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Staatsanwaltsgehalt und Besoldung: Was verdienst du wirklich?

Entdecke das reale Staatsanwalt-Gehalt: R-Besoldung vs. Großkanzlei und Insider-Einblicke zur Arbeitsbelastung aus über 300 Podcast-Interviews.

12 Fragen beantwortet
17 Podcast-Episoden
17 Experten
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf · Aktualisiert August 2026

Inhaltsüberblick

Staatsanwalt-Gehalt: Was verdient man in der Strafverfolgung?

Das Staatsanwalt Gehalt richtet sich nach der R-Besoldung – demselben Besoldungssystem, das auch für Richterinnen und Richter gilt. Staatsanwältinnen und Staatsanwälte sind Beamte und genießen alle damit verbundenen Vorteile: Beihilfe zur Krankenversicherung, Pensionsansprüche und eine transparente, leistungsunabhängige Gehaltsentwicklung.

Einstiegsgehalt und Besoldungsstufen

Wie Richter beginnen auch Staatsanwälte in der Besoldungsgruppe R 1. Das Grundgehalt der Eingangsstufe liegt je nach Bundesland zwischen 4.847 € und 5.514 € brutto monatlich (Stand: August 2026). Mit den Erfahrungsstufen steigt es automatisch an — am oberen Ende der R 1 stehen je nach Land 7.675 € bis 8.529 € brutto im Monat.

Die Besoldungsgruppen im Überblick — Grundgehalt ohne Familienzuschlag, Zulagen und Sonderzahlungen:

  • R 1: Staatsanwalt — Einstieg 4.847–5.514 € monatlich, rund 58.000–66.000 € brutto jährlich; in der Endstufe 7.675–8.529 € monatlich
  • R 2: Oberstaatsanwalt als Abteilungsleiter — Einstieg 5.830–6.794 € monatlich, in der Endstufe 8.344–9.301 € (rund 100.000–112.000 € jährlich)
  • R 3: Leitender Oberstaatsanwalt — 9.146–10.226 € monatlich, rund 110.000–123.000 € brutto jährlich
  • R 4 und höher: Generalstaatsanwalt, Bundesanwalt — ab 9.662 € monatlich, also rund 116.000 € brutto jährlich aufwärts

Wie Episode 11 verdeutlicht, liegt der eigentliche Wert der staatsanwaltlichen Tätigkeit nicht im Gehalt, sondern in der gesellschaftlichen Bedeutung und der Sinnhaftigkeit der Arbeit.

Bundesländer-Vergleich

Die R-Besoldung ist Landessache: Jedes Land beschließt seine eigene Tabelle, und die Abstände sind erheblich. In der Eingangsstufe der R 1 trennen das höchste und das niedrigste Land derzeit 666 € brutto im Monat — rund 14 Prozent.

Die Rangfolge folgt dabei einem anderen Muster, als viele erwarten. Beim reinen Grundgehalt liegt Berlin mit 5.513,66 € vorn, am Ende steht das Saarland mit 4.847,46 €. Hintergrund sind die Alimentationsentscheidungen des Bundesverfassungsgerichts: Mehrere Länder mussten ihre Besoldung nachbessern, und Berlin hat dabei den größten Sprung gemacht.

Rechnet man Zulagen mit, verschiebt sich das Bild an der Spitze. Im Ländervergleich des Deutschen Richterbunds vom Jahresbeginn 2026 führt Bayern mit 5.514 € — der Freistaat zahlt zum Grundgehalt eine Amtszulage —, gefolgt von Hamburg (5.402 €) und Hessen (5.389 €); Berlin liegt dort auf Platz vier, Schlusslicht bleibt das Saarland (4.826 €). In beiden Betrachtungen gilt: Berlin gehört beim Einstieg ins obere Feld, und die ostdeutschen Länder verteilen sich über die gesamte Tabelle.

BundeslandEingangsstufeGrundgehalt R 1 (Einstieg)Grundgehalt R 1 (Endstufe)
BerlinStufe 15.513,66 €8.264,67 €
HessenStufe 35.410,97 €8.243,17 €
BremenStufe 25.348,88 €8.134,33 €
HamburgStufe 15.336,40 €7.757,16 €
Nordrhein-WestfalenStufe 25.330,74 €8.103,61 €
Schleswig-HolsteinStufe 15.311,36 €7.801,19 €
BrandenburgStufe 25.298,39 €7.985,08 €
Baden-WürttembergStufe 15.296,02 €8.091,31 €
Mecklenburg-VorpommernStufe 25.283,45 €7.835,95 €
Rheinland-PfalzStufe 25.278,94 €7.954,00 €
NiedersachsenStufe 25.265,87 €8.056,02 €
BayernStufe 25.253,69 €7.850,43 €
SachsenStufe 15.209,62 €8.529,49 €
ThüringenStufe 15.165,32 €8.003,39 €
Sachsen-AnhaltStufe 15.062,43 €8.062,34 €
SaarlandStufe 14.847,46 €7.675,27 €

Grundgehalt in Euro pro Monat, ohne Familienzuschlag, Zulagen und Sonderzahlungen. Grundlage sind die im August 2026 tatsächlich angewendeten Besoldungstabellen der Länder — mehrere Länder wenden ältere Tabellen weiter an, weil die Übertragung des Tarifergebnisses noch aussteht.

