Inhaltsüberblick
Staatsanwalt werden: Der Weg in die Strafverfolgung
Wer Staatsanwalt werden möchte, wählt einen der vielseitigsten und gesellschaftlich bedeutsamsten Berufe im Rechtssystem. Staatsanwältinnen und Staatsanwälte sind die zentralen Akteure der Strafverfolgung – sie leiten Ermittlungen, erheben Anklage und sorgen dafür, dass Straftaten verfolgt und aufgeklärt werden. Der Zugang erfordert exzellente juristische Qualifikationen und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein.
Voraussetzungen für den Einstieg
Die Grundvoraussetzung für eine Karriere bei der Staatsanwaltschaft sind zwei bestandene juristische Staatsexamina. Wie beim Richteramt verlangen die meisten Bundesländer mindestens ein Prädikat (vollbefriedigend oder besser) in einem der beiden Examina. Die genauen Anforderungen variieren je nach Bundesland und aktueller Personalausstattung der Justiz.
Neben den Noten zählen auch persönliche Eigenschaften: Entscheidungsfreude, Durchsetzungsfähigkeit, Belastbarkeit und die Fähigkeit, unter Zeitdruck zu arbeiten, sind für den Beruf unverzichtbar. Wie Episode 11 zeigt, erfordert der Alltag bei der Staatsanwaltschaft schnelles und sicheres Handeln.
Der Bewerbungsprozess
Die Bewerbung erfolgt über die Landesjustizverwaltungen. In vielen Bundesländern werden Richter und Staatsanwälte im selben Verfahren eingestellt – die sogenannte Einheitslaufbahn der R-Besoldung ermöglicht spätere Wechsel zwischen Richteramt und Staatsanwaltschaft. Der Bewerbungsprozess umfasst typischerweise:
- Bewerbungsunterlagen: Examenszeugnisse, Lebenslauf und Motivationsschreiben
- Vorstellungsgespräch: Prüfung der persönlichen Eignung und Motivation für die Strafverfolgung
- Probezeit: Drei bis fünf Jahre mit Stationen an Gerichten und Staatsanwaltschaft
In Episode 156 wird die Assessor-Brücke als Einstiegshilfe für junge Juristinnen und Juristen erörtert, die den Übergang vom Referendariat in den Staatsdienst erleichtern soll.
Die Referendarstation bei der Staatsanwaltschaft
Für viele ist die Referendarstation bei der Staatsanwaltschaft der erste Kontakt mit dem Beruf. Wie Episode 28 aus erster Hand berichtet, bietet diese Station einen realistischen Einblick in den Sitzungsdienst. Referendare übernehmen eigenständig die Anklagevertretung in kleineren Verfahren am Amtsgericht und lernen so den Gerichtsalltag aus staatsanwaltlicher Perspektive kennen.
Der Unterschied zwischen der Sitzungsvertretung als Referendar und der vollen Dezernatsarbeit wird in Episode 343 klar herausgearbeitet: Erst in der Dezernatsarbeit erlebt man die volle Bandbreite der staatsanwaltlichen Tätigkeit.
Karriereperspektiven nach dem Einstieg
Die Staatsanwaltschaft bietet langfristige Entwicklungsmöglichkeiten. Von der allgemeinen Abteilung können sich Staatsanwälte in Spezialdezernate wie Wirtschaftskriminalität, Kapitalverbrechen oder Cybercrime weiterentwickeln. Wie Episode 329 zeigt, kann die Erfahrung als Staatsanwältin auch Türen in die Privatwirtschaft öffnen – etwa als Geschäftsführerin in sicherheitsrelevanten Bereichen.
Die Karriere bei der Staatsanwaltschaft kann bis zur Oberstaatsanwaltschaft beim BGH führen, wie Episode 248 eindrücklich belegt. Wer Staatsanwalt werden möchte, entscheidet sich für einen Beruf, der gesellschaftliche Verantwortung, intellektuelle Herausforderung und berufliche Sicherheit vereint.
Fragen & Antworten
12 Antworten aus Podcast-Episoden
Wir durchlaufen ein Bachelor-Master-System: drei Jahre Bachelor, ein Jahr Master, inklusive Magisterarbeit. Danach steht man – ohne Staatsexamen – bereits auf dem Arbeitsmarkt. Erst in der Kanzlei folgt die dreijährige Berufsausbildung. Richter oder Staatsanwalt darf man frühestens mit Praxiserfahrung werden, also genau andersherum als in Deutschland.
