzellenz allein reicht nicht mehr aus, um als Jurist erfolgreich zu sein. Soft Skills – von Kommunikationsfähigkeit über Verhandlungsgeschick bis hin zu Führungskompetenz – entscheiden zunehmend darüber, wer Karriere macht und wer stagniert. Der juristische Arbeitsmarkt sucht Persönlichkeiten, die nicht nur brillant argumentieren, sondern auch Teams führen, Mandanten begeistern und komplexe Projekte steuern können.
Projektmanagement: Die unterschätzte Kernkompetenz
Juristische Mandate sind im Kern Projekte – mit Deadlines, Budgets, Stakeholdern und unvorhergesehenen Wendungen. Episode 348 zeigt, wie Projektmanagement-Fähigkeiten bei M&A-Transaktionen den Unterschied machen: Überraschungen in der Inbox, Koordination verschiedener Parteien und die Fähigkeit, den Überblick zu behalten, wenn es hektisch wird.
Verhandlungsführung: Mehr als ein Nullsummenspiel
Ob Vergleichsverhandlungen, Vertragsverhandlungen oder Mandatsgespräche – Verhandlungsgeschick ist eine der wichtigsten Soft Skills für Juristen. Episode 333 beleuchtet, wie Vergleichsverhandlungen und Prozessrisikoanalysen in der Wirtschaftskanzlei funktionieren. Die besten Verhandler verstehen nicht nur die eigene Position, sondern auch die Interessen der Gegenseite.
Mediation und Konfliktlösung
Die Fähigkeit zur Mediation gewinnt in der juristischen Praxis an Bedeutung. Episode 340 zeigt, wie Mediation im Kontext einer Rechtsschutzversicherung mit 2.500 Partnerkanzleien eingesetzt wird. Juristen, die mediieren können, bieten Mandanten einen Mehrwert, der über die klassische Prozessvertretung weit hinausgeht.
Teamführung und Teamaufbau
Wer in einer Kanzlei oder Rechtsabteilung aufsteigen will, muss Teams führen können. Episode 333 thematisiert den Teamaufbau in einer Wirtschaftskanzlei und wie wichtig es ist, als Führungskraft KI-Vorschläge kritisch zu prüfen und das Team durch Veränderungsprozesse zu navigieren. Episode 287 zeigt, wie eine Partnerin im Insolvenzrecht als Geschäftsführerin in Eigenverwaltungsverfahren agiert – eine Rolle, die höchste Führungskompetenz erfordert.
Schriftliche Kommunikation
Gut schreiben zu können ist für Juristen essentiell – und geht weit über korrekte Rechtschreibung hinaus. Episode 312 thematisiert die Kunst herausfordernder Schriftsätze in Litigation und Arbitration. Ein überzeugender Schriftsatz kann ein Verfahren entscheiden – und diese Fähigkeit lässt sich gezielt trainieren.
Personalauswahl und Menschenkenntnis
Ob als Partner bei der Einstellung von Associates oder als Headhunter bei der Vermittlung: Menschenkenntnis ist ein entscheidender Soft Skill. Episode 290 gibt Einblicke in 25 Jahre Personalerfahrung im juristischen Bereich und zeigt, worauf es bei der Beurteilung von Kandidaten wirklich ankommt.
Innovation und Tech-Adoption
Episode 335 zeigt, dass die Fähigkeit, Innovationen voranzutreiben und Tech-Adoption erfolgreich zu gestalten, eine Schlüsselkompetenz der Zukunft ist. Juristen, die Change Management verstehen und digitale Transformation begleiten können, sind für jeden Arbeitgeber wertvoll.
Fragen & Antworten
15 Antworten aus Podcast-Episoden
Schon als Achtklässlerin hat mich ein Girls’-Day bei einem Dorfanwalt gepackt. Später kamen Richter- und Anwältinnenbesuche in der Schule sowie ein Amtsgerichtspraktikum dazu. Diese frühen Einblicke gaben mir ein klares Bild juristischer Berufe und haben den Entschluss, Jura zu studieren, praktisch festzementiert.
