Inhaltsüberblick
Karriere im Erbrecht: Zwischen Nachlassplanung und Familienstreit
Das Erbrecht gehört zu den ältesten und zugleich dynamischsten Rechtsgebieten. In einer Gesellschaft, in der Vermögenswerte über Generationen weitergegeben werden und Familienstrukturen immer komplexer werden, wächst der Bedarf an erbrechtlicher Expertise stetig. Juristen im Erbrecht begleiten Testamentsgestaltung, Nachlassplanung, Pflichtteilsansprüche und Erbauseinandersetzungen – Themen, die immer auch eine menschliche Dimension haben.
Das Erbrecht verbindet zivilrechtliche Kernkompetenz mit steuerlicher Expertise und familienrechtlichem Feingefühl. Wie Episode 264 zeigt, greifen gesetzliche Erbfolge, Pflichtteilsrecht und güterrechtliche Fragen eng ineinander – Erbrechtler müssen das Zusammenspiel von Erb-, Familien- und Gesellschaftsrecht souverän beherrschen.
Tätigkeitsfelder im Erbrecht
- Testamentsgestaltung: Erstellung und Beratung zu Testamenten, Erbverträgen und Vermächtnissen unter Berücksichtigung steuerlicher Optimierung und familiärer Konstellationen
- Nachlassplanung: Vorweggenommene Erbfolge, Schenkungen, Stiftungsgründungen und Unternehmensnachfolge. Maximilian Menges beschreibt in Episode 128 seinen Weg von der Promotion im Erbrecht über den LL.M. in den USA bis zur Führungsrolle als Anwalt
- Erbstreitigkeiten: Prozessführung bei Pflichtteilsansprüchen, Testamentsanfechtung, Erbscheinverfahren und Erbauseinandersetzungen
- Unternehmensnachfolge: Gestaltung der Übergabe von Familienunternehmen, Gesellschaftsverträge mit Nachfolgeklauseln und steuerliche Strukturierung
- Stiftungsrecht: Gründung und Verwaltung gemeinnütziger und privatnütziger Stiftungen als Instrument der Vermögensnachfolge. Wie Marcel Werner in Episode 266 zeigt, bietet Stiftungsrecht einen faszinierenden Karriereweg für Juristen
Wissenschaftliche Karriere und Erbrecht
Das Erbrecht bietet auch exzellente Möglichkeiten für eine wissenschaftliche Karriere. In Episode 282 spricht Sarah Katharina Stein über die Vorteile der Tätigkeit am Lehrstuhl und den Weg zur Professorin. Barbara Dauner-Lieb (Episode 295) zeigt, wie eine Karriere in der Rechtswissenschaft – von der Professorin bis zur Präsidentin des Verfassungsgerichts NRW – aussehen kann.
Auch Jan Eickelberg beschreibt in Episode 43 den Weg zur FH-Professur – ein Karrierepfad, der im Erbrecht besonders attraktiv ist, da die Verbindung von Theorie und Praxis hier besonders gut gelingt.
Karriereeinstieg und Spezialisierung
Der Einstieg ins Erbrecht erfolgt häufig über eine Kanzlei mit erbrechtlichem Schwerpunkt oder über eine allgemeine Zivilrechtskanzlei mit Erbrechtspraxis. Auch das Notariat bietet einen natürlichen Zugang, da Testamente und Erbverträge notarieller Beurkundung bedürfen. Die Fachanwaltsbezeichnung für Erbrecht ist ein wichtiger Qualitätsausweis und Differenzierungsmerkmal.
Erbrechtler benötigen neben juristischer Kompetenz vor allem Empathie und Verhandlungsgeschick. Erbfälle sind emotional belastete Situationen – die Fähigkeit, zwischen zerstrittenen Familienmitgliedern zu vermitteln, ist oft genauso wichtig wie das juristische Fachwissen.
Gehalt und Markt
Erbrechtler verdienen je nach Spezialisierung und Mandantenstruktur zwischen 60.000 und 100.000 Euro als Angestellte, als Partner in spezialisierten Kanzleien deutlich mehr. Die Nachfrage nach Erbrechtsspezialisten steigt kontinuierlich – die demografische Entwicklung und das wachsende Privatvermögen in Deutschland sorgen für langfristig stabile Beschäftigungsaussichten.
