Inhaltsüberblick
Zeitmanagement in der Examensvorbereitung: Den Stoff bewältigen, ohne sich zu verlieren
Die Examensvorbereitung im Jurastudium ist ein Marathon, kein Sprint – und gutes Zeitmanagement ist der entscheidende Faktor, der erfolgreiche Kandidaten von überforderten unterscheidet. Mit drei großen Rechtsgebieten, hunderten examensrelevanten Problemen und dem Druck, alles gleichzeitig beherrschen zu müssen, fühlen sich viele Examenskandidaten schnell überwältigt. Doch wer seine Zeit bewusst plant und Prioritäten setzt, kann die Stoffmenge beherrschbar machen.
Das Grundprinzip: Zeitblöcke und Rhythmus
Erfolgreiche Examenskandidaten arbeiten mit festen Zeitblöcken statt mit vagen Tageslisten. Ein typischer Lerntag umfasst 6 bis 8 Stunden effektive Lernzeit – mehr ist langfristig kontraproduktiv. In Episode 12 berichtet Daniella Domokos, wie sie neben Studium und Legal-Tech-Projekten ihr Zeitmanagement optimiert hat. Die Übertragung auf die Examensvorbereitung ist klar: Wer auch außerhalb des Lernens strukturiert und diszipliniert arbeitet, bringt diese Fähigkeiten in die Vorbereitung mit.
Ein bewährter Wochenrhythmus sieht so aus:
- Montag bis Freitag: Fokussiertes Lernen in 2 bis 3 Blöcken à 90 Minuten mit Pausen dazwischen
- Samstag: Probeklausur unter Realbedingungen (5 Stunden) plus Nachbereitung
- Sonntag: Komplett frei oder nur leichte Wiederholung
Priorisierung: Nicht alles ist gleich wichtig
Ein häufiger Fehler in der Examensvorbereitung ist der Versuch, jeden Winkel des Stoffs gleichmäßig zu durchdringen. Gutes Zeitmanagement bedeutet, die examensrelevanten Kernbereiche zu identifizieren und dort die meiste Zeit zu investieren. In Episode 265 wird das Konzept der „Leitplanken und Grundstrukturen“ vorgestellt – ein Ansatz, der hilft, den Stoff auf das Wesentliche zu reduzieren und sich nicht in Detailfragen zu verlieren.
Das Pareto-Prinzip gilt auch für die Examensvorbereitung: 80 Prozent der Examensrelevanz stecken in 20 Prozent des Stoffs. Wer diese Kernbereiche sicher beherrscht, hat eine solide Basis, auf der sich auch unbekannte Probleme lösen lassen.
Zeitfresser identifizieren und eliminieren
Zu den größten Zeitfressern in der Examensvorbereitung gehören passives Lesen, übermäßiges Markieren, zielloses Internet-Recherchieren und perfektionistisches Aufarbeiten von Randthemen. Clemens Engelhardt reflektiert in Episode 54 über die Balance zwischen Gründlichkeit und Effizienz im Jurastudium. Die Lektion für Examenskandidaten: Nicht jedes Thema verdient die gleiche Aufmerksamkeit.
Auch das Zeitmanagement in der Klausur selbst will trainiert sein. Anna Masser beschreibt in Episode 109 die strukturierte Vorbereitung auf mündliche Verhandlungen – eine Fähigkeit, die auch bei der Zeiteinteilung in Klausuren hilft: Wer den Überblick behält und Schwerpunkte erkennt, verliert keine kostbare Zeit mit Nebensächlichem.
Vereinbarkeit von Examensvorbereitung und Leben
Die Examensvorbereitung findet nicht im Vakuum statt. Viele Kandidaten müssen Nebenjobs, Familie oder gesundheitliche Einschränkungen mit dem Lernpensum vereinbaren. Anna-Katharina Friese-Okoro zeigt in Episode 272, wie sich Partnerschaft und Karriere vereinbaren lassen – ein Thema, das für Examenskandidaten mit Familie hochrelevant ist.
Auch der Vis Moot Court und andere außercurriculare Aktivitäten können das Zeitmanagement herausfordern – aber auch bereichern. Christian Steger berichtet in Episode 2 von seinen Erfahrungen und wie das strukturierte Arbeiten unter Druck beim Moot Court die spätere Examensvorbereitung erleichtert hat.
