Inhaltsüberblick
- Das kommerzielle Repetitorium: Struktur und Führung
- Universitäres Repetitorium als Alternative
- Selbststudium: Maximale Flexibilität, maximale Disziplin
- Die Hybridlösung: Beides kombinieren
- Nach dem Durchfallen: Neustart planen
- Antworten auf 12 Fragen aus der Praxis
- Konkrete Tipps unserer Experten aus dem Podcast
Repetitorium oder Selbststudium: Welcher Weg führt zum erfolgreichen Jura-Examen?
Die Entscheidung zwischen kommerziellem Repetitorium und Selbststudium ist eine der wichtigsten strategischen Weichenstellungen in der Examensvorbereitung. Beide Wege haben klare Vor- und Nachteile, und die richtige Wahl hängt von individuellen Faktoren wie Lerntyp, Selbstdisziplin, finanziellen Möglichkeiten und vorhandenem Vorwissen ab. Eines vorweg: Beide Wege können zum Prädikatsexamen führen – entscheidend ist die konsequente Umsetzung.
Das kommerzielle Repetitorium: Struktur und Führung
Kommerzielle Repetitorien bieten einen festen Lernplan, erfahrene Dozenten und strukturiertes Material. Jan Kaiser, Gründer der Kaiserseminare, erläutert in Episode 142 die Philosophie seines Repetitoriums und gibt konkrete Examenstipps. Der größte Vorteil des Reps liegt in der vorgefertigten Struktur: Kandidaten müssen sich nicht selbst um Stoffauswahl und Zeitplanung kümmern, sondern können sich voll auf das Lernen konzentrieren.
Allerdings sind Repetitorien nicht billig – die Kosten liegen je nach Anbieter zwischen 1.500 und 3.000 Euro für einen Jahreskurs. Außerdem passt das Tempo nicht für jeden: Manche Kandidaten brauchen mehr Zeit für bestimmte Themen, während andere in Bereichen, die sie bereits beherrschen, im Rep-Kurs sitzen und sich langweilen.
Universitäres Repetitorium als Alternative
Viele Universitäten bieten mittlerweile eigene Examensvorbereitungskurse an – kostenlos oder günstig. In Episode 155 plädiert Professorin Barbara Dauner-Lieb dafür, diese Angebote ernst zu nehmen. Die Qualität variiert zwar zwischen den Fakultäten, doch die besten universitären Reps bieten wissenschaftlich fundierte Lehre mit direktem Zugang zu Prüferinnen und Prüfern – ein Vorteil, den kein kommerzieller Anbieter bieten kann.
Selbststudium: Maximale Flexibilität, maximale Disziplin
Wer sich für das Selbststudium entscheidet, gewinnt volle Flexibilität bei Tempo, Schwerpunktsetzung und Tagesablauf. In Episode 87 gibt Barbara Dauner-Lieb Tipps für die Organisation von Lern- und Arbeitsgruppen, die beim Selbststudium eine zentrale Rolle spielen. Eine gute Lerngruppe ersetzt teilweise die Struktur des Repetitoriums und bietet zusätzlich den Vorteil des gegenseitigen Erklärens und Diskutierens.
Die Herausforderung beim Selbststudium liegt in der Selbstorganisation. Ohne externen Rahmen muss man sich selbst Deadlines setzen, Material zusammenstellen und den Fortschritt kontrollieren. In Episode 91 werden konkrete Strategien für effizientes und erfolgreiches Lernen vorgestellt, die gerade für Selbstlerner unverzichtbar sind.
Die Hybridlösung: Beides kombinieren
In der Praxis wählen viele Examenskandidaten einen Mittelweg: Sie nutzen ein Repetitorium als Grundgerüst und ergänzen es durch eigenständige Vertiefung in schwachen Bereichen. Max Lieb beschreibt in Episode 68 seinen Weg zu einem guten Staatsexamen – ein Beispiel dafür, wie individuelle Strategien zum Erfolg führen.
- Rep + eigene Klausurenübung: Den Rep-Kurs besuchen und zusätzlich Probeklausuren schreiben
- Rep + Lerngruppe: Die Gruppe nutzen, um Rep-Stoff zu vertiefen und Lücken zu schließen
- Selbststudium + Klausurenkurs: Eigenständig lernen, aber einen externen Klausurenkurs für Feedback nutzen
- Uni-Rep + kommerzielles Material: Den kostenlosen Uni-Kurs mit Skripten kommerzieller Anbieter ergänzen
Nach dem Durchfallen: Neustart planen
Wer im Examen durchfällt, steht vor der Frage, ob der bisherige Ansatz überdacht werden muss. In Episode 97 spricht Barbara Dauner-Lieb offen über das Thema Durchfallen, Zweitversuch und Networking. Ein gescheiterter Erstversuch ist kein Karriereende – oft ist der Zweitversuch sogar besser, weil die Kandidaten ihre Schwächen nun genau kennen und den Lernansatz gezielt anpassen können. Gerade hier kann der Wechsel zwischen Repetitorium und Selbststudium sinnvoll sein.
Fragen & Antworten
12 Antworten aus Podcast-Episoden
Ich meine damit Tatbestände, die in Vorlesung und Repetitorium oft ans Ende rutschen – etwa weil wir uns auf Betrug, Diebstahl oder Tötungsdelikte konzentrieren. Sie erscheinen unscheinbar, tauchen aber plötzlich in Examenssachverhalten auf. Gerade weil sie selten gelehrt werden, schenken Prüfer ihnen gern Aufmerksamkeit – also vergiss sie nicht!
