Inhaltsüberblick
Richter werden – der Weg in die Justizkarriere
Die Tätigkeit als Richterin oder Richter gehört zu den angesehensten und zugleich anspruchsvollsten juristischen Berufen in Deutschland. Wer Richter werden möchte, muss nicht nur exzellente juristische Qualifikationen mitbringen, sondern auch Unabhängigkeit, Entscheidungsstärke und ein ausgepägtes Verantwortungsbewusstsein. Der Beruf bietet dafür eine einzigartige Kombination aus intellektueller Herausforderung, gesellschaftlicher Bedeutung und beruflicher Sicherheit.
Voraussetzungen für den Richterdienst
Der Zugang zum Richteramt erfordert zwei bestandene juristische Staatsexamina – und zwar mit überdurchschnittlichen Ergebnissen. Die meisten Bundesländer verlangen mindestens ein Prädikat (vollbefriedigend oder besser) in einem der beiden Examina. Die genauen Notenanforderungen variieren je nach Bundesland und aktueller Bewerberlage, doch ist ein starkes Gesamtprofil unverzichtbar.
Wie Episode 132 im Detail beleuchtet, umfasst das Bewerbungsverfahren neben der Notenprüfung häufig auch persönliche Vorstellungsgespräche und Assessment-Center. Dabei zählen nicht nur die Examensnoten, sondern auch Praxiserfahrungen, soziale Kompetenz und die Fähigkeit zur klaren Kommunikation.
Das Bewerbungsverfahren im Überblick
Die Bewerbung für den höheren Justizdienst läuft über die jeweiligen Landesjustizverwaltungen. Der Prozess umfasst in der Regel:
- Schriftliche Bewerbung: Lebenslauf, Examenszeugnisse, Referenzen und Motivationsschreiben
- Vorstellungsgespräch: Prüfung der persönlichen Eignung und Motivation
- Probezeit: Drei bis fünf Jahre als Richter auf Probe vor der Ernennung auf Lebenszeit
- Beurteilungen: Regelmäßige Leistungsbewertungen während der Probezeit
Die Eindrücke aus Episode 167 zeigen, warum sich der Weg in die Justiz trotz der hohen Anforderungen lohnt: Die Arbeit am Hanseatischen OLG verbindet inhaltliche Tiefe mit der Möglichkeit, das Recht aktiv mitzugestalten.
Welche Gerichtsbarkeiten stehen offen?
Das deutsche Gerichtssystem bietet fünf Gerichtsbarkeiten, die jeweils unterschiedliche fachliche Schwerpunkte setzen:
- Ordentliche Gerichtsbarkeit: Zivil- und Strafsachen – der größte Bereich mit Amts-, Land- und Oberlandesgerichten
- Verwaltungsgerichtsbarkeit: Streitigkeiten zwischen Bürgern und Staat, wie Episode 69 anschaulich schildert
- Arbeitsgerichtsbarkeit: Arbeitsrechtliche Konflikte zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern
- Sozialgerichtsbarkeit: Sozialversicherungs- und Sozialleistungsstreitigkeiten
- Finanzgerichtsbarkeit: Steuerrechtliche Verfahren, von der kommunalen Ebene bis zum Bundesfinanzhof
Was den Richterberuf besonders macht
Der Richterberuf unterscheidet sich fundamental von der anwaltlichen Tätigkeit. Während Anwältinnen und Anwälte parteiisch agieren, entscheiden Richterinnen und Richter unabhängig und neutral. Diese richterliche Unabhängigkeit ist verfassungsrechtlich garantiert und bildet das Fundament der Justiz. In Episode 296 wird die besondere Rolle der freien Richterschaft für die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit eindrücklich thematisiert.
Der Alltag als Richterin oder Richter umfasst Aktenarbeit, mündliche Verhandlungen, Beweisaufnahmen und das Verfassen von Urteilen. Wie Episode 214 zeigt, erfordert die tägliche Arbeit am Gericht ein hohes Maß an Organisation und die Fähigkeit, unter Zeitdruck fundierte Entscheidungen zu treffen.
