Inhaltsüberblick
Der Associate-Arbeitsalltag: Zwischen Mandatsarbeit und Teamkoordination
Der Associate Arbeitsalltag in einer Wirtschaftskanzlei ist vielseitiger, als es die gängigen Klischees vermuten lassen. Ja, es gibt lange Tage und anspruchsvolle Deadlines. Aber der Alltag besteht längst nicht nur aus Aktenarbeit. Associates sind Projektmanager, Berater und Koordinatoren in einem – und das vom ersten Tag an.
Juliane Hubert und Thomas Diekmann geben in Episode 117 einen unverstellten Einblick in ihren Berufsstart bei einer US-Großkanzlei: Private-Equity-Transaktionen, enge Teamarbeit und direkte Mandantengespräche prägen ihren Alltag. Das Bild vom Associate, der nur im Hintergrund recherchiert, ist längst überholt.
Ein typischer Tag in der Kanzlei
Einen standardisierten Arbeitstag gibt es nicht – und genau das macht den Reiz aus. Morgens kann eine eilige Due-Diligence-Prüfung anstehen, mittags eine Mandantenkonferenz, nachmittags die Überarbeitung eines Kaufvertrags. Maria Börner erzählt in Episode 123, wie sie während eines Secondments in Amsterdam ihren Arbeitsalltag völlig neu erlebt hat – andere Kanzleikultur, andere Arbeitsweisen, aber immer hohes inhaltliches Niveau.
Die Kernbereiche des Associate-Alltags lassen sich grob in fünf Felder gliedern:
- Mandatsarbeit: Verträge entwerfen, Gutachten erstellen, Due-Diligence-Prüfungen durchführen – das juristische Kerngeschäft bleibt der größte Zeitblock
- Mandantenkommunikation: Regelmäßige Abstimmungen, Statusberichte und Ergebnispräsentationen – auch als Junior Associate
- Teamkoordination: Zuarbeiten von Referendaren und wissenschaftlichen Mitarbeitern bündeln, interne Abstimmungen mit anderen Praxisgruppen
- Business Development: Mandantenbeziehungen pflegen, an Pitches mitwirken, Beiträge für Newsletter und Fachpublikationen verfassen
- Weiterbildung: Interne Schulungen, Fachvorträge, LL.M.-Vorbereitungen oder berufsbegleitende Promotion
Rechtsgebiete, die den Alltag prägen
Was du täglich tust, hängt stark vom Rechtsgebiet ab. Patric Mau, Associate im Marken- und Wettbewerbsrecht, beschreibt in Episode 185, wie sein Alltag zwischen Markenanmeldungen, Abmahnverfahren und strategischer Beratung pendelt. Jonas Puchelt wiederum arbeitet im IT-Recht und erklärt in Episode 184, dass Data Breaches und KI-Regulierung seinen Arbeitsalltag dominieren – Themen, die vor zehn Jahren in dieser Form noch nicht existierten.
Im Baurecht sieht der Alltag wieder ganz anders aus. Cornelia Finster berichtet in Episode 316, wie sie ein neues Team im privaten Bau- und Architektenrecht aufgebaut hat. Infrastrukturprojekte, Bau-Management und die Koordination verschiedener Gewerke machen ihre Arbeit zu einer Mischung aus juristischer Expertise und Projektsteuerung.
Kanzleikultur und Arbeitsmodelle
Die Kanzleikultur hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Mona Fuchs schildert in Episode 308, wie sich der Associate-Alltag durch New-Work-Modelle verändert: Remote-Arbeit, flexible Arbeitszeiten und eine stärkere Orientierung an Ergebnissen statt an Präsenzstunden. Matthias Lichtblau, COO einer Wirtschaftskanzlei, bestätigt in Episode 269, dass Kanzleien zunehmend in Business Functions investieren, um Associates von administrativen Aufgaben zu entlasten.
Der Associate Arbeitsalltag ist anspruchsvoll, aber auch gestaltbar. Wer seine Interessen kennt, aktiv Feedback sucht und sich innerhalb der Kanzlei sichtbar macht, kann seinen Weg individuell prägen – ob in Richtung Spezialisierung, Partnerschaft oder einem späteren Wechsel in die Rechtsabteilung.
Fragen & Antworten
12 Antworten aus Podcast-Episoden
Als Associate startest du früh damit, dich von reiner Aktenbearbeitung zu lösen. Überlege, welche Themen dich fachlich reizen, wo Unternehmen tatsächlich Schmerzen haben und wie deine Kontakte helfen können. Wenn du auf einer Party Bedürfnisse hörst, verbindest du sie gedanklich mit unseren Angeboten bei YPOG – das ist schon Business Development.
Aus Episode #217
IMRechtsmarkt007 (x Bucerius CLP): Welche Anforderungen gibt es 2024 an das Business Development in Kanzleien?
mit Dr. Hariolf Wenzler
Das sagen unsere Experten
Der Associate-Alltag ist so vielfältig wie die Menschen, die ihn leben. Hier sind Stimmen aus unterschiedlichen Rechtsgebieten und Karrierestufen.
