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Die Stationen im Referendariat: Pflicht- und Wahlstationen im Überblick

Stationen im Referendariat: Zivilstation, Strafstation, Verwaltungsstation, Anwaltsstation und Wahlstation. Dauer, Ablauf und Tipps für jede Station.

4 Fragen beantwortet
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf

Inhaltsüberblick

Das Referendariat dauert ca. 24 Monate und gliedert sich in fünf Stationen — in manchen Bundesländern sind es sechs. Jede Station gibt dir Einblick in einen anderen Bereich der juristischen Praxis: vom Zivilrichter über die Staatsanwaltschaft und Verwaltung bis zur Anwaltskanzlei. In diesem Artikel bekommst du einen Überblick über alle Stationen, ihre Dauer, typische Aufgaben und Tipps, wie du das Beste aus jeder Station herausholst.

Überblick: Die fünf Stationen im Referendariat

Die Reihenfolge der Stationen ist in den meisten Bundesländern identisch, auch wenn es kleinere Abweichungen gibt. In der Regel sieht der Ablauf so aus:

  1. Zivilstation — ca. 5 Monate beim Zivilrichter
  2. Strafstation — ca. 3-3,5 Monate bei der Staatsanwaltschaft
  3. Verwaltungsstation — ca. 3-4 Monate bei einer Behörde oder einem Verwaltungsgericht
  4. Anwaltsstation — ca. 9-10 Monate in einer Anwaltskanzlei
  5. Wahlstation — ca. 3 Monate bei einem frei wählbaren Stationsgeber

Parallel zu den Stationen laufen die Arbeitsgemeinschaften (AGs), die den theoretischen Teil der Ausbildung abdecken. Am Ende des Referendariats steht das 2. Staatsexamen.

Station 1: Die Zivilstation (ca. 5 Monate)

Die Zivilstation ist die erste und eine der prägendsten Stationen. Du wirst einem Zivilrichter am Landgericht oder Amtsgericht zugewiesen und arbeitest eng mit ihm zusammen.

Typische Aufgaben

  • Urteilsentwürfe verfassen (Relationstechnik lernen)
  • Sitzungsbeobachtung und Protokollführung
  • Verhandlungsvorbereitung und Aktenanalyse
  • Beweisaufnahme begleiten
  • Votum zu Fällen erstellen

Warum sie wichtig ist

Die Zivilstation legt das Fundament für den Urteilsstil, den du im 2. Examen beherrschen musst. Hier lernst du die Relationstechnik — die systematische Fallbearbeitung aus Richterperspektive. Nimm dir die Zeit, wirklich gute Urteilsentwürfe zu schreiben. Der Ausbilder gibt dir in der Regel ausführliches Feedback.

Parallel: Zivil-AG

Inhalte: Zivilprozessrecht, Urteilsklausur, Relationsklausur, materielles Zivilrecht. Die AG wird von einem Richter geleitet und behandelt examensrelevante Themen.

Station 2: Die Strafstation (ca. 3-3,5 Monate)

In der Strafstation arbeitest du in der Regel bei der Staatsanwaltschaft. Seltener ist die Zuweisung an ein Strafgericht oder einen Strafverteidiger.

Typische Aufgaben

  • Sitzungsdienst: Du vertrittst die Anklage vor dem Amtsgericht
  • Plädoyers halten — eine der wenigen Gelegenheiten, im Gerichtssaal zu sprechen
  • Anklageschriften und Einstellungsverfügungen verfassen
  • Ermittlungsverfahren bearbeiten

Warum sie wichtig ist

Die Strafstation ist oft die praxisintensivste Station. Im Sitzungsdienst trittst du tatsächlich als Vertreter der Staatsanwaltschaft auf — mit echter Verantwortung. Das Plädoyer vor Gericht ist für viele Referendare ein prägendes Erlebnis. Für das Examen sind Anklageklausur und Strafurteilsklausur zentral, und die Strafstation liefert dafür die praktische Grundlage.

Parallel: Straf-AG

Inhalte: Strafprozessrecht, Anklageklausur, Urteilsklausur, Revisionsrecht.

Station 3: Die Verwaltungsstation (ca. 3-4 Monate)

Die Verwaltungsstation kannst du bei einer Behörde, einem Ministerium oder einem Verwaltungsgericht absolvieren. Hier lernst du das öffentliche Recht in der Praxis kennen.

Typische Aufgaben

  • Gutachten und Stellungnahmen verfassen
  • Bescheide und Widerspruchsbescheide erstellen
  • Am Verwaltungsgericht: Sitzungsdienst und Urteilsentwürfe
  • Verwaltungsrechtliche Fragestellungen bearbeiten

Warum sie wichtig ist

Die öffentlich-rechtliche Klausur im 2. Examen (Bescheidklausur oder Urteilsklausur) erfordert Praxis mit Verwaltungsverfahren. Die Verwaltungsstation liegt etwa 1 Jahr vor den schriftlichen Prüfungen — also genau im richtigen Zeitfenster, um den Stoff noch einmal aufzufrischen. Mehr dazu im Detail-Artikel zur Verwaltungsstation.

Parallel: Verwaltungsrecht-AG

Inhalte: Verwaltungsprozessrecht, Behördenklausur, Urteilsklausur im öffentlichen Recht.

