Inhaltsüberblick
Legal-Tech-Skills: Welche Kompetenzen Juristen heute brauchen
Die Digitalisierung des Rechtsmarkts schreitet rasant voran – und mit ihr verändern sich die Anforderungen an Juristinnen und Juristen grundlegend. Legal-Tech-Skills sind längst kein optionales Zusatzwissen mehr, sondern eine Kernkompetenz für alle, die in einer zunehmend technologiegetriebenen Branche bestehen wollen. Ob in der Kanzlei, der Rechtsabteilung oder im Legal-Tech-Startup: Wer digitale Werkzeuge versteht und einsetzen kann, hat einen klaren Karrierevorteil.
Technische Grundkompetenzen für Juristen
Legal-Tech-Skills beginnen nicht mit Programmieren – sie beginnen mit einem grundlegenden Verständnis digitaler Technologien. Dazu gehört das Wissen, wie Datenbanken funktionieren, was APIs leisten und wie künstliche Intelligenz juristische Texte verarbeitet. In Episode 24 plädiert Professor Florian Möslein dafür, dass bereits im Studium praxisnahe Formate wie Business Law Clinics technologische Kompetenzen vermitteln sollten.
Darüber hinaus gewinnen Datenanalysekenntnisse an Bedeutung. Juristen, die mit strukturierten Daten arbeiten, Vertragsklauseln systematisch auswerten oder Prozessrisiken quantifizieren können, sind für Arbeitgeber besonders wertvoll. Wie in Episode 207 diskutiert wird, müssen Juristen heute wissen, was generative KI leisten kann – und wo ihre Grenzen liegen.
Projektmanagement und agiles Arbeiten
Neben technischem Know-how zählen Projektmanagement-Fähigkeiten zu den wichtigsten Legal-Tech-Skills. Die Implementierung neuer Software, die Umgestaltung von Workflows und die Zusammenarbeit mit IT-Teams erfordern strukturiertes Vorgehen. In Episode 108 beschreibt Philipp Kühn, wie agile Arbeitsmethoden den juristischen Alltag bereichern und warum Juristen von Scrum und Kanban profitieren können.
Auch Legal Project Management gewinnt als eigenständige Disziplin an Gewicht. In Episode 197 zeigt Frederic Mirzha Khanian, wie internationales Projektmanagement bei grenzüberschreitenden Reorganisationen funktioniert – ein Feld, in dem juristische und organisatorische Kompetenz Hand in Hand gehen müssen.
Kommunikation und Schnittstellenkompetenz
Eine der am häufigsten unterschätzten Legal-Tech-Skills ist die Fähigkeit, zwischen juristischer und technischer Sprache zu übersetzen. Legal Engineers, Product Owner in Legal-Tech-Projekten und Innovation Manager müssen die Bedürfnisse der Fachabteilung verstehen und in technische Anforderungen übersetzen können. Henrik Wehrs und Willy Kleinoth zeigen in Episode 275, wie diese Brückenfunktion in der Praxis aussieht.
- Technologieverständnis: Grundlagen von KI, Datenbanken, APIs und Cloud-Systemen kennen
- Datenanalyse: Juristische Daten strukturieren, auswerten und visualisieren
- Projektmanagement: Agile Methoden, Legal Project Management und Change Management beherrschen
- Prozessdesign: Juristische Workflows analysieren, optimieren und automatisieren
- Schnittstellenkommunikation: Zwischen Rechts- und IT-Abteilung vermitteln können
Wie und wo lernt man Legal-Tech-Skills?
Die Möglichkeiten, Legal-Tech-Skills zu erwerben, sind vielfältig. Universitäre Programme wie Schwerpunktbereiche mit Legal-Tech-Bezug bieten einen akademischen Einstieg. Studentische Initiativen wie in Episode 48 vorgestellt, ermöglichen praktische Erfahrungen außerhalb des Lehrplans. Darüber hinaus bieten Plattformen wie Jurafuchs (Episode 73) innovative Lernansätze, die digitale Kompetenz mit juristischem Lernen verbinden.
Auch der Blick über den Tellerrand zahlt sich aus: In Episode 86 berichtet Maximilian Scriba, wie skandinavische Länder bei der Integration von Technologie in die Rechtspraxis Vorreiter sind – und was deutsche Juristen davon lernen können.
