Inhaltsüberblick
Der Weg zum Prädikat: Warum Mentale Stärke im Examen den Unterschied macht
Du steckst mitten in der Examensvorbereitung oder hast das erste Staatsexamen fest im Blick? Dann weißt du: Jura ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Doch während wir hunderte Stunden in Definitionen zum Erlaubnistatbestandsirrtum oder die Drittschadensliquidation investieren, vernachlässigen viele den entscheidenden Faktor für den Erfolg am Tag X: die mentale Stärke im Examen. In über 300 Episoden von „Irgendwas mit Recht“ haben wir mit Top-Jurist:innen gesprochen, die eines bestätigen: Fachwissen ist die Basis, aber die mentale Verfassung entscheidet darüber, ob du dieses Wissen unter Hochdruck auch abrufen kannst.
Mentale Fitness ist dabei weit mehr als nur ein Modewort. Wie Professorin Barbara Dauner-Lieb in Episode 341 eindrucksvoll beschreibt, handelt es sich um eine „geistig-seelische Kondition“. Es geht darum, Gelassenheit und Konzentration auch dann zu bewahren, wenn der Sachverhalt in der Klausur scheinbar unlösbar wirkt. Diese Resilienz ist nicht gottgegeben, sondern lässt sich trainieren – genau wie das Lösen von zivilrechtlichen Fällen. Wer versteht, dass das Gehirn unter Dauerstress blockiert, beginnt die Examensvorbereitung mental zu strukturieren, anstatt nur blind Zeit zu investieren.
Ein wesentlicher Aspekt ist die Überwindung der „mentalen Hürde“. Susanne Friedrich berichtet in Episode 327, wie sie durch ihre praktische Tätigkeit im Finanzamt eine Routine entwickelte, die sie eins-zu-eins auf den Freischuss übertragen konnte. Durch das tägliche Schreiben von Veranlagungen und die Gewöhnung an permanente Klausursituationen verlor die Prüfung ihren Schrecken. Diese Routine ist ein mächtiges Werkzeug: Wer das Schreiben von Klausuren als Handwerk begreift, reduziert die Angst vor dem weißen Blatt. Es geht darum, die mentale Trennung zwischen Ausbildung und Praxis aufzuheben, wie auch Jens Prömse in Episode 21 betont. Wer das Studium nur als lästige Hürde sieht, vergibt die Chance, bereits frühzeitig die Fähigkeiten zu trainieren, die später im Berufsleben – sei es in der Großkanzlei oder im Staatsdienst – entscheidend sind.
Gegen die gefürchtete „Lernbulimie“ hilft laut Charlotte Schmitt-Leonardy in Episode 259 vor allem eines: inhaltliche Ankerpunkte und mentale Bilder. Anstatt stumpf Karteikarten auswendig zu lernen, solltest du auf nachhaltige Lernstrategien setzen. Das wiederholbare Hören von Podcasts oder das Einbetten von Wissen in Geschichten sorgt dafür, dass die Inhalte auch in Stresssituationen abrufbar bleiben. Mentale Stärke bedeutet auch, sich selbst Pausen zu gönnen und das soziale Umfeld aktiv einzubinden. In Episode 91 erklärt Barbara Dauner-Lieb, wie wichtig es ist, Freunde und Familie offen über die fordernde Phase zu informieren und feste Termine für den Austausch einzuplanen. Dies verhindert die gefürchtete Angstspirale und wahrt den notwendigen Fokus.
Abschließend zeigt das Beispiel von Johannes Janning in Episode 78, dass auch individuelle Rituale eine enorme Rolle spielen. Ob es das NBA-Hype-Video am Morgen oder die klassische Musik im Zug ist – solche Anker helfen dabei, den „Tunnelblick“ zu aktivieren und Nebengeräusche im Prüfungsraum auszublenden. Mentale Stärke im Examen ist also ein Mosaik aus Routine, Lernstrategie, sozialem Rückhalt und individueller Vorbereitung.
Fragen & Antworten
13 Antworten aus Podcast-Episoden
Ich meine damit die geistig-seelische Kondition, die Gelassenheit, Konzentration, Stressresilienz und echte Heiterkeit ermöglicht. Mentale Fitness heißt nicht nur cool wirken, sondern in herausfordernden Phasen wirklich ausgeglichen bleiben – genau das brauchen wir im Studium wie im Berufsleben.
