Inhaltsüberblick
Jura studieren: Lohnt sich das Jurastudium noch?
Die Frage, ob sich ein Jurastudium im Jahr 2026 noch lohnt, beschäftigt Abiturienten, Studierende und ihre Familien gleichermaßen. Angesichts von Legal Tech, Künstlicher Intelligenz und veränderten Arbeitsmärkten scheint die juristische Berufswelt im Wandel – doch gerade dieser Wandel eröffnet für Juristinnen und Juristen neue, spannende Möglichkeiten.
Die klare Antwort aus über 350 Podcast-Episoden mit Juristinnen und Juristen aus allen Karrierebereichen: Ja, Jura studieren lohnt sich – mehr denn je. Aber nicht für jeden auf die gleiche Weise. Das Jurastudium bietet eine einzigartige Kombination aus analytischem Denken, Argumentationsfähigkeit und gesellschaftlicher Relevanz, die in kaum einem anderen Studiengang so konsequent trainiert wird (vgl. Episode 155).
Die Vielfalt juristischer Karrierewege
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Jura nur in die Kanzlei oder den Staatsdienst führt. Die Realität zeigt ein enorm vielfältiges Berufsbild: Von der Großkanzlei über die Rechtsabteilung internationaler Konzerne, den öffentlichen Dienst, die Richterschaft, den Journalismus bis hin zu Legal-Tech-Start-ups und der Unternehmensberatung – juristische Kompetenzen sind in nahezu allen Bereichen gefragt.
Besonders eindrucksvoll zeigen dies Gäste des Podcasts, die ungewöhnliche Karrierewege eingeschlagen haben: vom Juristen zum Kunst-Shootingstar (vgl. Episode 52), vom Studium zum Rechtsjournalismus (vgl. Episode 252) oder von der Kanzlei in die Welt der IP-Rechte und Patente (vgl. Episode 272).
Arbeitsmarkt und Gehaltsaussichten
Der juristische Arbeitsmarkt ist trotz aller Veränderungen robust und nachfragegetrieben. Der demografische Wandel führt dazu, dass in den kommenden Jahren viele Juristinnen und Juristen in den Ruhestand gehen – der Bedarf an Nachwuchs ist hoch. Das gilt für Kanzleien ebenso wie für den öffentlichen Dienst und die Wirtschaft.
Die Gehaltsaussichten sind im Vergleich zu anderen Studienfächern überdurchschnittlich. Einstiegsgehälter in Großkanzleien liegen bei 100.000 bis 160.000 Euro jährlich, im öffentlichen Dienst nach R-Besoldung, und auch mittelständische Kanzleien und Rechtsabteilungen bieten attraktive Vergütungen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Examensnote, sondern zunehmend auch die Spezialisierung und praktische Erfahrung (vgl. Episode 333).
Herausforderungen des Jurastudiums
Wer Jura studieren möchte, sollte die besonderen Herausforderungen kennen: Das Studium ist lang, der Stoff umfangreich, und das Staatsexamen als alles-entscheidende Prüfung erzeugt erheblichen Druck. Die Durchfallquoten sind höher als in vielen anderen Fächern, und die Bewertungskultur kann frustrierend sein.
Gleichzeitig gibt es immer mehr Unterstützungsangebote: Lerngruppen, digitale Lerntools, Mentoring-Programme und eine wachsende Diskussion über die psychische Gesundheit im Jurastudium sorgen dafür, dass Studierende nicht allein gelassen werden. Die Erfahrung zeigt: Wer sich gut organisiert, Unterstützung annimmt und frühzeitig Praxiserfahrung sammelt, kann das Studium erfolgreich meistern (vgl. Episode 251).
Für wen eignet sich das Jurastudium?
Das Jurastudium eignet sich für Menschen, die gerne analytisch denken, sich für gesellschaftliche Zusammenhänge interessieren und Freude an präziser Sprache haben. Es ist kein Studium, das man „mal so“ durchläuft – es erfordert Disziplin, Durchhaltevermögen und intrinsische Motivation.
Dabei ist die Vorstellung, man müsse aus einer Juristenfamilie kommen oder schon als Schülerin oder Schüler juristisch denken können, ein Mythos. Viele der erfolgreichsten Gäste im Podcast sind Erstakademiker, Quereinsteiger oder kamen über Umwege zum Jurastudium – und haben gerade deshalb eine einzigartige Perspektive mitgebracht (vgl. Episode 328).