Aus Episode #348
IMR348: Vielfalt von M&A-Transaktionen, Überraschungen in der Inbox, hybrider LL.M. in Turin, Fähigkeiten als Projektmanager, Jurastudium ohne Vorprägung
mit Nastasja Bührmann
Das sagen unsere Experten
Als M&A-Anwalt bist du im Kern Projektmanager. Die Fähigkeit, multiple Workstreams zu koordinieren, Überraschungen gelassen zu managen und alle Beteiligten auf dem gleichen Stand zu halten, ist mindestens so wichtig wie dein juristisches Wissen.
Vergleichsverhandlungen sind eine Kunst. Du musst die Prozessrisiken nummern können, aber gleichzeitig die menschliche Dimension verstehen. Die besten Ergebnisse erzielst du, wenn du nicht nur argumentierst, sondern zuhörst und die Interessen der anderen Seite wirklich verstehst.
Herausfordernde Schriftsätze in komplexen Arbitration-Verfahren zu schreiben, erfordert mehr als juristische Argumentation. Du brauchst ein Gefühl für Dramaturgie, Klarheit und Überzeugungskraft. Schreiben ist der am meisten unterschätzte Soft Skill im juristischen Beruf.
Nach 25 Jahren im juristischen Headhunting kann ich sagen: Fachliche Qualifikation bringt dich ins Gespräch, aber Persönlichkeit entscheidet, ob du den Job bekommst. Soft Skills sind der unsichtbare Hebel, der Karrieren macht oder bricht.
Eine Legal Innovation Einheit zu managen bedeutet, Juristen für Veränderung zu begeistern. Das ist eine der größten Soft-Skill-Herausforderungen überhaupt, denn Juristen sind von Natur aus risikoavers. Wer diese Brücke bauen kann, ist Gold wert.
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
8 relevante Podcast-Folgen
IMR348: Vielfalt von M&A-Transaktionen, Überraschungen in der Inbox, hybrider LL.M. in Turin, Fähigkeiten als Projektmanager, Jurastudium ohne Vorprägung
mit Nastasja Bührmann
In der 348. Episode von IMR spricht Marc mit Nastasja Bührmann, Rechtsanwältin bei Herbert Smith Freehills Kramer, über ihren Weg in die Großkanzlei und ihre Tätigkeit im Bereich Corporate und M&A. Ausgehend von ersten Berührungspunkten mit dem Anwaltsberuf in der Schulzeit schildert Nastasja ihr Jurastudium in Münster, ihre Schwerpunktwahl im Gesellschaftsrecht und frühe praktische Erfahrungen in Wirtschaftskanzleien. Die Folge beleuchtet, warum sie sich bewusst für die anwaltliche Tätigkeit und gegen Justizberufe entschieden hat und welche Rolle Teamarbeit und Kommunikation dabei spielen. Ausführlich erklärt sie, wie Transaktionen ablaufen, was sich hinter Due Diligence, Signing und Closing verbirgt und warum Corporate und M&A mehr ist als reiner Unternehmenskauf. Zudem berichtet sie über ihren LL.M. nach dem zweiten Staatsexamen in Turin, der sie sehr geprägt hat. Was hat sie dort für ihren weiren Weg mitgenommen? Welche Fähigkeiten sind neben guten Noten entscheidend und für wen eignet sich ein ihrem vergleichbarer Karriereweg? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
IMR340: Legal Tech in der Rechtsschutzversicherung, 2500 Partnerkanzleien managen, Mediation, auf Wunsch 100% remote work
mit Menekse Ciytak