Fragen & Antworten
12 Antworten aus Podcast-Episoden
Starte niedrigschwellig: Lies Blogs, folge dem Hashtag #LegalTech, teste kostenlose Tools, sprich mit Entwicklern. Verstehe grundlegende Prozess- und Datenmodelle; kein Programmieren nötig, aber Offenheit für Automatisierung. Wer digitale Abläufe erklären kann, wird in Kanzlei und Unternehmen sofort wertvoll.
Aus Episode #16
IMR016: In-House Juristen und Software | Interview Geschäftsführerin
mit Zoë Andreae
Das sagen unsere Experten
„Juristen müssen heute nicht programmieren können – aber sie müssen verstehen, was Technologie leisten kann. Wer die richtigen Fragen stellt und Prozesse analysieren kann, ist für die Zukunft gerüstet.“
„Agiles Arbeiten hat meinen juristischen Alltag komplett verändert. Die Fähigkeit, in Sprints zu denken und iterativ zu arbeiten, ist eine der wertvollsten Kompetenzen, die ich mir angeeignet habe.“
„Business Law Clinics und studentische Legal-Tech-Initiativen sind der perfekte Rahmen, um interdisziplinäre Kompetenzen schon im Studium zu entwickeln. Die Universitäten müssen hier mutiger werden.“
„Legal Tech in der Rechtsschutzversicherung zeigt, was möglich ist, wenn man 2.500 Partnerkanzleien digital managt. Dafür braucht man Juristen, die Technologie nicht fürchten, sondern gestalten.“
„Als Legal Engineer brauchst du eine seltene Kombination: Du musst juristische Sachverhalte genauso gut durchdringen wie technische Architekturen. Diese Schnittstellenkompetenz ist der Karriere-Booster schlechthin.“
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
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IMR340: Legal Tech in der Rechtsschutzversicherung, 2500 Partnerkanzleien managen, Mediation, auf Wunsch 100% remote work
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Diese Episode führt Marc nach Düsseldorf zur Juristin und zertifizierten Mediatorin Menekse Ciytak, die heute als Teamlead Rechtsdienstleister-Netzwerk bei der ARAG SE das Zusammenspiel von rund 2500 Partnerkanzleien und spezialisierten Legal-Tech-Dienstleistern verantwortet. Gemeinsam blicken sie auf ihren Weg vom Schülerpraktikum über das Studium in Hannover, das Referendariat in Essen und die Wahlstation bis zur Sachbearbeitung, In-house-Mediation mit mehr als 2600 Fällen und schließlich zur heutigen Führungsaufgabe. Welche Konflikte landen überhaupt bei einer Rechtsschutzversicherung? Warum kann eine Shuttle-Mediation am Telefon trotz fehlender Mimik funktionieren? Wie hilft Legal Tech dabei, Verkehrsverstöße oder Nachbarschaftsstreitigkeiten schneller zu lösen, Kosten zu senken und Kundinnen sowie Kunden zufriedener zu machen? Wer passt fachlich und menschlich in ein Rechtsschutz-Team, das bald wieder groß einstellt? Wie genau schaut die sechsmonatige Ausbildung im Team aus? Warum ist danach grundsätzlich auch vollständige Remote-Work möglich? Warum zählen Soft Skills dabei mehr als Examensnoten? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
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IMR197: Internationale Reorganisationsprojekte, Legal Project Management, Grenzüberschreitende Carve-Outs
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In Folge 197 ist ein alter Bekannter zu Gast, den viele von Euch bereits aus unserer Youtube-Serie 'Frag die Anwälte' kennen dürften: Dr. Frederic Mirza Khanian. Frederic ist Partner bei PWC Legal, Global Legal Business Solutions Leader und Experte für internationale Restrukturierungen und Carve-Outs. Wie ist es, in dutzenden Jurisdiktionen parallel Projekte zu managen? Was bedeutet es, erfolgreiches Legal Project Management zu betreiben? Inwieweit kommen ihm dabei auch die typischen Skills der Unternehmensberatung zu Gute - obwohl er natürlich weiter als Anwalt tätig ist? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt's in der aktuellen Folge von Irgendwas mit Recht, Eurem Jura-Podcast. Viel Spaß!