Aus Episode #345
IME036: Vergessene Delikte Teil I, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, falsche Verdächtigung, Strafvereitelung (§§ 113, 114, 145d, 164, 258 StGB)
mit Prof. Dr. Charlotte Schmitt-Leonardy
Das sagen unsere Experten
„Das Repetitorium gibt Struktur, aber es ersetzt nicht das eigenständige Denken. Wer nur passiv im Rep sitzt und mitschreibt, wird davon allein kein gutes Examen machen.“
„Mein Ansatz bei den Kaiserseminaren ist es, den Stoff so zu vermitteln, dass er im Gedächtnis bleibt. Ein gutes Repetitorium arbeitet mit Beispielen, Fällen und Wiederholung – nicht mit Frontalunterricht.“
„Lerngruppen sind das Geheimrezept für erfolgreiche Selbstlerner. In der Gruppe erklärst du anderen den Stoff – und merkst sofort, wo du selbst noch Lücken hast.“
„Durchfallen im Freiversuch ist kein Weltuntergang. Viele nutzen die Erfahrung, um ihre Strategie komplett umzustellen – und erzielen im Zweitversuch ein deutlich besseres Ergebnis.“
„Das Jurastudium ist reformbedürftig – auch was die Examensvorbereitung angeht. Dass Studierende auf teure kommerzielle Repetitorien angewiesen sind, darf kein Dauerzustand sein.“
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
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Im vierten Teil unserer strafrechtlichen Examensreihe dreht sich zum zweiten Mall alles um Täterschaft und Teilnahme. Charlotte Schmitt-Leonardy, die bereits in der ersten Folge das Konzept der "Zwiebelstruktur" eingeführt hat, widmet sich einem der äußeren Ringe: Mittelbare Täterschaft, Anstiftung und Beihilfe. Welche Rolle spielt die beherrschende Stellung des mittelbaren Täters? Wie erkennt man in einer Klausur, ob es sich um eine mittelbare Täterschaft oder doch "nur" um eine Anstiftung handelt? Und was genau ist eigentlich der Unterschied zwischen einem intensiven Mitwirken und einer psychischen Unterstützung im Kontext der Beihilfe? Antworten auf diese Fragen sowie Audio-Mini-Repetitorium zur gesamten Thematik erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß – und viel Erfolg für Eure Examensvorbereitung!
IMR028: Referendariat, Gericht, Staatsanwalt und Anwaltschaft | Interview Rechtsanwalt
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Erfahre im Interview mit Rechtsanwalt Thomas Ackermann, LL.M. alles zu deinem Referendariat. Warum sollte man überhaupt das Referendariat machen, nachdem man das Jurastudium hinter sich gebracht hat? Wie läuft der Anmeldeprozess ab? Wovon lebt man währenddessen? Wie sieht es mit Zuverdienstmöglichkeiten aus? Welche Gesichtspunkte sollte man bei der Wahl seiner Stationen bedenken und warum ist eine Auslandsstation (über das auswärtige Amt oder bei einer Kanzlei) besonders zu empfehlen? Hört selbst:
IMR142: Kaiserseminare, Repetitorium, Examenstipps, Jura-Referendariat, Familienunternehmen
mit Jan Kaiser
In der heutigen Folge spricht Jan Kaiser über die Arbeit der Kaiserseminare als Repetitorium für das zweite Staatsexamen. Als kleines Unternehmen mit Bruder und Vater begonnen, ist das Familienunternehmen heute deutschlandweit bekannt und erfolgreich. Wie kommt man dazu, Seminare für die Vorbereitung auf das zweite Staatsexamen anzubieten? Wie wird daraus ein erfolgreiches Familienunternehmen? Warum lohnt es sich, ein Reptitorium für das zweite Examen zu besuchen? Welche Motivation hatten Jan und sein Bruder, nicht in klassischen juristischen Berufen, sondern als Repetitor tätig zu sein? Wie hat Corona das Geschäft verändert? Und was haben Juraklausuren mit Kinderbüchern gemeinsam? Außerdem diskutieren wir das zweite Staatsexamen ganz allgemein: Wie viele Klausuren solltet Ihr schreiben, um das Examen zu bestehen? Was braucht es für ein Prädikat – und wie bewahrt man bei all dem Examensdruck Ruhe? Wie hat sich die Examensprüfung in den letzten 20 Jahren gewandelt? Neben Antworten auf diese Fragen erhaltet Ihr von Jan die Top3-Examenstipps. Viel Spaß beim Anhören!
IME001: How to Jurastudium, FAQ, Orientierungshilfe Jura studieren (Spezial)
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In Folge 155 von Eurem Jura-Karrierepodcast ist ein allseits bekanntes Gesicht zu Gast: Prof. Dr. Dr. h.c. Dauner-Lieb. Die Episode startet mit einer Ankündigung: Ab Mai 2023 wird es mit Prof. Dauner-Lieb bei IMR eine dauerhafte Serie zur zivilrechtlichen Examensvorbereitung geben: "Irgendwas mit Examen". Immer donnerstags erhaltet Ihr wertvollen Input zu allen examensrelevanten Themen im Zivilrecht. Dies ist die perfekte Begleitung zu Eurem Lernplan, Repetitorium sowie Eurer Lerngruppe. Anschließend besprechend wir die häufigsten Fragen, die uns bezüglich des Jurastudiums erreicht haben, wobei wir die Perspektive von Studienanfängern einnehmen. Wie sieht eine gute juristische Klausur aus? Wie ist das Jurastudium aufgebaut? Aus welcher Motivation heraus sollte man Jura studieren - und wann vielleicht auch besser nicht? Warum bedarf es neben den Staatsexamen eines zusätzlichen Bachelor-Abschlusses? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt es im Podcast. Viel Spaß mit diesem Spezial um Einstieg in Euer Jurastudium!
