Zum Hauptinhalt springen

Karriere im öffentlichen Dienst als Jurist: Chancen und Wege

Entdecke Karrierechancen im öffentlichen Dienst für Juristen.

5 Fragen beantwortet
5 Podcast-Episoden
5 Experten
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf · Aktualisiert März 2026

Inhaltsüberblick

Beamtenlaufbahn für Juristen: Sicherheit trifft Gestaltungsspielraum

Die Beamtenlaufbahn zählt zu den klassischen Karrierewegen für Volljuristen – und sie ist attraktiver als ihr Ruf. Während Großkanzleien mit Spitzengehältern locken, bietet der öffentliche Dienst etwas, das in der Privatwirtschaft selten ist: Planungssicherheit, Work-Life-Balance und die Möglichkeit, am Gemeinwohl mitzuwirken. Doch der Weg in die Verbeamtung ist an klare Voraussetzungen geknüpft, und die Bandbreite der Tätigkeitsfelder ist größer, als die meisten Studierenden ahnen.

Voraussetzungen für die Beamtenlaufbahn

Für den höheren Dienst – die für Volljuristen relevante Laufbahngruppe – sind in der Regel beide Staatsexamina erforderlich. Die Notenanforderungen variieren je nach Dienstherr und Behörde erheblich: Während manche Bundesbehörden ein Prädikatsexamen voraussetzen, sind Kommunalverwaltungen und bestimmte Landesbehörden auch mit soliden Noten im Bereich „befriedigend“ zugänglich. Neben den Noten spielen persönliche Eignung, gesundheitliche Voraussetzungen und die Höchstaltersgrenze eine Rolle – letztere liegt je nach Bundesland zwischen 42 und 47 Jahren.

Tätigkeitsfelder: Vielfalt im Staatsdienst

Juristen im öffentlichen Dienst arbeiten längst nicht nur in Ministerien oder Gerichten. Die Bandbreite reicht von der Kommunalverwaltung über Regulierungsbehörden und Prüfämter bis hin zu internationalen Organisationen. Torsten Herbert beschreibt in Episode 129, wie sein Weg vom Jurastudium in der DDR über den Mauerfall zum Geschäftsführer eines kommunalen Arbeitgeberverbands führte – ein Beispiel für die ungewöhnlichen Karrierepfade, die der öffentliche Sektor ermöglicht. Melanie Zachmann gibt in Episode 150 Einblicke in die Arbeit der Personalabteilung eines Wirtschaftsministeriums – ein Bereich, in dem juristisches Wissen im Beamten- und Disziplinarrecht unmittelbar gefragt ist.

Besoldung und Aufstiegschancen

Die Besoldung im höheren Dienst beginnt typischerweise mit A 13 (Einstiegsamt) und kann bis A 16 oder in den B-Besoldungsbereich steigen. Hinzu kommen Familienzuschläge, Beihilfe zur Krankenversicherung und eine Pension, die deutlich über der gesetzlichen Rente liegt. Zwar liegt das Einstiegsgehalt unter dem einer Großkanzlei, doch über die gesamte Berufslaufbahn betrachtet relativiert sich der Unterschied erheblich – insbesondere durch die sichere Altersversorgung und die geringeren Arbeitszeiten. Der Aufstieg erfolgt regelmäßig durch Beförderungen, wobei Engagement, Zusatzqualifikationen und die Bereitschaft zur Mobilität zwischen Behörden die Karriere beschleunigen.

Richter und Staatsanwalt: Sonderformen der Beamtenlaufbahn

Richter und Staatsanwälte nehmen eine besondere Stellung innerhalb der Beamtenschaft ein. Sie sind zwar keine Beamten im technischen Sinne, genießen aber ähnliche Statusrechte und eine noch weitergehende Unabhängigkeit. Simon Pschorr erläutert in Episode 140 die Vielfalt der Justiztätigkeit – von der Abordnung als Praktiker an Universitäten bis hin zur Tätigkeit in verschiedenen Gerichtsbarkeiten. Diese Durchlässigkeit innerhalb des Systems ist ein oft unterschätzter Vorteil.

Vor- und Nachteile der Verbeamtung

Die Vorteile liegen auf der Hand: Unkündbarkeit nach der Probezeit, planbare Arbeitszeiten, familienfreundliche Strukturen und eine sichere Pension. Auf der anderen Seite stehen Einschränkungen wie das Streikverbot, geringere Gehaltsflexibilität und mitunter langsamere Karriereprogression. Wer Gestaltungswillen mitbringt, findet allerdings gerade im öffentlichen Dienst ein breites Betätigungsfeld: Ob Gesetzgebungsverfahren begleiten, Förderrichtlinien entwickeln oder Verwaltungsmodernisierung vorantreiben – der Einfluss auf das Gemeinwesen ist direkt und spürbar.

