Inhaltsüberblick
Karriere in EU-Institutionen: Als Jurist Europa gestalten
Die Europäische Union ist einer der größten Arbeitgeber für Juristen weltweit – und zugleich einer der spannendsten. Ob bei der Europäischen Kommission, dem Europäischen Gerichtshof oder einer EU-Agentur: Juristen in Brüssel, Luxemburg und Straßburg arbeiten an Regelwerken, die das Leben von über 400 Millionen Menschen prägen. Wer internationale Erfahrung, Mehrsprachigkeit und die Begeisterung für europäisches Recht mitbringt, findet hier ein Arbeitsumfeld, das seinesgleichen sucht.
Wo Juristen in der EU arbeiten
Die EU-Institutionen bieten ein breites Spektrum an juristischen Tätigkeiten. Bei der Europäischen Kommission arbeiten Juristen in Generaldirektionen an Gesetzgebungsvorschlägen, Vertragsverletzungsverfahren und Wettbewerbskontrolle. Andreas Stein schildert in Episode 118 seinen Alltag bei der Kommission, wo er an der Schnittstelle von Internationalem Privatrecht und Zwangsvollstreckungsrecht tätig ist. Beim Europäischen Gerichtshof arbeiten Juristen als Referendare, wissenschaftliche Mitarbeiter oder Generalanwälte an Vorabentscheidungsverfahren und Vertragsverletzungsklagen. Auch Agenturen wie Europol, EUIPO oder die EBA beschäftigen Juristen in spezialisierten Rollen.
EU-Beihilferecht und Kartellrecht: Kernbereiche für Juristen
Zwei Rechtsgebiete stehen im Zentrum der juristischen Arbeit bei EU-Institutionen: das EU-Beihilferecht und das Kartellrecht. Leslie Manthey beschreibt in Episode 274 ihre Arbeit im EU-Beihilferecht und das Leben in Brüssel – einschließlich der Frage, wie ein Studium in Cambridge den Weg dorthin ebnet. Niklas Andree ergänzt in Episode 321 die Perspektive der Fusionskontrolle und Dawn Raids – Durchsuchungen durch die Kommission, die zum Spannendsten gehören, was das Kartellrecht zu bieten hat.
Der Weg in die EU-Institutionen
Der Zugang erfolgt in der Regel über den EPSO-Concours (den EU-weiten Auswahlwettbewerb) oder über Secondments (Abordnungen aus nationalen Behörden). Für Berufsanfänger bieten die Blue Book Traineeship-Programme bei der Kommission und die Referendariate beim EuGH exzellente Einstiegsmöglichkeiten. Voraussetzung sind in der Regel ein abgeschlossenes Jurastudium, sehr gute Kenntnisse in mindestens zwei EU-Amtssprachen und – je nach Position – Berufserfahrung im europäischen Recht. Veronika Keller-Engels zeigt in Episode 248, dass auch ein nicht-linearer Karriereweg über Europa und zurück möglich ist.
LL.M. als Sprungbrett
Ein Master of Laws (LL.M.) an einer renommierten europäischen oder anglo-amerikanischen Universität ist ein häufig gewähltes Sprungbrett in die EU-Institutionen. Er vermittelt vertiefte Kenntnisse im europäischen und internationalen Recht, baut ein internationales Netzwerk auf und signalisiert Arbeitgebern die Bereitschaft zur Mobilität. Mehrere Podcast-Gäste betonen die Bedeutung eines Auslandsstudiums: von Cambridge über Harvard bis hin zu französischen Doppelstudienprogrammen, wie Episode 349 veranschaulicht.
Vergaberecht und öffentliche Hand
Ein weiteres Schlüsselgebiet für Juristen mit EU-Bezug ist das Vergaberecht. Annette Rosenkötter erläutert in Episode 144, wie Ausschreibungen der öffentlichen Hand den EU-Binnenmarkt prägen und warum Anwälte in diesem Bereich zu echten Dealmakers werden können. ESG-Regulierung ist ein weiteres Zukunftsfeld an der Schnittstelle von EU-Recht und Unternehmensberatung, wie Episode 223 diskutiert.
