Inhaltsüberblick
- Von der Stichwortsuche zur semantischen Recherche
- Large Language Models in der Rechtsrecherche
- Legal Design und neue Zugangswege zum Recht
- Innovation vs. Kerngeschäft: Die Balance finden
- Studentische Initiativen und Nachwuchsförderung
- Antworten auf 12 Fragen aus der Praxis
- Konkrete Tipps unserer Experten aus dem Podcast
KI in der juristischen Recherche: Effizienz und Strategie für Anwälte
Die juristische Recherche gehört zu den zeitintensivsten Tätigkeiten im Anwaltsberuf. Stundenlang Datenbanken durchforsten, Urteile vergleichen, Kommentarliteratur auswerten – Aufgaben, die nun durch Künstliche Intelligenz grundlegend transformiert werden. KI-gestützte Recherchetools versprechen nicht nur Zeitersparnis, sondern auch eine höhere Qualität der Ergebnisse. Doch wie funktioniert Legal Research mit KI in der Praxis, und welche Kompetenzen brauchen Juristen, um diese Tools effektiv einzusetzen?
Von der Stichwortsuche zur semantischen Recherche
Klassische juristische Datenbanken arbeiten mit Stichwort- und Volltextsuche. KI-gestützte Systeme gehen einen entscheidenden Schritt weiter: Sie verstehen den semantischen Kontext einer Anfrage und können relevante Ergebnisse liefern, auch wenn die exakten Suchbegriffe nicht im Text vorkommen. Prof. Daniel Katz, der an der Bucerius Law School zu Legal Technology und Data Science forscht, hat diese Entwicklung früh vorhergesagt. In Episode 337 analysiert er, wie Legal AI Agents und Micro-Products die Recherchearbeit in Kanzleien revolutionieren und welche USPs Kanzleien der Zukunft daraus entwickeln können.
Large Language Models in der Rechtsrecherche
Die Einführung von Large Language Models (LLMs) hat die Möglichkeiten der juristischen Recherche sprunghaft erweitert. Henrik Wehrs beschreibt in Episode 275, wie LLMs die Legal-Tech-Historie fortschreiben und welche Möglichkeiten sich für die interne Produktisierung in Kanzleien ergeben. Die Herausforderung liegt darin, die Fähigkeiten dieser Modelle richtig einzuschätzen: Sie können Zusammenhänge erkennen und Texte zusammenfassen, müssen aber kritisch überprüft werden, um Halluzinationen – erfundene Quellen oder falsche Rechtsauskünfte – zu vermeiden.
Legal Design und neue Zugangswege zum Recht
KI verändert nicht nur die Recherche selbst, sondern auch die Art, wie Rechercheergebnisse aufbereitet und kommuniziert werden. Astrid Kohlmeier zeigt in Episode 102, wie Legal Design Thinking juristische Informationen zugänglicher macht. Annika Bleier diskutiert in Episode 218, wie KI den Zugang zum Recht verbessern kann – ein Thema mit enormer gesellschaftlicher Tragweite.
Innovation vs. Kerngeschäft: Die Balance finden
Nicht jede Kanzlei kann und muss zum Tech-Vorreiter werden. In Episode 336 wird die Spannung zwischen Innovation und Kerngeschäft beleuchtet – mit ehrlichen Fail-Stories, die zeigen, dass digitale Transformation auch Scheitern beinhaltet. Die Lehre daraus: KI-Tools für die Recherche müssen sich nahtlos in bestehende Workflows integrieren, statt parallele Strukturen zu schaffen.
Studentische Initiativen und Nachwuchsförderung
Die nächste Generation von Juristen wächst bereits mit KI-gestützter Recherche auf. Studentische Initiativen wie das Legal Tech Lab Cologne (Episode 35) und Legal Tech Non-Profit-Projekte (Episode 48) schaffen bereits während des Studiums ein Bewusstsein für die Möglichkeiten und Grenzen von Legal Tech. Valerie Keilhau vom Legal Tech Verband (Episode 188) setzt sich dafür ein, dass auch die Justiz von der Digitalisierung profitiert.