Drei Dinge sollte man beim Vergleich mitdenken:

  • Die Eingangsstufe unterscheidet sich. Berlin, Hamburg oder das Saarland setzen Berufsanfänger in Stufe 1 ein, Bayern und Nordrhein-Westfalen in Stufe 2, Hessen erst in Stufe 3. Ein Vergleich lohnt sich deshalb pro Erfahrungsstufe, nicht nur beim Startwert.
  • Zulagen zählen mit. Bayern zahlt zusätzlich eine Amtszulage und eine jährliche Sonderzahlung, andere Länder haben ihre Sonderzahlungen gestrichen. Wer allein Grundgehälter vergleicht, unterschätzt diese Länder.
  • Die Stände laufen auseinander. Die Länder übertragen Tarifergebnisse zu unterschiedlichen Terminen — eine Rangliste kann sich innerhalb weniger Monate drehen.

Eine tagesaktuelle Übersicht der R-Besoldung für alle 16 Länder mit sämtlichen Erfahrungsstufen und dem jeweiligen Landesbesoldungsgesetz führt baito.

Diesen Abschnitt haben wir auf Anstoß von Max Ernst Stockburger (baito) überarbeitet. Vielen Dank für den Hinweis, dass Berlin beim Einstieg inzwischen vor Bayern liegt!

Die Diskussion um eine angemessene Richterbesoldung betrifft auch Staatsanwälte. Wie Episode 156 zeigt, ist die Frage der angemessenen Vergütung ein Dauerthema in der Justizpolitik.

Vergleich mit der Privatwirtschaft

Im Vergleich zu Großkanzleien, die Einstiegsgehälter von 120.000 € und mehr bieten, erscheint die R-Besoldung auf den ersten Blick niedrig. Doch der Vergleich hinkt, denn der Beamtenstatus bringt erhebliche Vorteile mit sich:

  • Keine Sozialversicherungsbeiträge: Das Nettogehalt ist deutlich höher als bei vergleichbarem Brutto in der Privatwirtschaft
  • Beihilfe: 50–70 % der Krankheitskosten werden vom Dienstherrn übernommen
  • Pension: Altersversorgung von bis zu 71,75 % des letzten Gehalts
  • Unkündbarkeit: Lebenslange berufliche Sicherheit nach der Probezeit
  • Keine Billable Hours: Planbare Arbeitszeiten ohne Umsatzdruck

Justizminister als Reformtreiber

Die Frage der Staatsanwaltsbesoldung ist auch ein politisches Thema. Wie Episode 245 zeigt, setzen sich Justizminister aktiv für eine wettbewerbsfähige Besoldung ein, um qualifizierte Nachwuchskräfte für die Justiz zu gewinnen.

Insgesamt bietet das Staatsanwalt-Gehalt ein attraktives Gesamtpaket, das – unter Berücksichtigung aller Beamtenvorteile – mit vielen Positionen in der Privatwirtschaft konkurrieren kann. Wer Sinnhaftigkeit, Sicherheit und planbare Arbeitszeiten schätzt, findet in der Staatsanwaltschaft eine finanziell solide Karriere.

Fragen & Antworten

12 Antworten aus Podcast-Episoden

Im Referendariat nahm mir die Praxis beider Laufbahnen viele Illusionen. Staatsanwälte waren überlastet, oft alleingelassen; Richter arbeiteten zu isoliert für meinen Geschmack. Ich brauche Teamarbeit, Dialog und Gestaltungsspielraum. Deshalb suchte ich eine Tätigkeit, in der ich juristisch tief arbeite, aber gleichzeitig permanent mit Menschen spreche.

IMR057: Notariat in Hamburg | Interview Notar

Aus Episode #57

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mit Dr. Jens Jeep

Das sagen unsere Experten

„Das Gehalt war nie mein Hauptmotiv für die Staatsanwaltschaft. Mich hat die Arbeit fasziniert – die Möglichkeit, Kriminalität zu bekämpfen und die Gesellschaft zu schützen. Finanziell steht man als Beamter trotzdem gut da.“

„Die Richterbesoldung muss wettbewerbsfähig bleiben – und das gilt gleichermaßen für Staatsanwälte. Wenn wir die besten Köpfe für die Justiz gewinnen wollen, müssen wir ein attraktives Gesamtpaket bieten.“

„Viele meiner Studierenden fragen mich, ob sich die Justiz finanziell lohnt. Ich sage immer: Rechnet nicht nur das Brutto, sondern auch Beihilfe, Pension und die Tatsache, dass ihr nicht mit 50 um euren Job bangen müsst.“

„Der Reformbedarf bei der Juristenausbildung und Besoldung ist offensichtlich. Wir brauchen eine Bezahlung, die junge Juristinnen und Juristen nicht allein wegen des Geldes in die Großkanzlei treibt.“

„Nach meiner Zeit als Staatsanwältin bin ich in die Privatwirtschaft gewechselt. Das Gehalt ist höher, aber die Sinnhaftigkeit und die Anerkennung, die man als Staatsanwältin erfährt, sind durch nichts zu ersetzen.“

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.

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