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Karriere am Arbeitsgericht: Einblicke in den Richterberuf und Alternativen

Entdecke Insider-Tipps zur Karriere am Arbeitsgericht von erfahrenen Richtern und Anwälten.

3 Fragen beantwortet
6 Podcast-Episoden
5 Experten
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf · Aktualisiert März 2026

Inhaltsüberblick

Karriere am Arbeitsgericht: Wo Recht auf Arbeitswelt trifft

Das Arbeitsgericht ist eine der lebensnahsten Gerichtsbarkeiten überhaupt. Hier geht es um Kündigungen, Abfindungen, Mobbing, Lohnklagen und Betriebsrats-Streitigkeiten – Themen, die Menschen in ihrer beruflichen Existenz treffen. Für Juristen, die den direkten Kontakt zur Lebenswirklichkeit suchen und schnelle, praxisnahe Entscheidungen treffen wollen, bietet die Arbeitsgerichtsbarkeit einen faszinierenden Karriereweg. Ob als Richter, als Fachanwalt für Arbeitsrecht oder als Syndikus – die Möglichkeiten sind vielfältig.

Richter am Arbeitsgericht: Der Kern der Gerichtsbarkeit

Richter an Arbeitsgerichten verhandeln in einer Kammer aus einem Berufsrichter und zwei ehrenamtlichen Richtern – einem Arbeitgeber- und einem Arbeitnehmervertreter. Diese Besetzung spiegelt die besondere Struktur des Arbeitsrechts wider, in dem Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern austariert werden müssen. Der Gütertermin, in dem häufig eine Einigung versucht wird, prägt den Arbeitsalltag. Hier ist Verhandlungsgeschick mindestens genauso wichtig wie dogmatisches Wissen. Dirk Gilberg beschreibt in Episode 153 seine richterliche Tätigkeit und die Faszination für Grundrechte – ein Thema, das auch in der Arbeitsgerichtsbarkeit von zentraler Bedeutung ist.

Fachanwalt für Arbeitsrecht: Spezialisierung mit Zukunft

Die Fachanwaltschaft im Arbeitsrecht zählt zu den beliebtesten anwaltlichen Spezialisierungen. Tino Sieland erläutert in Episode 98, warum er sich für die Fachanwaltschaft im Arbeits- und Verkehrsrecht entschieden hat. Der Fachanwalt für Arbeitsrecht berät sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer bei Kündigungen, Aufhebungsverträgen, Zeugnisstreitigkeiten und Betriebsvereinbarungen. Die Nachfrage ist konstant hoch, weil Arbeitsrechtsfragen in jeder wirtschaftlichen Lage relevant sind – in Boomzeiten bei Neueinstellungen und Vertragsgestaltung, in Krisen bei Restrukturierungen und Massenentlassungen.

KI und Arbeitsrecht: Neue Herausforderungen

Die Einführung von KI-Tools in Unternehmen wirft völlig neue arbeitsrechtliche Fragen auf: Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats, Datenschutz am Arbeitsplatz, algorithmische Entscheidungsfindung in Personalfragen. Inka Knappertsbusch beleuchtet in Episode 306 diese Schnittstelle und zeigt, wie Business Development als Anwältin und eine Promotion neben dem Job parallel möglich sind. Dieses Zukunftsfeld bietet Juristen die Chance, an der Gestaltung der digitalen Arbeitswelt mitzuwirken.

Internationales Arbeitsrecht und EU-Bezug

Arbeitsrecht hört nicht an der Landesgrenze auf. Die EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit, die Entsenderichtlinie und grenzüberschreitende Arbeitnehmerüberlassungen schaffen einen wachsenden Bedarf an Juristen mit internationalem Profil. Andreas Stein arbeitet bei der Europäischen Kommission (Episode 118) an der Schnittstelle von Internationalem Privatrecht und Zwangsvollstreckungsrecht – Bereiche, die auch für die grenzüberschreitende Durchsetzung arbeitsrechtlicher Ansprüche relevant sind.

