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Big-Law-Karriere: Dein Guide für den Kanzlei-Einstieg

Willst du in die Großkanzlei? Erfahre alles über Gehälter, ESG-Spezialisierung und Teamkultur von Experten aus dem IMR-Podcast. Hier mehr erfahren!

3 Fragen beantwortet
1 Podcast-Episoden
2 Experten
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf · Aktualisiert Januar 2026

Inhaltsüberblick

Der Mythos Big Law: Mehr als nur gläserne Fassaden

Die Entscheidung für eine Big-Law-Karriere markiert für viele junge Juristinnen und Juristen den Beginn eines Weges, der von hohen Erwartungen, exzellenter Ausbildung und komplexen Mandaten geprägt ist. Doch was bedeutet es wirklich, in einer internationalen Großkanzlei Fuß zu fassen? In der Welt von „Irgendwas mit Recht“ haben wir über 300 Episoden lang mit den Köpfen gesprochen, die diesen Weg bereits gegangen sind. Dabei wird schnell klar: Hinter dem Begriff „Big Law“ verbirgt sich weit mehr als nur ein prestigeträchtiger Brand-Name oder ein beeindruckendes Einstiegsgehalt.

Ein zentraler Aspekt, der immer wieder in unseren Gesprächen auftaucht, ist die Bedeutung der Teamdynamik und der frühen Verantwortungsübernahme. Wie Greta Harnisch in Episode 226 eindrucksvoll schildert, war es bei ihrem Wechsel in eine US-Großkanzlei nicht primär der Name der Sozietät, der den Ausschlag gab. Vielmehr war es die Begeisterung des Münchener Teams und die familiäre Atmosphäre, die sie überzeugten. Sie betont, dass die Chance, als junge Juristin sofort Verantwortung zu übernehmen und täglich von exzellenten Kolleginnen und Kollegen zu lernen, schwerer wiegt als jedes Prestige-Label. Dies unterstreicht einen Trend in der modernen Kanzleiwelt: Die „Ellbogen-Mentalität“ weicht zunehmend einem kollaborativen Umfeld, in dem der Wissensaustausch im Vordergrund steht.

Spezialisierung vs. Generalismus: Die neue Rollenverteilung

Ein weiteres wichtiges Thema für Deine Karriereplanung ist die Frage der Spezialisierung. In Zeiten von komplexen regulatorischen Anforderungen wie ESG (Environmental, Social, and Governance) stellt sich die Frage: Brauchen wir den hochspezialisierten Experten oder den Generalisten? Annika Bleier gibt in Episode 223 eine klare Antwort: Ein „Allround-ESG-Anwalt“ ist eine Illusion. Vielmehr fungiert sie als Generalistin für das „Big Picture“, die intern die Fäden zusammenhält und bei Bedarf tiefenjuristische Expertise aus Fachbereichen wie dem Umwelt- oder Vergaberecht hinzuzieht. Für Dich bedeutet das: In der Großkanzlei musst Du lernen, als Schnittstelle zu fungieren und die Qualität über verschiedene Disziplinen hinweg sicherzustellen.

Interessanterweise ist der Weg in die Großkanzlei nicht immer linear. Dennis Pohlmann berichtet in Episode 281 von seinem Wechsel aus der Bankenwelt in die Steuerberatung einer Big-Four-Gesellschaft. Er verdeutlicht, dass die Beratung – insbesondere im Steuerrecht – oft kreativer ist als die reine Prüfung. Das Verständnis für unternehmerische Prozesse, das er durch seine Banklehre und das Studium gewann, half ihm dabei, den Gestaltungsspielraum zu nutzen, den das Steuerberaterexamen bietet. Solche interdisziplinären Erfahrungen sind in der Big-Law-Karriere Gold wert, da Mandanten heute Berater suchen, die nicht nur Paragrafen reiten, sondern wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen.

