Inhaltsüberblick
Work-Life-Balance als Jurist: Karriere nachhaltig gestalten
Die Frage nach der Work-Life-Balance begleitet Juristinnen und Juristen durch die gesamte Karriere — vom Examensstress über die ersten Jahre als Associate bis hin zur Partnerschaft oder Führungsposition. Der juristische Beruf ist anspruchsvoll, zeitintensiv und emotional fordernd. Umso wichtiger ist es, früh Strategien zu entwickeln, um Belastung zu managen und langfristig leistungsfähig zu bleiben. In Episode 162 spricht Andreas Masuch offen über die Herausforderung, als Partner einer Wirtschaftskanzlei Balance zu finden.
Realität statt Mythos: Arbeitszeiten in der Juristerei
Die Arbeitszeiten variieren erheblich je nach Karriereweg. In Großkanzleien sind 60-Stunden-Wochen keine Seltenheit, während der öffentliche Dienst mit geregelteren Zeiten punktet. In Episode 328 erzählt Pascal Bayer, wie seine bewusste Entscheidung gegen die Großkanzlei und für die Stadtverwaltung ihm die Planbarkeit gab, die er für sein Leben brauchte.
Doch auch innerhalb der Anwaltschaft gibt es große Unterschiede. In Episode 300 wird Teilzeit in der Wirtschaftskanzlei thematisiert — ein Modell, das noch vor wenigen Jahren undenkbar schien und heute zunehmend akzeptiert wird. Die Bereitschaft von Kanzleien, flexible Arbeitsmodelle anzubieten, wächst stetig.
Mentale Gesundheit und Resilienz
Die psychische Belastung in juristischen Berufen wird häufig unterschätzt. Perfektionismus, Zeitdruck und die Verantwortung für existenzielle Entscheidungen können zu Burnout führen. In Episode 351 wird besprochen, wie Leistungs- und Notendruck entspannter begegnet werden kann — ein Thema, das nicht nur Studierende betrifft, sondern auch erfahrene Berufsträgerinnen und Berufsträger.
Resilienz lässt sich trainieren: Klare Grenzen setzen, Hobbys pflegen, soziale Kontakte außerhalb der Arbeit aufrechterhalten und professionelle Unterstützung suchen, wenn nötig. In Episode 172 betont Tim Petermann, dass die Faszination für den Beruf und eine gute Ausbildung die Grundlage bilden, um auch intensive Phasen gut zu überstehen.
Flexible Arbeitsmodelle: Remote Work und New Work
Die Pandemie hat die Akzeptanz flexibler Arbeitsmodelle in der Juristerei beschleunigt. In Episode 340 wird gezeigt, dass sogar 100% Remote Work möglich ist, wenn die Unternehmenskultur auf Vertrauen basiert. In Episode 350 erläutert ein COO, wie moderne Arbeits- und Büro-Modelle in Wirtschaftskanzleien konzipiert werden — mit dem Ziel, Produktivität und Wohlbefinden zu vereinen.
Vereinbarkeit von Familie und Karriere
Die Vereinbarkeit von Familie und juristischer Karriere bleibt eine der größten Herausforderungen. In Episode 228 sprechen Stefan Bruder und Marina Arntzen darüber, wie wichtig es ist, eine Kanzlei zu finden, deren Kultur zur eigenen Lebenssituation passt. Kindererziehung, Elternzeit und Teilzeitmodelle müssen kein Karrierehemmnis sein — vorausgesetzt, das berufliche Umfeld unterstützt diese Entscheidungen.
Fragen & Antworten
12 Antworten aus Podcast-Episoden
Karriere entsteht durch Hustle und Sichtbarkeit. Wer wirklich vorankommen will, nutzt flexible Modelle, ist aber regelmäßig im Office, knüpft dort Kontakte und sammelt Impulse. Voll-Remote funktioniert für Work-Life-Balance, nicht für den Moonshot. Entscheide bewusst, was dir wichtiger ist, und handle konsequent danach – dann nervt dich kein vermeintlicher Nachteil.
Aus Episode #164
IMR164: Legal-Tech-Plausch, Marktkonsolidierung, ChatGPT
mit Marco Klock
Das sagen unsere Experten
Work-Life-Balance ist kein statischer Zustand, sondern ein ständiges Austarieren. In intensiven Transaktionsphasen arbeite ich viel, dafür nehme ich mir danach bewusst Auszeiten. Das Pendel muss sich über das Jahr ausgleichen.
Ich habe mich bewusst für die Stadtverwaltung entschieden, weil mir Planbarkeit wichtiger war als das höchste Gehalt. Das war die richtige Entscheidung für mein Leben.
Teilzeit in der Wirtschaftskanzlei funktioniert — aber nur, wenn die gesamte Kanzleikultur dahintersteht. Es reicht nicht, ein Modell auf dem Papier zu haben; es muss gelebt werden.
Die wichtigste Erkenntnis aus meiner Karriere: Man muss nicht alles gleichzeitig schaffen. Manchmal liegt die Balance darin, bewusst Prioritäten zu setzen und andere Dinge warten zu lassen.
Dem Leistungsdruck entspannt zu begegnen, ist eine erlernbare Fähigkeit. Es geht nicht darum, weniger zu arbeiten, sondern klarer zu denken und sich nicht von Ängsten treiben zu lassen.