Fragen & Antworten
10 Antworten aus Podcast-Episoden
Größter Fehler: zu wenig Übung. Ich empfehle hundert Probeklausuren pro Examen – realistisch werden es fünfzig bis achtzig. Man lernt dabei Struktur, Zeitmanagement und pointierten Gutachtenstil. Fußnoten-Orchester und Füllwörter beeindrucken keinen Korrektor; sauber gelöste Fälle sichern Punkte.
Aus Episode #54
IMR054: Jurastudium, Anwaltsberuf und faire Honorare | Interview Rechtsanwalt
mit Prof. Dr. Clemens Engelhardt
Das sagen unsere Experten
„Zeitmanagement beginnt mit der Erkenntnis, dass man nicht alles lernen kann. Den Mut zu haben, Themen bewusst auszulassen, ist eine der wichtigsten Fähigkeiten in der Examensvorbereitung.“
„Neben Studium und Projekten muss man Zeitmanagement regelrecht trainieren. Wer früh lernt, sich selbst zu organisieren, hat in der Examensvorbereitung einen riesigen Vorsprung.“
„Als Richter sehe ich regelmäßig, was gutes Zeitmanagement in der Klausur ausmacht: Die besten Arbeiten erkennen die Schwerpunkte und setzen dort ihre Akzente, statt alles gleichmäßig abzuhandeln.“
„Lernmotivation und Zeitmanagement hängen direkt zusammen. Wer seine Zeit gut einteilt und Erfolge sichtbar macht, bleibt motiviert – und wer motiviert ist, nutzt seine Zeit besser.“
„Der Vis Moot Court hat mir mehr über Zeitmanagement beigebracht als jedes Seminar. Unter echtem Deadlinedruck lernt man, was wirklich zählt und was man weglassen kann.“
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
15 relevante Podcast-Folgen
IME019: Examensvorbereitung Strafrecht, Leitplanken und Grundstrukturen, StPO-Zusatzfrage, Lerntyp kennen, psychische Hürden überwinden
mit Prof. Dr. Charlotte Schmitt-Leonardy
In dieser zweiten Episode von „Irgendwas mit Examen – Strafrechtsedition“ beleuchten Prof. Dr. Charlotte Schmitt-Leonardy und Marc die grundsätzlichen Herausforderungen des strafrechtlichen Staatsexamens, insbesondere die psychischen Hürden, die viele Studierende überwinden müssen. Hört in dieser zweiten Einführungsfolge, wie Ihr mit der StPO-Zusatzfrage umgehen solltet und wie Ihr Euch auf den großen Schreibaufwand im Strafrecht vorbereitet. Zudem thematisieren wir Zeitmanagement, Prüfungsstrategien und häufige Fehler in der Fallbearbeitung. Praktische Tipps zur Examensvorbereitung, wie die Analyse des eigenen Lerntyps und die große Wichtigkeit von Lerngruppen, runden die Episode ab. Viel Spaß! PS: Reicht uns gerne Eure Examensfrage per WhatsApp ein!
IMR012: (Woman of) Legal Tech und Zeitmanagement | Interview Juristin
mit Daniella Domokos
Daniella Domokos im Interview über die Bildung eines persönlichen Profils und welche Zukunftsskills tatsächlich wichtig werden. Müssen Juristen programmieren können? Warum ist technisches Verständnis Grundvoraussetzung für große Teile der juristischen Beratung? Sei gespannt auf Hintergründe zu ihrem Legal-Tech-Blog und die Antwort auf die Frage, warum ein digitales Mindset vermeintlich unerlässlich ist. Schließlich unterhalten wir uns über die Frage, wie man Reichweite generiert und dank sinnvollem Zeitmanagement sein Studium dennoch meistert.
