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Jura-Referendariat: So planst du deine Stationen erfolgreich

Erfahre alles über das juristische Referendariat: Von der Stationenwahl bis zum zweiten Staatsexamen. Profitiere von Experten-Tipps aus dem IMR-Podcast!

30 Fragen beantwortet
30 Podcast-Episoden
30 Experten
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf · Aktualisiert Januar 2026

Inhaltsüberblick

Dein Weg durch das Referendariat: Mehr als nur eine Pflichtstation

Du hast das erste Staatsexamen in der Tasche – herzlichen Glückwunsch! Doch während die Erleichterung über den ersten großen Meilenstein noch nachklingt, klopft bereits die nächste große Herausforderung an die Tür: das juristische Referendariat. Für viele ist diese zweijährige Phase eine Mischung aus Vorfreude auf die Praxis und Respekt vor den neun (oder mehr) Klausuren am Horizont. In unserem Podcast „Irgendwas mit Recht“ haben wir mit über 300 Expertinnen und Experten gesprochen, die diesen Weg bereits gegangen sind. Dabei wurde eines klar: Das Referendariat ist nicht nur eine lästige Wartezeit auf das zweite Examen, sondern die vielleicht spannendste Zeit deiner Ausbildung.

Warum das so ist, erklärt unter anderem Constantin Rehaag in Episode 323. Er hebt hervor, dass das Referendariat die ideale Basis für eine spätere Promotion bietet. Anstatt rein dogmatisch zu forschen, ermöglichte ihm der Einblick in echte Verfahren, seine Forschungsfragen zu verfeinern. Wer erst die Praxis sieht, schreibt eine Doktorarbeit, die substanzielle Probleme der Gerichte aufgreift und nicht im sprichwörtlichen Elfenbeinturm verharrt. Diese Verzahnung von Theorie und Praxis ist ein roter Faden, der sich durch viele Karrieren zieht.

Die Stationen als „Spielwiese“ zur Orientierung

Ein wesentlicher Aspekt des Referendariats ist die Möglichkeit, in verschiedene Berufsfelder hineinzuschnuppern, ohne sich sofort festlegen zu müssen. Florian Weichselgärtner beschreibt das Referendariat in Episode 278 treffend als seine „Spielwiese“. Ob Gericht, Staatsanwaltschaft, Unternehmen oder Kanzlei – die Rotationen helfen dir dabei, Klischees zu prüfen. Vielleicht stellst du fest, dass die Arbeit in einer Großkanzlei doch spannender ist als gedacht, oder du entdeckst dein Herz für die Justiz. Diese Phase der „beruflichen Pubertät“ ist essenziell, um fundiert zu entscheiden, wo du langfristig glücklich wirst.

Interessanterweise dient das Referendariat oft dazu, herauszufinden, was man nicht möchte. Christiane Mühe berichtet in Episode 233, dass ihr die Stationen halfen, Optionen wie die Kommunalverwaltung oder das Richteramt auszuschließen. Während das einsame Schreiben von Gutachten am Richtertisch sie eher abschreckte, entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Verhandeln im Zivilrecht. Solche Erkenntnisse sind Gold wert, da sie den Fokus für den späteren Berufseinstieg schärfen.

Motivation und Spezialisierung: Strategische Planung

Wie man die Motivation über zwei Jahre hochhält, ist eine der am häufigsten gestellten Fragen. Mona Fuchs gibt in Episode 308 einen wertvollen Tipp: die Nebentätigkeit. Sie arbeitete bereits zwei Wochen nach Ref-Start in einer Kanzlei wie Clifford Chance. Dieser direkte Praxisbezug gab ihrem Lernen einen tieferen Sinn. Wenn du siehst, wofür du die ZPO-Schriftsatztechnik oder gesellschaftsrechtliche Feinheiten im echten Mandat brauchst, fällt das Büffeln für die Klausuren deutlich leichter. Es ist ein „Motivationsboost“, der dich durch die neun Examensklausuren tragen kann.

Auch für die Spezialisierung ist das Referendariat der ideale Zeitpunkt. Patrick Teubner Gomes zeigt in Episode 119, wie er seine Stationen gezielt im Kartellrecht legte – von der Kanzlei über Behörden bis hin zur Kommission. Durch diesen Fokus konnte er seine akademische Neugier in verschiedenen Institutionen testen und so den Grundstein für seine internationale Karriere als Associate in Brüssel legen. Nutze diese Zeit also nicht nur zum Reagieren, sondern zum aktiven Gestalten deines Profils.

Fragen & Antworten

30 Antworten aus Podcast-Episoden

Jura nutzt eine eigene Sprache, Abkürzungen und Kanzleinamen, die Außenstehende nie hören. Selbst ich musste Begriffe wie „Referendariat“ oder „Partner Track“ nachschlagen. Diese geschlossene Kultur schreckt Talente ab – genau dort setzen wir mit Aufklärung und Vernetzung an.

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Das sagen unsere Experten

Das Referendariat wird oft als „Salz in der Suppe“ der juristischen Ausbildung bezeichnet. Doch wie holt man wirklich das Beste aus diesen zwei Jahren heraus? Wir haben die prägnantesten Ratschläge unserer Gäste zusammengefasst.

Das Referendariat ist das Salz der Suppe: Man probiert Gerichte, Staatsanwaltschaft, Verwaltung, Kanzlei oder Ausland aus, ohne sich festzulegen. Dadurch entdeckt man, welcher Arbeitsstil wirklich passt, sammelt Prozessroutine und erwirbt mit dem Zweiten Examen ein Qualitätssiegel, das Karrierewege öffnet.