Als Associate bist du die Schaltzentrale eines Mandats. Du koordinierst Zuarbeiten, hältst den Mandanten auf dem Laufenden und sorgst dafür, dass Deadlines eingehalten werden. Die rein juristische Arbeit macht vielleicht die Hälfte deines Tages aus – der Rest ist Projektmanagement.
Mein Secondment in Amsterdam hat mir gezeigt, dass Kanzleikultur kein abstraktes Konzept ist. Die Art, wie Teams zusammenarbeiten, wie Feedback gegeben wird, wie mit Fehlern umgegangen wird – das prägt den Arbeitsalltag mehr als jedes Rechtsgebiet.
Im IT-Recht ändert sich der Arbeitsalltag laufend. Vor drei Jahren war DSGVO das große Thema, heute sind es Data Breaches und KI-Regulierung. Als Associate musst du bereit sein, dich ständig in neue Themenfelder einzuarbeiten – und das unter Zeitdruck.
Private Equity prägt unseren Alltag komplett. Wenn ein Deal läuft, gibt es keine Routine – jeder Tag bringt neue Herausforderungen. Dafür lernst du in einem Jahr mehr als in fünf Jahren in anderen Kontexten.
Kanzleien müssen verstehen, dass der Associate-Alltag nicht mehr so aussehen kann wie vor zwanzig Jahren. Business Functions, KI-gestützte Recherche und flexible Arbeitsmodelle sind keine Extras – sie sind die Voraussetzung dafür, dass junge Talente bleiben.
Der Associate Arbeitsalltag hat sich grundlegend gewandelt. Wer heute einsteigt, erlebt eine Arbeitswelt, die professioneller, internationaler und flexibler ist als je zuvor – und die von Associates erwartet, dass sie nicht nur juristisch, sondern auch unternehmerisch denken.
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
22 relevante Podcast-Folgen
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In der heutigen Folge des Jura-Karrierepodcasts begrüßen wir Patrick Teubner Gomes. Patrick ist Associate bei Freshfields, einer internationalen Wirtschaftskanzlei, am Standort Brüssel. Hier berät er Mandant*innen im Kartellrecht. Vor dem Jurastudium hat Patrick Europäische Rechtslinguistik studiert. Aber wie kommt man eigentlich zu diesem außergewöhnlichen Studiengang? Wieso hat Patrick zur Rechtswissenschaft gewechselt und was hat ihm im Jurastudium Spaß gemacht? Welche Stationen auf seinem Weg haben ihn für das Arbeiten auf internationaler Ebene begeistert und wie sieht der Arbeitsalltag in diesem Bereich aus? In der heutigen Episode erhaltet ihr Antworten auf diese Fragen! Außerdem erfahrt ihr, welche spannenden Möglichkeiten es gibt, einen Teil seiner Ausbildung im europäischen Ausland zu verbringen - sei es durch Stationen im Referendariat oder im LL.M. Hierzu beleuchtet Patrick den LL.M am College of Europe in Brügge, einer der renommiertesten Universitäten für Europarecht. Viel Spaß!
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IMR123: Diversity, Kanzleikultur und Secondment in Amsterdam | Jura-Podcast
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In der heutigen Folge Eures begrüßen wir Dr. Maria Börner. Sie berichtet, wie man durch die Wahl des Rechtsgebiets das deutsche Jurastudium mit internationalen Sachverhalten verbinden kann. Sie ist als Anwältin bei Allen & Overy im Team Corporate / M&A tätig. Im Rahmen eines kanzleiinternen Secondments darf sie aktuell die ins & outs des Amsterdamer Kanzleibüros kennenlernen. Aber was ist überhaupt ein Secondment und welche Vorteile bietet ein solches? Wie unterscheidet sich der Arbeitsalltag in den Niederlanden von der deutschen Kanzleikultur? Was bedeutet Diversity für Kanzleien und warum ist das Thema so wichtig? Wie haben sich Kanzleien in diesem Bereich in den letzten Jahren weiterentwickelt? Was ist der heutigen Generation von Jurist*innen wichtig? Antworten auf diese Fragen sowie viele weitere Perspektiven gibt's in dieser Folge. Viel Spaß!
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Episode 185 von IMR, heute mit einem Gast, der die Verbindung von Leistungssport, Lernen und Jura meisterhaft verkörpert: Dr. Patric Mau. Patric ist Associate im Markenrecht und Wettbewerbsrecht bei Oppenhoff in Köln. Wie beeinflusst seine Erfahrung im Leistungssport seine Herangehensweise an komplexe rechtliche Herausforderungen? Wie schafft man es, intensives Training und Studium unter einen Hut zu bekommen? Welche Parallelen gibt es zwischen der Tätigkeit als Athlet und als Anwalt? Welche Rolle spielt Teamwork in diesem Zusammenhang? Und welche überraschenden Erfahrungen hat Patric in seiner Karriere bisher gemacht? Taucht mit uns ein in eine Folge, die zeigt, wie Leistungssport und Jura sich gegenseitig bereichern können, und erfahrt, wie Patric die Transition zwischen beiden Welten meistert. Viel Spaß beim Zuhören!