IMR304: Verdacht auf Steuerhinterziehung, Wirtschaftsstrafrecht, berufsbegleitende Promotion, Kanzleikultur und Womens Brunch
mit Hanja Rebell-Houben
In dieser Folge spricht Marc in Mannheim mit Hanja Rebell-Houben, die auf das Wirtschaftsstrafrecht spezialisiert ist. Nach ihrem Jurastudium in Heidelberg und dem Referendariat in Heilbronn und Stuttgart startete Hanja ihre Karriere zunächst bei Kompert & Schmidt, bevor sie als Partnerin zur Kanzlei Melchers wechselte. Im Interview geht es um steuerstrafrechtliche Fragestellungen, typische Fälle wie das Umsatzsteuerkarussell oder die verdeckte Gewinnausschüttung und die Herausforderungen, Mandanten bei Durchsuchungen durch die Steuerfahndung zu begleiten. Außerdem berichtet Hanja, wie sie berufsbegleitend promoviert und gibt Einblicke in das interne Förderprogramm bei Melchers, etwa den Women’s Brunch. Wie läuft eine Durchsuchung praktisch ab und welche Rechte haben Betroffene? Was reizt sie an der Arbeit mit dem Wirtschaftsstrafrecht im Vergleich zu anderen Rechtsgebieten? Welche Synergieeffekte entstehen durch den Wechsel von der Boutique-Kanzlei in ein größeres Team? Wie gelingt bei all dem effektives Zeitmanagement zwischen Beruf, Familie und Promotion? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
IMR254: Vom Anwalt / Berater / Repetitor zur Weltumseglung und zur Karriere als selbstständiger Solaranlagenbauer – mit Jura kann man (fast) alles machen!
mit Dr. Ronald Fethke
In dieser Folge von Irgendwas mit Recht tauchen wir ein in die facettenreiche Karriere von Dr. Ronald Fetke, einem Juristen mit einem ungewöhnlich bunten Lebenslauf. Ronald erzählt, wie sein Weg von den Anfängen als Fahrradkurier in Rostock über das Jurastudium in Leipzig zum Repetitor, Unternehmensberater und schließlich zum Rechtsanwalt führte. Sein persönlicher Werdegang bietet nicht nur interessante Einblicke in die juristische Ausbildung, sondern auch in die Herausforderungen und unerwarteten Wendungen, die nach einem Jurastudium möglich sind. Denn mit Jura kann man (fast) alles machen... Nach dem ersten Staatsexamen entschied sich Ronald, direkt zu promovieren und seine Kenntnisse in der Insolvenzverwaltung sowohl in Spanien als auch in Deutschland zu vertiefen. Trotz der Herausforderungen, die diese Zeit mit sich brachte, insbesondere in Bezug auf Zeitmanagement und Selbstdisziplin, schloss er sein Promotionsprojekt in nur 14 Monaten ab. Das Referendariat in Hamburg war ein Praxisschock, da die Realität des Richter- und Anwaltslebens nicht seinen Erwartungen entsprach. Ronald erklärt, dass er schon früh gemerkt hat, dass er sich in einem rein juristischen Arbeitsumfeld nicht wohl fühlt und daraufhin die Entscheidung getroffen hat, in die Unternehmensberatung zu gehen. Die Zeit dort brachte ihm wertvolle Einblicke, aber auch wichtige Lektionen, insbesondere in Bezug auf zwischenmenschliche Kommunikation und den Umgang mit Kunden. Leider war der Erfolg dieses Unternehmens nicht von Dauer und Ronald beschloss, sich nunmehr auf das Unterrichten zu konzentrieren. Er übernahm sowohl Prüfungskurse als auch die Funktion des geschäftsführenden Gesellschafters eines Repetitoriums, was ihm schließlich viel Freude bereitete. Seine Abenteuer- und Reiselust führte Ronald und seine Frau schließlich zum Segeln. Sie planten eine große Reise und verkauften ihr Haus, um 2020 in See zu stechen. Zwei Jahre lang wollten sie als Familie segeln und die Welt erkunden. Ronald erzählt von seinen Erlebnissen auf See und betont, wie die Erfahrungen auf dem Wasser und die Freiheit des Reisens seine Sicht auf das Leben und seine eigene Berufung beeinflusst haben. Am Ende dieser Episode wird deutlich, dass sein einzigartiger Werdegang nicht nur eine Geschichte juristischer Kompetenz ist, sondern auch eine Geschichte von Mut, Ausdauer und dem Wunsch, ein erfülltes und abwechslungsreiches Leben zu führen. Viel Spaß mit dieser neuesten Folge Eures Jurapodcasts!