Der Einstieg: Wege in die Arbeitsgerichtsbarkeit

Für eine Richterkarriere am Arbeitsgericht gelten die allgemeinen Voraussetzungen für den Richterberuf: Zwei Staatsexamina mit überdurchschnittlichen Noten, idealerweise ein Prädikatsexamen. Die Justizstaatssekretärin Tanja Eichner thematisiert in Episode 156 die Assessor-Brücke als Übergangslösung für Absolventen, die auf eine Planstelle warten. Für die anwaltliche Tätigkeit im Arbeitsrecht ist ein Schwerpunkt in diesem Rechtsgebiet hilfreich, aber nicht zwingend – viele erfolgreiche Arbeitsrechtler kommen aus anderen Bereichen und haben sich in der Praxis spezialisiert.

Pro-Bono und gesellschaftliches Engagement

Das Arbeitsrecht bietet auch Möglichkeiten für gesellschaftliches Engagement. Marion Fischer berichtet in Episode 204 von ihrer Pro-Bono-Arbeit, unter anderem für das Deutsche Bündnis für afghanische Flüchtlinge und das Womanity-Projekt. Wer als Arbeitsrechtler Pro-Bono-Beratung anbietet, kann Menschen in besonders verletzlichen Situationen helfen – etwa bei diskriminierenden Kündigungen oder bei arbeitsrechtlichen Problemen von Geflüchteten.

Fragen & Antworten

3 Antworten aus Podcast-Episoden

Am Arbeitsgericht herrscht eine besondere Gesprächskultur: erst Güte-, dann Rechtsgespräch, meist eine volle Stunde. Als Berufsrichter bleibt man Chef im Ring, bekommt aber wertvollen Input der ehrenamtlichen Richter von Gewerkschafts- und Arbeitgeberseite. Diese Mischung aus Praxisnähe, Zeit und echter Gestaltungsmöglichkeit macht die Arbeitsgerichtsbarkeit für mich so empfehlenswert.

IMR118: Jurist bei der Europäischen Kommission in Brüssel, Internationales Privatrecht, Zwangsvollstreckungsrecht

Aus Episode #118

IMR118: Jurist bei der Europäischen Kommission in Brüssel, Internationales Privatrecht, Zwangsvollstreckungsrecht

mit Dr. Andreas Stein

Das sagen unsere Experten

„Die Faszination für Grundrechte begleitet mich durch meine gesamte richterliche Karriere. Am Arbeitsgericht zeigt sich besonders deutlich, wie Grundrechte in der Praxis wirken – vom Gleichbehandlungsgrundsatz bis zur Berufsfreiheit.“

„Die Fachanwaltschaft im Arbeitsrecht war für mich die richtige Entscheidung. Man ist nah an den Menschen, die Fälle sind emotional und juristisch anspruchsvoll, und die Mandanten brauchen dich wirklich.“

„Die Einführung von KI-Tools in Unternehmen wirft völlig neue arbeitsrechtliche Fragen auf. Wer sich jetzt in diesem Bereich positioniert, hat als Anwältin eine einzigartige Marktstellung.“

„Die Assessor-Brücke ist für viele junge Juristen der Einstieg in die Justiz. Sie bietet die Möglichkeit, erste Erfahrungen als Richter zu sammeln, bevor eine Planstelle frei wird – und das an verschiedenen Gerichtsbarkeiten.“

„Pro-Bono-Beratung im Arbeitsrecht bedeutet, Menschen in existenziellen Krisen beizustehen. Wer seinen Arbeitsplatz verliert, braucht rechtliche Hilfe – und oft kann ein Anwalt den Unterschied zwischen Existenzangst und neuer Perspektive machen.“

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.

