Inhaltsüberblick
Karriere im IT-Recht: Zwischen Datenschutz, KI-Regulierung und Cyber Security
Das IT-Recht zählt zu den dynamischsten und zukunftsträchtigsten Rechtsgebieten überhaupt. In einer Welt, in der nahezu jedes Unternehmen digital arbeitet, Künstliche Intelligenz reguliert werden muss und Cyberangriffe zunehmen, ist die Nachfrage nach spezialisierten IT-Rechtlern so hoch wie nie. Wer sich für die Schnittstelle von Technologie, Datenschutz und Recht begeistert, findet hier ein Karrierefeld mit hervorragenden Perspektiven und vielfältigen Einsatzmöglichkeiten.
Was umfasst das IT-Recht?
IT-Recht ist ein Querschnittsgebiet, das zahlreiche Rechtsgebiete berührt. Im Kern geht es um die rechtliche Regulierung digitaler Technologien und ihrer Anwendungen. Dazu gehören Datenschutzrecht (DSGVO, BDSG), IT-Vertragsrecht, Softwarerecht, Telekommunikationsrecht, E-Commerce-Recht und zunehmend auch KI-Regulierung wie der EU AI Act. In Episode 184 gibt Jonas Puchelt einen praxisnahen Einblick in den Alltag eines IT-Rechtsanwalts – von Data Breaches über KI-Beratung bis hin zu komplexen Datenschutzfragen.
Besonders das Thema Cyber Security hat in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. In Episode 199 schildert Karsten Bartels, wie Ransomware-Verhandlungen ablaufen und welche Zukunftsfähigkeiten Juristen im Bereich Cybersicherheit mitbringen müssen. Die Kombination aus technischem Verständnis und juristischer Expertise macht IT-Rechtler zu unverzichtbaren Beratern in Krisenszenarien.
Karrierewege und Einstiegsmöglichkeiten
Der Einstieg ins IT-Recht erfolgt typischerweise über eine Spezialisierung im Studium oder Referendariat. Schwerpunktbereiche in Informationsrecht, gewerblichem Rechtsschutz oder Medienrecht bilden eine solide Basis. In Episode 108 berichtet Philipp Kühn, wie er den Weg ins IT- und Datenschutzrecht gefunden hat und warum agiles Arbeiten in diesem Bereich besonders wichtig ist.
Die Karrieremöglichkeiten sind vielfältig:
- Kanzlei: Spezialisierte IT-Rechts-Boutiquen oder Tech-Praxisgruppen in Großkanzleien beraten Unternehmen bei Datenschutz-Compliance, IT-Verträgen und Cybervorfällen
- Inhouse: Rechtsabteilungen von Tech-Unternehmen, Banken und Versicherungen suchen ständig IT-Rechtler für Datenschutz, Regulierung und Vertragsmanagement
- Behörden: Datenschutzaufsichtsbehörden, das BSI und EU-Institutionen bieten attraktive öffentlich-rechtliche Karrierewege
- Beratung: IT-Sicherheitsberater und Compliance-Consultants verbinden rechtliches mit technischem Know-how
IT-Recht bei Großunternehmen und Tech-Konzernen
Die spannendsten Einblicke in die Praxis des IT-Rechts bieten Positionen bei Tech-Konzernen. In Episode 320 erzählt Michael Dorner als Rechtsabteilungsleiter bei Microsoft, wie KI die Arbeit seiner Abteilung verändert – von Copilot-Anwendungen über Legal Agents bis hin zu grundlegenden Fragen der KI-Governance. Solche Positionen verlangen nicht nur exzellente Rechtskenntnisse, sondern auch die Fähigkeit, technologische Entwicklungen rechtlich zu bewerten, bevor sie marktreif sind.
