Inhaltsüberblick
Der Arbeitsalltag als Richter: Einblicke in die verschiedenen Gerichtsbarkeiten
Der Richter Arbeitsalltag ist vielfältiger, als viele vermuten. Vom frühen Aktenstudium über mündliche Verhandlungen bis zum sorgfältigen Verfassen von Urteilen – die tägliche Arbeit am Gericht erfordert ein breites Spektrum an Fähigkeiten. Dabei unterscheidet sich der Arbeitsalltag je nach Gerichtsbarkeit und Instanz erheblich.
Ein typischer Tag als Richterin oder Richter
Der Tag beginnt in der Regel mit Aktenarbeit: Schriftsätze lesen, Beweismittel prüfen, Rechtsfragen recherchieren und Verhandlungen vorbereiten. Je nach Gericht und Rechtsgebiet führen Richterinnen und Richter mehrere mündliche Verhandlungen pro Tag oder widmen sich der Abfassung schriftlicher Entscheidungen.
Wie Episode 214 anschaulich zeigt, umfasst die Tätigkeit als Strafrichterin im Frankfurter Bahnhofsviertel täglich herausfordernde Verhandlungen, in denen menschliches Fingerspitzengefühl ebenso gefragt ist wie juristische Präzision.
Arbeiten in der ordentlichen Gerichtsbarkeit
Die ordentliche Gerichtsbarkeit ist der größte Bereich und umfasst Zivil- und Strafsachen. Am Amtsgericht bearbeiten Richterinnen und Richter als Einzelrichter ein breites Spektrum von Nachbarschaftsstreitigkeiten über Mietrecht bis hin zu kleineren Strafsachen. Am Landgericht und Oberlandesgericht wird häufig in Kammern und Senaten gearbeitet, was kollegiale Entscheidungsfindung erfordert.
Die Erfahrungen aus Episode 93 verdeutlichen, wie anspruchsvoll und zugleich erfüllend die Arbeit als Strafrichter am Landgericht ist – von der Hauptverhandlung bis zur Urteilsbegründung.
Die Verwaltungsgerichtsbarkeit
In der Verwaltungsgerichtsbarkeit stehen Konflikte zwischen Bürgern und Staat im Mittelpunkt. Verwaltungsrichterinnen und -richter entscheiden über Baurecht, Asylrecht, Beamtenrecht und viele weitere verwaltungsrechtliche Streitigkeiten. Wie Episode 69 vermittelt, zeichnet sich diese Gerichtsbarkeit durch eine besonders enge Verbindung zum öffentlichen Recht und gesellschaftlichen Grundsatzfragen aus.
Finanzgerichtsbarkeit und Verfassungsgerichtsbarkeit
Spezialisierte Gerichtsbarkeiten bieten ganz eigene Arbeitswelten. An den Finanzgerichten dreht sich alles um Steuerrecht – von der Einkommensteuer bis zur Umsatzsteuer. Am Bundesfinanzhof werden höchstrichterliche Grundsatzentscheidungen getroffen, die das gesamte Steuerrecht prägen.
Die Arbeit am Verfassungsgerichtshof ist noch einmal eine ganz andere Dimension: Hier geht es um verfassungsrechtliche Grundsatzfragen, um die Auslegung von Grundrechten und um die Kontrolle staatlichen Handelns.
Vielfalt als Markenzeichen der Justiz
Was alle Gerichtsbarkeiten verbindet, ist die Vielseitigkeit der richterlichen Tätigkeit. Wie Episode 288 eindrücklich beschreibt, bietet die Justiz die Möglichkeit, im Laufe der Karriere verschiedene Rechtsgebiete zu durchlaufen, Abordnungen wahrzunehmen und sich fachlich weiterzuentwickeln.
Darüber hinaus ermöglicht die Justiz auch abgeordnete Tätigkeiten – etwa an Ministerien, Universitäten oder internationale Institutionen. In Episode 140 wird deutlich, dass der Richterberuf weit über den Gerichtssaal hinausreichen kann.
Der Arbeitsalltag als Richter verbindet intellektuelle Tiefe mit menschlicher Begegnung. Wer die Vielfalt der Gerichtsbarkeiten kennt und nutzt, findet in der Justiz einen Beruf, der ein Leben lang herausfordernd und erfüllend bleibt.
Fragen & Antworten
12 Antworten aus Podcast-Episoden
Im Referendariat sah ich die Realität: Aktenberge, wenig Kommunikation, starre Abläufe. Obwohl die Richterinnen und Richter großartig waren, merkte ich, dass mir Austausch und Gestaltungsfreiheit fehlten. Meine Vorstellung von Unabhängigkeit deckte sich nicht mit dem tatsächlichen Arbeitsalltag – also suchte ich weiter.
