Inhaltsüberblick
Berufseinstieg für Juristen: Dein Weg in Kanzlei, Unternehmen und Justiz
Der Berufseinstieg ist für Juristinnen und Juristen ein Moment voller Möglichkeiten — und zugleich voller Entscheidungen. Nach Jahren des Studiums und des Referendariats stehen plötzlich konkrete Karrierewege offen: Großkanzlei oder Boutique, Rechtsabteilung oder öffentlicher Dienst, Justiz oder Wissenschaft. Die Weichen, die in den ersten Berufsjahren gestellt werden, prägen die gesamte Laufbahn. In Episode 298 schildert ein junger Associate seinen Weg vom Referendariat über eine Wahlstation in London bis zum Berufseinstieg in einer US-Großkanzlei in München.
Kanzlei: Vom ersten Tag zum Associate
Der Einstieg in eine Kanzlei ist der klassische Weg für viele Absolventinnen und Absolventen mit Prädikatsexamen. Großkanzleien bieten strukturierte Onboarding-Programme, internationale Mandate und attraktive Einstiegsgehälter. In Episode 194 berichtet Petra Römers über die ersten Tage als Associate und wie wichtig es ist, von Anfang an Initiative zu zeigen. Boutique-Kanzleien hingegen punkten mit schneller Verantwortungsübernahme und direktem Mandantenkontakt.
Unabhängig von der Kanzleigröße gilt: Der Berufseinstieg in der Anwaltschaft verlangt Anpassungsfähigkeit. Die Arbeit in Teams, der Umgang mit anspruchsvollen Mandanten und das Zeitmanagement unter Druck sind Fähigkeiten, die im Studium kaum trainiert werden. In Episode 172 betont Tim Petermann die Faszination des Anwaltsberufs und die Bedeutung einer guten Referendarausbildung als Grundlage.
Rechtsabteilung: Der Inhouse-Weg
Immer mehr Juristinnen und Juristen starten ihre Karriere direkt in Unternehmensrechtsabteilungen. Der Reiz liegt in der Nähe zum Geschäft, planbaren Arbeitszeiten und der Möglichkeit, wirtschaftliche Zusammenhänge aus erster Hand zu verstehen. In Episode 295 zeigt Barbara Dauner-Lieb, wie vielfältig juristische Karrieren sein können — von der Rechtsabteilung über die Professur bis zur Präsidentschaft eines Verfassungsgerichts.
Der Einstieg in die Rechtsabteilung setzt häufig erste Praxiserfahrung voraus, weshalb viele den Umweg über eine Kanzlei nehmen. Trainee-Programme bei Unternehmen wie Munich Re oder Deutsche Telekom bieten jedoch auch einen direkten Zugang.
Öffentlicher Dienst und Justiz
Für Juristinnen und Juristen, die Stabilität und gesellschaftliche Verantwortung schätzen, bieten der öffentliche Dienst und die Justiz attraktive Perspektiven. In Episode 328 erzählt Pascal Bayer, warum er sich bewusst gegen die Großkanzlei und für die Stadtverwaltung entschieden hat — und welche Gestaltungsmöglichkeiten dieser Weg bietet.
Die Vielfalt im öffentlichen Sektor wird häufig unterschätzt: Von der Kommunalverwaltung über Ministerien bis hin zu internationalen Organisationen reicht das Spektrum. Entscheidend ist, sich früh über Bewerbungsfristen und Anforderungen zu informieren, da die Auswahlverfahren sich deutlich von denen der Privatwirtschaft unterscheiden.
Den eigenen Weg finden
Der beste Berufseinstieg ist derjenige, der zu den eigenen Stärken, Interessen und Lebensprioritäten passt. In Episode 260 wird die bewusste Abwägung zwischen Staatsdienst und Anwaltschaft thematisiert — eine Entscheidung, die nicht nur vom Examensergebnis abhängen sollte, sondern von der persönlichen Vision für die eigene Karriere.
Fragen & Antworten
12 Antworten aus Podcast-Episoden
Kurz nach dem Zweiten Staatsexamen fand ich eine explizit halbe Juristenstelle im Rechtsamt. Der Bewerbungsprozess lief erstaunlich zügig: Anschreiben, Gespräch, Zusage innerhalb weniger Wochen. Die Teilzeit gab mir Raum für den Master, gleichzeitig lernte ich sofort die internen Abläufe einer Stadtverwaltung kennen – ein optimaler, risikoarmer Berufseinstieg.
Aus Episode #328
IMR328: Jurist bei der Stadtverwaltung, Master in Speyer, Studium als Erstakademiker, Entscheidung gegen Großkanzlei, Förderrichtlinie schreiben
mit Pascal Bayer
Das sagen unsere Experten
Die ersten Tage in der Kanzlei sind aufregend und fordernd zugleich. Mein Tipp: Stell viele Fragen, zeig Initiative und hab keine Angst vor Fehlern. Niemand erwartet von einem Berufseinsteiger Perfektion.
Der Berufseinstieg in einer US-Großkanzlei ist intensiv, aber die Lernkurve ist steil. Wer bereit ist, früh Verantwortung zu übernehmen und international zu denken, findet hier ein unglaublich spannendes Umfeld.
Ich habe mich bewusst gegen die Großkanzlei entschieden. In der Stadtverwaltung kann ich Recht gestalten und habe dabei eine Planbarkeit, die mir persönlich wichtig ist.
Eine Karriere in der Rechtswissenschaft kann unglaublich vielfältig sein. Ich war Leiterin einer Rechtsabteilung, Professorin und Präsidentin eines Verfassungsgerichts — mit Jura ist so viel möglich.
