Inhaltsüberblick
Litigation-Karriere: Prozessführung als juristische Spezialisierung
Litigation — die Kunst der Prozessführung — gehört zu den anspruchsvollsten und vielseitigsten Spezialisierungen in der Anwaltschaft. Wer gerne argumentiert, strategisch denkt und den Nervenkitzel des Gerichtssaals sucht, findet hier seine Berufung.
Litigation-Anwälte vertreten Mandanten in gerichtlichen und außergerichtlichen Streitigkeiten: von komplexen Wirtschaftsstreitigkeiten über Kartellverfahren bis hin zu internationalen Schiedsverfahren. In Episode 171 beschreibt ein Partner seinen Weg vom Berufseinsteiger zum Litigation-Partner — eine Karriere als Eigengewachs in seiner Kanzlei.
Der Litigation-Alltag: Kein Tag wie der andere
Der Arbeitsalltag eines Litigation-Anwalts ist abwechslungsreicher als in vielen anderen Rechtsgebieten. Er umfasst Sachverhaltsermittlung, die Entwicklung von Prozessstrategien, das Verfassen von Schriftsätzen, mündliche Verhandlungen und Vergleichsverhandlungen. In Episode 300 wird der Litigation-Alltag anschaulich beschrieben: Streiten wie bei Suits, Mammutverfahren, Teamwechsel und sogar Teilzeit in der Wirtschaftskanzlei.
Die Fähigkeiten, die einen guten Litigation-Anwalt ausmachen:
- Analytisches Denken: Komplexe Sachverhalte durchdringen und die Kernargumente herausarbeiten
- Schriftliche Präzision: Überzeugende Schriftsätze sind das Handwerkszeug jedes Prozessanwalts
- Rhetorisches Geschick: Mündliche Verhandlungen erfordern die Fähigkeit, unter Druck klar und überzeugend zu argumentieren
- Strategisches Denken: Prozessführung ist ein Schachspiel — jeder Zug muss bedacht sein
- Belastbarkeit: Mammutverfahren können Jahre dauern und erfordern langen Atem
Spezialisierungen innerhalb der Litigation
Litigation ist kein monolithisches Rechtsgebiet, sondern umfasst zahlreiche Spezialisierungen:
- Commercial Litigation: Wirtschaftsstreitigkeiten, Vertragskonflikte, Post-M&A-Disputes
- IP-Litigation: Patent- und Markenverletzungen, Urheberrechtsstreitigkeiten
- Kartellrecht: Dawn Raids, Kronzeugenverfahren, Schadensersatzklagen
- White Collar Crime: Wirtschaftsstrafrecht, Internal Investigations, Compliance
- International Arbitration: Schiedsverfahren nach ICC-, DIS- oder UNCITRAL-Regeln
In Episode 333 wird der Teamaufbau in einer Wirtschaftskanzlei beschrieben — und wie KI-Vorschläge in der Prozessvorbereitung kritisch geprüft werden müssen.
Gehalt und Karriereperspektiven
Litigation-Anwälte gehören zu den gut bezahlten Spezialisten in der Anwaltschaft. In Großkanzleien liegen die Einstiegsgehälter auf dem üblichen Niveau von 120.000 bis 160.000 Euro. Was Litigation besonders attraktiv macht: Die Nachfrage nach erfahrenen Prozessanwälten ist konjunkturunabhängig. In wirtschaftlich guten Zeiten gibt es mehr Transaktionsstreitigkeiten, in schlechten Zeiten mehr Restrukturierungs- und Insolvenzverfahren.
In Episode 291 zeigt ein Anwalt, wie die Kombination aus Litigation-Erfahrung, Promotion und Mediation zu einer vielfältigen Karriere führen kann — ein Beispiel für die breiten Entwicklungsmöglichkeiten in diesem Feld.
Moot Courts als Sprungbrett
Für Studierende, die eine Litigation-Karriere anstreben, sind Moot Courts die ideale Vorbereitung. Der Vis Moot, der Jessup Moot und nationale Wettbewerbe vermitteln die Fähigkeiten, die später im Gerichtssaal gefragt sind. In Episode 2 beschreibt ein Anwalt, wie der Vis Moot Court seine Karriere geprägt hat — vom Coaching bis zum erfolgreichen Pleading.
Das sagen unsere Experten
Litigation-Anwälte aus verschiedenen Karrierestufen berichten im IMR-Podcast über die Faszination der Prozessführung und geben Einblick in ihren Arbeitsalltag.
Litigation als Eigengewachs — vom ersten Tag an eigene Mandate, eigene Schriftsätze, eigene Verantwortung. Wer die Prozessführung liebt, findet hier ein Rechtsgebiet, das nie langweilig wird.
Streiten wie bei Suits — natürlich ist der Litigation-Alltag weniger dramatisch als im Fernsehen, aber Mammutverfahren, Teamwechsel und strategische Vergleichsverhandlungen machen diesen Beruf einzigartig spannend.
Strittige Verfahren und KI-Vorschläge kritisch prüfen — der Teamaufbau in unserer Wirtschaftskanzlei lebt davon, dass jeder Prozessrisikoanalysen erstellen und Vergleichsverhandlungen führen kann. Das sind Fähigkeiten, die man nur in der Praxis lernt.
Masseverfahren, Zivilprozess und Legal Automation — die Zukunft der Litigation liegt in der Verbindung von juristischer Expertise und technologischem Verständnis. Wer beides beherrscht, wird zum unverzichtbaren Berater.