Legal Tech in EU-Institutionen
Auch die EU setzt zunehmend auf Legal Tech. Henrik Wehrs beschreibt in Episode 275 seine Rolle als Senior Legal Tech Manager bei einer EU-Institution. Er erläutert die Chancen als Legal Engineer, die Entwicklung von Large Language Models im institutionellen Kontext und die interne Produktisierung juristischer Arbeitsprozesse – ein Bereich mit enormem Wachstumspotenzial.
Fragen & Antworten
12 Antworten aus Podcast-Episoden
Die Stationen in Brüssel und Los Angeles haben mir gezeigt, wie Recht in unterschiedlichen Kulturen funktioniert. Internationale Verhandlungen, konsularische Betreuung und Einblicke in EU-Institutionen waren enorm hilfreich, um später globale Projekte glaubwürdig zu steuern. Ich rate jedem Referendar, solche Gelegenheiten konsequent zu nutzen – die Lernkurve ist steil.
Aus Episode #120
IMR120: Konrad-Adenauer-Stiftung, Bundesverfassungsgericht, Projekt Recht ist Erfahrung
mit Dr. Franziska Rinke
Das sagen unsere Experten
„Bei der Europäischen Kommission arbeite ich an der Schnittstelle von Internationalem Privatrecht und Zwangsvollstreckungsrecht. Die Arbeit hat direkte Auswirkungen auf den Rechtsverkehr zwischen den Mitgliedstaaten – das spürt man jeden Tag.“
„EU-Beihilferecht klingt abstrakt, ist aber enorm praxisrelevant. Jede staatliche Fördermaßnahme muss beihilferechtlich geprüft werden – und das betrifft Milliarden an öffentlichen Geldern in ganz Europa.“
„Als Senior Legal Tech Manager bei einer EU-Institution entwickle ich digitale Lösungen für juristische Arbeitsprozesse. Die Kombination aus Recht und Technologie wird in den nächsten Jahren die Arbeit europäischer Institutionen grundlegend verändern.“
„Vergaberecht ist das Tor zum EU-Binnenmarkt. Wer versteht, wie Ausschreibungen funktionieren und welche Regeln gelten, wird als Anwalt zum echten Dealmaker – denn hier geht es um Aufträge in Millionenhöhe.“
„Mein Karriereweg führte von der Oberstaatsanwaltschaft beim BGH über europäische Institutionen zurück nach Deutschland. Der Blick von außen auf das eigene Rechtssystem ist unbezahlbar – und genau das bieten EU-Karrieren.“
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
16 relevante Podcast-Folgen
IMR274: EU-Beihilferecht, Leben in Brüssel, Studium in Cambridge, Kartellschadensersatzrecht
mit Dr. Leslie Manthey
In IMR-Episode 274 wird es international, denn unsere Ohren lauschen in Richtung Brüssel: Dr. Leslie Manthey, Anwältin im Brüsseler Büro bei Redeker, berichtet von ihrem Weg durch das Jurastudium in Hannover sowie ihrem LLM in Cambridge. Dort erlebte sie das juristische Studium aus einem neuen Blickwinkel, der sie bis heute geprägt hat. Sie gibt Einblicke in ihren beruflichen Alltag im Europarecht, insbesondere im Bereich des Beihilfe- und Kartellschadensersatzrechts. Wie verhandelt man einen Fall vor dem EuGH? Was macht den Reiz des Beihilferechts aus? Wie eng ist die Zusammenarbeit mit ökonomischen Gutachtern im Kartellschadensersatzrecht? Wie lässt sich das Brüsseler Kanzlei mit dem Familienleben vereinbaren? Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Kanzleikultur? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge Eures Jurapodcasts. Viel Spaß!