Der Einstieg: So bewirbst du dich richtig

Der Zugang zur Beamtenlaufbahn erfolgt über Stellenausschreibungen der jeweiligen Dienstherren – Bund, Länder oder Kommunen. Viele Behörden rekrutieren auch über Kontakte während des Referendariats: Wahlstationen in Ministerien oder bei Behörden sind ein hervorragender Einstieg, um die Verwaltungswelt kennenzulernen und sich als Kandidat zu empfehlen. Wie Episode 343 zeigt, können sich durch die Beamtenlaufbahn auch unerwartete Türen öffnen – etwa eine Dozententätigkeit an einer Fachhochschule.

Fragen & Antworten

5 Antworten aus Podcast-Episoden

Lehre kombiniert Tiefgang und Abwechslung. In Nordkirchen kann ich Steuerrecht täglich erklären, bleibe gleichzeitig Beamter des Landes Nordrhein-Westfalen und habe später Rotations­möglichkeiten. Diese Mischung aus akademischer Freiheit, Jobsicherheit und fachlicher Breite war für mich schlicht ideal.

IMR343: Als Dozent an der Hochschule für Finanzen NRW lehren, Unterschied zwischen Sitzungsvertretung und Praxis als Staatsanwalt, KI in der Steuer-Hausarbeit

Aus Episode #343

IMR343: Als Dozent an der Hochschule für Finanzen NRW lehren, Unterschied zwischen Sitzungsvertretung und Praxis als Staatsanwalt, KI in der Steuer-Hausarbeit

mit Marc Radon

Das sagen unsere Experten

„Ich habe in der DDR Jura studiert und nach dem Mauerfall einen völlig neuen Karriereweg eingeschlagen. Der öffentliche Dienst hat mir ermöglicht, meine juristische Expertise in der Arbeitgeberlandschaft einzusetzen – das hätte ich mir nie träumen lassen.“

„Beamtenrecht und Disziplinarrecht klingen trocken, sind aber unglaublich spannend in der Praxis. Jeder Fall ist anders, und man trägt echte Verantwortung für Menschen und ihre berufliche Zukunft.“

„Die Vielfalt der Justiztätigkeit wird massiv unterschätzt. Als Richter bist du nicht an einen Schreibtisch gefesselt – du kannst als Praktiker an die Universität abgeordnet werden, in verschiedenen Gerichtsbarkeiten arbeiten oder sogar ins Ministerium wechseln.“

„Als Dozent an einer Hochschule für Finanzen verbinde ich Praxis und Lehre. Der Weg dorthin führte über die Staatsanwaltschaft – und genau diese Durchlässigkeit macht den öffentlichen Dienst so reizvoll.“

„Die Entscheidung zwischen Großkanzlei und öffentlichem Dienst ist keine Frage von besser oder schlechter – es ist eine Frage der persönlichen Prioritäten. Wer Sicherheit und Gestaltungsspielraum sucht, ist im Staatsdienst goldrichtig.“

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.

Passende Episoden

5 relevante Podcast-Folgen

IMR129: Vom Jurastudium in der DDR und Mauerfall zum Geschäftsführer beim Kommunalen Arbeitgeberverband NRW
#129

IMR129: Vom Jurastudium in der DDR und Mauerfall zum Geschäftsführer beim Kommunalen Arbeitgeberverband NRW

mit Torsten Herbert

In der heutigen Folge von Irgendwas mit Recht berichtet Torsten Herbert von seinem spannenden Werdegang: Er studierte Jura in der DDR, erlebte als Student den Mauerfall und startete im Anschluss seine Karriere als Verwaltungsrichter. Heute ist er als Geschäftsführer beim kommunalen Arbeitgeberverband NRW (KAV NW) tätig und verhandelt in dieser Rolle spannende Projekte u.a. im Arbeits- und Tarifrecht. Er schildert, wie früh man seinen Werdegang im politischen System der DDR planen musste, warum die Hürden für Kinder der sogenannten "Intelligenz" höher waren und wie hoch der Druck war, der SED beizutreten. Wie hat er den Mauerfall erlebt und wie war es, als junger Jurist erstmalig eine Verwaltungsgerichtsbarkeit in Cottbus aufzubauen? Warum hat er sich später in seiner Karriere entschieden, die Tätigkeit als Richter aufzugeben? Wie würde er dann - über mehrere Stationen als Beamter der in NRW - Geschäftsführer des kommunalen Arbeitgeberverbandes? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhalten Jurastudenten, Referendare und juristische Praktikerinnen in dieser Folge. Viel Spaß beim Podcast hören und danke für Euer zahlreiches Feedback!