Vielfalt und Perspektiven in der Justiz
Die Justizkarriere bietet weit mehr Vielfalt, als viele vermuten. Von der Arbeit am Verfassungsgerichtshof über die Tätigkeit im Strafrecht bis hin zu Abordnungen in Ministerien oder internationale Institutionen – die Möglichkeiten innerhalb der Justiz sind enorm. Wie Episode 288 verdeutlicht, ist der Weg vom Proberichter bis zur OLG-Richterin von ständigen neuen Herausforderungen geprägt.
Wer Richter werden möchte, sollte sich frühzeitig mit den verschiedenen Gerichtsbarkeiten vertraut machen, Stationen im Referendariat bei Gerichten nutzen und das Gespräch mit erfahrenen Richterinnen und Richtern suchen. Der Weg ist anspruchsvoll, aber die Kombination aus Unabhängigkeit, Gestaltungsspielraum und gesellschaftlicher Verantwortung macht den Richterberuf zu einem der erfüllendsten juristischen Karrierewege.
Fragen & Antworten
12 Antworten aus Podcast-Episoden
Schon im Studium faszinierte mich, dass ich als Richter ausschließlich Recht und Gesetz verpflichtet bin und keine fremden Interessen vertreten muss. Ich mag Sprache, Argumentation und unabhängiges Entscheiden. Diese Kombination versprach mir das Richteramt – also habe ich meinen Kindheitstraum konsequent verfolgt.
Aus Episode #140
IMR140: Gerichts-Spezial-3: Abgeordneter Praktiker als Richter, Vielfalt der Justiztätigkeit
mit Simon Pschorr
Das sagen unsere Experten
„Als Richterin entscheidest du eigenverantwortlich über Schicksale – das ist eine enorme Verantwortung, aber auch eine unglaubliche Bereicherung. Kein Tag gleicht dem anderen, und man lernt nie aus.“
„Die richterliche Unabhängigkeit ist kein Privileg, sondern eine Verpflichtung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. Man muss bereit sein, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen, wenn das Recht es verlangt.“
„Ich habe mich bewusst für die Justiz entschieden, weil ich das Recht gestalten wollte, nicht nur anwenden. Am Bundesfinanzhof hat man die Möglichkeit, höchstrichterliche Grundsatzentscheidungen zu prägen.“
„Das Richteramt bietet eine besondere Mischung aus Freiheit und Verantwortung. Man ist an keine Weisungen gebunden und nur dem Gesetz verpflichtet – das ist ein Privileg, das kein anderer juristischer Beruf in dieser Form bietet.“
„Die Vielseitigkeit der Justiz wird oft unterschätzt. Man kann in der Verwaltungsgerichtsbarkeit arbeiten, ins Strafrecht wechseln, sich ans OLG abordnen lassen oder sogar ins Ministerium gehen. Langweilig wird es in der Justiz nie.“
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
20 relevante Podcast-Folgen
IMR167: Hanseatisches OLG, Warum Richter werden, Verbesserung des Referendariats
mit Ann-Marie Wolff
In dieser Folge sprechen wir mit Ann-Marie Wollf, Präsidenten des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Bremen. Nachdem wir ihren Weg in die Richterschaft sowie die Spitze des OLG beleuchten, widmen wir uns den allgemeinen Voraussetzungen für den Einstieg in der (Bremer) Justiz. Wie gelingt das Referendariat nicht nur aus Sicht des Nachwuchs sondern auch aus Sicht der Ausbildenden? Wie kann die Referendariatsausbildung noch besser organisiert werden? Welche Idee steckt hinter dem Referendariat? Über welche Motivation sollte man verfügen, wenn man Richter:in werden möchte? Was sollte man bei der Wahl von Zivilstation, Strafstation & Co berücksichtigen? Welche Anforderungen werden im Staatsdienst an Note und Persönlichkeit gestellt? Antworten auf diese und viele weitere Aspekte gibt’s in Folge 167 von Irgendwas mit Recht. Viel Spaß!