Praktische Kompetenzen für KI-gestützte Recherche
Wer KI-Tools für die juristische Recherche effektiv nutzen möchte, braucht eine Kombination aus juristischer Expertise und technischem Grundverständnis. Die wichtigsten Fähigkeiten: Präzises Prompten, das Formulieren mehrstufiger Recherchestrategien, die kritische Bewertung KI-generierter Ergebnisse und die Fähigkeit, Primärquellen zu verifizieren. Wie Episode 338 zeigt, setzen fortschrittliche Kanzleien bereits auf offene Lernformate, um diese Kompetenzen systematisch aufzubauen.
Fragen & Antworten
12 Antworten aus Podcast-Episoden
Zuerst stellen wir zehn Legal-Design-Philosophien vor: Haltung vor Methode. Danach erklären wir Schritt für Schritt den Prozess vom Research bis zur Iteration, geben Tools, Checklisten und Tipps. Sechs Fallstudien – von Vertragsvisualisierung bis Gerichtsdigitalisierung – zeigen die Anwendung. Bunte Gestaltung sorgt dafür, dass Nutzerfreundlichkeit schon beim Lernen beginnt.
Aus Episode #102
IMR102: Legal Design Thinking und Kollaboration | Interview Legal Designerin
mit Astrid Kohlmeier
Das sagen unsere Experten
„Legal AI Agents werden die Recherchearbeit in Kanzleien fundamental verändern. Die sinkenden Token-Kosten machen es möglich, dass selbst kleinere Kanzleien Zugang zu leistungsfähigen KI-Tools bekommen. Die USPs der Kanzleien von morgen werden nicht mehr nur in fachlicher Expertise liegen, sondern in der Fähigkeit, Technologie intelligent einzusetzen.“
„Als Senior Legal Tech Manager sehe ich, wie Large Language Models die Legal-Tech-Landschaft verändern. Die interne Produktisierung von Recherchetools ist der Schlüssel: Kanzleien, die eigene Lösungen auf Basis von LLMs entwickeln, können ihre Rechercheprozesse maßschneidern und erhebliche Effizienzgewinne erzielen.“
„Die Marktkonsolidierung im Legal-Tech-Bereich zeigt, welche Tools sich wirklich durchsetzen. ChatGPT hat eine Revolution ausgelöst, aber die juristisch spezialisierten Lösungen sind für die professionelle Recherche überlegen, weil sie mit verifizierten Quellen arbeiten und juristische Zusammenhänge besser verstehen.“
„Der Legal Tech Verband setzt sich dafür ein, dass die Digitalisierung der Justiz vorankommt. KI-gestützte Recherche sollte nicht nur Anwälten vorbehalten sein – sie kann auch den Zugang zum Recht für Bürgerinnen und Bürger deutlich verbessern.“
„Legal Design Thinking und KI gehören zusammen. Eine KI kann die besten Rechercheergebnisse liefern – wenn sie nicht verständlich aufbereitet sind, nützen sie nichts. Wir müssen juristische Informationen so gestalten, dass sie für alle Beteiligten zugänglich sind, nicht nur für Fachjuristen.“
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
15 relevante Podcast-Folgen
IMR337: Legal AI Agents, Micro-Products, Decreasing Token Cost, Law Firm USPs of the Future
mit Prof. Dr. Daniel Katz
Der Blick vom deutschen Rechtsmarkt in die internationale Debatte: Professor Daniel Martin Katz vom Illinois Institute of Technology Chicago Kent College of Law. ist zu Gast. Die englischsprachige Premiere beleuchtet seinen Weg von empirischer Rechtsforschung zur Legal Tech Speerspitze. Sie analysiert die Leistung von GPT-4 beim US Bar Exam und vergleicht frühere Modelle. Weitere Themen sind fallende Tokenkosten, kanzleiinterne Mikroprodukte, Agententechniken und mögliche Folgen für das Stundenhonorar. Wie wird für junge Juristen technische Kompetenz zum Differenzierungsmerkmal? Wie nutzen Kanzleien sichere Datenquellen, bauen Produktteams auf und bepreisen Software Service Pakete sinnvoll? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
