Inhaltsüberblick
Mündliche Examensprüfung meistern: Strategien für das Prüfungsgespräch
Das Prüfungsgespräch in der mündlichen Examensprüfung ist für viele Jurastudierende eine Black Box. Während die Vorbereitung auf schriftliche Klausuren klar strukturiert ist, fühlt sich die Vorbereitung auf ein offenes Gespräch mit der Prüfungskommission oft ungreifbar an. Doch genau hier liegt die Chance: Wer souverän auftritt, aktiv mitdenkt und sich auf den Dialog einlässt, kann Punkte sammeln, die in Klausuren nicht möglich sind.
Was Prüfer wirklich sehen wollen
Professorin Barbara Dauner-Lieb erläutert in Episode 60 aus ihrer langjährigen Erfahrung als Prüferin, worauf es im Prüfungsgespräch ankommt: Prüfer suchen nicht nach auswendig gelerntem Wissen, sondern nach der Fähigkeit, juristisch zu denken. Das bedeutet: Probleme erkennen, methodisch sauber argumentieren, Gegenargumente berücksichtigen und eine vertretbare Position einnehmen – auch wenn die Lösung nicht sofort klar ist.
In Episode 95 vertieft sie die praktischen Aspekte: Wie gestaltet man den Prüfungstag, wie geht man mit Nervosität um, und was tut man, wenn man eine Frage nicht beantworten kann? Die wichtigste Regel: Ehrlich zugeben, wenn man etwas nicht weiß – und dann versuchen, sich der Lösung methodisch zu nähern.
Strategie für das Prüfungsgespräch
Ein erfolgreiches Prüfungsgespräch folgt bestimmten ungeschriebenen Regeln:
- Aktiv zuhören: Die Fragestellung genau erfassen, bevor man antwortet
- Strukturiert antworten: Obersatz – Begründung – Ergebnis, auch mündlich
- Hinweise aufnehmen: Prüfer geben oft Hilfestellungen – diese erkennen und nutzen
- Sich nicht verunsichern lassen: Nachfragen bedeuten nicht, dass die Antwort falsch war
- Gesprächsbereitschaft zeigen: Eigene Unsicherheit eingestehen und laut mitdenken
Die Rolle der Prüfungskommission verstehen
Frank Wamser gibt in Episode 114 wertvolle Einblicke in die Arbeitsweise von Prüfungskommissionen. Die Zusammensetzung – typischerweise Richter, Anwälte und Professoren – beeinflusst die Fragestellungen. Richter fragen praxisnah, Professoren eher dogmatisch, Anwälte mit Mandatsbezug. Wer das weiß, kann seine Antworten darauf einstellen.
Clemens Hufeld reflektiert in Episode 237 kritisch über das „Notenroulette“ im Staatsexamen und massive Abweichungen bei Benotungen. Diese Diskussion macht deutlich: Die mündliche Prüfung kann die Unwuchten des schriftlichen Teils teilweise ausgleichen – ein Grund mehr, sich intensiv darauf vorzubereiten.
Übungsformate für die mündliche Prüfung
Die beste Vorbereitung auf das Prüfungsgespräch ist die Simulation der Prüfungssituation. Anna Masser beschreibt in Episode 112, wie Moot-Court-Coaching die mündliche Argumentation trainiert. Auch Lerngruppen eignen sich hervorragend: Einer übernimmt die Prüferrolle und stellt Fragen, die anderen antworten und geben sich gegenseitig Feedback.
Jens Prömse betont in Episode 21 den Wert reflexiver Praxis für Juristen: Wer regelmäßig über eigene Lernfortschritte nachdenkt und seine Kommunikationsfähigkeiten bewusst trainiert, entwickelt genau die Souveränität, die in der mündlichen Prüfung den Unterschied macht.
Fragen & Antworten
12 Antworten aus Podcast-Episoden
Zwei Monate vorher recherchierte ich jeden Prüfer: Lebenslauf, Forschungsschwerpunkte, Gerichtsposition. Anhand dieser Profile las ich vertieft – besonders im Strafrecht, meinem Vortragsthema. So konnte ich in der Prüfung passgenau ins Gespräch kommen.
Aus Episode #68
IMR068: Ein gutes Staatsexamen | Interview Executive Assistant
mit Max Lieb
Das sagen unsere Experten
„Das Prüfungsgespräch ist ein Dialog, kein Verhör. Prüfer wollen sehen, dass du juristisch denken kannst – nicht, dass du alles auswendig gelernt hast. Trau dich, laut zu denken.“
„Die Zusammensetzung der Prüfungskommission beeinflusst die Fragen. Richter fragen aus der Praxis, Professoren aus der Dogmatik. Wer sich darauf einstellt, kann passgenauer antworten.“
„Das Notenroulette im Staatsexamen zeigt, wie wichtig die mündliche Prüfung ist – sie kann schriftliche Ausreißer korrigieren. Investiert die Vorbereitung, die dieser Teil verdient.“
„Reflexive Praxis – also das bewusste Nachdenken über eigene Stärken und Schwächen – ist die beste Vorbereitung auf die mündliche Prüfung. Wer sich selbst kennt, trägt Souveränität aus.“
„Moot-Court-Erfahrung ist die beste Vorbereitung auf das Prüfungsgespräch. Du lernst, unter Druck zu argumentieren, auf kritische Fragen zu reagieren und deinen Standpunkt zu verteidigen.“
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
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