Fragen & Antworten
12 Antworten aus Podcast-Episoden
Ich wurde von meinem späteren Doktorvater nach einer Seminararbeit direkt angesprochen. Das Thema war dogmatisch, lag eigentlich außerhalb meiner heutigen Praxis, reizte mich aber intellektuell. Für mich stand weniger strategische Karriereplanung als vielmehr Freude am tiefen juristischen Arbeiten im Vordergrund. Die Promotion hat mir vor allem präzises Argumentieren und Ausdauer beigebracht – Fähigkeiten, die ich täglich im M&A-Alltag brauche.
Aus Episode #128
IMR128: Promotion im Erbrecht, LLM in den USA, Führungskraft als Anwalt
mit Dr. Maximilian Menges
Das sagen unsere Experten
„Die Promotion im Erbrecht hat mir das wissenschaftliche Fundament gegeben, der LL.M. in den USA die internationale Perspektive. Als Führungskraft in einer Kanzlei nutze ich beides täglich – erbrechtliche Expertise und die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auf den Punkt zu bringen.“
„50 Jahre Rechtswissenschaft haben mich gelehrt, dass das Erbrecht zu den faszinierendsten Rechtsgebieten gehört. Es verbindet Familienrecht, Steuerrecht und Gesellschaftsrecht auf einzigartige Weise – und hat immer eine zutiefst menschliche Dimension.“
„Als Jurist bei der Stiftung Mercator arbeite ich an der Schnittstelle von Stiftungsrecht und gemeinnützigen Projekten. Vermögensnachfolge über Stiftungen zu gestalten, ist eine der sinnstiftendsten Tätigkeiten, die man als Jurist ausüben kann.“
„Der Weg zur Professorin lohnt sich – gerade im Erbrecht, wo die Verbindung von wissenschaftlicher Tiefe und praktischer Relevanz besonders gelingt. Am Lehrstuhl habe ich die Freiheit, Grundlagenforschung zu betreiben und gleichzeitig die nächste Generation von Erbrechtlern auszubilden.“
„Work-Life-Balance und Gesellschaftsrecht klingen wie ein Widerspruch – sind es aber nicht. Verhandlungsmanagement und klare Strukturen ermöglichen eine Kanzleikarriere, die auch Raum für Familie und persönliche Interessen lässt.“
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
14 relevante Podcast-Folgen
IMR282: Wissenschaftliche Karriere, Vorteile der Tätigkeit am Lehrstuhl, Professorin werden, Habilitation
mit Dr. Sarah Katharina Stein
In der 282. Episode von Irgendwas mit Recht begrüßt Marc zwei Gäste, die sich der wissenschaftlichen Laufbahn im juristischen Bereich verschrieben haben: Dr. Henrike von Scheliha, die bereits als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bundesverfassungsgericht tätig war und nun eine Juniorprofessur für Familien- und Erbrecht an der Bucerius Law School innehat, sowie Dr. Sarah Katharina Stein, Habilitandin am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht in Freiburg. Gemeinsam sprechen sie darüber, wie man Wissenschaftlerin in Jura wird, welche Herausforderungen und Chancen dieser Weg mit sich bringt und warum es vorteilhaft ist, sich schon früh an einem Lehrstuhl zu engagieren. Was bringt einem eine Lehrstuhltätigkeit für das Examen? Welche Rolle spielen Netzwerke und Vorbilder? Warum entscheiden sich viele nach der Promotion gegen eine Habilitation? Wie lassen sich Wissenschaft und Familie vereinbaren? Wie geht man mit dem Druck im Wissenschaftsumfeld um? Wie sehen die Rahmenbedingungen für die Tätigkeit im selbigen aus? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
IMR128: Promotion im Erbrecht, LLM in den USA, Führungskraft als Anwalt
mit Dr. Maximilian Menges
In der aktuellen Folge von Irgendwas mit Recht berichtet Dr. Maximilian Menges von seiner Tätigkeit als Partner im M&A-Team bei EY Law. Der gebürtige Hamburger promovierte nach seinem Studium in Münster im Erbrecht und absolvierte anschließend einen LL.M in den USA. Dort begann im Anschluss auch seine Karriere bei einer internationalen Kanzlei. Max berichtet, wie der Einstieg auf der anderen Seite des Atlantiks gelingen kann, welche Aufgaben Euch dort als deutsche Juristen begegnen und wir Ihr anschließend von Eurer dortigen Erfahrung bei der Tätigkeit in Deutschland profitiert. Was war seine Motivation, ausgerechnet im M&A zu arbeiten? Warum ist er nicht beim Erbrecht geblieben? Welche Erfahrungen hat er während seines LL.M. gemacht und kann er einen solchen empfehlen? Worauf kommt es bei der Arbeit als Führungskraft im Team an? Wie wächst man als Jurist in diese Aufgaben im Laufe seiner Karriere hinein? Was macht wirklich gutes Teamwork aus? Antworten hierauf erhaltet Ihr in dieser kurzweiligen halben Stunde. Viel Spaß!
