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Mündliche Prüfung im Staatsexamen: So überzeugst du die Prüfer

Meistere die mündliche Prüfung im Staatsexamen. Erfahre wertvolle Tipps von Prüfern und Absolventen zu Aktenvortrag, Vorbereitung und Prüfungsgespräch.

30 Fragen beantwortet
23 Podcast-Episoden
14 Experten
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf · Aktualisiert Januar 2026

Inhaltsüberblick

Deine finale Hürde: Die mündliche Prüfung im Staatsexamen souverän meistern

Herzlichen Glückwunsch! Wenn Du Dich mit dem Thema mündliche Prüfung im Staatsexamen beschäftigst, hast Du den schriftlichen Teil meist schon hinter Dir oder planst bereits strategisch für das große Finale. Die mündliche Prüfung gilt oft als die „Black Box“ des Jurastudiums. Während Du in den Klausuren allein mit Deinem Gesetzestext und dem Papier kämpfst, zählt hier die Unmittelbarkeit: Deine Präsenz, Deine Rhetorik und Deine Fähigkeit, juristische Probleme im Dialog zu lösen.

Doch keine Sorge – die mündliche Prüfung ist kein Schafott, sondern eine Chance. Wie Prof. Dr. h.c. Barbara Dauner-Lieb in Episode 60 betont, geht es den Prüfenden nicht darum, Dich in die Falle zu locken. Vielmehr ist die Prüfung ein Gespräch auf Augenhöhe, bei dem getestet wird, ob Du methodisch sauber arbeiten kannst. In diesem Guide erfährst Du, wie Du Dich optimal vorbereitest, welche Rolle der Aktenvortrag spielt und warum Mut zur eigenen Meinung oft besser bewertet wird als das bloße Herunterbeten von Meinungsstreits.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus über 300 Episoden „Irgendwas mit Recht“

  • Gespräch auf Augenhöhe: Prüfer möchten sehen, ob Du als künftige Kollegin oder künftiger Kollege verlässlich und pragmatisch Probleme lösen kannst. Es geht weniger um Detailwissen als um das juristische Handwerk (Episode 60).
  • Mut zur Lücke und zur eigenen Meinung: Wer eine abweichende Ansicht gut begründet vertritt, demonstriert juristisches Rückgrat. Simon Pschorr berichtet in Episode 140, dass gerade das Abweichen von der Musterlösung den Ausschuss überzeugen kann.
  • Strategische Vorbereitung: Die Recherche Deiner Prüfer ist essenziell. Max Lieb erklärt in Episode 68, wie er durch die Analyse von Lebensläufen und Forschungsschwerpunkten der Prüfer passgenaue Schwerpunkte in seiner Vorbereitung setzen konnte.
  • Aktualität ist Trumpf: In der mündlichen Prüfung wird oft aktuelles Zeitgeschehen mit juristischer Dogmatik verknüpft. Nutze Ressourcen wie den FAZ-Einspruch-Podcast oder spezielle Rechtsprechungspodcasts, um tagesaktuelle Themen einordnen zu können (Episode 38, Episode 69).
  • Simulation ist alles: Während man Stoff allein lernt, sollte man die Prüfungssituation unbedingt in der Gruppe trainieren. Barbara Dauner-Lieb rät in Episode 87 dazu, das laute Sprechen und Argumentieren aktiv zu üben.

Die Relevanz dieses Prüfungsteils darf nicht unterschätzt werden. Oft entscheiden die wenigen Stunden im Prüfungsamt über das Erreichen des Prädikats oder den Sprung in die nächste Notenstufe. Dabei spielt auch die psychologische Komponente eine Rolle: Wer mit einem realistischen Ziel – etwa einem soliden Acht-Punkte-Schnitt – in die Prüfung geht, vermeidet lähmende Verkrampfung (Episode 157).

