Inhaltsüberblick
Vom Associate zur Partnerschaft: So funktioniert der Partner-Track
Der Partner Track ist das ambitionierteste Karriereziel in der Kanzleiwelt. Er beschreibt den Weg vom Berufseinstieg als Associate bis zur Aufnahme in den Partnerkreis – ein Prozess, der typischerweise sieben bis zwölf Jahre dauert und von fachlicher Exzellenz, unternehmerischem Denken und strategischem Netzwerken geprägt ist. Nicht jeder, der den Partner-Track betritt, erreicht auch das Ziel. Aber wer die Mechanismen versteht, kann seinen Weg aktiv gestalten.
Anna-Katharina Friese-Okoro, Partnerin bei Hogan Lovells, schildert in Episode 272, wie sie im Patentrecht den Weg von der Berufsanfängerin zur Partnerin gegangen ist – und wie sie dabei Partnerschaft und Familie unter einen Hut gebracht hat. Ihre Geschichte zeigt: Der Partner-Track ist kein starres Schema, sondern lässt sich individuell gestalten.
Wie der Partner-Track aufgebaut ist
In den meisten Großkanzleien folgt der Partner-Track einem Stufenmodell: Junior Associate (1–3 Jahre), Senior Associate (4–6 Jahre), Managing Associate oder Counsel (7–9 Jahre) und schließlich die Partneraufnahme. Julian Leucht erklärt in Episode 347, dass viele Kanzleien zusätzliche Zwischenstufen eingeführt haben: Der assoziierte Partner dient als Vorstufe zum Equity Partner und unterscheidet sich deutlich von der Counsel-Position.
Die zentralen Meilensteine auf dem Partner-Track:
- Fachliche Exzellenz: Tiefe Expertise in mindestens einem Rechtsgebiet, nachgewiesen durch Mandatsqualität, Publikationen und Branchenreputation
- Business Development: Eigene Mandantenbeziehungen aufbauen und pflegen – der entscheidende Differenzierungsfaktor
- Führungskompetenz: Teams leiten, Talente entwickeln, interne Prozesse mitgestalten
- Kanzleibeitrag: Über die eigene Praxis hinaus zur Entwicklung der Kanzlei beitragen – durch Recruiting, Knowledge Management oder Innovation
- Netzwerk: Beziehungen innerhalb und außerhalb der Kanzlei, die Mandatszugänge ermöglichen
Was den Partner-Track heute anders macht
Der klassische Up-or-Out-Ansatz weicht zunehmend flexibleren Modellen. Greta Harnisch beschreibt in Episode 226, wie US-Großkanzleien den Track strukturieren: kürzere Zeiträume, klarere Erwartungen, aber auch höherer Druck. Deutsche Kanzleien gehen oft einen gemischten Weg, wie Robert Michels, Office Managing Partner, in Episode 99 erläutert: Diversity und individuelle Karrierepfade gewinnen an Bedeutung.
Andreas Dimmling zeigt in Episode 137, dass auch Teilzeit-Partnerschaft funktioniert. Familienvereinbarkeit ist kein Ausschlusskriterium mehr – vorausgesetzt, die Kanzlei unterstützt es. Stefan Bruder und Marina Arntzen bestätigen in Episode 229, dass sie als kinderreiche Partner ihre Karriere und Familie vereinbaren – nicht ohne Kompromisse, aber mit einer Kanzleikultur, die das ermöglicht.
Business Development: Der Schlüssel zur Partnerschaft
Fachliche Kompetenz ist die Eintrittskarte, Business Development öffnet die Tür. Hariolf Wenzler, Geschäftsführer der Bucerius CLP, analysiert in Episode 217, welche Anforderungen an das Business Development in modernen Kanzleien gestellt werden. Christopher Kranz untermauert dies in Episode 170: Sein Weg zur Partnerschaft im Insolvenzrecht war geprägt von der Fähigkeit, Mandanten an sich zu binden und Cross-Selling-Möglichkeiten innerhalb der Kanzlei zu nutzen.
Der Partner Track bleibt das Karriereziel für ambitionierte Kanzleijuristen. Aber er ist längst nicht mehr der einzige Weg zum Erfolg. Wer ihn anstrebt, sollte früh planen, strategisch netzwerken und sich die Frage ehrlich beantworten: Passt die Partnerschaft zu meinem Lebensmodell?
Fragen & Antworten
12 Antworten aus Podcast-Episoden
Jede Person startet automatisch auf Partner-Track. Nach sechs Berufsjahren wirst du Non-Share-Partner; drei Jahre später kannst du Share-Partner werden. Kein politisches Gerangel, sondern Leistung zählt: Qualität, Mandantenführung und Teamspirit. Wer konstant liefert, steigt in der umsatzstärksten Kanzlei der Welt planbar auf.
Aus Episode #117
IMR117: Berufseinstieg und Private Equity in einer US-Großkanzlei
mit Thomas Diekmann
Das sagen unsere Experten
Die Partnerschaft ist ein Wendepunkt in jeder Kanzleikarriere. Hier berichten Partner und Branchenexperten, was den Unterschied macht.
Der Partner-Track bei uns hat klare Stufen, aber er ist kein Automatismus. Entscheidend ist, ob du eigene Mandanten mitbringst und ob du die Kanzlei als Ganzes voranbringst. Reine Fachkompetenz reicht für die Partnerschaft nicht aus.
Als Partnerin mit Kindern beweise ich jeden Tag, dass Vereinbarkeit möglich ist. Es erfordert Organisation, einen unterstützenden Partner zu Hause und eine Kanzlei, die flexibel ist. Aber es ist machbar – und es lohnt sich.
