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Anwaltsstation in der Großkanzlei: Dein Weg zum Karrierestart

Erfahre alles über die Anwaltsstation in der Großkanzlei. Tipps zu Gehalt, Spezialisierung & Networking von Top-Juristen aus dem IMR-Podcast. Jetzt lesen!

17 Fragen beantwortet
2 Podcast-Episoden
3 Experten
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf · Aktualisiert Januar 2026

Inhaltsüberblick

Die Anwaltsstation in der Großkanzlei: Mehr als nur ein Karriereschritt

Das Rechtsreferendariat ist die Brücke zwischen der Theorie des Studiums und der harten Praxis des Anwaltsberufs. Besonders die Anwaltsstation in einer Großkanzlei übt auf viele Referendarinnen und Referendare eine enorme Faszination aus. Doch was erwartet Dich dort wirklich? Geht es nur um exzellente Noten und lange Nächte, oder bietet die Arbeit im internationalen Mandatsumfeld Chancen, die Du woanders nicht findest? In über 300 Episoden von "Irgendwas mit Recht" haben wir mit Expertinnen und Experten gesprochen, die genau diesen Weg gegangen sind und heute erfolgreich in führenden Kanzleien tätig sind.

Die Entscheidung für eine Großkanzlei (GK) wird oft durch den Wunsch nach fachlicher Tiefe und einem globalen Arbeitsumfeld getrieben. Amelie Wagner betont in Episode 25, dass sie sich gerade wegen der Kombination aus juristischer Komplexität und einer überraschend offenen, kollegialen Atmosphäre für diesen Weg entschied. Entgegen mancher Klischees erlebte sie eine Kultur, in der sich alle duzen und Türen offen stehen – ein Umfeld, das den Übergang vom Referendar zur Anwältin enorm erleichtert. Wer die Anwaltsstation erfolgreich meistert, legt oft den Grundstein für den späteren Jobeinstieg in derselben Einheit.

Spezialisierung und Richtungswechsel: Die Anwaltsstation als Kompass

Ein wesentlicher Vorteil der Anwaltsstation ist die Möglichkeit, Rechtsgebiete in der Praxis zu testen, die im Studium oft zu kurz kommen. Dr. Jan Heuer berichtet in Episode 230, wie ihn erst die Station bei einer Großkanzlei wie Noerr vom Öffentlichen Recht zum Arbeitsrecht brachte. Statt monatelang Genehmigungsakten zu wälzen, konnte er plötzlich pragmatische Lösungen für reale Probleme liefern. Diese Mischung aus Tempo und Menschennähe ist bezeichnend für viele Praxisbereiche in der Großkanzlei. Auch Petra Römers unterstreicht in Episode 194, dass die Arbeit an echten Marken- und Patentfällen bereits als Referendarin einen enormen Motivationsschub gab, der weit über das bloße Aktenstudium hinausging.

Doch wie findet man den Fuß in die Tür? Oft sind es informelle Wege oder gezielte Events. Fabian Waterhölter schildert in Episode 298, wie er über einen Restructuring-Workshop den Kontakt zu Kirkland & Ellis knüpfte. Diese ungezwungene Atmosphäre ermöglichte es ihm, das Team vorab kennenzulernen, bevor er sich offiziell für die Anwaltsstation im Corporate-Bereich bewarb. Solche Einblicke sind Gold wert, um zu prüfen, ob der „Cultural Fit“ wirklich gegeben ist.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Realität

Neben der inhaltlichen Arbeit spielen natürlich auch die Rahmenbedingungen eine Rolle. In der Branche ist es üblich, dass Großkanzleien eine Zusatzvergütung zahlen, die deutlich über der staatlichen Unterhaltsbeihilfe liegt. Aktuelle Marktdaten (Stand 2024/2025) zeigen, dass Top-Kanzleien wie Milbank oder Kirkland & Ellis bis zu 1.500 € pro Wochenarbeitstag im Monat zahlen. Bei einer 4-Tage-Woche kann dies eine Brutto-Zusatzvergütung von bis zu 6.000 € bedeuten. Viele Kanzleien bieten zudem Modelle an, bei denen das Gehalt während der sogenannten "Tauchstation" – der intensiven Lernphase vor dem zweiten Staatsexamen – weitergezahlt wird. Dies bietet eine finanzielle Sicherheit, die es erlaubt, sich voll auf die Examensvorbereitung zu konzentrieren, nachdem man wertvolle Praxiserfahrung gesammelt hat.

Fragen & Antworten

17 Antworten aus Podcast-Episoden

Während der Anwaltsstation merkte ich, dass ich im internationalen Mandatsumfeld fachlich herausgefordert werde und gleichzeitig eine offene, kollegiale Atmosphäre vorfinde – hier duzen sich alle, die Türen stehen offen. Die Kombination aus juristischer Tiefe, globalen Fällen und guter Kultur machte mir die Entscheidung leicht.