Fragen & Antworten

30 Antworten aus Podcast-Episoden

Erst den eigenen Lerntyp kennen. Ich war der Karteikarten-Mensch: kurz, häufig, mit digitaler Wiedervorlage. Andere speichern ein Schema nach einmaligem Lesen. Zwing dich nicht in fremde Methoden. Beherrsche Basics und Standardprobleme; Exotisches kostet nur Zeit. Wiederhole regelmäßig, bearbeite Fälle, übe Struktur. Für die mündliche Prüfung: aktuelle Rechtsprechungspodcasts hören und Themen tagesaktuell einordnen.

IMR069: Verwaltungsgerichtsbarkeit | Interview Richter

Aus Episode #69

IMR069: Verwaltungsgerichtsbarkeit | Interview Richter

mit Dr. Jens Milker

Das sagen unsere Experten

Die Vorbereitung auf die mündliche Prüfung unterscheidet sich fundamental vom Lernen für die Klausuren. Hier kommen Experten zu Wort, die entweder selbst prüfen oder das Examen mit Bravour bestanden haben.

Ich will dort testen, ob wir uns juristisch auf Augenhöhe unterhalten können. Es geht weniger um das korrekte Ergebnis eines Falls als darum, ob Sie pragmatisch, methodisch sauber und verlässlich Probleme besprechen können – genau so, wie ich morgen mit Ihnen als Referendarin arbeiten müsste.

Diese Analyse von Prof. Dauner-Lieb verdeutlicht, dass die mündliche Prüfung im Staatsexamen eine Simulation des Berufsalltags ist. Ein Richter oder ein Partner in einer Kanzlei möchte wissen, ob man ihm eine fundierte Entscheidungshilfe liefern kann. Es geht um Verlässlichkeit im Denken.

Ich präsentierte bewusst eine von der offiziellen Lösung abweichende Ansicht – mit klarer Begründung. Der Mut, offen zu argumentieren, überzeugte den Ausschuss. Mir wurde klar: In der Prüfung zählt eine vertretbare, gut vorgetragene Position mehr als schematisches Nachbeten.

Simon Pschorr macht Mut: Wer die juristische Methodik beherrscht, darf und soll sogar eigene Wege gehen. Das zeigt, dass Du nicht nur auswendig gelernt hast, sondern das System verstanden hast. Das ist besonders wichtig, wenn der Fall im Aktenvortrag „auf dem Papier nicht ordentlich geradeaus“ zu lösen scheint.

Zwei Monate vorher recherchierte ich jeden Prüfer: Lebenslauf, Forschungsschwerpunkte, Gerichtsposition. Anhand dieser Profile las ich vertieft – besonders im Strafrecht, meinem Vortragsthema. So konnte ich in der Prüfung passgenau ins Gespräch kommen.

Die Vorbereitung ist laut Max Lieb auch eine Frage der Recherche. Wenn Du weißt, dass ein Prüfer am BGH tätig ist oder zu einem bestimmten Thema habilitiert hat, kannst Du Deine Schwerpunkte klug setzen. Es geht nicht um „Prüfer-Raten“, sondern um eine professionelle Vorbereitung auf Dein Gegenüber.

Ich würde zunächst den BGH-Beschluss schildern, dann den Bundesratsentwurf erwähnen und schließlich aufzeigen, dass die Strafzumessung Raum für harte Sanktionen bietet. So demonstrieren Sie Aktualitätsbewusstsein und dogmatische Tiefe zugleich.

Prof. Dr. Schmitt-Leonardy zeigt hier am Beispiel der K.O.-Tropfen, wie man rechtspolitische Entwicklungen in das Prüfungsgespräch einwebt. Wer den Bogen von der aktuellen Gesetzgebung zur dogmatischen Einordnung (z.B. §§ 244, 250 StGB) spannt, punktet im oberen Notenbereich.

Zusammenfassende Handlungsempfehlung

Kombiniere Dein Fachwissen mit einer strategischen Vorbereitung: Recherchiere Deine Kommission, bleibe bei aktuellen rechtspolitischen Themen am Ball und übe vor allem das Sprechen. Die mündliche Prüfung ist eine Performance – und jede Performance wird durch Proben besser.