Der Unterschied zwischen einem assoziierten Partner und einem Equity Partner ist erheblich. Als assoziierter Partner trägst du bereits Verantwortung und erhältst eine Gewinnbeteiligung, aber erst als Equity Partner bist du Miteigentümer der Kanzlei. Diesen Unterschied sollte jeder auf dem Partner-Track verstehen.
Teilzeit als Partner funktioniert bei uns seit Jahren. Es geht nicht darum, weniger zu leisten – es geht darum, die Leistung anders zu verteilen. Das erfordert Vertrauen von beiden Seiten.
Der Weg zur Partnerschaft in der Restrukturierung war für mich ein Langstreckenlauf. Du brauchst Durchhaltevermögen, fachliche Tiefe und die Fähigkeit, in Krisensituationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Mandanten kommen in der Insolvenz zu dir, weil sie dir vertrauen – dieses Vertrauen musst du dir über Jahre aufbauen.
Der Partner Track ist anspruchsvoll, aber für viele die erfüllendste Phase ihrer Karriere. Die Erfahrungen zeigen: Wer den Track bewusst angeht, ehrlich reflektiert und bereit ist, über das Juristische hinaus zu denken, hat die besten Chancen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Lebensmodell.
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
20 relevante Podcast-Folgen
IMR272: Zero to Hero im Patentrecht, Vielseitige technische Erfindungen und Rechtsfragen, Vereinbarkeit von Partnerschaft & Familie
mit Dr. Anna-Katharina Friese-Okoro
Heute bei IMR: Anna-Katharina Friese-Okoro, Partnerin bei Hogan Lovells und Expertin für Patentrecht. Sie erzählt, wie sie inspiriert durch die Erzählungen ihres Onkels zum Jurastudium kam, berichtet über ihre Stationen in Würzburg, Dublin und Hamburg und erklärt, wie sie als Prozessanwältin in die Welt des Patentrechts eingetaucht ist – ohne zu Beginn zu wissen, was ein Patent überhaupt genau ist. Gemeinsam mit Marc beleuchtet sie die Unterschiede zwischen Patent- und Urheberrecht, erklärt den Unterschied zwischen Rechts- sowie Patentanwälten und legt dar, wie Patentstreitigkeiten insbesondere im Bereich von Telekommunikation und standardessentiellen Patenten ablaufen. Was unterscheidet ein Patent vom Urheberrecht? Welche Technologien können geschützt werden, und was bedeutet es, standardessentielle Patente zu lizenzieren? Wie kann der Partner-Track auch in Vereinbarkeit mit dem Familienleben gelingen? Wie kann man Partnerin in Teilzeit sein? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß Eurem Jurapodcasts zu Examensinhalten sowie allen Karrierethemen!
IMR226: Der Weg zur Partnerschaft in einer US Großkanzlei
mit Greta Harnisch
In dieser Folge Eures Jura-Karrierepodcasts sind zwei spannende Partner aus dem Münchener Büro von Kirkland & Ellis zu Gast: Greta Harnisch und Fabrice Hipp. Fabrice ist im Bereich Akquisitionsfinanzierung tätig, während Greta in allen Fragen rund um M&A-Transaktionen berät. Warum haben sie sich für den Weg in die Großkanzlei entschieden? Wie war ihr Weg zur Partnerschaft? Gab es eine Situation, in der sie gemerkt haben, dass sie auf dem richtigen Weg sind? Was bedeutet für sie Teamwork im herausfordernden Alltag bei Kirkland? Was ist die Kirkland Women Leadership Initiative? Warum benötigt es solche Initiativen heute noch? Antworten auf diese und viele weitere Fragen in Folge 226 von IMR. Viel Spaß und schöne Ostertage!
IMR056: Juristischer Stellenmarkt 2020 | Interview Talentrocket
mit Sebastian von Glahn
Wie sieht aktuell die Kanzleiwelt aus? Wie kann ich nach dem Jurastudium einen Job in der Wirtschaftskanzlei zu erhalten? Welche Vorteile bringt dieser Karriereweg womöglich mit sich? Ist Jura auch in Coronazeiten krisensicher? Wie läuft der digitale Bewerbungsprozess über Online-Plattformen ab? Das und mehr erfahrt Ihr beim Jura-Interview Nr. 56 in dieser Episode: Sebastian von Glahn von Talentrocket erläutert, wie er zur Gründung einer Bewerberplattform gekommen ist, welche Umwege er dabei genommen hat und warum der Personal Fit als Einstellungskriterium oftmals unterschätzt wird. Schließlich sprechen wir über realistische Arbeitszeiten, New Work und verschiedene Karrierewege im Wirtschaftsrecht – sowohl bei internationalen Großkanzleien als auch mittelständischen Einheiten.
IMR209: Vom Finanzbeamten zum Partner, Steuerberaterexamen, Wertschätzung für Referendare
mit Jan Hobus
Herzlich Willkommen zu Episode 209, heute aus dem Hamburger Büro von BRL Boege Rohde Luebbehuesen. Marc spricht mit Jan Hobus, der sich von der Hamburger Finanzverwaltung zum Partner bei BRL hochgearbeitet hat. Warum hat er sich im Finanzamt nicht dauerhaft gesehen? Wann fiel die Entscheidung, in die Anwaltschaft zu gehen? Welche Überlegungen spielen eine Rolle, wenn man Partner werden möchte? Was fasziniert ihn am deutschen und internatiolen Steuerrecht? Wie sieht ein typisches Mandat in diesen Rechtsgebieten aus? Wie muss man sich die Arbeit mit anderen Teams in Transaktionen vorstellen? Wie bilden er und seine Kollegen bei BRL Referendare aus? Antworten auf diese und viele weitere Aspekte der anwaltlichen Karriere im Steuerrecht erhaltet Ihr von Jan in dieser Episode. Viel Spaß!
