Inhaltsüberblick
Mentoring für Juristen: Warum ein guter Mentor den Unterschied macht
Mentoring ist einer der wirkungsvollsten Karrierebeschleuniger in der Juristerei. Ob im Studium, im Referendariat oder beim Berufseinstieg — eine erfahrene Mentorin oder ein erfahrener Mentor kann Türen öffnen, vor Fehlern bewahren und den Blick für Möglichkeiten schärfen, die man selbst noch nicht sieht. In Episode 84 spricht Prof. Dr. Anne Sanders über die Bedeutung von Vorbildern und Mentorinnen in der juristischen Karriere — und warum gerade die Wissenschaft ohne diese Beziehungen kaum denkbar ist.
Warum Mentoring in der Juristerei besonders wichtig ist
Die juristische Ausbildung ist lang, die Karrierewege vielfältig und die Entscheidungspunkte zahlreich. Welche Schwerpunkte im Studium, welche Station im Referendariat, welcher Arbeitgeber zum Berufseinstieg? Mentorinnen und Mentoren helfen, diese Entscheidungen mit mehr Information und weniger Unsicherheit zu treffen. In Episode 235 betonen Katja Urbatsch und Denise Benz, wie entscheidend Mentoring für Erstakädemikerinnen und -akademiker ist — Menschen, die als Erste in ihrer Familie studieren und kein familiäres Netzwerk in der Juristerei haben.
Mentoring wirkt auf mehreren Ebenen: Es vermittelt Fachwissen und Praxiserfahrung, schafft Zugang zu Netzwerken, bietet emotionale Unterstützung in schwierigen Phasen und hilft bei der realistischen Einschätzung der eigenen Stärken und Entwicklungsfelder.
Formelles vs. informelles Mentoring
Viele Kanzleien, Unternehmen und Universitäten bieten formelle Mentoring-Programme an, bei denen erfahrene Juristinnen und Juristen gezielt mit Nachwuchskräften zusammengebracht werden. Diese Programme bieten Struktur und regelmäßigen Austausch. In Episode 298 wird deutlich, wie ein gut strukturiertes Onboarding mit Mentoring-Elementen den Berufseinstieg in einer Großkanzlei erleichtert.
Mindestens ebenso wertvoll ist informelles Mentoring: ein Partner, der sich nach einem schwierigen Mandat Zeit für Feedback nimmt; eine Professorin, die zur Promotion ermutigt; ein Senior Associate, der seine Erfahrungen beim Kanzleiwechsel teilt. In Episode 199 spricht Karsten Bartels über Zukunftsfähigkeiten für Juristen und die Rolle erfahrener Kolleginnen und Kollegen bei deren Vermittlung.
Einen Mentor finden: Strategien und Tipps
Den richtigen Mentor zu finden, erfordert Initiative und Offenheit. Gute Ausgangspunkte sind: Alumni-Netzwerke der eigenen Universität, Fachveranstaltungen und Konferenzen, Berufsverbände und Initiativen wie die Gesellschaft für Freiheitsrechte oder Recht vielfältig. In Episode 77 beschreibt Anna Masser, wie Moot Courts und die Schiedsrechtspraxis nicht nur fachlich bilden, sondern auch Mentoring-Beziehungen entstehen lassen.
Der Schlüssel liegt darin, nicht passiv zu warten, sondern aktiv auf potenzielle Mentorinnen und Mentoren zuzugehen. Eine konkrete Frage zu einem Karrierethema wirkt authentischer als die Bitte um „Mentoring“. In Episode 266 zeigt Marcel Werner, wie eine unübliche Karriere bei einer Stiftung durch die richtigen Impulsgeber möglich wurde.
Reverse Mentoring und Peer Mentoring
Mentoring funktioniert nicht nur top-down. Reverse Mentoring — bei dem jüngere Kolleginnen und Kollegen erfahrenen Führungskräften Impulse geben, etwa zu Technologie oder neuen Arbeitsweisen — gewinnt an Bedeutung. In Episode 135 betont Anna Drinnenberg, wie wichtig der Austausch zwischen Generationen für die Weiterentwicklung öffentlicher Institutionen ist. Peer Mentoring unter Gleichgestellten — etwa unter Associates des gleichen Jahrgangs — bietet zudem einen geschützten Raum für ehrlichen Austausch über Herausforderungen, die man gegenüber Vorgesetzten nicht immer offen ansprechen kann.
Fragen & Antworten
12 Antworten aus Podcast-Episoden
Ein erfahrener Mentor öffnet Türen, hilft beim ersten Fachartikel und gibt praxisnahe Einblicke in Märkte, die an der Uni kaum vorkommen. So findest du schneller heraus, ob ein Gebiet wie IT-Recht zu dir passt und baust zugleich dein Netzwerk auf.