Vertiefung: Mündliche Prüfung im Detail

Um in der mündlichen Prüfung wirklich zu glänzen, muss man die verschiedenen Bestandteile verstehen. Im ersten Staatsexamen liegt der Fokus oft auf dem Prüfungsgespräch, während im zweiten Staatsexamen der Aktenvortrag eine zentrale Rolle einnimmt.

Der Aktenvortrag: Deine Rolle als Berichterstatter

Wie Jens Milker in Episode 134 erläutert, ist der Aktenvortrag keine Schikane, sondern trainiert eine Kernkompetenz des juristischen Arbeitens. Du schlüpfst in die Rolle eines Berichterstatters am Gericht oder eines Anwalts, der seinem Partner den Fall präsentiert. Ziel ist es, den Sachverhalt prägnant aufzubereiten, die rechtlichen Probleme zu benennen und eine klare Entscheidungsempfehlung zu geben. Eine strukturierte Darstellung ist hier oft wichtiger als die Lösung des letzten exotischen Rechtsproblems.

Lernstrategien: Solo vs. Gruppe

Ein häufiger Fehler ist es, die mündliche Prüfung genauso wie die schriftliche vorzubereiten. Barbara Dauner-Lieb betont in Episode 87, dass die Aneignung des Stoffes zwar zwingend allein geschehen muss, die Vertiefung aber in der Gruppe stattfinden sollte. Diskutiere Fälle, simuliere Prüfungssituationen und lass Dich von Deinen Mitstreitern kritisch hinterfragen. Das schult die Reaktionsgeschwindigkeit und die rhetorische Sicherheit.

Warum die Note den Aufwand wert ist

Die mündliche Prüfung kann die Gesamtnote erheblich beeinflussen. In der juristischen Arbeitswelt hängen Einstiegsgehälter und Karrierechancen massiv vom Examen ab. Während im öffentlichen Dienst (R1/A13) die Besoldung bei ca. 58.000 € bis 70.000 € startet, zahlen Top-Großkanzleien für Prädikatsjuristen mittlerweile zwischen 140.000 € und 180.000 € (Quelle: JUVE/TalentRocket). Auch Boutiquen und DAX-Konzerne suchen gezielt nach Kandidaten, die nicht nur auf dem Papier gut sind, sondern auch im persönlichen Gespräch – also in der „mündlichen Prüfung“ des Berufslebens – überzeugen.

Methodik vor Detailwissen

Verliere Dich nicht in Spezialproblemen. Beherrsche die Basics, die Anspruchsgrundlagen und den Gutachtensstil perfekt. In der mündlichen Prüfung wird oft bei den Grundlagen angesetzt. Wer hier schwimmt, kann auch mit Spezialwissen im Erbrecht nicht mehr viel retten. Nutze Podcasts wie „Irgendwas mit Recht“ oder „FAZ Einspruch“, um ein Gefühl für die juristische Sprache und aktuelle Diskussionen zu bekommen (Episode 38, Episode 69).

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.

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IMR060: Mündliche Prüfung im juristischen Staatsexamen | Interview Prüferin
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IMR060: Mündliche Prüfung im juristischen Staatsexamen | Interview Prüferin

mit Prof. Dr. Dr. h.c. Barbara Dauner-Lieb

Ein Blick in die (vermeintliche) Black Box mündliche Examensprüfung: Im Gespräch mit Frau Prof. Dr. Dr. h.c. Dauner-Lieb, die langjährige Prüferin und Prüfungskommissionsvorsitzende im Staatsexamen in NRW ist. Auf welche Fähigkeiten achten Prüfer tatsächlich? Warum spielt Detailwissen eine deutlich geringere Rolle als gedacht? Weshalb ist ein vermeintlich unbekannter Sachverhalt dankbar? Was bespricht die Prüfungskomission abseits des Tisches? Das und vieles mehr erfahrt Ihr in dieser Episode von Irgendwas mit Recht – damit Ihr typische Fehler in der mündlichen Examensprüfung vermeidet, euch erfolgreich vorbereiten könnt und mit einem ordentlichen Notenschub aus der selbigen herauskommt. Happy listening! 🎉