Gehalt und Zukunftsperspektiven
Das IT-Recht gehört zu den überdurchschnittlich vergüteten Rechtsgebieten. In Großkanzleien bewegen sich die Einstiegsgehälter für IT-Rechtler auf dem allgemeinen Großkanzleiniveau, während spezialisierte Boutique-Kanzleien je nach Standort und Expertise zwischen 70.000 und 120.000 Euro für Associates zahlen. Im Inhouse-Bereich liegen die Gehälter bei Tech-Konzernen häufig über dem Branchendurchschnitt. Wie in Episode 351 diskutiert wird, eröffnen der AI Act und strategische Datenschutzklagen völlig neue Beratungsfelder – und damit zusätzliche Karrierechancen für IT-Rechtler.
Auch die binationale Juristenausbildung eröffnet im IT-Recht besondere Möglichkeiten, wie Zoi Michalopoulou in Episode 61 berichtet. Da IT-Recht häufig grenzüberschreitende Sachverhalte betrifft, sind internationale Qualifikationen ein echter Karrierevorteil.
Fragen & Antworten
12 Antworten aus Podcast-Episoden
Meine Verwaltungsstation in der Beschlussabteilung des Bundeskartellamts war ein Sprung ins kalte Wasser. Ich schrieb Vermerke zu Rundfunk- und Telekombeschlüssen, sah ökonomische Analysen live. Dort lernte ich, dass Wettbewerbsrecht nicht abstrakt, sondern praktisches Markt-Engineering ist. Dieses Erlebnis verankerte Kartellrecht dauerhaft in meinem beruflichen Werkzeugkasten.
Aus Episode #116
IMR116: Einzelanwalt im Kartell- und Telekommunikationsrecht | Jura-Podcast
mit Dr. Sebastian Louven
Das sagen unsere Experten
„IT-Recht aus Anwaltssicht bedeutet, ständig an der Grenze zwischen Technik und Recht zu arbeiten. Bei Data Breaches zählt jede Stunde – da brauchst du sowohl juristisches Wissen als auch ein Verständnis für die technischen Hintergründe.“
„Als Rechtsabteilungsleiter bei einem Tech-Konzern erlebst du hautnah, wie KI die juristische Arbeit verändert. Legal Agents und Copilot-Anwendungen sind keine Zukunftsmusik mehr – sie sind unser Arbeitsalltag.“
„Ransomware-Verhandlungen sind der Extremfall des IT-Rechts. Hier zeigt sich, dass Juristen in Zukunft Verhandlungsgeschick, technisches Know-how und Krisenmanagement gleichzeitig beherrschen müssen.“
„Der AI Act, strategische Datenschutzklagen und neue Compliance-Anforderungen schaffen ein riesiges Beratungsfeld. Wer jetzt ins Datenrecht einsteigt, hat auf Jahre hinaus volle Auftragsbücher.“
„IT-Recht und agiles Arbeiten gehören zusammen. In einem Rechtsgebiet, das sich so schnell verändert, musst du flexibel bleiben und bereit sein, ständig Neues zu lernen.“
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
15 relevante Podcast-Folgen
IMR184: IT-Recht aus Anwaltssicht, Data Breaches, KI und Datenschutz
mit Jonas Puchelt
Episode 184 von IMR, heute wieder mit jemandem der zeigt, was man mit Jura alles machen kann: Jonas Puchelt. Jonas ist Associate bei FPS in Frankfurt und arbeitet schwerpunktmäßig im IT-Recht. Warum ist das IT-Recht so vielseitig? Wann ist der Mandant besonders aufgeregt und schnelle Beratung gefragt? Wie wird sich KI auf Businessthemen - und damit auch die anwaltliche Beratung - auswirken? Wann wurde Jonas einmal in seiner Karriere besonders überrascht? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt's in dieser sehr kurzweiligen Folge. Viel Spaß!