Aus Episode #182
IMR182: Beratung niederländischer Mandanten mit Deutschlandbezug, Transportrecht, Deutsch-Niederländischer Rechtswissenschaftspreis (Niederlande-Spezial 2)
mit Irith Hoffmann
Das sagen unsere Experten
„Wer Staatsanwalt werden will, muss entscheidungsfreudig sein. Man bekommt täglich Dutzende Akten auf den Tisch und muss schnell einschätzen: Wo lohnt sich die Ermittlung, wo nicht? Das erfordert Erfahrung und Instinkt.“
„Meine erste Sitzungsvertretung als Referendar war ein Schlüsselerlebnis. Plötzlich steht man allein vor Gericht und vertritt die Anklage. Das ist nervenaufreibend, aber genau so lernt man, ob dieser Beruf zu einem passt.“
„Als Staatsanwältin in der Abteilung für Kapitalverbrechen ermittelt man bei Mord und Totschlag. Das ist emotional fordernd, aber die Arbeit gibt einem das Gefühl, wirklich etwas für die Sicherheit der Gesellschaft zu tun.“
„Die Assessor-Brücke war für viele junge Kolleginnen und Kollegen ein wichtiger Einstieg. In Zeiten knapper Richterstellen schafft sie eine Überbrückung, bis eine Planstelle frei wird – und ermöglicht sofortigen Praxiseinsatz.“
„Der Weg von der Staatsanwältin zur Oberstaatsanwältin beim BGH und dann zur Präsidentschaft des Bundesamts für Justiz war geprägt von ständiger Weiterentwicklung. Die Justiz belohnt Engagement und Vielseitigkeit.“
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
17 relevante Podcast-Folgen
IMR306: Einführung von KI-Tools aus arbeitsrechtlicher Sicht, Business Development als Anwältin, Promotion neben dem Job
mit Dr. Inka Knappertsbusch
Marc spricht mit Dr. Inka Knappertsbusch von CMS Hasche Sigle in Köln darüber, wie sie bereits als Schülerin den Entschluss fasste, Juristin zu werden, warum sie nach Stationen in Konstanz und Bonn sowie einem Referendariat im OLG-Bezirk Düsseldorf zielstrebig den Weg ins Arbeitsrecht einschlug und welche Parallelen sie dabei zum Auftreten einer Staatsanwältin sieht. Die Folge beleuchtet, wie Inka neben dem Kanzleialltag in nur anderthalb Jahren zum Datenschutz promovierte, welche Rolle ein London-Secondment dabei spielte und weshalb sie früh auf das Thema KI im Arbeitsverhältnis setzte. Konkrete Einblicke liefert ihr Praxisbeispiel zum Microsoft Copilot, in dem sie erklärt, welche Mitbestimmungsrechte der Betriebsrat hat, wie eine Betriebsvereinbarung aufgebaut sein muss und warum ohne klare Regelung zu Leistungs- und Verhaltenskontrolle schnell eine Einigungsstelle droht. Daneben geht es um die Herausforderungen bei Speicherdauern von Bewerbungsdaten, Grenzen von Einwilligungen, die Pflicht zur KI-Kompetenzschulung nach AI-Act und ihr Business-Development-Konzept, das ihr über 70 Vorträge und zahlreiche Publikationen pro Jahr beschert. Wie schafft man es, Chancen wie implantierte NFC-Mikrochips für die eigene Expertise zu nutzen? Welche Fähigkeiten sucht ein arbeitsrechtliches Team bei wissenschaftlichen Mitarbeitenden und Referendarinnen wirklich? Und weshalb kann ein mutiger Schritt in ein Nischenthema zum Karrierebeschleuniger werden? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
IMR011: Organisierte Kriminalität, Ermittlungsverfahren und Kriminalstatistik | Interview Staatsanwalt
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IMR028: Referendariat, Gericht, Staatsanwalt und Anwaltschaft | Interview Rechtsanwalt
mit Dr. Thomas Ackermann
Erfahre im Interview mit Rechtsanwalt Thomas Ackermann, LL.M. alles zu deinem Referendariat. Warum sollte man überhaupt das Referendariat machen, nachdem man das Jurastudium hinter sich gebracht hat? Wie läuft der Anmeldeprozess ab? Wovon lebt man währenddessen? Wie sieht es mit Zuverdienstmöglichkeiten aus? Welche Gesichtspunkte sollte man bei der Wahl seiner Stationen bedenken und warum ist eine Auslandsstation (über das auswärtige Amt oder bei einer Kanzlei) besonders zu empfehlen? Hört selbst:
IMR343: Als Dozent an der Hochschule für Finanzen NRW lehren, Unterschied zwischen Sitzungsvertretung und Praxis als Staatsanwalt, KI in der Steuer-Hausarbeit
mit Marc Radon
In dieser 343. Folge spricht Marc mit seinem Namensvetter Marc Radon über einen ungewöhnlichen Karriereweg innerhalb der Justiz und Finanzverwaltung. Er berichtet von den prägenden Erfahrungen in der Sitzungsvertretung und der Erkenntnis, dass ihn die einsame, aktenzentrierte Arbeit in der Staatsanwaltschaft langfristig nicht erfüllt. Anschließend schildert er den Wechsel in eine Kanzlei im Steuerstrafrecht sowie den Eintritt in die Finanzverwaltung. Heute lehrt er an der Hochschule für Finanzen in Nordrhein-Westfalen, erklärt, wie man Dozent wird und welche Chancen eine Fachhochschulprofessur innerhalb der Finanzverwaltung bietet. Was sollte man über die tatsächliche Arbeit in der Staatsanwaltschaft wissen, bevor man sich dafür entscheidet? Welche Möglichkeiten eröffnet die Finanzverwaltung für Juristinnen und Juristen jenseits des klassischen Finanzamtsklischees? Wie plant man einen Weg in die Lehre und perspektivisch eine Professur an einer Fachhochschule für Finanzen? Und wie sinnvoll ist der Einsatz von KI in Studium und Praxis wirklich, wenn man langfristig ein fundiertes juristisches Verständnis aufbauen möchte? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
