Inhaltsüberblick
- Internationale Wirtschaftskanzleien als Sprungbrett
- LL.M. und internationale Studienprogramme
- Zukunftsfelder: Legal Tech und KI im internationalen Kontext
- Internationale Rechtsgebiete mit Karrierepotenzial
- Praktische Tipps für den internationalen Karriereweg
- Antworten auf 15 Fragen aus der Praxis
- Konkrete Tipps unserer Experten aus dem Podcast
Internationale Karriere als Jurist: Wege ins Ausland
Die Globalisierung hat die juristische Berufswelt grundlegend verändert. Grenzüberschreitende Transaktionen, internationale Schiedsverfahren und multinationale Compliance-Strukturen sind längst keine Ausnahme mehr, sondern prägen den Alltag vieler Kanzleien und Rechtsabteilungen. Für Juristinnen und Juristen, die über den nationalen Tellerrand hinausblicken möchten, bieten sich vielfältige Möglichkeiten – von der Entsendung ins Auslandsbüro einer Großkanzlei bis hin zur Tätigkeit bei einer internationalen Organisation.
Internationale Wirtschaftskanzleien als Sprungbrett
Der häufigste Einstieg in eine internationale Karriere führt über internationale Wirtschaftskanzleien. Diese bieten nicht nur grenzüberschreitende Mandate, sondern auch Secondments in ausländische Büros, die einen unmittelbaren Einblick in andere Rechtssysteme ermöglichen. In Episode 333 wird deutlich, wie der Teamaufbau in einer international agierenden Kanzlei funktioniert und welche Fähigkeiten dabei gefragt sind: Neben fachlicher Exzellenz zählen interkulturelle Kompetenz, Verhandlungsgeschick auf Englisch und die Bereitschaft, in verschiedenen Zeitzonen zu arbeiten.
Wie Episode 350 zeigt, öffnen sich in internationalen Kanzleien auch Karrierewege jenseits der klassischen Anwaltskarriere: Die Rolle des Chief Operating Officers verbindet juristische Expertise mit Management-Kompetenz und bietet eine völlig andere Perspektive auf die Kanzleiarbeit.
LL.M. und internationale Studienprogramme
Ein LL.M.-Studium im Ausland ist nach wie vor eine der wirksamsten Strategien, um den Grundstein für eine internationale Karriere zu legen. Der LL.M. vermittelt nicht nur Kenntnisse im ausländischen Recht, sondern baut ein wertvolles internationales Netzwerk auf. Ein noch ambitionierterer Weg ist das deutsch-französische Doppelstudium, über das in Episode 349 berichtet wird: Dieses Programm ermöglicht es, zwei Rechtssysteme gleichzeitig kennenzulernen und sich als binational qualifizierte Juristin oder Jurist zu positionieren.
Auch Erfahrungen in spezifischen Rechtsmärkten wie London sind äußerst wertvoll. In Episode 342 wird geschildert, wie ein LL.M. in London zusammen mit einem Secondment den Wechsel von der Kanzlei in eine internationale Rechtsabteilung ermöglichte.
Zukunftsfelder: Legal Tech und KI im internationalen Kontext
Die internationale Dimension der Rechtsberatung wird zunehmend von technologischen Entwicklungen geprägt. Episode 337 beleuchtet, wie Legal AI Agents und Micro-Products die Kanzleilandschaft international verändern. Wer sich früh mit diesen Technologien auseinandersetzt, positioniert sich als Brückenbauer zwischen Recht und Technik – eine Kompetenz, die in international aufgestellten Kanzleien und Rechtsabteilungen zunehmend gefragt ist. Auch die Episode 338 zeigt mit den LawBiz Innovators, wie moderne Lernformate und innovatives Denken den internationalen Rechtsmarkt prägen.
Internationale Rechtsgebiete mit Karrierepotenzial
Bestimmte Rechtsgebiete sind von Natur aus international ausgerichtet. Das Lieferkettenrecht (LkSG) etwa, das in Episode 332 ausführlich erörtert wird, erfordert ein tiefes Verständnis europäischer und internationaler Regulierung. Sorgfaltspflichten in globalen Lieferketten, Menschenrechts-Due-Diligence und die Haftung multinationaler Unternehmen sind Themen, die nur mit internationalem Blick umfassend bearbeitet werden können. Ebenso bieten internationale Streitbeilegung und Schiedsverfahren, die in Episode 346 thematisiert werden, spannende Karrieremöglichkeiten für international orientierte Juristinnen und Juristen.
Praktische Tipps für den internationalen Karriereweg
Eine internationale Karriere erfordert strategische Planung. Sprachkenntnisse über Englisch hinaus – etwa Französisch, Spanisch oder Mandarin – können den entscheidenden Unterschied machen. Frühe Auslandserfahrung durch Erasmus-Semester, Praktika bei internationalen Organisationen oder Sommerkurse an ausländischen Universitäten legen den Grundstein. Ebenso wichtig ist ein bewusstes internationales Networking: Alumni-Netzwerke von LL.M.-Programmen, internationale Anwaltsvereinigungen und Konferenzen bieten wertvolle Kontakte. Wer diese Elemente gezielt kombiniert, schafft sich ein Profil, das sowohl in deutschen als auch in internationalen Kanzleien und Rechtsabteilungen hochgeschätzt wird.