IMR025: Großkanzlei Mergers and Acquisitions and the first years | Interview Rechtsanwältin

Aus Episode #25

IMR025: Großkanzlei Mergers and Acquisitions and the first years | Interview Rechtsanwältin

mit Amelie Wagner

Das sagen unsere Experten

Die Wahl der Anwaltsstation sollte wohlüberlegt sein, da sie oft die Weichen für die gesamte Karriere stellt. Unsere Gäste aus dem Podcast teilen ihre Erfahrungen, warum die Großkanzlei für sie der richtige Ort war:

Während der Anwaltsstation merkte ich, dass ich im internationalen Mandatsumfeld fachlich herausgefordert werde und gleichzeitig eine offene, kollegiale Atmosphäre vorfinde – hier duzen sich alle, die Türen stehen offen. Die Kombination aus juristischer Tiefe, globalen Fällen und guter Kultur machte mir die Entscheidung leicht.

Analyse: Amelie zeigt auf, dass der "Cultural Fit" in der GK oft unterschätzt wird. Die fachliche Herausforderung ist das eine, aber die tägliche Zusammenarbeit in einem modernen Team ist das, was langfristig motiviert.

Während der Anwaltsstation bei Nörr erlebte ich erstmals echte arbeitsrechtliche Fälle. Plötzlich konnte ich sofort Lösungen liefern statt monatelang Genehmigungsakten zu wälzen. Die Mischung aus Tempo, Menschennähe und Pragmatismus hat mich begeistert.

Analyse: Jan Heuers Erfahrung verdeutlicht, dass die Anwaltsstation die perfekte Zeit für Experimente ist. Wer im Studium auf ein Gebiet fixiert war, sollte die GK nutzen, um angrenzende oder völlig neue Bereiche wie das Arbeitsrecht kennenzulernen.

In meiner Anwaltsstation habe ich internationale Deals steuerlich strukturiert und gemerkt, wie spannend es ist, Zukunft zu gestalten statt Vergangenes zu prüfen. Die Fälle waren vielfältig, die Teams interdisziplinär, die Lernkurve steil.

Analyse: Die gestaltende Beratung ist ein Kernmerkmal der Großkanzlei-Tätigkeit. Jan Hobus macht deutlich, dass gerade im Steuerrecht der Wechsel von der Verwaltung in die Kanzlei einen Shift von der Prüfung hin zur kreativen Gestaltung bedeutet.

Ein Kommilitone erzählte begeistert vom Münchner Team. Ich meldete mich für einen Restructuring-Workshop an, erlebte ungezwungene Atmosphäre und bewarb mich anschließend für die Anwaltsstation. So lernte ich das Team von innen kennen.

Analyse: Networking ist alles. Fabian nutzte Workshops als risikoarmen Weg, um die Realität hinter der glänzenden Fassade einer US-Kanzlei zu prüfen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Nutze die Anwaltsstation nicht nur als Pflichtprogramm, sondern als aktive Testphase für Deine Karriere. Suche den Kontakt zu Teams bereits vorab über Events und achte darauf, in einem Bereich zu landen, der Dir echte Gestaltungsmöglichkeiten bietet.

Vertiefung: Anwaltsstation in der Großkanzlei im Detail

Wer sich für eine Anwaltsstation in einer Großkanzlei entscheidet, sollte die strukturellen Besonderheiten verstehen. Ein zentraler Aspekt ist die Verknüpfung verschiedener Rechtsgebiete bei komplexen Transaktionen. Wie Christian König in Episode 302 beschreibt, bieten gerade internationale Restrukturierungen ein Umfeld, in dem man als Referendar sofort Teil eines interdisziplinären Teams wird. Man lernt hier nicht nur das materielle Recht, sondern auch Projektmanagement und die Arbeit mit modernen Tools wie KI, was in der klassischen Ausbildung oft vernachlässigt wird.

Staatliche Verteidigung vs. Private Interessen

Ein weiterer spannender Aspekt ist der Vergleich zwischen staatlicher Sichtweise und privater Interessenvertretung. Arne Fuchs schildert in Episode 200, wie er seine Stationen strategisch wählte: Anwaltsstation in einer Schiedskanzlei in Frankfurt und Wahlstation im Bundeswirtschaftsministerium. Diese Kombination ermöglichte es ihm, beide Seiten – die Verteidigung des Staates vor dem EuGH und die Vertretung privater Investoren – zu verstehen. Für eine Karriere in der Großkanzlei, insbesondere im Bereich Dispute Resolution oder Public Law, ist dieses doppelte Verständnis ein unschätzbarer Vorteil.

Der Weg zum Jobeinstieg

Die Anwaltsstation fungiert in der Großkanzlei faktisch als mehrmonatiges Vorstellungsgespräch. Dr. Christian Hoppe betont in Episode 201, wie wichtig ein strukturiertes Onboarding und die Integration in das Team sind. Wenn die Chemie stimmt und die Leistung überzeugt, erfolgt das Angebot zum Jobeinstieg oft noch vor dem zweiten Staatsexamen. Dabei sind die Einstiegsgehälter in Tier-1-Kanzleien mit 140.000 € bis 180.000 € (Stand 2025) ein starkes Argument, erfordern aber auch die Bereitschaft, in einem hochperformanten Umfeld zu agieren. Wer jedoch bereits in der Anwaltsstation gemerkt hat, dass ihm die Arbeit an komplexen, internationalen Fällen Freude bereitet (wie von Dr. Constanze Krenz in Episode 174 für das Patentrecht beschrieben), für den ist die Großkanzlei der ideale Startpunkt für eine steile Lernkurve.

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.

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