IMR114: 10000 Examensklausuren und Staatsexamen behind the scenes
#114

IMR114: 10000 Examensklausuren und Staatsexamen behind the scenes

mit Frank Wamser

In der heutigen Folge erfahrt Ihr, was Prüfer*innen im Staatsexamen wirklich wichtig ist: Dr. Frank Wamser berichtet von seiner Tätigkeit als Leiter des hessischen Justizprüfungsamts, als Vizepräsident am Landgericht Gießen und in der Landesvertretung des Landes Hessen in der EU in Brüssel. Welche Aufgaben nimmt ein Justizprüfungsamt eigentlich wahr? Wie werden Prüfungen konzipiert und wie lange braucht ein erfahrener Prüfer*innen, um eine Klausur selbst zu lösen bzw. korrigieren? Was ist Prüfer*innen bei der Korrektur wirklich wichtig? Wie könnt Ihr euch mit einfachen Tricks steigern? Ist die Handschrift wirklich so wichtig? Abschließend gibt es noch einige spannende Einblicke in die mündliche Prüfung und in die Ausbildung als Prüfer*in im Staatsexamen. Kurzum: In dieser Folge kommen nicht nur Studierende und Referendar*innen auf ihre Kosten! Viel Spaß!

IMR093: Richter im Strafrecht am Landgericht | Interview Richter
#93

IMR093: Richter im Strafrecht am Landgericht | Interview Richter

mit Uwe Tetzlaff

In der heutigen Folge des Jura-Karrierepodcasts geht es um den Beruf des Strafrichters und seine vielseitigen Facetten. Im Referendariat absolvierte Herr Tetzlaff eine Station am Sozialgericht, zwischenzeitlich hat er bei der Staatsanwaltschaft in Ulm gearbeitet und heute ist er Richter am LG Stuttgart in Strafsachen. Hier ist er als Richter am Schwurgericht tätig, wo er beispielsweise die Verhandlung rund um den "Stuttgarter Schwertmörder" leitete. Er beleuchtet, wie ein Verfahren abläuft und berichtet über seine ungewöhnlichsten Fälle. Außerdem prüft Herr Tetzlaff in Baden-Württemberg im ersten und im zweiten Staatsexamen. Heute gibt er einen Einblick, was vor allem in der mündlichen Prüfung ausschlaggebend für eine gute Note ist und welche typischen Fehler Ihr vermeiden könnt. Auch der ein oder andere Tipp für Student*innen ist dabei. Viel Spaß!

IMR237: Notenroulette im Staatsexamen, Massive Abweichungen bei Benotungen, (Keine) Doppelblindkorrektur, Lebenszeitkonto an Klausurpunkten
#237

IMR237: Notenroulette im Staatsexamen, Massive Abweichungen bei Benotungen, (Keine) Doppelblindkorrektur, Lebenszeitkonto an Klausurpunkten

mit Clemens Hufeld

Die Klausur war gefühlt recht gut - aber der Korrektor hat sie dennoch nur mit 7 Punkten bewertet? In der Lösungsskizze steht auch nicht großartig etwas anders als Ihr geschrieben habt? Dann könnte das tatsächlich (auch) am Korrektur liegen: Clemens Hufeld zeigt in seiner Veröffentlichung in der ZDRW, dass die durchschnittliche Bandbreite bei der juristischen Benotung über 6 Punkte ist. Ja, Ihr habt richtig gelesen: Dieselbe Klausur, mehrere Korrekturen - durchschnittlich ca. 2 Notenstufen unterschied. Wie hat Clemens seine dahingehende Studie aufgebaut? Was wünscht er sich für die Zukunft des Prüfungswesens? Wie kann man trotz dieses Wissens in der Examensvorbereitung motiviert bleiben? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in Folge 237 von Felix. Viel Spaß beim Anhören!