Inhaltsüberblick
Equity-Partner vs. Salary-Partner: Was der Unterschied für deine Karriere bedeutet
Die Partnerschaft in einer Kanzlei ist das traditionelle Karriereziel für ambitionierte Anwälte – doch Partner ist nicht gleich Partner. Die Unterscheidung zwischen Equity-Partner und Salary-Partner (auch Non-Equity-Partner oder Assoziierter Partner) ist fundamental und betrifft Vergütung, Mitsprache, Risiko und unternehmerische Verantwortung. Wer den Weg zur Partnerschaft anstrebt, sollte diese Modelle verstehen, bevor er seine Karriereentscheidung trifft.
Was ist ein Equity-Partner?
Der Equity-Partner ist Miteigentümer der Kanzlei. Er hält Anteile am Unternehmen, beteiligt sich am Gewinn – und am Verlust. Dafür bringt er in der Regel eine Kapitaleinlage ein, die je nach Kanzlei zwischen 50.000 und mehreren Millionen Euro betragen kann. Im Gegenzug erhält er ein Stimmrecht bei strategischen Entscheidungen: Personalfragen, Investitionen, Standorteröffnungen, Fusionen. Julian Leucht beleuchtet in Episode 347 die Vorstufe zum Equity-Partner und den Unterschied zum Counsel – eine wichtige Differenzierung, die viele Berufseinsteiger nicht kennen.
Was ist ein Salary-Partner?
Der Salary-Partner trägt den Partnertitel, ist aber nicht am Eigenkapital beteiligt. Er erhält ein festes Gehalt (oft mit leistungsabhängigem Bonus), hat aber kein Stimmrecht und kein unternehmerisches Risiko. In manchen Kanzleien ist die Salary-Partnerschaft eine Durchgangsstation auf dem Weg zur Equity-Partnerschaft, in anderen ein dauerhaftes Modell. Greta Harnisch beschreibt in Episode 226 den Weg zur Partnerschaft in einer US-Großkanzlei, wo die Modelle besonders ausdifferenziert sind.
Gewinnverteilung: Lockstep vs. Eat-What-You-Kill
Die Gewinnverteilung unter Equity-Partnern folgt zwei Grundmodellen: Beim Lockstep-Modell steigt der Gewinnanteil mit der Seniorität automatisch – unabhängig vom individuellen Umsatz. Beim Eat-What-You-Kill-Modell bestimmt der persönliche Umsatz den Gewinnanteil. Die meisten Kanzleien nutzen Mischformen. Tim Petermann gibt in Episode 172 ehrliche Einblicke in die Faszination des Anwaltsberufs und die wirtschaftliche Realität der Partnerschaft.
Teilzeit als Partner: Neue Modelle
Die Vorstellung, dass Partner rund um die Uhr arbeiten müssen, wird zunehmend hinterfragt. Andreas Dimmling zeigt in Episode 137, dass Teilzeit als Partner möglich ist – und er damit nicht weniger Respekt in der Kanzlei genießt. Dieses Modell setzt allerdings eine Kanzleikultur voraus, die Flexibilität nicht als Schwäche, sondern als Stärke begreift.
Der Weg dorthin: Was zählt?
Der Aufstieg zum Equity-Partner hängt von mehreren Faktoren ab:
- Fachliche Expertise: Tiefe Spezialisierung in einem gefragten Rechtsgebiet ist die Grundlage.
- Mandatsentwicklung: Wer eigene Mandanten mitbringt, hat den stärksten Trumpf. Business Development ist die Königsdisziplin auf dem Weg zur Equity-Partnerschaft.
- Netzwerk: Kontakte innerhalb und außerhalb der Kanzlei, in der Branche und in der Wirtschaft sind essenziell.
- Kanzleikultur: Manche Kanzleien befördern intern („Eigengewächse“), andere setzen auf Lateralhires – erfahrene Partner, die von anderen Kanzleien kommen.
Maximilian Menges beschreibt in Episode 128 seinen Weg über Promotion und LL.M. in den USA zur Führungskraft als Anwalt – ein Karrierepfad, der zeigt, dass der Weg zur Partnerschaft viele Formen annehmen kann.
Private Equity und Kanzleibeteiligung
Ein wachsender Trend ist die Beteiligung von Private-Equity-Investoren an Kanzleien – ein Modell, das in Großbritannien bereits verbreitet ist und auch im deutschen Rechtsmarkt diskutiert wird. Thomas Diekmann und Juliane Hubert geben in Episode 117 Einblicke in die Welt des Private Equity in einer US-Großkanzlei und zeigen, wie eng das Verständnis von Finanzstrukturen und anwaltlicher Tätigkeit verknüpft ist.
Fragen & Antworten
12 Antworten aus Podcast-Episoden
Ich erwarte, dass der angestellte Anwalt zur Regel und der Equity-Partner zur Ausnahme wird. Viele Einsteiger schätzen ein hohes Fixgehalt, kalkulierbare Arbeitszeiten und geringes unternehmerisches Risiko – „salary partner“ genügt ihrem Lebensentwurf. Gleichzeitig eröffnet das klassische Partnertrack-Modell Chancen: Wer unternehmerisch denkt, findet heute leichter eine Lücke, sei es als Equity-Partner oder durch Gründung einer eigenen Boutique mit starkem Markenzeichen.