IMR108: Jura, agiles Arbeiten, IT- und Datenschutzrecht
mit Philipp Kühn
In der heutigen Folge von Irgendwas mit Recht spricht Marc Ohrendorf mit Philipp Kühn, Counsel bei Ebner Stolz für IT- und Datenschutzrecht. Wie kam Philipp nach einer Station beim Modehersteller Esprit schließlich ins IT-und Datenschutzrecht bei Ebner Stolz? Was macht man als Anwält*in für IT- und Datenschutzrecht? Warum braucht jede Kanzlei und jedes Unternehmen eine*n IT-Rechtler*in? Welche Rolle spielt die DSGVO für Philipps tägliche Arbeit? Wie sollte die Kommunikation zwischen Fachabteilung und Rechtsabteilung idealerweise ablaufen? Zudem definieren wir einmal die Begriffe IT-Recht, IT-Sicherheit und Informationssicherheit. Außerdem erfahrt ihr, warum es für die Karriere als IT-Rechtler*in durchaus förderlich sein kann, wenn man in der Jugend Computerspiele gespielt hat – und wie man dies geschickt im Lebenslauf verpackt. Zuletzt schildert Philipp seine Erfahrungen mit agilem Arbeiten und gibt Tipps, wie damit die juristische Arbeitsweise verbessert werden kann. Viel Spaß!
IMR158: eSport-Recht, Twitch-Streaming, Knigge-Kurse
mit Prof. Dr. Martin Maties
In der neuesten Folge unseres Karriere-Podcasts haben wir einen besonderen Gast, Prof. Dr. Maties. Er ist Professor an der Universität Augsburg und Mitgründer der Forschungsstelle eSportrecht. Er schilder seinen Werdegang und wir besprechen seine Forschungsbereiche des Bürgerlichen Rechts, Arbeits- und Sozialrechts sowie der Methodenlehre. Aber wie passt das alles in den Kontext der wachsenden eSport-Industrie? Wo stehen eSportler in Bezug auf Arbeitsschutz und wie werden Minderjährige in der Gaming-Szene berücksichtigt? Ist das Zocken in der Freizeit als Arbeitszeit zu werten? Wie wird Streaming rechtlich betrachtet und welche Herausforderungen bringt es mit sich? Warum verstößt das Streamen von Computerspielen eigentlich gegen das deutsche Urheberrecht? Wie gehen Publisher damit um und welche Fragestellungen ergeben sich für die Depublizierung von – möglicherweise monetarisiertem – Content? Antworten auf all diese Fragen und viele weitere Tipps für eure Karriere gibt es in dieser Podcastfolge. Schließlich erläutert Prof. Maties den Sinn und Zweck der Knigge-Regeln und warum es ihm viel Freude bereitet, Studierende in Knigge-Kursen auszubilden. Viel Spaß beim Zuhören!
IMR320: Rechtsabteilungsleiter bei Microsoft, KI in der Rechtsabteilung, KI im Rechtsmarkt, Copilot, Legal Agents, Legal AI
mit Dr. Michael Dorner
Die 320. Episode von Irgendwas mit Recht widmet sich der Karriere von Dr. Michael Dorner, Head of Legal bei Microsoft Deutschland. Er schildert den Weg vom Max-Planck-Institut über acht Kanzleijahre bis zur Leitung einer großen Inhouseabteilung. Dabei erklärt er, worin sich externe Beratung und interne Rechtssteuerung hinsichtlich Verantwortung, Prozessnähe und Wertschöpfung unterscheiden. Wir beleuchten milliardenschwere Verträge mit DAX-Konzernen, Datenschutzfragen sowie den wachsenden Einfluss europäischer KI-Regulierung. Michael beschreibt Microsofts Responsible AI Principles und erläutert, wie Copilot bereits juristische Beratung, Transaktionen und Behördendialoge unterstützt. Welche Rolle spielt Datenhygiene für leistungsfähige Agenten und warum bleibt menschliches Nachdenken unverzichtbar trotz exponentieller Technik? Welche Kompetenzen sollten Studierende jetzt aufbauen um künftig an der Schnittstelle Recht und Technologie zu überzeugen? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