Gehalt und Benefits: Der Markt 2024/2025

Natürlich spielt auch die Vergütung eine Rolle. Die Gehaltsschere hat sich 2024/2025 weiter geöffnet. Während US-Kanzleien wie Skadden oder Kirkland & Ellis mit Fixgehältern von bis zu 180.000 € locken, bieten Tier-1-Kanzleien im Marktdurchschnitt zwischen 120.000 € und 160.000 €. Doch Geld ist nicht alles: „New Work“-Elemente wie hybrides Arbeiten, Sabbaticals und umfassende Wellbeing-Programme sind heute Standard, um Talente langfristig zu binden. Wie Marc Ohrendorf in Episode 126 treffend beschreibt, ist „Big Law im klassischen Sinne“ heute ein Umfeld, das zwar Höchstleistung fordert, aber auch modernste Rahmenbedingungen bietet.

Fragen & Antworten

3 Antworten aus Podcast-Episoden

Auf einem Karriere-Event lernte ich das Münchener Team kennen. Mich packte weniger „Big Law“ als deren Begeisterung: kluge Köpfe, familiäre Atmosphäre und die Chance, als junge Juristin sofort Verantwortung zu übernehmen. Das Versprechen, täglich von exzellenten Kolleginnen und Kollegen zu lernen, wog für mich schwerer als jeder Brand-Name.

IMR226: Der Weg zur Partnerschaft in einer US Großkanzlei

Aus Episode #226

IMR226: Der Weg zur Partnerschaft in einer US Großkanzlei

mit Greta Harnisch

Das sagen unsere Experten

Um in der Welt der Großkanzleien erfolgreich zu sein, bedarf es mehr als nur exzellenter Noten. Unsere Gäste teilen ihre Erfahrungen aus der Praxis und zeigen auf, worauf es wirklich ankommt.

Auf einem Karriere-Event lernte ich das Münchener Team kennen. Mich packte weniger „Big Law“ als deren Begeisterung: kluge Köpfe, familiäre Atmosphäre und die Chance, als junge Juristin sofort Verantwortung zu übernehmen.

Die Analyse dieses Zitats macht deutlich: Das Networking auf Karriere-Events ist kein Selbstzweck. Es dient dazu, die kulturelle Passung (Cultural Fit) zu prüfen. Wer eine Big-Law-Karriere anstrebt, sollte gezielt nach Teams suchen, die eine Lernatmosphäre bieten, statt sich nur vom Glanz der Marke blenden zu lassen.

Ein Allround-ESG-Anwalt ist Illusion. Ich verstehe mich als Generalistin für das ‚Big Picture‘ und hole je nach Thema Kolleg:innen aus beispielsweise Vergaberecht oder Umweltrecht dazu.

Hier zeigt sich ein wichtiger Trend für die Kanzlei-Karriere: Die Fähigkeit zum Projektmanagement. Wer in komplexen Feldern wie ESG arbeitet, muss kein Spezialist für jedes Detail sein, aber er muss wissen, wer die Experten sind und wie man deren Wissen für den Mandanten bündelt.

Die Banklehre war verkaufslastig; ich wollte tiefer verstehen, wie Unternehmen funktionieren. [...] Beratung vor der Bilanz ist kreativer als das reine Prüfen danach.

Dennis Pohlmanns Weg zeigt, dass eine Karriere in großen Einheiten (ob Big Law oder Big Four) oft von der Lust am Gestalten lebt. Wer „tiefer verstehen“ will, wie Wirtschaft funktioniert, findet in der Rechts- und Steuerberatung den nötigen Spielraum.

her dann schon Big Law im klassischen Sinne. Ja, absolut Big Law, ja.

Diese Einordnung von Marc Ohrendorf erinnert daran, dass man sich bewusst für dieses System entscheidet. Es ist eine bewusste Wahl für ein Umfeld, das Professionalität auf höchstem Niveau verlangt. Als Handlungsempfehlung gilt: Nutze Praktika und Referendariatsstationen, um herauszufinden, ob dieser „klassische“ Weg Deiner Arbeitsweise entspricht. Die Kombination aus Fachwissen, Teamfähigkeit und wirtschaftlichem Verständnis ist der Schlüssel zum Erfolg.