Das sagen unsere Experten
„Jura studieren lohnt sich, weil man lernt, komplexe Probleme systematisch zu lösen – das ist eine Fähigkeit, die in jeder Branche gefragt ist. Ob in der Kanzlei, im Unternehmen oder in der Politik: Juristisches Denken öffnet Türen, die man am Anfang des Studiums noch gar nicht sieht.“
„Als Ukrainerin in Deutschland Jura zu studieren war eine riesige Herausforderung – Deutsch lernen, Gutachtenstil verstehen, mich in einer fremden Rechtsordnung zurechtfinden. Aber genau das hat mich stärker gemacht. Heute arbeite ich in einer Wirtschaftskanzlei und bin stolz auf meinen Weg.“
„Der juristische Arbeitsmarkt ist so vielfältig wie nie zuvor. Wer sich nicht auf die klassische Kanzleikarriere beschränkt, sondern auch Bereiche wie Compliance, Legal Tech oder Rechtsabteilungen in Betracht zieht, findet garantiert seinen Platz. Das Jurastudium ist eine der vielseitigsten Ausbildungen überhaupt.“
„Ich habe als Erstakademiker Jura studiert und mich bewusst gegen die Großkanzlei entschieden. Im öffentlichen Dienst kann man mit juristischer Kompetenz ganze Verwaltungsstrukturen gestalten – das ist eine unglaublich sinnstiftende Tätigkeit, die viele Jurastudierende gar nicht auf dem Schirm haben.“
„Nur Jura können reicht halt nicht – aber wer neben dem Fachlichen auch Kommunikationsfähigkeit, Empathie und unternehmerisches Denken mitbringt, hat mit einem Jurastudium die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche und erfüllende Karriere.“
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
22 relevante Podcast-Folgen
IMR089: (Jura international) Arabische Staaten | Interview Rechtsanwalt
mit Alexander Hiller
In der heutigen Episode berichtet Alexander Hiller von seinem Auslandsstudium in Ägypten während des arabischen Frühlings. Ihr erfahrt, welche Unterschiede sowohl in der Studien- als auch der Arbeitskultur zwischen Deutschland und Ägypten bestehen und warum sich ein Auslandsaufenthalt während des Jurastudiums auf jeden Fall lohnt. Außerdem sprechen wir darüber, wie der Auslandsaufenthalt sein Promotionsthema und sogar seine heutige berufliche Tätigkeit im internationalen Schiedsrecht maßgeblich beeinflusst hat. Zuletzt gibt Alexander einige hilfreiche Tipps, um das Jurastudium selbst in Zeiten von Corona interessanter und bunter zu gestalten. Viel Spaß beim Zuhören!
IMR251: Als Ukrainerin in Deutschland Jura studieren, Deutsch lernen und Gutachtenstil, Berufseinstieg in der Wirtschaftskanzlei
mit Anastasia Dressler
In der 251. Episode von Irgendwas mit Recht ist Rechtsanwältin Anastasia Dressler zu Gast, die von ihrem beeindruckenden Werdegang erzählt. Ursprünglich aus der Ukraine stammend, kam sie während der Finanzkrise nach Deutschland und musste sich nicht nur in einem neuen Land, sondern auch im deutschen Rechtssystem zurechtfinden – und das alles, während sie die Sprache erst erlernte. Wie hat sie es geschafft, Jura zu studieren und gleichzeitig Deutsch zu lernen? Was sind ihre Tipps, um mit dem hohen Druck während des Studiums und der Arbeit in einer Großkanzlei umzugehen? Und warum ist Networking für sie so essenziell in ihrer Karriere? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Freude mit dieser neuen Episode Eures Jurapodcasts!
IME001: How to Jurastudium, FAQ, Orientierungshilfe Jura studieren (Spezial)
mit Prof. Dr. Dr. h.c. Barbara Dauner-Lieb
In Folge 155 von Eurem Jura-Karrierepodcast ist ein allseits bekanntes Gesicht zu Gast: Prof. Dr. Dr. h.c. Dauner-Lieb. Die Episode startet mit einer Ankündigung: Ab Mai 2023 wird es mit Prof. Dauner-Lieb bei IMR eine dauerhafte Serie zur zivilrechtlichen Examensvorbereitung geben: "Irgendwas mit Examen". Immer donnerstags erhaltet Ihr wertvollen Input zu allen examensrelevanten Themen im Zivilrecht. Dies ist die perfekte Begleitung zu Eurem Lernplan, Repetitorium sowie Eurer Lerngruppe. Anschließend besprechend wir die häufigsten Fragen, die uns bezüglich des Jurastudiums erreicht haben, wobei wir die Perspektive von Studienanfängern einnehmen. Wie sieht eine gute juristische Klausur aus? Wie ist das Jurastudium aufgebaut? Aus welcher Motivation heraus sollte man Jura studieren - und wann vielleicht auch besser nicht? Warum bedarf es neben den Staatsexamen eines zusätzlichen Bachelor-Abschlusses? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt es im Podcast. Viel Spaß mit diesem Spezial um Einstieg in Euer Jurastudium!
IMR298: Berufseinstieg in München, Wahlstation in London, LL.M. in Chicago
mit Fabian Waterhölter
In der 298. Episode von IMR begrüßt Marc Fabian Waterhölter von Kirkland & Ellis aus München. Fabian spricht über seinen frühen Entschluss, Jura zu studieren, die Faszination für logisches Arbeiten, aber auch über seinen Studienstart in Hamburg und wie eher wenig konkrete Erwartungen ihm geholfen haben, offen an das Jurastudium heranzugehen. Es geht um seinen Weg über das erste Examen mitten in der Corona-Pandemie und die Entscheidung für einen LLM in den USA, wobei er spannende Einblicke zu Beweggründen und Hürden wie Reisebeschränkungen und Kosten gibt. Im Referendariat führte ihn sein Weg schließlich durch Kollegentipps und Workshops zu Kirkland & Ellis nach München und später nach London in die Wahlstation – mit einem besonderen Fokus auf das Arbeiten in internationalen Teams und die Vorteile, als deutscher Jurist auch im Ausland eingesetzt zu werden. Fabian erklärt anschaulich, was ein Associate im Bereich Corporate Private Equity bei Kirkland eigentlich macht, wie Transaktionen ablaufen und wie Berufseinsteiger eingebunden werden. Welche Weichenstellungen waren für seinen Karriereweg entscheidend? Wie läuft eine Wahlstation in internationalen Großkanzleien ab und was unterscheidet die Arbeit zwischen London und München? Muss man fachliche Vorkenntnisse im M&A mitbringen oder sind Neugier und Engagement wichtiger? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