Aus Episode #261
IMRechtsmarkt013 (x Bucerius CLP): State of Arbeitsrecht 2024, Teils unnötige Verhandlungen, Individuelle Beratung und Legal Tech-Automatisierung
mit Prof. Dr. Klaus-Stefan Hohenstatt
Das sagen unsere Experten
„Der Schritt vom assoziierten Partner zum Equity-Partner ist der größte Karrieresprung in einer Kanzlei. Es geht nicht nur um mehr Geld, sondern um echte Mitverantwortung für das Unternehmen.“
„Der Weg zur Partnerschaft in einer US-Großkanzlei ist hart, aber transparent. Du weißt, welche Benchmarks du erfüllen musst – fachlich, bei der Mandatsentwicklung und beim Teamaufbau.“
„Teilzeit als Partner funktioniert – wenn die Kanzleikultur stimmt. Ich arbeite 80 Prozent und führe trotzdem anspruchsvolle Mandate. Entscheidend ist nicht die Stundenzahl, sondern die Qualität der Arbeit.“
„Die Faszination des Anwaltsberufs liegt in der Kombination aus fachlicher Tiefe und unternehmerischer Freiheit. Als Equity-Partner bist du beides: Jurist und Unternehmer.“
„Promotion, LL.M. in den USA, Führungsverantwortung – der Weg zur Partnerschaft ist lang, aber jede Station baut auf der vorherigen auf. Wer seine Karriere strategisch plant, hat einen klaren Vorteil.“
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
15 relevante Podcast-Folgen
IMR172: IMR Live, Zuschauerfragen an Hamburger Heuking Partner, Faszination Anwaltsberuf, Gute Referendarausbildung
mit Tim Petermann
IMR Live aus dem Hamburger Büro von Heuking Kühn Lüer Wojtek! Partner Tim Petermann stellt sich den Fragen des juristischen Nachwuchs vor Ort in einem ausführlichen und gleichwohl kurzweiligen Gespräch. Warum hat er sich für den Anwaltsberuf entschieden? Wie lief sein Berufseinstieg damals ab? Welche Teile des Anwaltsberufs erfreuen ihn besonders? Wie sieht der Arbeitsalltag aus? Was ist Teil der Referendarausbildung bei Heuking? Wie wird man während einer Anwalts- oder Wahlstation im Team bereits vom ersten Tag in den Mandantenkontakt eingebunden? Wie sieht die Work-Life Balance in der Kanzlei wirklich aus? Wie unterscheidet sich der Equity- vom Salary-Partner? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt's in dieser Spezialfolge. Viel Spaß!
IMR347: Assoziierte Partner als Vorstufe zum Equity Partner, Unterschied zum Counsel, Internal Investigations, Presserecht und Glaubensgemeinschaften
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Heute zu Gast: Andreas Dimmling. Er spricht über seine Tätigkeit als Equity Partner in Teilzeit bei GSK Stockmann in München. Wir beleuchten in dieser Folge, wie dies geht und was es ganz konkret bedeutet, Familie und spannende Karriere vereinbar zu gestalten. Wie stehen Mandanten dazu, wenn sie ihren Anwalt ausnahmsweise nicht im Büro, sondern auf dem Spielplatz erreichen? Wie wird die Teilzeitlösung in der Bürogemeinschaft angenommen? Inwieweit ergeben sich Besonderheiten dadurch, dass Andreas als Mann in Teilzeit arbeitet (Spoiler: gar nicht 😉)? Natürlich kommt auch Andreas' Werdegang, der zu Eurer Inspiration dient, nicht zu kurz: Wie kommt mal als Student im vierten Semester dazu, ein Praktikum am anderen Ende der Welt in Neuseeland zu absolvieren? Wie muss ein Bewerbungsgespräch laufen, damit man noch am gleichen Tag beginnt, zu arbeiten? Welche Schritte braucht es für den Weg vom wissenschaftlichen Mitarbeiter zum Partner? Antworten auf diese Fragen und viele weitere Blickwinkel zu den Themen Anwaltspersönlichkeit, Familienleben und Menschsein erhaltet ihr in dieser Folge. Viel Spaß beim Anhören!
IMR117: Berufseinstieg und Private Equity in einer US-Großkanzlei
mit Thomas Diekmann
In der heutigen Folge Eures Jura-Karrierepodcasts begrüßen wir Juliane Hubert und Thomas Diekmann. Beide arbeiten als Associate bei Kirkland & Ellis, einer amerikanischen Wirtschaftskanzlei. Sie sind am Münchener Standort tätig und geben uns einen Einblick in die Beratung internationaler Finanzinvestoren, die Begleitung der größten Private-Equity-Transaktionen weltweit sowie die Beratung im Zusammenhang mit öffentlichen Übernahmen. Wie sieht der Arbeitsalltag in einer amerikanischen Großkanzlei aus? Was versteht man eigentlich unter dem Rechtsgebiet "Corporate"? Wie arbeiten sie im Team? Wie sieht der Karriereweg bei Kirkland & Ellis aus – und wie stehen die Chancenm Partner zu werden? In der heutigen Episode erhaltet ihr Antworten auf diese und viele weitere Fragen. Überdies geben Juliane und Thomas ein paar Tipps für Nachwuchsjurist*innen. Erfahrt wie ihr euer Studium, euer Referendariat oder weitere Ausbildungsschritte meistert. Viel Spaß!