Vertiefung: Big-Law-Karriere im Detail

Wer eine Big-Law-Karriere anstrebt, muss die Mechanismen hinter den Kulissen verstehen. Ein wesentlicher Faktor ist das sogenannte „Lockstep-System“ oder die leistungsbasierte Vergütung. Während viele Kanzleien feste Gehaltssteigerungen pro Jahr garantieren, gewinnen Bonuszahlungen, die oft an die „Billable Hours“ (verrechenbare Stunden) gekoppelt sind, an Bedeutung. Typischerweise werden Boni ab einer Schwelle von ca. 1.800 Stunden pro Jahr relevant.

Die Rolle der Technologie und KI

Ein Aspekt, der die Arbeit in der Großkanzlei radikal verändert, ist die Digitalisierung. In Episode 244 diskutieren Prof. Dr. Charlotte Schmitt-Leonardy und Jürgen Bering über den Einsatz von KI in Strafverfahren. Auch wenn dies ein spezifisches Feld ist, lassen sich die Erkenntnisse auf Big Law übertragen: Tools wie Palantir oder spezialisierte Legal-Tech-Anwendungen zur Analyse von Big Data (wie Marc in Episode 553 erwähnt) gehören heute zum Alltag. Als angehender Associate solltest Du eine Affinität zu diesen Technologien mitbringen, da sie die Effizienz bei der Bearbeitung von Massenverfahren oder komplexen Due-Diligence-Prüfungen massiv steigern.

Spezialisierung im Fokus: Steuerrecht und ESG

Die Verknüpfung von Rechtsgebieten wird immer wichtiger. Wie Dennis Pohlmann in Episode 281 erläutert, bietet die Zusammenarbeit zwischen Juristen und Steuerberatern enorme Synergien. In der Großkanzlei arbeitest Du selten isoliert. Ein Mandat im Bereich M&A erfordert steuerrechtliche Expertise, kartellrechtliche Prüfung und oft auch eine ESG-Risikoanalyse. Die Fähigkeit, interdisziplinär zu denken, ist daher eine Kernkompetenz für den Aufstieg zum Partner.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Karriere in einer Großkanzlei ist 2024 vielfältiger denn je. Sie bietet nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern auch die Chance, an der Speerspitze rechtlicher und technologischer Entwicklungen zu arbeiten. Ob Du Dich als Generalist für das „Big Picture“ (wie in Episode 223 beschrieben) oder als hochspezialisierter Experte siehst – der Weg steht Dir offen, sofern Du die Bereitschaft mitbringst, kontinuierlich zu lernen und Dich in einem dynamischen Team einzubringen.

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.

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mit Prof. Dr. Charlotte Schmitt-Leonardy

In der 244. Episode von Irgendwas mit Recht begrüßt Marc Prof. Charlotte Schmitt-Leonardy (Uni Bielefeld) und Jürgen Bering von der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF). Die drei diskutieren live vom Anwaltstag in Bielefeld über das Thema Künstliche Intelligenz (KI) in Strafverfahren, insbesondere im Zusammenhang mit der umstrittenen Software Palantir. Jürgen erklärt die Bedenken der GFF und deren Verfassungsbeschwerde gegen den Einsatz von Palantir, die das Bundesverfassungsgericht in weiten Teilen bestätigte. Sie beleuchten, wie die Software große Datenmengen kombiniert und sensible Daten verarbeitet, was zu Diskriminierung und mangelnder Transparenz führen kann. Charlotte betont die Risiken und Unwägbarkeiten von KI, insbesondere die Gefahr von Verzerrungen und die Bedeutung der menschlichen Entscheidung im Strafverfahren. Die Diskussion behandelt ebenso die Frage, wie der Rechtsmarkt auf diese Herausforderungen reagieren sollte. Viel Spaß!