Station 4: Die Anwaltsstation (ca. 9-10 Monate)

Die Anwaltsstation ist die längste Station und bietet die meisten Gestaltungsmöglichkeiten. Du wählst deine Kanzlei frei — von der Einzelkanzlei bis zur internationalen Großkanzlei.

Typische Aufgaben

  • Mandatsarbeit und Schriftsätze verfassen
  • Gerichtstermine begleiten (und teilweise selbst wahrnehmen)
  • Mandantenkontakt und Beratungsgespräche
  • Vertragsgestaltung und Rechtsrecherche

Warum sie wichtig ist

Die Anwaltsstation ist für viele Referendare die praxisnaheste Station und gleichzeitig die Weichenstellung für die Karriere. Viele Kanzleien nutzen die Station zum Recruiting. Großkanzleien zahlen bis zu 1.000 Euro pro Wochenarbeitstag im Monat — bei 5 Tagen/Woche also bis zu 7.500 Euro/Monat. Ausführliche Informationen zur Kanzleiauswahl und Bewerbung findest du im Artikel zur Anwaltsstation.

Parallel: Anwalts-AG

Inhalte: Anwaltsklausur, Berufsrecht, Mandatsarbeit, Gebührenrecht.

Station 5: Die Wahlstation (ca. 3 Monate)

Die Wahlstation ist die letzte Station vor dem 2. Staatsexamen und bietet maximale Flexibilität. Du kannst sie bei nahezu jedem Stationsgeber mit juristischem Bezug absolvieren — im In- und Ausland.

Beliebte Optionen

  • Großkanzlei (national oder Auslandsbüro)
  • Auswärtiges Amt / Botschaften / Konsulate
  • Internationale Organisationen (UN, EU, ICC, Weltbank)
  • Unternehmen (Rechtsabteilung / Inhouse)
  • BGH oder BVerfG
  • NGOs und gemeinnützige Organisationen

Warum sie wichtig ist

Die Wahlstation ist das Karrieresprungbrett am Ende des Referendariats. Strategisch gewählt, kann sie den Berufseinstieg erheblich erleichtern. Mehr dazu in unseren Detail-Artikeln zur Wahlstation und zur Wahlstation im Ausland.

Stationsdauer nach Bundesland

Die Standarddauer in den meisten Bundesländern sieht so aus:

StationStandardAbweichungen
Zivilstation5 MonateIn manchen Bundesländern 4 Monate
Strafstation3 MonateBerlin: 3,5 Monate
Verwaltungsstation3 MonateBerlin: 3,5 Monate, einige Länder 4 Monate
Anwaltsstation9 MonateNRW: 10 Monate
Wahlstation3 MonateKaum Abweichungen

Einige Bundesländer bieten zusätzlich eine Ergänzungsstation an, was die Gesamtdauer leicht verlängern kann.

Stationszeugnisse: Bewertung und Bedeutung

Am Ende jeder Station erstellt dein Ausbilder ein Stationszeugnis mit einer Bewertung. Diese Zeugnisse fließen in die Ausbildungsnote ein, die wiederum bei Bewerbungen relevant sein kann. In der Praxis ist die Bedeutung der Stationszeugnisse allerdings begrenzt — die Examensnotenin sind deutlich wichtiger.

Trotzdem: Ein gutes Stationszeugnis schadet nie, und bei der Bewerbung für eine Anwaltsstation oder Wahlstation bei einer renommierten Stelle kann es den Unterschied machen.

Tipps: Wie du das Beste aus jeder Station herausholst

  1. Eigeninitiative zeigen: Frag aktiv nach Aufgaben. Die besten Ausbilder geben dir so viel, wie du bewältigen kannst — aber du musst danach fragen.
  2. Feedback einfordern: Lass dir deine Entwürfe besprechen. Das direkte Feedback eines Praktikers ist wertvoller als jedes Lehrbuch.
  3. Netzwerk aufbauen: Jede Station ist eine Networking-Gelegenheit. Halte den Kontakt zu Ausbildern und Kollegen.
  4. Examensbezug herstellen: Frage dich bei jeder Aufgabe: Wie würde das als Examensklausur aussehen? So verbindest du Praxis und Prüfungsvorbereitung.
  5. Stationen strategisch wählen: Besonders bei Anwalts- und Wahlstation hast du große Freiheit. Nutze sie für deine Karriereplanung.

Fragen & Antworten

4 Antworten aus Podcast-Episoden

Das Referendariat dauert ca. 24 Monate (2 Jahre). Es gliedert sich in fünf Stationen: Zivilstation (5 Monate), Strafstation (3-3,5 Monate), Verwaltungsstation (3-4 Monate), Anwaltsstation (9-10 Monate) und Wahlstation (3 Monate). In manchen Bundesländern gibt es eine zusätzliche Ergänzungsstation.

Das sagen unsere Experten

Erfahrene Referendare betonen immer wieder: Die Qualität der Stationen hängt weniger vom Ort als vom Ausbilder ab. Ein engagierter Richter am kleinen Amtsgericht kann dir mehr beibringen als ein überlasteter Richter am großen Landgericht, der keine Zeit für dich hat. Scheue dich nicht, bei schlechter Betreuung einen Wechsel anzusprechen — das ist in den meisten OLG-Bezirken möglich.

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.