IMR335: Legal Innovation Einheit managen, erfolgreiche Tech-Adoption, Tech-Auswirkungen auf Karrierewege junger Juristen
mit Willy Kleinoth
Gemeinsam mit Willy Kleinoth, Innovation Lead von Greenberg Traurig, beleuchtet Marc die Zukunft juristischer Arbeit. Willy studierte Jura, verzichtete aufs zweite Examen und baute stattdessen GTs Legal-Innovation-Einheit auf. Im Gespräch schildert er, wie interne Technologieprozesse Anwältinnen effizienter, genauer und planbarer machen sollen. Eine One-size-fits-all-Strategie funktioniert laut ihm nicht, Kultur und individuelle Bedürfnisse bestimmen erfolgreiche Adoption. Willy nutzt daher Datenanalysen und A-B-Tests, um reale Effizienzgewinne verschiedener KI-Tools belastbar zu messen. Grundlage bildet das VUCA-Framework, das in unsicheren Märkten ständige Sichtnavigation empfiehlt. Konkret erläutert er einen hausinternen Bot, der Non-Billables wie Social-Media-Texte oder Recherchesummaries beschleunigt. Wie verändert sich das Kanzleigeschäftsmodell, wenn KI interne Abläufe, Pricing und Mandantenkommunikation prägt? Welche Daten braucht es, um die Billable-Hour-Debatte jenseits bloßer Hoffnungen versachlicht zu führen? Und was bedeutet das alles für Studierende, Referendarinnen und junge Associates, die Karrierewege planen? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
IMR275: Senior Legal Tech Manager EU, Chancen als Legal Engineer, Legal Tech-Historie, Large Language Models, (interne) Produktisierung
mit Henrik Wehrs
In der 275. Episode von Irgendwas mit Recht ist Henrik Wehrs zu Gast, Senior Legal Tech Manager Europe bei A&O Shearman. Henrik erzählt, wie er nach seinem Jura-Studium in Bonn und Frankfurt den Weg ins Thema Legal Tech fand – von ersten Webseitenprojekten während der Examenszeit bis Gründungen im Legal Tech Startup. So wurde Henrik zum festen Bestandteil der Frankfurter sowie deutschen Legal Tech-Szene. Welche Herausforderungen und Chancen bestehen in Bezug auf di Automatisierung juristischer Prozesse? Wie kann KI in Kanzleien wirklich eingesetzt werden? Wie helfen interdisziplinäre Teams dabei, innovative Lösungen zu entwickeln? Welche Rolle spielen Self-Service-Tools für Mandanten und Anwälte in der Kanzlei? Wie verändert sich die Zusammenarbeit mit Technologieanbietern im Kanzleialltag – und warum ist Scheitern manchmal die wertvollste Erfahrung? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß mit dieser Folge Eures Jurapodcasts zu allen Karrierethemen - und frohe Festtage!
IMR188: Geschäftsführung Legal Tech Verband, Digitalisierung der Justiz, Neue Geschäftsmodelle, Rechtsmarkt
mit Valerie Keilhau
In diese Folge ist die Geschäftsführerin des Legal Tech Verbands zu Gast: Valerie Keilhau. Was macht ein Verband? Wie muss man sich die Interessenvertretun in Bezug auf Legal Tech genau vorstellen? Welche Themen sind aktuell besonders akut? Inwieweit bestehen Unterschiede zwischen Anwaltschaft und Justiz? Welche neuartigen Geschäftsmodelle entstehen aufgrund von Legal Tech und KI? Antworten auf diese und viele weitere Fragen in Sachen Digitalisierung des Rechtsmarkts in dieser Episode Eures Karrierepodcasts. Viel Spaß!