IMR343: Als Dozent an der Hochschule für Finanzen NRW lehren, Unterschied zwischen Sitzungsvertretung und Praxis als Staatsanwalt, KI in der Steuer-Hausarbeit
#343

IMR343: Als Dozent an der Hochschule für Finanzen NRW lehren, Unterschied zwischen Sitzungsvertretung und Praxis als Staatsanwalt, KI in der Steuer-Hausarbeit

mit Marc Radon

In dieser 343. Folge spricht Marc mit seinem Namensvetter Marc Radon über einen ungewöhnlichen Karriereweg innerhalb der Justiz und Finanzverwaltung. Er berichtet von den prägenden Erfahrungen in der Sitzungsvertretung und der Erkenntnis, dass ihn die einsame, aktenzentrierte Arbeit in der Staatsanwaltschaft langfristig nicht erfüllt. Anschließend schildert er den Wechsel in eine Kanzlei im Steuerstrafrecht sowie den Eintritt in die Finanzverwaltung. Heute lehrt er an der Hochschule für Finanzen in Nordrhein-Westfalen, erklärt, wie man Dozent wird und welche Chancen eine Fachhochschulprofessur innerhalb der Finanzverwaltung bietet. Was sollte man über die tatsächliche Arbeit in der Staatsanwaltschaft wissen, bevor man sich dafür entscheidet? Welche Möglichkeiten eröffnet die Finanzverwaltung für Juristinnen und Juristen jenseits des klassischen Finanzamtsklischees? Wie plant man einen Weg in die Lehre und perspektivisch eine Professur an einer Fachhochschule für Finanzen? Und wie sinnvoll ist der Einsatz von KI in Studium und Praxis wirklich, wenn man langfristig ein fundiertes juristisches Verständnis aufbauen möchte? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!

IMR150: Personalabteilung Wirtschaftsministerium, Beamtenrecht, Disziplinarrecht
#150

IMR150: Personalabteilung Wirtschaftsministerium, Beamtenrecht, Disziplinarrecht

mit Melanie Zachmann

Dr. Melanie Zachmann berichtet von ihren vielseitigen Stationen beim Land Baden-Württemberg. Sie ist aktuell als Juristin in Personalfragen beim Landeswirtschaftsministerium in Stuttgart tätig. Welche Schritte führen auf eine solche Position? Wie sieht das beamtenrechtliche Disziplinarrecht aus? Welche typischen Verfehlungen gibt es in diesem Zusammenhang? Antworten auf diese und viele weitere Fragen im Zusammenhang mit der Tätigkeit im öffentlichen Dienst hört ihr in dieser Folge ebenso Tipps für Eure Bewerbung beim Ministerium. Viel Spaß!

IMR140: Gerichts-Spezial-3: Abgeordneter Praktiker als Richter, Vielfalt der Justiztätigkeit
#140

IMR140: Gerichts-Spezial-3: Abgeordneter Praktiker als Richter, Vielfalt der Justiztätigkeit

mit Simon Pschorr

Heute zu Gast: Simon Pschorr. Simon berichtet von seiner juristischen Ausbildung, die ihn in das schöne Konstanz verschlug. Im Anschluss war er als Richter und Staatsanwalt tätig. Heute arbeitet er an der Uni Konstanz als abgeordneter Praktiker, eine seltene Tätigkeit und sozusagen Mischform zwischen Hochschuldozent und Richter. Folglich kann Simon die Tätigkeit in der Justiz aus vielseitigen Perspektiven beleuchten und liefert Euch wertvollen Input für Eure Entscheidungsfindung. Welche Faktoren waren für ihn entscheidend, um sich für eine Justizkarriere zu entscheiden? Wie nahm er die Tätigkeit als Staatsanwalt im Gegensatz zum Richtersein wahr? Wie kam er dazu, sich im Anschluss dennoch in Richtung Universität und Lehre zu orientieren? Dies und vieles mehr in der heutigen Folge von IMR. Viel Spaß!