Aus Episode #341
IME034: Mentale Gesundheit in der Examensvorbereitung, Stressmanagement, das Lernen lernen, nicht nur blind Zeit investieren, Examensvorbereitung mental strukturieren
mit Prof. Dr. Dr. h.c. Barbara Dauner-Lieb
Das sagen unsere Experten
Um die Herausforderung Staatsexamen nicht nur zu bestehen, sondern souverän zu meistern, bedarf es einer Strategie, die über das bloße Lehrbuchwissen hinausgeht. Hier sind die wertvollsten Tipps aus unserem Podcast-Netzwerk:
Mentale Fitness heißt nicht nur cool wirken, sondern in herausfordernden Phasen wirklich ausgeglichen bleiben – genau das brauchen wir im Studium wie im Berufsleben.
Dieser Einblick verdeutlicht, dass mentale Gesundheit kein Luxusgut ist, sondern eine „Examensressource“. Wer mental fit ist, kann Stress nicht nur aushalten, sondern produktiv nutzen. In der Branche wird dies zunehmend erkannt: Viele Großkanzleien bieten heute bereits Coaching-Plattformen und Employee Assistance Programs an, um die mentale Belastung ihrer Associates aufzufangen.
Im Prüfungsraum Tunnelblick: Temperatur, Nebengeräusche blende ich aus. Danach Kopfhörer, Hip-Hop, zwei Stunden komplette Ruhe. Kein Nachbesprechen – Spiel vorbei, nächstes Match.
Jannings Ansatz zeigt die Bedeutung von psychologischer Grenzziehung. Das „Nachbesprechen“ von Klausuren ist oft eine Quelle für unnötige Panik. Mentale Stärke bedeutet hier, eine abgeschlossene Leistung auch mental abzuhaken, um Energie für die nächste Herausforderung zu sparen.
Diese Routine, knifflige Sachverhalte in kurzer Zeit schriftlich zu lösen, übertrug ich eins-zu-eins aufs Examen. So fiel die mentale Hürde.
Die Erkenntnis von Susanne Friedrich ist goldwert für alle, die vor der Klausurenphase erstarren. Die „mentale Hürde“ schrumpft, wenn die Tätigkeit des Schreibens zur Gewohnheit wird. Dies lässt sich durch wöchentliche Probeklausuren unter Echtzeitbedingungen simulieren.
Das ist zentral wichtig. Das ist fürs mentale Überleben und für den Kontakt [zu Freunden und Familie].
Oft neigen Studierende dazu, sich in der Examensvorbereitung komplett zu isolieren. Doch genau diese Isolation befeuert die Angst. Der Kontakt zur Außenwelt erdet und erinnert daran, dass es ein Leben jenseits der Bibliothek gibt – eine essenzielle Erkenntnis für die langfristige Motivation.
Handlungsempfehlung: Beginne frühzeitig damit, deine mentale Verfassung als Teil deiner Vorbereitung zu begreifen. Erstelle dir Rituale, suche dir eine feste Lerngruppe (wie in Episode 331 empfohlen) und betrachte Pausen nicht als Zeitverschwendung, sondern als notwendige Regeneration für dein wichtigstes Werkzeug: deinen Kopf.
Vertiefung: Mentale Stärke im Examen im Detail
Wenn wir über mentale Stärke im Examen sprechen, müssen wir auch über den Umgang mit Rückschlägen reden. In Episode 331 berichtet Sina Lotfipour über den Berufseinstieg trotz eines Durchfallens im Freiversuch. Dies ist ein entscheidender Punkt: Mentale Stärke bedeutet auch, die eigene Identität nicht ausschließlich über die Examensnote zu definieren. Ein Rückschlag im Freischuss ist kein Karriereende, sondern oft ein Moment der notwendigen Selbstreflexion und Neuausrichtung der Lernstrategie.
Ein weiterer tiefgreifender Aspekt ist die zeitliche Dimension der mentalen Belastung. Anna Masser beschreibt in Episode 109 im Kontext von internationalen Schiedsverfahren, dass sie für ein zweiwöchiges Hearing mental ein halbes Jahr blockt. Diese Analogie lässt sich hervorragend auf das Staatsexamen übertragen. Die Monate der Vorbereitung sind eine Phase „hoher Last“, die durch Phasen der „niedrigen Last“ ausgeglichen werden müssen. Wer versucht, über 12 Monate hinweg bei 100% Intensität zu fahren, riskiert einen mentalen Burnout noch vor der ersten Klausur.