IMR040: Gesellschaft für Freiheitsrechte | Interview Richter und Podcaster Lage der Nation
mit Dr. Ulf Buermeyer
Dr. Ulf Buermeyer, den viele wahrscheinlich aus seinem Podcast "Lage der Nation" kennen werden, berichtet von seiner Tätigkeit als Vorsitzender der Gesellschaft für Freiheitsrechte. Wir sprechen darüber, warum er Richter in Berlin geworden ist und welche Ziele er damit verfolgte. Welchen Einfluss hatte seine Zeit in den USA auf die Gründung der Gesellschaft für Freiheitsrechte? Welche Ziele verfolgen die Juristen der GFF und inwieweit arbeiten sie mit externen Anwältinnen und Anwälten zusammen? Was braucht es, um erfolgreich eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht durchzukämpfen? Hört rein!
IMR136: LMUDigiTax, Richter am BVerfG, Wahlcomputer, Präsident des BFH, Attac-Entscheidung
mit Prof. Dr. h.c. Rudolf Mellinghoff
Heute bei Irgendwas mit Recht: Prof. Rudolf Mellinghoff. Prof. Mellinghoff leitet das LMUDigiTax an der LMU München. Am LMUDigiTax werden im Schwerpunkt juristische Problemstellungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung sowie des Vollzugs des Steuerrechts erforscht. Ihr ahnt es bereits: Es gibt vielseitige Fragestellungen und Möglichkeiten für Eure individuellen Forschungsvorhaben. Bevor wir darüber sprechen, welche Themenbereiche spannend und im Rahmen einer Promotion durch Euch verfolgt werden könnten, berichtet Professor Mellinghoff über seinen vielseitigen Werdegang. Was hat ihn dazu bewogen, seine Karriere dem Steuerrecht zu widmen? Wie wird man Richter am Bundesverfassungsgericht? Warum sind elektronische Wahlcomputer nicht mit unseren Wahlgrundsätzen vereinbar? Wie kam es, dass er anschließend als Präsident des Bundesfinanzhofs tätig sein durfte? Inwieweit kann man auf Karriereziele hinarbeiten und inwieweit sollte man eher “nur” die Augen offen halten? Neben Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr spannenden Input zum Attac-Verfahren vor dem BFH sowie – und so schließt sich der Kreis – der Tätigkeit am LMUDigiTax. Viel Spaß!
IMR131: Recht und digitale Gesellschaft, Kryptowährungen, NFTs und Web3
mit Dr. Malte Engeler
Heute zu Gast bei Irgendwas mit Recht: Dr. Malte Engeler. Der promovierte Jurist ist ursprünglich Verwaltungsrichter am Schleswig-Holsteinischen Verwaltungsgericht und momentan abgeordnet an das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz. In seiner Tätigkeit als Richter beschäftigte er sich vor allem mit dem Ausländer- und Asylrecht. Zuvor war er einige Jahre Jahre im Bereich der Datenschutzaufsicht tätig. Auf Twitter äußert er sich regelmäßig zu aktuellen datenschutzrechtlichen und netzpolitischen Fragestellungen. Malte bringt in dieser Podcasfolge Licht ins Dunkel bezüglich Begriffen wie Web3, Blockchain, Bitcoin und NFTs. Wie kann sichergestellt werden, dass Technologie im Sinne der Gesellschaft eingesetzt wird? Was hat das Ganze mit dem Thema Datenschutz zu tun? Was sind Smart Contracts und welche Gefahren beinhalten sie? Inwieweit können und müssen solche Technologien durch den Staat reguliert werden? Der zweite Teil des Gesprächs beinhaltet einen kritischen Blick auf die juristische Ausbildung und die Rechtswissenschaften: In welchem Verhältnis stehen Recht, Politik und Macht zueinander? Wie werden aktuell herrschende Gesellschaftsformen durch das Recht gestützt? Inwieweit werden Menschen durch das Jurastudium geformt? Viel Spaß beim Zuhören!