Ann-Marie Wolff, Präsidentin des Hanseatischen OLG in Bremen, betont hier die Bedeutung des Zweiten Staatsexamens als universellen Türöffner. Es ist das „Qualitätssiegel“, das dich für den Staatsdienst ebenso qualifiziert wie für die freie Wirtschaft. Die Vielfalt der Stationen ist dabei kein Selbstzweck, sondern dient der Ausbildung deines juristischen Handwerkszeugs.

Im Referendariat habe ich meine Stationen bewusst so gelegt, dass ich Kartellrecht in unterschiedlichen Institutionen sah – Kanzlei, Behörde, Kommission. Die praktische Arbeit bestätigte meine akademische Neugier und zeigte, dass ich mit dem Rechtsgebiet tatsächlich tagtäglich international tätig sein könnte.

Die Analyse von Patrick Gomes verdeutlicht, dass eine strategische Wahl der Wahlstationen (z.B. im Ausland oder bei spezialisierten Behörden) den Lebenslauf massiv aufwerten kann. Wer bereits im Ref zeigt, dass er für ein Thema brennt, hat beim Berufseinstieg einen klaren Vorteil.

Nach dem ersten Staatsexamen fehlte mir das echte Bild vom Berufsalltag. Ich wollte nicht „einfach weiterlaufen“, sondern erst prüfen, ob mich die anwaltliche Arbeit wirklich begeistert. Deshalb habe ich ein Jahr als wissenschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet [...] und mir so die nötige Motivation für das Referendariat erarbeitet.

Cornelia Finster spricht einen wichtigen Punkt an: Den Mut zur Pause. Nicht jeder muss sofort nach dem Freischuss ins Ref starten. Eine Zwischenstation als wissenschaftliche Mitarbeiterin kann nicht nur finanziell attraktiv sein, sondern auch die nötige Reife und Motivation für den Endspurt liefern.

Die Vielfalt der Stationen hielt mich wach: Richterbank, Staatsanwaltschaft, Botschaft in Namibia und die Lufthansa. Jede Woche im Sitzungssaal oder beim Urteilschreiben brachte neuen Schwung. Dabei habe ich vor allem entdeckt, was ich definitiv nicht machen möchte.

Tim Giesselmanns Erfahrung zeigt, dass auch ungewöhnliche Stationen – wie eine Botschaft oder ein Konzern – wertvolle Erkenntnisse liefern. Das „Aussortieren“ von Berufsfeldern ist genauso wichtig wie das Finden des Traumjobs. Wer weiß, dass er nicht zur Staatsanwaltschaft will, kann sich mit mehr Energie auf die Anwaltsstation konzentrieren.

Zusammenfassende Handlungsempfehlung

Basierend auf den Gesprächen im IMR-Podcast lässt sich festhalten: Plane dein Referendariat aktiv! Nutze die Verwaltungs- oder Wahlstation für Auslandsaufenthalte (wie Nico Kuhlmann im Silicon Valley in Episode 14) oder für Spezialisierungen. Sieh die Pflichtstationen bei Gericht und Staatsanwaltschaft als Chance, die „andere Seite“ kennenzulernen, was dir später als Anwalt enorme Vorteile in der Prozesstaktik verschafft.

Vertiefung: Referendariat allgemein im Detail

Das Referendariat ist rechtlich und organisatorisch streng durchgetaktet, bietet aber innerhalb dieses Rahmens enorme Freiheiten. Ein zentraler Punkt, der viele Referendare beschäftigt, ist die finanzielle Absicherung. Während die staatliche Unterhaltsbeihilfe je nach Bundesland zwischen ca. 1.380 € und 1.760 € brutto liegt, bieten insbesondere Großkanzleien attraktive Zuverdienstmöglichkeiten. Wie in Episode 308 am Beispiel von Clifford Chance angedeutet, können Zusatzvergütungen pro Wochenarbeitstag den monatlichen Spielraum deutlich erhöhen. Oft sind hier Beträge von 1.000 € bis 1.500 € pro Wochenarbeitstag üblich, was bei einer Nebentätigkeit von einem Tag pro Woche das Budget erheblich aufbessert.

Examenstipps und Vorbereitung

Neben der praktischen Arbeit bleibt das Ziel das Zweite Staatsexamen. Hier spielen Anbieter wie die Kaiserseminare eine entscheidende Rolle. Jan Kaiser erklärt in Episode 142, wie wichtig das Erlernen des „juristischen Handwerkszeugs“ ist. Im Gegensatz zum ersten Examen, das stark auf materielles Recht fokussiert, geht es im zweiten Examen primär um die prozessuale Einkleidung – den Obersatz, die Relation und die Zweckmäßigkeit. Das Schreiben von Klausuren unter Zeitdruck bleibt die wichtigste Vorbereitungsmethode, um die nötige Routine für die neun (oder mehr) Aufsichtsarbeiten zu entwickeln.

Karrierepfade nach dem Referendariat

Die Entscheidung, wohin die Reise nach dem Ref geht, hängt stark von den persönlichen Prioritäten ab. Wer höchste Gehälter anstrebt, findet in Tier-1-Großkanzleien Einstiegsgehälter von bis zu 180.000 €. Wer hingegen Wert auf Planbarkeit und Unkündbarkeit legt, findet im öffentlichen Dienst (R1/A13) mit ca. 55.000 € bis 65.000 € ein attraktives Paket, das durch Pensionen und Familienzuschläge oft unterschätzt wird. Boutiquen bieten hingegen einen Mittelweg: Hohe Spezialisierung und frühe Mandantenverantwortung bei oft sehr kompetitiven Gehältern. Das Referendariat ist die Zeit, in der du die Weichen für diese Entscheidung stellst. Nutze die Einblicke aus Episoden wie Episode 28 mit Thomas Ackermann, um den Anmeldeprozess und die Stationsplanung frühzeitig anzugehen und keine Fristen zu verpassen.

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.

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