Was den Anwaltsberuf so faszinierend macht, ist die Kombination aus intellektueller Herausforderung und menschlicher Begegnung. Jeder Mandant bringt eine neue Geschichte mit.
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
20 relevante Podcast-Folgen
IMR295: Eine Karriere & 50 Jahre Rechtswissenschaft, Leiterin der Rechtsabteilung, Professorin, Präsidentin des Verfassungsgerichts NRW, moderne Juristenausbildung
mit Prof. Dr. Dr. h.c. Barbara Dauner-Lieb
Happy Birthday! In dieser Folge begrüßt Marc die Kölner Zivilrechtsprofessorin und akademische Mutter von Irgendwas mit Recht, Barbara Dauner-Lieb, die anlässlich ihres 70. Geburtstags auf ihre Karriere sowie ein halbes Jahrhundert im juristischen Kosmos zurückblickt. Dabei beleuchten sie Stationen vom Studienbeginn 1973 über eine prägende Referendariatszeit in einer New Yorker Großkanzlei bis hin zu ihrer Tätigkeit als Leiterin der Rechtsabteilung der Zanders Feinpapiere AG und ihrer späteren Laufbahn an der Universität zu Köln. Sie spricht offen über frühe Hürden für Frauen in der Juristerei, über die Macht der billable hour, über den Wert von Promotion und Habilitation sowie über Lehr‑ und Prüfungsformate, die sie bis heute prägen. Welche Rolle spielen Festschriften im akademischen Brauch? Welche Auswirkungen sollte künstliche Intelligenz auf die zukünftige Juristenausbildung haben? Warum benötigen wir (endlich) open book-Klausuren? Wie verschafft man sich damals wie heute Ansehen zum Berufseinstieg? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
IMR330: AI im Silicon Valley, Kalifornisches Bar Exam, Deutsch-Französischer Studiengang, Games-Recht, GTA 6 muss sein
mit Felix Hilgert
In Episode 330 spricht Marc mit Felix Hilgert, Partner bei Osborne Clark in Kalifornien. Der Kölner Jurist berichtet von seinem deutsch-französischen Studium, seiner Kanzleilaufbahn und seinem Wechsel ins Silicon Valley. Dort berät er u.a. US Tech-Firmen zu europäischem Recht, koordiniert Teams und übersetzt zwischen den Rechtskulturen. Im Podcast erzählt er, wie das Games-Recht über die Jahrzehnte immer größer wurde. Warum sorgen Serverabschaltungen für juristische Grauzonen und wachsenden Beratungsbedarf? Welche Besonderheiten müssen AGB erfüllen, damit sie in Europa und Amerika gleichermaßen funktionieren? Felix berichtet außerdem vom kalifornischen Bar Exam und vergleicht es mit dem deutschen Staatsexamen. Er diskutiert Chancen, Risiken und Anwendungsszenarien künstlicher Intelligenz für Kanzleien. Wie verändert AI Abrechnungsmodelle, Ausbildung und Berufseinstieg junger Juristen? Welche Fähigkeiten sollten Studierende jetzt trainieren, um später konkurrenzfähig zu bleiben? Was erwartet uns, wenn GTA 6 erscheint und millionenfach Urlaubstage blockiert? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR, viel Spaß!
IMR194: Die ersten Tage in der Kanzlei, IP- und Patentrechtsfokus, Karriereevents
mit Petra Römers
In Folge 194 Eures Jurapodcasts ist Petra Römers zu Gast. Petra ist Associate im Düsseldorfer Büro von Bird & Bird und dort in der IP-Praxisgruppe mit dem Schwerpunkt Patentrecht zuständig. Warum hat sie sich für den Berufseinstieg in der Wirtschaftskanzlei entschieden? Wie lief das Bewerbungsverfahren ab? Wie muss man sich die ersten Tage in der Kanzlei vorstellen? Wie könnt Ihr Petra und ihre Kollegen auf Kanzleievents treffen? Antworten auf diese Fragen sowie spannende Perspektiven zum Berufseinstieg erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!!
IMR325: Arbeitsrecht im politischen Kontext, Kaisers-Tengelmann-Verfahren und Ministererlaubnis, Wirtschaftskanzlei erfolgreich mitgründen
mit Dr. Andrea Panzer-Heemeier
Marc spricht mit Dr. Andrea Panzer-Heemeier von ARQIS über ihren Weg von der Ruhr-Universität Bochum zur Mitgründerin und Managing Partnerin der heute 75-köpfigen Kanzlei, über frühe Stationen bei einer Großkanzlei, den Wechsel in eine Arbeitsrechtsboutique und die Motivation, ARQIS als multidisziplinäres Spin-off aufzubauen. Unter anderem geht es um ihr spektakulärstes Mandat: die arbeitsrechtliche Flankierung des Kaisers-Tengelmann-Deals, bei dem eine Ministererlaubnis die kartellrechtlichen Bedenken überwog. Sie schildert, wie strategische Beratung, Politik und Verhandlungsgeschick verschmelzen, warum Arbeitsrecht mehr als Brot-und-Butter-Geschäft sein kann und weshalb Anwälte auch Verkäufer sein müssen. Nachwuchsjuristen erfahren, welche Vorkenntnisse ARQIS erwartet, welche No-Gos im Bewerbungsprozess gelten und wie Dr. Panzer-Heemeier Partnerinteressen balanciert, um ihre Kanzlei zukunftsfähig zu führen. Wie übt man einen Ministerauftritt mit einem Unternehmer? Weshalb kann ein Doktortitel besonders Frauen im Arbeitsrecht helfen? Welche Rolle spielen Persönlichkeit, Auslandserfahrung und Dienstleistungsmentalität für den Berufseinstieg? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