Fragen & Antworten
15 Antworten aus Podcast-Episoden
Bereits im sechsten Semester wusste ich, dass ich nicht in eine klassische Großkanzlei, sondern mitten in die Geschäftswelt wollte. Praktika und ein Werkstudentenjob in Rechtsabteilungen zeigten mir, wie spannend die Zusammenarbeit mit Nichtjuristen und die unmittelbare wirtschaftliche Verantwortung sind. Dieses klare Bild hat mich durch beide Examina getragen.
Aus Episode #350
IMR350: COO einer int. Wirtschaftskanzlei, wie sich juristische Arbeit verändert, Blick über klassische Karrierepfade hinaus, Konzeption moderner Arbeits- und Büro-Modelle, New Work
mit Annette Höher-Bäuerle
Das sagen unsere Experten
„Als COO einer internationalen Wirtschaftskanzlei sehe ich täglich, wie sich die juristische Arbeit verändert. Die klassischen Karrierepfade werden durch neue Rollen ergänzt, die Management-Kompetenz mit juristischem Verständnis verbinden. Wer international arbeiten möchte, sollte den Blick über die rein fachliche Schiene hinaus richten.“
„Das deutsch-französische Doppelstudium hat mir ermöglicht, zwei Rechtssysteme von Grund auf zu verstehen. Das ist ein enormer Vorteil bei grenzüberschreitenden Mandaten, weil man die Denkweise beider Seiten kennt. Gerade im IP- und Patentrecht, das stark international geprägt ist, zahlt sich das jeden Tag aus.“
„Der Wechsel von der Kanzlei in die Rechtsabteilung eines internationalen Unternehmens war die beste Entscheidung meiner Karriere. Secondments in London und der LL.M. haben mir die Sicherheit gegeben, dass ich auf internationalem Parkett bestehen kann. Heute begleite ich grenzüberschreitende Transaktionen aus einer völlig anderen Perspektive.“
„Das Lieferkettengesetz ist ein Paradebeispiel dafür, wie stark nationales Recht heute international verflochten ist. Sorgfaltspflichten in globalen Lieferketten kann man nicht isoliert aus deutscher Perspektive betrachten – man muss europäisches Recht, Menschenrechtskonventionen und lokale Regulierung in den Produktionsländern verstehen.“
„Legal AI Agents und Micro-Products werden die Kanzleilandschaft radikal verändern. Die sinkenden Token-Kosten machen KI-gestützte Rechtsdienstleistungen für immer breitere Märkte zugänglich. Wer als Jurist international arbeiten will, muss diese technologischen Entwicklungen verstehen – sie definieren die USPs der Kanzleien von morgen.“
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
8 relevante Podcast-Folgen
IMR350: COO einer int. Wirtschaftskanzlei, wie sich juristische Arbeit verändert, Blick über klassische Karrierepfade hinaus, Konzeption moderner Arbeits- und Büro-Modelle, New Work
mit Annette Höher-Bäuerle
In der 350. Episode von IMR spricht Marc mit Annette Höher-Bäuerle von A&O Shearman in Frankfurt über ihren ungewöhnlichen Karriereweg zwischen Rechtsabteilung, internationalem M&A und operativer Unternehmensführung. Annette schildert, warum sie sich früh für eine Inhouse-Laufbahn entschied, welche Rolle betriebswirtschaftliches Wissen für Juristinnen und Juristen spielen kann und wie ihre Erfahrungen aus dem Konzernumfeld heute ihre Arbeit als COO einer Großkanzlei prägen. Im Mittelpunkt stehen zudem die Struktur und Funktionsweise einer international integrierten Wirtschaftskanzlei, die Herausforderungen des Kanzlei-Merger zwischen Allen & Overy und Shearman & Sterling sowie die Konzeption moderner Office- und Arbeitsmodelle. Außerdem geht es um den Einsatz von KI im Kanzleialltag, neue Rollenprofile im Rechtsmarkt und die Frage, wie sich juristische Arbeit künftig verändert. Welche Fähigkeiten werden für den juristischen Nachwuchs wichtiger? Wie kann man sich schon im Studium strategisch auf neue Berufsbilder vorbereiten? Und welche Chancen eröffnet der Blick über klassische Karrierepfade hinaus? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
IMR349: Deutsch-Französisches Doppelstudium, Promotion als beste Zeit der Ausbildung, IP- und Patentrecht, Ref-Station in Speyer
mit Dr. Laura Woll