Der Vis Moot Court war der Grundstein meiner Litigation-Karriere. Coaching, Pleading, Teamwork unter Druck — all das bereitet dich auf die Realität im Gerichtssaal vor wie kein Universitätskurs es könnte.
Die Stimmen aus der Praxis zeigen: Litigation ist eine Karriere für Menschen, die den Wettbewerb lieben, strategisch denken und unter Druck ihre beste Leistung abrufen — belohnt mit intellektueller Erfüllung und exzellenten Vergütungsmöglichkeiten.
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
19 relevante Podcast-Folgen
IMR171: Litigation, Prozessanwalt, Karriere als Eigengewächs
mit Daniel Hürter
In dieser Episode ist Daniel Hürter von Redeker Sellner Dahs aus Bonn zu Gast. Er vertritt Mandantinnen im privaten Baurecht und ist unter anderem Anwalt, weil er ihm gerichtliche Auseinandersetzungen Freude machen. Warum hat er nach seinem Einstieg in der Kanzlei zwar die Rolle, aber nie die Sozietät gewechselt? Was macht für ihn seine Tätigkeit aus? Was ist eigentlich ein Urkundenprozess? Warum können Verfahren teilweise schon durch gute ZPO-Kenntnisse gewonnen, aber ohne selbige verloren werden? Welche Rolle spielte seine anwaltliche Beratung beim Kölner Stadtarchiv (sneak peak: es geht um Unterwasserkettensägen!). Antworten auf diese und wertvollen Input zu Eurer Berufswahl als Anwältin erhaltet Ihr in Folge 171 von Irgendwas mit Recht. Viel Spaß!
IMR300: Litigation-Alltag, Streiten wie bei Suits, Mammutverfahren, Wechsel als Team, Teilzeit in der Wirtschaftskanzlei
mit Caterina Hanke
Episode 300: Diesmal spricht Marc mit Caterina Hanke, Rechtsanwältin bei Oppenhoff in Frankfurt, über ihren Weg von den ersten Jura-Schnuppertagen in Bayreuth bis zur heutigen Position als Juniorpartnerin im Bereich Litigation. Die Folge beleuchtet, weshalb Caterina nach einem Start in einer US-Kanzlei samt pandemiebedingter Standortschließung gemeinsam mit ihrem gesamten Team zu Oppenhoff wechselte, wie ein seit sechs Jahren laufender IT-Großprozess mit 8.000 Seiten Vertragswerk ihren Berufsalltag prägt und welche prozessualen Kniffe – von der Hilfs-Wider-Widerklage bis zu Anträgen nach § 144 ZPO – dabei eine Rolle spielen. Außerdem geht es um Karriereentscheidungen während des Referendariats, den Reiz spezialisierter Großverfahren, Bewerbungstipps jenseits reiner Noten sowie die Vereinbarkeit von Elternschaft und Anwaltstätigkeit durch ein flexibles 80-Prozent-Modell. Wie behält man in einem jahrelangen Mammutstreit den Überblick? Welche Fähigkeiten sind bei der Prozessführung wichtiger als exzellente Examina? Und warum kann Teilzeit in der Großkanzlei nicht nur funktionieren, sondern auch Karrierechancen eröffnen? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
IMR194: Die ersten Tage in der Kanzlei, IP- und Patentrechtsfokus, Karriereevents
mit Petra Römers
In Folge 194 Eures Jurapodcasts ist Petra Römers zu Gast. Petra ist Associate im Düsseldorfer Büro von Bird & Bird und dort in der IP-Praxisgruppe mit dem Schwerpunkt Patentrecht zuständig. Warum hat sie sich für den Berufseinstieg in der Wirtschaftskanzlei entschieden? Wie lief das Bewerbungsverfahren ab? Wie muss man sich die ersten Tage in der Kanzlei vorstellen? Wie könnt Ihr Petra und ihre Kollegen auf Kanzleievents treffen? Antworten auf diese Fragen sowie spannende Perspektiven zum Berufseinstieg erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!!
IMR291: Vom Nullpunkte Mathe-Abi zum Dr. jur., Wirtschaftsmediator, technische Affinität und Legal Tech, vielfältige Karriere-Eindrücke sammeln
mit Dr. Tim Giesselmann
Es geht los mit der 291. Episode von IMR: In dieser spannenden Folge begrüßt Marc Dr. Tim Gießelmann, der bei Orka – ehemals Orth Kluth – seinen Werdegang und seine Erfahrungen im juristischen Arbeitsalltag berichtet. Wie kommt man vom Nullpunkte Mathe-Abi zum Jurastudium? Warum promovierte er dann später? Wie fand er seine Spezialisierung im Gesellschaftsrecht? Welche Rolle spielt die individuelle Motivation und die Entwicklung von Fachkompetenzen in einer großen Kanzlei wie Orka? Wie beeinflusst die Kombination aus juristischem Fachwissen und technischer Affinität den Arbeitsalltag und den Umgang mit komplexen Transaktionen? Und welche Impulse können Studierende, Rechtsreferendare und junge Anwälte aus den vielfältigen Einblicken in die Praxis mitnehmen? Im Gespräch geht es neben Antworten auf diese Fragen um den Übergang von der klassischen Rechtsanwaltsarbeit zur moderneren Arbeitsweisen mit Legal Tech und Künstlicher Intelligenz, die Bedeutung von Wirtschaftsmediatoren-Ausbildungen und die Frage, wie man sich als junger Jurist authentisch und mit der nötigen Persönlichkeit in Vorstellungsgesprächen präsentiert. Viel Spaß mit diesem spannenden Gast und seinen wertvollen Karriere-Insights!