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
21 relevante Podcast-Folgen
IMR172: IMR Live, Zuschauerfragen an Hamburger Heuking Partner, Faszination Anwaltsberuf, Gute Referendarausbildung
mit Tim Petermann
IMR Live aus dem Hamburger Büro von Heuking Kühn Lüer Wojtek! Partner Tim Petermann stellt sich den Fragen des juristischen Nachwuchs vor Ort in einem ausführlichen und gleichwohl kurzweiligen Gespräch. Warum hat er sich für den Anwaltsberuf entschieden? Wie lief sein Berufseinstieg damals ab? Welche Teile des Anwaltsberufs erfreuen ihn besonders? Wie sieht der Arbeitsalltag aus? Was ist Teil der Referendarausbildung bei Heuking? Wie wird man während einer Anwalts- oder Wahlstation im Team bereits vom ersten Tag in den Mandantenkontakt eingebunden? Wie sieht die Work-Life Balance in der Kanzlei wirklich aus? Wie unterscheidet sich der Equity- vom Salary-Partner? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt's in dieser Spezialfolge. Viel Spaß!
IMR328: Jurist bei der Stadtverwaltung, Master in Speyer, Studium als Erstakademiker, Entscheidung gegen Großkanzlei, Förderrichtlinie schreiben
mit Pascal Bayer
Diese 328. Episode von IMR widmet sich dem Berufsweg von Pascal Bayer, Volljurist im Rechtsamt der Stadt Bad Kreuznach, der ohne familiäre Vorprägung Jura studierte und sich nach Studium, Referendariat und Speyer-Ergänzungsstudium bewusst gegen die Großkanzlei und für den kommunalen Dienst entschied. Im Gespräch schildert er Erfahrungen aus Straf-, Zivil- und Verwaltungsstation, erklärt, wie er durch clevere Kurswahl den Speyer-Master in einem Semester absolvierte und beschreibt seinen heutigen Alltag als interne Rechtsabteilung einer Stadtverwaltung. Dort prüft er Verträge, entwirft Förderrichtlinien und deckt breite Rechtsgebiete von Miet- bis Vergaberecht ab. Wie grenzt sich die Arbeit im öffentlichen Dienst von der Kanzlei ab? Welche Rolle spielen Gleitzeit, Teilzeitmodelle und Work-Life-Balance tatsächlich? Warum können Kommunen bei rechtlich komplexen Projekten Großkanzleiaufwand erreichen und wann braucht es externe Prozessvertretung? Welche Fähigkeiten jenseits des Examens sind entscheidend, um souverän zwischen Fachämtern, Stadtrat und Bürgern zu vermitteln? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
IMR201: IMRLive aus Hamburg - Stiftungsrecht, Arbeitsrecht vor dem EuGH, Onboarding in der Kanzlei
mit Dr. Julia Runte
Herzlich willkommen zu einer neuen Episode von "Irgendwas mit Recht” - Live aus Hamburg. Wie begrüßen Dr. Julia Runte und Dr. Christian Hoppe von Esche Schümann Commichau. Wie kam Christian zum Arbeitsrecht und was fasziniert Julia am Steuer- und Stiftungsrecht? Wie beeinflussen menschliche Faktoren ihre Arbeit in diesen Rechtsgebieten? Außerdem diskutieren wir die Voraussetzungen und Chancen einer Anwaltsstation bei Esche. Sind gute Noten wirklich alles, oder zählt vielleicht doch mehr die Einstellung und Motivation? Wie wichtig ist die Teamchemie für eine erfolgreiche Karriere und welche Rolle spielen dabei die persönlichen Interessen? Wir erkunden die Flexibilität in der Karrieregestaltung bei Esche, inklusive der Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten und gleichzeitig zu promovieren. Welche Risiken und Chancen ergeben sich daraus? Wie schaffen es Julia und Christian, eine ausgewogene Work-Life-Balance zu halten und gleichzeitig ihre Mandanten effektiv zu vertreten? Zum Schluss sprechen wir über die Bedeutung unternehmerischen Denkens in der Anwaltschaft sowie gute Fehlerkultur. Wie gehen unsere Gäste mit Fehlern um und was können wir daraus lernen? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt’s in Eurem Jurapodcast. Viel Spaß!
IMR162: Work-Life-Balance, Gesellschaftsrecht, Verhandlungsmanagement
mit Andreas Masuch
IMR - Folge 162, heute mit Dr. Andreas Masuch von Melchers Rechtsanwälte in Heidelberg. Melchers ist eine mittelständische Kanzlei, die eng mit Steuerberatern zusammenarbeitet - vor allem in Andreas' Rechtsgebieten, dem Handels- und Gesellschaftsrecht. Insoweit profitiert er noch heute von seiner wirtschaftswissenschaftlichen Zusatzausbildung, die er parallel zu seinem Studium in Bayreuth absolviert hat. Wie schafft man diese beiden Ausbildungen parallel? Wie kann man hiervon als Anwalt profitieren? Warum sollte man mehr als reiner "Rechtsberater" sein? Was macht aus Andreas' Sicht eine gute Verhandlung aus? Wie stellen die Partner:innen von Melchers inklusive Andreas sicher, dass jede Berufseinsteigerin und jeder Berufseinsteiger bei ihnen Partner:in werden können, sobald die wirtschaftlichen Parameter passen? Antworten auf diese und viele weitere spannende Punkte zur Mittelstandsberatung in Süddeutschland erhaltet Ihr in dieser Folge von Irgendwas mit Recht. Viel Freude beim Anhören!