In der 349. Episode von IMR spricht Marc mit Dr. Laura Woll, Rechtsanwältin bei McDermott Will & Schulte, über ihren juristischen Werdegang und ihre heutige Tätigkeit im IP- und Patentrecht. Ausgangspunkt ist ihr Doppelstudium im deutschen und französischen Recht im Saarland, das ihr früh eine internationale Perspektive eröffnete. Thema sind zudem Unterschiede der juristischen Ausbildung in Frankreich und Deutschland sowie ihre Stationen im Referendariat, unter anderem in Speyer. Laura schildert ihre bewusste Entscheidung für eine Promotion nach dem zweiten Examen und gibt Einblicke in effizientes Arbeiten und Schreiben. Inhaltlich geht es ausführlich um ihre Praxis als IP-Litigatorin mit Schwerpunkt Patentrecht, insbesondere um Verfahren vor dem Einheitlichen Patentgericht. Anhand konkreter Beispiele werden Nichtigkeits- und Verletzungsverfahren erläutert. Ein weiterer Fokus liegt auf standardessentiellen Patenten und den kartellrechtlichen Herausforderungen rund um FRAND-Lizenzen. Welche Rolle spielt das Einheitliche Patentgericht für junge Juristinnen und Juristen? Wie arbeitet man sich in hochkomplexe technische und rechtliche Fragen ein? Und welche Fähigkeiten sind für den Einstieg ins Patentrecht besonders wichtig? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
IMR346: Jura-Karriere in der Versicherung, Rechtsservice aufbauen, kuriose Fälle und internationale Streitbeilegung
mit Kristina Schwarze
In dieser Folge spricht Marc mit der Juristin Kristina Schwarze von der ARAG über ihren Weg in die Inhouse-Tätigkeit, ihre Entwicklung von der Fallbearbeitung im Rechtsservice über die Inhouse-Mediation hin zur heutigen internationalen Managementrolle im Claims Management. Sie erläutert, wie der Rechtsservice als erste emotionale und organisatorische Anlaufstelle für Versicherte funktioniert, warum dort über 300 Juristinnen und Juristen tätig sind und welche Rolle Legal Tech im Kerngeschäft der Rechtsschutzversicherung spielt. Im Mittelpunkt steht zudem die Mediation, zunächst im deutschen Kontext und dann in der internationalen Ausprägung: Wie funktionieren Shuttle- und Videomediation praktisch, wie gelingt grenzüberschreitende Konfliktlösung etwa in familienrechtlichen Konstellationen und welche kulturellen Unterschiede sind tatsächlich relevant. Kristina berichtet außerdem von ihrem Aufbau eines Mediationsangebots in der italienischen Niederlassung, vom Zusammenspiel mit externen Dienstleistern und von einem norwegischen Legal-Tech-Anbieter, der Mediation vollständig digitalisiert abbildet. Abschließend geht es um den Einsatz von KI in der täglichen juristischen Arbeit bei der ARAG, etwa beim effizienteren Umgang mit umfangreichen Falldokumenten, sowie um die Frage, welche Kompetenzen Studierende, Referendarinnen und Referendare heute mitbringen sollten. Wie verändert KI konkret die Arbeit von Inhouse-Juristinnen, Mediatoren und Claims-Managern? Welche Chancen ergeben sich für junge Juristinnen abseits des klassischen Kanzleipfads in einer internationalen Versicherung? Und welche Rolle spielen Sprachkenntnisse, Offenheit für neue Arbeitsformen und der Umgang mit digitalen Tools für die eigene Karriereentwicklung? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß.
IMR342: Come in & find out: Douglas an die Börse bringen, Glocke der Frankfurter Börse läuten, von der Kanzlei in die Rechtsabteilung wechseln, Secondments, LL.M. in London
mit Christian Wensing
In der 342. Episode von Irgendwas mit Recht spricht Marc mit Christian Wensing, Volljurist und heute in leitender Position in der Rechtsabteilung von Douglas. Christian erzählt, wie er über ein Faible für Sprachen, einen juristischen Vater und erste vage Berufsüberlegungen zum Jurastudium in Münster gekommen ist, warum ihn wirtschaftsnahe Themen wie Kartell- und Gesellschaftsrecht fasziniert haben und wie Stationen im Bundeskartellamt, in Großkanzleien und in der Rechtsabteilung von Henkel seinen Wunsch nach internationaler Arbeit geprägt haben. Es geht darum, weshalb er den eher ungewöhnlichen Weg gewählt hat, den LLM erst nach dem zweiten Examen in London zu machen, welche Rolle Sprache und Netzwerke spielen. Wie bereitet sich ein europaweit tätiger Retailer mit Milliardenumsätzen auf ein Börsen-Listing vor? Was bedeutet eine umfassende Due Diligence aus Unternehmenssicht konkret und wie koordiniert man intern Datenräume, Fragenkataloge und externe Berater? Was unterscheidet die Perspektive eines Kanzlei-Anwalts von der eines Unternehmensjuristen, der auch die Integration von Zukäufen und die langfristige Entwicklung im Konzern begleitet? Wie fühlt es sich an, wenn Kapitalmarktrecht plötzlich zum täglichen Handwerkszeug wird, obwohl man ursprünglich aus dem Private-Equity- und M&A-Bereich kommt? Und welche Überlegungen sollten Studierende und Referendarinnen anstellen, wenn sie zwischen Großkanzlei, LLM, Promotion und Unternehmensjuristerei abwägen? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