IME018: Gesetzliche Erbfolge, Pflichtteilsanspruch, Pauschaler Zugewinnausgleich bei Tod, Verfügung nach § 1365 BGB, Haushaltsgegenstände
mit Prof. Dr. Dr. h.c. Barbara Dauner-Lieb
Irgendwas mit Examen, Folge 18 setzt unsere zivilrechtliche Examensreihe fort und vertieft das Erbrecht: Ihr hört alles Examensrelevante zur Zugewinngemeinschaft als gesetzlicher Güterstand und deren Folgen im Falle einer Scheidung oder des Todes eines Ehegatten. Prof. Dauner-Lieb stellt anschaulich dar, wie sich erbrechtliche und familienrechtliche Ansprüche überschneiden, insbesondere wenn der überlebende Ehegatte erbberechtigt ist. Die Ausführungen zur Erbfolge, der Rolle des Ehegatten und sonstiger Verwandten sowie den Pflichtteilsansprüche bieten wichtige Klausurtipps und zahlreiche Beispiele, die das Zusammenspiel der relevanten Normen greifbar machen. Die Diskussion zu den Verfügungsbeschränkungen über das Vermögen im Ganzen (§ 1365 BGB) und über Haushaltsgegenstände (§ 1369 BGB) runden die Inhalte ab und geben wertvolle Hinweise zur Klausurstrategie, etwa auch in Verbindung mit einem möglichen gutgläubigen Erwerb. Viel Spaß mit dieser Folge Eures Jurapodcasts zu allen Karrierethemen!
IMR295: Eine Karriere & 50 Jahre Rechtswissenschaft, Leiterin der Rechtsabteilung, Professorin, Präsidentin des Verfassungsgerichts NRW, moderne Juristenausbildung
mit Prof. Dr. Dr. h.c. Barbara Dauner-Lieb
Happy Birthday! In dieser Folge begrüßt Marc die Kölner Zivilrechtsprofessorin und akademische Mutter von Irgendwas mit Recht, Barbara Dauner-Lieb, die anlässlich ihres 70. Geburtstags auf ihre Karriere sowie ein halbes Jahrhundert im juristischen Kosmos zurückblickt. Dabei beleuchten sie Stationen vom Studienbeginn 1973 über eine prägende Referendariatszeit in einer New Yorker Großkanzlei bis hin zu ihrer Tätigkeit als Leiterin der Rechtsabteilung der Zanders Feinpapiere AG und ihrer späteren Laufbahn an der Universität zu Köln. Sie spricht offen über frühe Hürden für Frauen in der Juristerei, über die Macht der billable hour, über den Wert von Promotion und Habilitation sowie über Lehr‑ und Prüfungsformate, die sie bis heute prägen. Welche Rolle spielen Festschriften im akademischen Brauch? Welche Auswirkungen sollte künstliche Intelligenz auf die zukünftige Juristenausbildung haben? Warum benötigen wir (endlich) open book-Klausuren? Wie verschafft man sich damals wie heute Ansehen zum Berufseinstieg? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