Diese Episode führt Marc nach Düsseldorf zur Juristin und zertifizierten Mediatorin Menekse Ciytak, die heute als Teamlead Rechtsdienstleister-Netzwerk bei der ARAG SE das Zusammenspiel von rund 2500 Partnerkanzleien und spezialisierten Legal-Tech-Dienstleistern verantwortet. Gemeinsam blicken sie auf ihren Weg vom Schülerpraktikum über das Studium in Hannover, das Referendariat in Essen und die Wahlstation bis zur Sachbearbeitung, In-house-Mediation mit mehr als 2600 Fällen und schließlich zur heutigen Führungsaufgabe. Welche Konflikte landen überhaupt bei einer Rechtsschutzversicherung? Warum kann eine Shuttle-Mediation am Telefon trotz fehlender Mimik funktionieren? Wie hilft Legal Tech dabei, Verkehrsverstöße oder Nachbarschaftsstreitigkeiten schneller zu lösen, Kosten zu senken und Kundinnen sowie Kunden zufriedener zu machen? Wer passt fachlich und menschlich in ein Rechtsschutz-Team, das bald wieder groß einstellt? Wie genau schaut die sechsmonatige Ausbildung im Team aus? Warum ist danach grundsätzlich auch vollständige Remote-Work möglich? Warum zählen Soft Skills dabei mehr als Examensnoten? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
IMR335: Legal Innovation Einheit managen, erfolgreiche Tech-Adoption, Tech-Auswirkungen auf Karrierewege junger Juristen
mit Willy Kleinoth
Gemeinsam mit Willy Kleinoth, Innovation Lead von Greenberg Traurig, beleuchtet Marc die Zukunft juristischer Arbeit. Willy studierte Jura, verzichtete aufs zweite Examen und baute stattdessen GTs Legal-Innovation-Einheit auf. Im Gespräch schildert er, wie interne Technologieprozesse Anwältinnen effizienter, genauer und planbarer machen sollen. Eine One-size-fits-all-Strategie funktioniert laut ihm nicht, Kultur und individuelle Bedürfnisse bestimmen erfolgreiche Adoption. Willy nutzt daher Datenanalysen und A-B-Tests, um reale Effizienzgewinne verschiedener KI-Tools belastbar zu messen. Grundlage bildet das VUCA-Framework, das in unsicheren Märkten ständige Sichtnavigation empfiehlt. Konkret erläutert er einen hausinternen Bot, der Non-Billables wie Social-Media-Texte oder Recherchesummaries beschleunigt. Wie verändert sich das Kanzleigeschäftsmodell, wenn KI interne Abläufe, Pricing und Mandantenkommunikation prägt? Welche Daten braucht es, um die Billable-Hour-Debatte jenseits bloßer Hoffnungen versachlicht zu führen? Und was bedeutet das alles für Studierende, Referendarinnen und junge Associates, die Karrierewege planen? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
IMR333: Strittige Verfahren, KI-Vorschläge kritisch prüfen, Teamaufbau in der Wirtschaftskanzlei, Vergleichsverhandlungen, Prozessrisikoanalyse
mit Christina Valdini
Marc spricht mit Christina Valdini, Counsel im Litigation-Team von DLA Piper Hamburg, über ihren Weg von der juristisch geprägten Familie über Studium, LL.M. in London und Referendariat bis hin zur Prozessanwältin in der Großkanzlei. Die beiden beleuchten, wie quantitative Prozessrisikoanalysen Mandanten bei Vergleichsentscheidungen helfen, warum Verhandlungs- und Soft Skills trotz KI an Bedeutung gewinnen und welche organisatorischen Schritte ein Teamaufbau in einer internationalen Kanzlei erfordert. Christina erklärt, weshalb sie nach zehn Jahren bei einer anderen Sozietät bewusst den Wechsel wagte, wie sich Elternschaft und Großkanzlei vereinbaren lassen und welche Chancen flexible Arbeitsmodelle bieten. Zudem diskutieren sie, wie sich Ausbildungsmethoden ändern, wenn KI Standardaufgaben übernimmt, und weshalb junge Juristinnen und Juristen früh lernen sollten, Ergebnisse kritisch zu hinterfragen. Wie multiplizieren sich Wahrscheinlichkeiten in komplexen Prozessen wirklich? Weshalb kann ein Vergleich wirtschaftlich sinnvoller sein, obwohl jede Einzelfrage aussichtsreich scheint? Und welche Eigenschaften benötigen Berufseinsteiger heute, um rasch über die Schwelle zum abrechenbaren Associate zu kommen? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