Aus Episode #254
IMR254: Vom Anwalt / Berater / Repetitor zur Weltumseglung und zur Karriere als selbstständiger Solaranlagenbauer – mit Jura kann man (fast) alles machen!
mit Dr. Ronald Fethke
Das sagen unsere Experten
„Als Strafrichterin im Bahnhofsviertel erlebt man jeden Tag die ganze Bandbreite menschlicher Schicksale. Das erfordert nicht nur juristisches Können, sondern auch Empathie und Belastbarkeit – aber genau das macht die Arbeit so besonders.“
„In der Verwaltungsgerichtsbarkeit arbeitet man an der Schnittstelle zwischen Bürger und Staat. Man prüft, ob die Verwaltung rechtmäßig gehandelt hat – das gibt einem das Gefühl, täglich einen Beitrag zum Rechtsstaat zu leisten.“
„Die Arbeit am Landgericht im Strafrecht ist intensiv. Mehrtägige Hauptverhandlungen, komplexe Beweisaufnahmen und die Verantwortung, über Freiheit und Strafe zu entscheiden – das ist eine Aufgabe, die höchste Konzentration erfordert.“
„Am OLG arbeitet man in Senaten und fällt Entscheidungen als Kollegium. Das kollegiale Element schätze ich besonders – man diskutiert, ringt um die beste Lösung und wächst fachlich aneinander.“
„Als abgeordneter Richter habe ich auch in der Verwaltung und im Hochschuldienst gearbeitet. Diese Abwechslung macht die Justizkarriere so attraktiv – man ist nicht auf eine Tätigkeit festgelegt, sondern kann sich immer wieder neu orientieren.“
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
16 relevante Podcast-Folgen
IMR214: Strafrecht im Bahnhofsviertel, Arbeitsabläufe als Richterin, Vis Moot Court
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Heute bei IMR zu Gast: Gerichts-Influencerin und Richterin in Hamburg, Ann-Kristin Becker. Inwieweit hat ihr familiärer Background ihre Entscheidung, Richterin zu werden, geprägt? Wie ist es, an einem der Hamburger Brennpunkte als Strafrichterin aktiv zu sein? Welche - teils kuriosen - Verfahren erlebt sie hierbei? Wie organisiert sie ihren Arbeitsalltag? Welche Routinen helfen ihr dabei und wo ist die richterliche Freiheit von großem Vorteil? Antworten auf diese und viele weitere Fragen sowie ein Wiedersehen nach vielen Jahren hört Ihr in dieser Folge Eures Jurapodcasts. Viel Spaß!
IMR153: Richter am VerfGH NRW, Grundrechte in Bildern
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In dieser Episode von Irgendwas mit Recht hört Ihr von Dr. Dirk Gilberg. Er ist Direktor des Arbeitsgerichts in Köln sowie Mitglied des Verfassungsgerichtshofs für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster. Wie kann man zwei solch verantwortungsvolle Aufgaben vereinen? Inwieweit hilft hierbei remote work? Welche Vorteile haben persönliche Meetings? Wie hat Corona (sneak peak: 1. FC Köln!) die Verfahrenslandschaft des Verfassungsgerichts verändert? Wie hilft Dr. Gilberg seine Erfahrung aus verschiedensten Studi-Jobs noch heute? Wie kam er auf die Idee, die Ausstellung "Grundrechte in Bildern" ins Leben zu rufen? Wie ist er bei seinen Fotografien vorgegangen - und welches ist sein Lieblingsmotiv? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet ihr im Podcast. Jetzt reinhören und abonnieren!
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In der heutigen Folge des Jura-Karrierepodcasts geht es um den Beruf des Strafrichters und seine vielseitigen Facetten. Im Referendariat absolvierte Herr Tetzlaff eine Station am Sozialgericht, zwischenzeitlich hat er bei der Staatsanwaltschaft in Ulm gearbeitet und heute ist er Richter am LG Stuttgart in Strafsachen. Hier ist er als Richter am Schwurgericht tätig, wo er beispielsweise die Verhandlung rund um den "Stuttgarter Schwertmörder" leitete. Er beleuchtet, wie ein Verfahren abläuft und berichtet über seine ungewöhnlichsten Fälle. Außerdem prüft Herr Tetzlaff in Baden-Württemberg im ersten und im zweiten Staatsexamen. Heute gibt er einen Einblick, was vor allem in der mündlichen Prüfung ausschlaggebend für eine gute Note ist und welche typischen Fehler Ihr vermeiden könnt. Auch der ein oder andere Tipp für Student*innen ist dabei. Viel Spaß!
IMR069: Verwaltungsgerichtsbarkeit | Interview Richter
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Im Gespräch mit Dr. Jens Milker, der über sein Studium, Referendariat, Promotion und die Herausforderungen als Verwaltungsrichter berichtet.