Aus Episode #199
IMR199: Ransomware-Verhandlungen, KI in der Anwaltschaft, Zukunftsfähigkeiten für Juristen
mit Karsten Bartels
Das sagen unsere Experten
Mentorinnen haben mir gezeigt, dass eine wissenschaftliche Karriere möglich ist — auch wenn der Weg dorthin nicht immer geradlinig verläuft. Ohne diese Vorbilder hätte ich den Mut zur Habilitation vielleicht nicht gehabt.
Für Erstakädemikerinnen und -akademiker ist ein Mentor oft der erste Kontakt in die juristische Welt. Diese Beziehung kann den Unterschied machen zwischen Aufgeben und Durchhalten.
Mein Moot Court hat mir nicht nur das Schiedsrecht nähergebracht, sondern auch eine Mentorin, die mich bis heute begleitet. Solche Erfahrungen entstehen nicht am Schreibtisch, sondern in gemeinsamen Projekten.
Die besten Mentoren sind die, die ehrliches Feedback geben — auch wenn es unbequem ist. Wer nur lobt, hilft nicht weiter. Wer konstruktiv kritisiert und gleichzeitig ermutigt, ist Gold wert.
In einer Stiftung zu arbeiten, stand nie auf meinem Plan. Ein Mentor hat mir gezeigt, dass juristische Expertise auch jenseits der klassischen Wege enorm gefragt ist — und dass man dort echten Impact haben kann.
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
13 relevante Podcast-Folgen
IMR084: MentorInnen und Justizforschung | Interview Professorin
mit Prof. Dr. Anne Sanders
In dieser Episode Eures Jura-Karrierepodcasts dreht sich alles um den Wert guter MentorInnen und wie Ihr solche findet. Anne Sanders hatte nach einer Schlüsselbegegnung bereits in den ersten Semestern das Ziel vor Augen, Professorin zu werden. Welche Charaktereigenschaften haben sie dabei besonders beeindruckt? Was heißt es eigentlich, einen Mentor zu haben? Wie motiviert ein Mentorship für den eigenen Werdegang? Ferner sprechen wir über eines der Forschungsgebiete, das Prof. Sanders heute verfolgt: Die Justizforschung. Sie erklärt, wie wichtig die Unabhängigkeit der Gerichte für ein Rechtssystem ist und welche kritischen Entwicklungen sie in Europa aktuell beobachtet. Anschließend sprechen wir über Eure Studienbedingungen während der Corona-Krise und waagen eine mittel- bis langfristige Prognose hinsichtlich ihrer Folgen für die juristische Ausbildung. Viel Spaß!
IMR235: Studium als Erstakademiker:in, Arbeiterkind.de, Chancengleichheit, Initiative "Recht vielfältig"
mit Denise Benz
In dieser Episode spricht Marc mit zwei Gästen: Katja Urbatsch von Arbeiterkind.de sowie Denise Benz von A&O Shearman. Als Denise vor einigen Jahren eine Studie zum Thema Erstakademiker:innen laß, kam sie in München mit Arbeiterkind.de in Kontakt. Arbeiterkind.de unterstützt Studierende aus Familien, in denen sie die ersten an der Uni sind. Welche besonderen Herausforderungen entstehend hierdurch? Inwieweit kann das Thema in der juristischen Welt bereits angekommen? Inwieweit wirkt sich ein akademischer Background in der Familie auch auf die eigenen Karrierechancen aus? Wie kann man Bildungsdurchlässigkeit verbessern? Was können wir hands on in Kanzleien und Justiz tun, um einladender zu wirken und etwaige Hürden abzubauen? Antworten auf diese Fragen sowie viele weitere Aspekte - sowie einen spannenden Veranstaltungshinweis zum Thema - hört Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
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IMR178: Ref-Station in Washington, White Collar Crime, Pro-Bono Mandat Verbrechen gegen die Menschlichkeit
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Herzlich willkommen zu IMR178 mit Alexander Suttor aus Frankfurt. Alexander arbeitet heute als Associate im Frankfurter Büro von Clifford Chance im Wirtschaftsstrafrecht, hat jedoch in Süddeutschland studiert. Ferner führte ihn sein Studium im Rahmen eines Erasmus-Aufenthalts nach Italien. Warum hat er sich für das Referendariat in einer Großkanzlei sowie den anschließenden Berufseinstieg bei Clifford entschieden? Wie war die Wahlstation in Washington? Was gefällt ihm am Wirtschaftsstrafrecht? Wie kam es, dass er die Zeit bis zum Verbesserungsversuch im zweiten Examen mit der Begleitung des Koblenzer Terrorismusverfahrens überbrücken durfte? Antworten auf diese Fragen und viele weitere Einblicke liefert Alexander in einer kurzweiligen Podcastfolge. Viel Spaß!