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In dieser Episode von Irgendwas mit Recht hört Ihr von Dr. Dirk Gilberg. Er ist Direktor des Arbeitsgerichts in Köln sowie Mitglied des Verfassungsgerichtshofs für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster. Wie kann man zwei solch verantwortungsvolle Aufgaben vereinen? Inwieweit hilft hierbei remote work? Welche Vorteile haben persönliche Meetings? Wie hat Corona (sneak peak: 1. FC Köln!) die Verfahrenslandschaft des Verfassungsgerichts verändert? Wie hilft Dr. Gilberg seine Erfahrung aus verschiedensten Studi-Jobs noch heute? Wie kam er auf die Idee, die Ausstellung "Grundrechte in Bildern" ins Leben zu rufen? Wie ist er bei seinen Fotografien vorgegangen - und welches ist sein Lieblingsmotiv? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet ihr im Podcast. Jetzt reinhören und abonnieren!

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Heute widmen wir uns dem Fachanwaltsdasein sowie dem Verkehrs- und Arbeitsrecht: Tino Sieland berichtet von seiner Arbeit in einer Berliner Fachanwaltskanzlei und seinem dortigen Werdegang vom Praktikum über das Referendariat zum Anwalt. Was reizt ihn am Anwaltsberuf? Wie wird man eigentlich Fachanwalt? In welcher Höhe werden Abfindungen in der arbeitsrechtlichen Praxis gezahlt? Wie sollte ein Arbeitgeber mit Querdenkern unter den Beschäftigten umgehen? Dies und vieles mehr in der aktuellen Folge von Irgendwas mit Recht. Viel Spaß!

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In der heutigen Folge Irgendwas mit Recht spricht Marc mit Dr. Andreas Stein zu seiner Tätigkeit als Arbeitsrichter und nunmehr als Jurist bei der Europäischen Kommission in Brüssel. Er leitet dort das Referat für Ziviljustiz in der Generaldirektion. Dort beschäftigt er sich mit Fragen des internationalen Privat- und Insolvenzrechts. Das Gespräch gibt euch spannende Einblicke in die juristische Tätigkeit auf europäischer Ebene: Wie läuft das Bewerbungsverfahren bei der europäischen Kommission in Brüssel ab? Mit welchen konkreten Fragen beschäftigt Dr. Stein sich momentan in seinem Berufsalltag? Wie kommt eigentlich eine Verordnung zustande? Zuletzt gibt Dr. Stein wertvolle Tipps, wie ihr selbst z.B. eine Wahlstation im Rahmen des Referendariats bei der Europäischen Kommission ergattern könnt. Viel Spaß!

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mit Dr. Inka Knappertsbusch

Marc spricht mit Dr. Inka Knappertsbusch von CMS Hasche Sigle in Köln darüber, wie sie bereits als Schülerin den Entschluss fasste, Juristin zu werden, warum sie nach Stationen in Konstanz und Bonn sowie einem Referendariat im OLG-Bezirk Düsseldorf zielstrebig den Weg ins Arbeitsrecht einschlug und welche Parallelen sie dabei zum Auftreten einer Staatsanwältin sieht. Die Folge beleuchtet, wie Inka neben dem Kanzleialltag in nur anderthalb Jahren zum Datenschutz promovierte, welche Rolle ein London-Secondment dabei spielte und weshalb sie früh auf das Thema KI im Arbeitsverhältnis setzte. Konkrete Einblicke liefert ihr Praxisbeispiel zum Microsoft Copilot, in dem sie erklärt, welche Mitbestimmungsrechte der Betriebsrat hat, wie eine Betriebsvereinbarung aufgebaut sein muss und warum ohne klare Regelung zu Leistungs- und Verhaltenskontrolle schnell eine Einigungsstelle droht. Daneben geht es um die Herausforderungen bei Speicherdauern von Bewerbungsdaten, Grenzen von Einwilligungen, die Pflicht zur KI-Kompetenzschulung nach AI-Act und ihr Business-Development-Konzept, das ihr über 70 Vorträge und zahlreiche Publikationen pro Jahr beschert. Wie schafft man es, Chancen wie implantierte NFC-Mikrochips für die eigene Expertise zu nutzen? Welche Fähigkeiten sucht ein arbeitsrechtliches Team bei wissenschaftlichen Mitarbeitenden und Referendarinnen wirklich? Und weshalb kann ein mutiger Schritt in ein Nischenthema zum Karrierebeschleuniger werden? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!