IMR275: Senior Legal Tech Manager EU, Chancen als Legal Engineer, Legal Tech-Historie, Large Language Models, (interne) Produktisierung
mit Henrik Wehrs
In der 275. Episode von Irgendwas mit Recht ist Henrik Wehrs zu Gast, Senior Legal Tech Manager Europe bei A&O Shearman. Henrik erzählt, wie er nach seinem Jura-Studium in Bonn und Frankfurt den Weg ins Thema Legal Tech fand – von ersten Webseitenprojekten während der Examenszeit bis Gründungen im Legal Tech Startup. So wurde Henrik zum festen Bestandteil der Frankfurter sowie deutschen Legal Tech-Szene. Welche Herausforderungen und Chancen bestehen in Bezug auf di Automatisierung juristischer Prozesse? Wie kann KI in Kanzleien wirklich eingesetzt werden? Wie helfen interdisziplinäre Teams dabei, innovative Lösungen zu entwickeln? Welche Rolle spielen Self-Service-Tools für Mandanten und Anwälte in der Kanzlei? Wie verändert sich die Zusammenarbeit mit Technologieanbietern im Kanzleialltag – und warum ist Scheitern manchmal die wertvollste Erfahrung? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß mit dieser Folge Eures Jurapodcasts zu allen Karrierethemen - und frohe Festtage!
IMR144: Vergaberecht, Ausschreibungen, EU-Binnenmarkt, Öffentliche Hand, Anwälte als Dealmaker
mit Dr. Annette Rosenkötter
Heute zu Gast bei Irgendwas mit Recht: Dr. Annette Rosenkötter. Sie ist seit 21 Jahren bei FPS am Frankfurter Standort tätig und betreut dort u.a. Mandate im deutschen und europäischen Vergaberecht. Wie hat sie ihr Steckenpferd gefunden? Welche Überlegungen haben ihr bei ihrer beruflichen Standortwahl geholfen? Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen, um im Vergaberecht Spaß zu haben? Sind Ausschreibungen ein „Innovationsverlangsamer“? Warum ist es spannend, die öffentliche Hand in diesem Kontext zu beraten? Inwieweit kommt es auf Business- und nur nachgelagert auf Rechtsfragen an? In welchen Mandaten ist dieses Verhältnis umgekehrt? Neben Antworten auf diese Fragen erhaltet Ihr in diesem Jurapodcast spannende Hintergründe zur Kanzleigeschichte von FPS. Hört selbst, wie 170 Jahre Tradition eine Kanzlei prägen und wie sich eine mittelständische Kanzlei so lange erfolgreich im Markt behauptet. Viel Spaß beim Zuhören!
IMR114: 10000 Examensklausuren und Staatsexamen behind the scenes
mit Frank Wamser
In der heutigen Folge erfahrt Ihr, was Prüfer*innen im Staatsexamen wirklich wichtig ist: Dr. Frank Wamser berichtet von seiner Tätigkeit als Leiter des hessischen Justizprüfungsamts, als Vizepräsident am Landgericht Gießen und in der Landesvertretung des Landes Hessen in der EU in Brüssel. Welche Aufgaben nimmt ein Justizprüfungsamt eigentlich wahr? Wie werden Prüfungen konzipiert und wie lange braucht ein erfahrener Prüfer*innen, um eine Klausur selbst zu lösen bzw. korrigieren? Was ist Prüfer*innen bei der Korrektur wirklich wichtig? Wie könnt Ihr euch mit einfachen Tricks steigern? Ist die Handschrift wirklich so wichtig? Abschließend gibt es noch einige spannende Einblicke in die mündliche Prüfung und in die Ausbildung als Prüfer*in im Staatsexamen. Kurzum: In dieser Folge kommen nicht nur Studierende und Referendar*innen auf ihre Kosten! Viel Spaß!