Interessant ist zudem der Blick auf die spätere Karriere. Die hohen Einstiegsgehälter in Großkanzleien, die 2024/2025 oft zwischen 160.000 € und 180.000 € liegen, werden oft als „Schmerzensgeld“ für die hohe mentale Belastung und die langen Arbeitszeiten gesehen. Doch Geld allein kompensiert keinen psychischen Verschleiß. Wer bereits im Studium lernt, seine mentale Fitness zu managen, ist besser auf die Anforderungen in Spitzenkanzleien oder im anspruchsvollen Staatsdienst (R1-Besoldung) vorbereitet. Mentale Stärke ist somit eine Investition, die sich über die gesamte berufliche Laufbahn auszahlt – von der ersten Klausur im ersten Semester bis hin zur Partnerschaft in einer Kanzlei oder dem Richteramt.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Vorbereitung auf das Staatsexamen ist ein psychologisches Projekt. Nutze die Tools der Profis: Schaffe Routinen, bleibe sozial vernetzt, lerne nachhaltig durch Geschichten und akzeptiere, dass Pausen Teil des Erfolgsplans sind. Dein Kopf wird es dir am Tag der Prüfung danken.
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
3 relevante Podcast-Folgen
mit Sina Lotfipour
IME034: Mentale Gesundheit in der Examensvorbereitung, Stressmanagement, das Lernen lernen, nicht nur blind Zeit investieren, Examensvorbereitung mental strukturieren
mit Prof. Dr. Dr. h.c. Barbara Dauner-Lieb
341. Episode von IMR und zugleich die 34. Folge Irgendwas mit Examen: In dieser Folge spricht Marc erneut mit Prof. Dr. Dr. h.c. Barbara Dauner-Lieb. Es geht um mentale Fitness im Jurastudium und insbesondere in der Examensvorbereitung. Sie erläutert, was mentale Fitness von bloßer Leistungsoptimierung unterscheidet, wie sich ungesunder Dauerstress zeigt und wo die Grenze verläuft, ab der Studierende professionelle psychologische oder ärztliche Hilfe suchen sollten. Thematisiert werden außerdem typische Denkfehler in der Examensphase, etwa die Fixierung auf reine Lernzeit statt auf Lerntechnik und juristisches Handwerkszeug, der Einfluss von Lerngruppen und sozialen Kontakten sowie der Umgang mit vergleichsweise schlechten Klausurergebnissen. Barbara stellt konkrete, alltagstaugliche Strategien vor – von bewusster Planung der Examensvorbereitung über Gehen, Atmung, autogenes Training, Yoga und Tagebuchschreiben bis hin zu Routinen wie früh aufstehen, anfangen, dranbleiben, Nein sagen und freundlich mit sich selbst umgehen. Welche einfachen Routinen lassen sich trotz voller Lernpläne wirklich dauerhaft integrieren? Wie kann man Lerntechniken so anpassen, dass man mit weniger Zeitaufwand bessere Ergebnisse erzielt? Und wie gelingt es, eine gesunde Distanz zum Notendruck zu entwickeln, ohne die eigenen Ziele aus den Augen zu verlieren? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
IMR229: Familienleben und Großkanzlei, Kinderreiche Partner, mentale Gesundheit und Kanzleialltag
mit Marina Arntzen
Herzlich willkommen zum zweiten Teil unserer dieswöchigen Doppelfolge mit Marina Arntzen und Stefan Bruder von Ashurst! In dieser Folge sprechen wir über die privateren Teile des Anwaltsseins. Wie schafft man es, mit mehreren Kindern Karriere zu machen? Wie organisieren Marina und Stefan ihren jeweiligen Tag, damit dies klappen kann? Wie bleibt man geistig und mental bei dieser Vielzahl von Herausforderungen gesund? Antworten auf diese und viele weitere Aspekte moderner Anwaltspersönlichkeiten hört Ihr in dieser Folge Eures Jurapodcasts. Viel Spaß!
